Der Notausstieg für den Passagier.
Der in mir lebt, der in mir lacht.
Und bei Bedarf das Tor zumacht.
Am Ende nichts.
Nur Momente, die du nie vergisst.
„Wo kommst du her? So was wie dich hab ich noch nie gesehen.“
(Madsen – Die Perfektion)
Er sieht gut aus, hört gute Musik, besitzt sympathische Macken. Wir schweigen, lauschen der Musik, die mir aus der Seele spricht. Wir wechseln Fragen, die an Smalltalk erinnern („Bist du eigentlich religiös? Hast du Geschwister? Spielst du ein Instrument?“) aber es ist in Ordnung, weil sie dazu dienen, den anderen besser kennen zu lernen.
Und wieder schweigen wir. Und ich denke mir: „Ich bin langweilig. Was will der mit mir. Er wird längst das Interesse verloren haben. Noch mal will er sich bestimmt nicht mit mir treffen.“
Und dann. Dann fragt er mich. Wann wir uns wieder sehen.
Und ich frag mich, was habe ich, was andere nicht haben? Warum ich? Sieht er in mir irgendwas, was ich nicht bin? Oder etwas, was nie jemand zuvor in mir gesehen hat? Ich hätte nie geglaubt, dass so jemand wie er sich für mich auf irgendeine Art und Weise interessieren könnte. Wie lange wird es noch dauern bis ein erneutes Treffen ausgeschlossen ist?
Gleichzeitig hoffe ich, dass es ewig dauern wird. Dass ich noch tausend Mal seine Stimme hören darf, in sein wunderschönes Gesicht blicken kann, mit ihm lachen kann. Und er mich eines Tages in den Arm nimmt. Oder ich ihn. Egal. Hauptsache dieser Tag lässt nicht mehr lange auf sich warten.

"Vielleicht hätte sie gerne kurz in seinem Arm gelegen. Nur so. [...] Aber der Junge muss wohl noch geboren werden, der einen nur so in den Arm nimmt. Es sei denn, man kennt ihn schon hundert Jahre. Oder er ist schwul."
"Vielleicht gibt es Liebe ohne dass man sich megamäßig verknallt."
Sylvia
Eigentlich begegnete ich ihr bereits in Hannover. Sie war meine Mitfahrgelegenheit. Total sympathisch. Unterhaltung über Ost/West. Probleme, Dialekte und falsche Vorurteile. Sie vertritt die Meinung, dass es auf einen selbst ankommt wie andere Menschen einem selbst begegnen. Scheine sehr offen rüber gekommen zu sein, denn sie begegnete mir ebenso aufgeschlossen.
In ihrer Gegenwart fühlte ich mich nicht wie ein dummes Blondchen. Im Gegenteil. Es wurden schließlich Themen angesprochen, die mich interessieren. Da konnte ich mich einbringen. Nicht nur, was die Überbleibsel der DDR angeht - ich war zum Beispiel erstaunt darüber, dass ich noch wusste, um was es bei der ersten gestellten Millionenfrage bei Günther Jauch ging. Sie erinnerte sich sogar noch an die Frage.
Und ich steh’ total drauf, wenn man den östlichen Ursprung noch einen Tick heraushört. Da hat man bei mir automatisch ein Stein im Brett.
Ramid (oder so ähnlich)
Beifahrer von Sylvia. Marrokaner. Seit drei Jahren in Deutschland. Spricht (hoch-)deutsch mit französischem Akzent, was ihn stört. Mich aber nicht, gut verständlich. Im Gegensatz zu mir ist er auch noch der sächsischen Sprache mächtig. Das klang sowas von authentisch. "Fährst du nach Leipzig oder Leiiipsch?", "Fahr'n wa heeeeme", "Günddooar - die Kindoooar sind doooar." So geil! Wirklich! Ich dachte nur *mimimimimi*! Und tolle Augen hatte er. Und überhaupt. Hach! Ein Marrokaner, der sächseln kann... das erlebt man nicht alle Tage. Die Mitfahrerzentrale ist doch echt eine tolle Erfindung.
Freundliche Verkäuferinnen
Eines vorweg: Der erste Laden, den ich am Leipziger Bahnhof betrat, war auch der, in dem ich letztendlich - nach wochenlanger Suche - eine Winterjacke fand. Frieren tu’ ich trotzdem noch.
Ich freu mich ja wirklich immer über freundliche Verkäuferinnen. (Die es übrigens sowohl in Hannover auch in Leipzig gibt - nur begegnen sie mir in meiner Geburtsstadt öfter.) Aber: Ich kann nicht "Nein" sagen. Ich hab ein fürchterlich schlechtes Gewissen, wenn ich sagen muss: "Nein, die Jeans doch nicht." So zog ich diesen Satz ewig vor mir hin, probierte eine Jeans nach der anderen an, ließ mich beraten ohne Ende - um dann glücklicherweise doch "Nein" zu sagen.
Akkordeonspieler
Es ist so toll im Dunkeln durch Leipzig - oder eine beliebige andere Stadt - zu irren und dann Melodien eines Akkordeons zu vernehmen. Dann geht man noch ein Stückchen weiter und entdeckt Schokoäpfel. Würd' ich mir – meinen Zähnen zu Liebe - nicht unbedingt kaufen, aber trotzdem war es ein schönes Gefühl. Sowohl Freitag als auch am Samstag ging ich durch die Stadt und sehnte mich unheimlich nach Weihnachtsmarkt. Hat alles gepasst. Die Stimmung, die Temperatur... nur der Weihnachtsschmuck, die Musik, die Stände fehlten.
Buchläden
Eigentlich wollt ich Freitag abend noch weiter shoppen gehen, sprich nach Klamotten gucken - auch wenn ich meine gewünschte Winterjacke bereits "käuflich erworben" hatte. Doch der erste Buchladen machte mir einen Strich durch die Rechnung.
Ich steuerte direkt auf den Wühltisch zu und kam nicht umher, den Blick auf folgenden Titel fallen zu lassen: "Singles aus Leidenschaft". Der Klappentext passt exakt auf meine momentane Stimmung: "[...] Herzliche Absage an den Pärchenwahnsinn. [...] Singles genießen es, allein zu sein. Sie haben nichts gegen Liebe [...], nur brauchen sie zum Glück keine nervtötenden Beziehungen." Muss ich haben, dachte ich, wollte zur Kasse, als direkt darunter ein Buch mit folgendem Klappentext zum Vorschein kam: "Lang genug Single, Lust auf die große Liebe?[...]für bindungswillige Männer und Frauen." Dieser widersprüchlichen Kombination konnte ich nun wirklich nicht den Rücken kehren - bei je 1,99 € kann man ja auch nicht viel verkehrt machen. Ich kann mich immer noch drüber kaputtlachen.
Gitarristen
Neben dem Akkordeonspieler fanden auch noch andere Straßenmusiker mein Gehör. Wie zum Beispiel der Gitarrist der vor H&M unter anderem "Wonderwall" sang. Wunderschön. Ich liebe das. Nur leider finde ich in Hannover nie die Ruhe und Zeit, mich da wirklich mal ein paar Minuten hinzustellen, um zu lauschen. Selbst in Leipzig kommt man sich irgendwann dumm vor, wenn man da die ganze Zeit allein wie bestellt und nicht abgeholt rumsteht.
Genial war es damals mit Katrin S. auf der Bank in der Georgsstraße vor Deichmann. David Angelo. So einen Abend würd' ich gern nochmal erleben. Nächsten Sommer vielleicht...
Nummer Eins
Meine Nummer Eins war ja ganz stolz auf sich! Hatte nämlich ein Geschenk für mich. Ein Poloshirt mit Schafaufdruck. Als ich ihm sagte, er sei nicht der erste mit dieser Idee, wirkte er leicht bedrückt. Aber sein Shirt ist auch richtig toll! Das Schaf ist so knuffig! Er plant daraus eine Serie zu machen und bin die Erste, die es tragen (und dafür werben) darf - jaha, den ersten Interessenten gibt es schon: Klein Maria.
Klein Maria
Ist ja wirklich eine Liebe. Dann, wenn sie deine Hand nimmt, dich (überraschend) drückt, ein Küss'chen auf die Wange gibt, dir die halbe Portion Ketchup auf dein neues Fleeceshirt spritzt. Aber auf die Dauer... wirklich nervtötend. Wenn sie nicht ihren Willen kriegt, kann sie ziemlich bockig werden. Wahrscheinlich waren/sind wir alle so.
Ziege
Den Streichelzoo ließen sich Theresa und ich uns nicht nehmen. Auch wenn nur eine einzige Ziege zu streicheln war. Eine Gruppe Jugendlicher beobachtete uns amüsiert. Schließlich wollten wir wieder gehen, öffneten die erste Tür und was macht die Ziege! Sie rennt raus. Gab zum Glück noch eine zweite Tür, aber trotzdem... mussten wir sie halt erstmal wieder reinscheuchen. Das war - neben den Affen - das Erlebnisreichste am Zoobesuch.
Affen
Das Beste an jedem Zoobesuch. So menschlich. So unterhaltsam. Und so angriffslustig. Wollten gerade gehen als wir einen Affen entdeckten, der so vor der Glasscheibe saß. Andere fütterten ihn - ich blieb misstrauisch in sicherer Entfernung. Irgendwann kam zufällig ein Pfleger vorbei. Wollte ihn wieder zurücktreiben. Der Affe ist ihm beinahe ins Gesicht gesprungen und hat ihn böse angefaucht. Hilfe!
Junge Eltern
Wahnsinn wie viele junge Eltern mit im Zoo begegneten. Hielt es erst für ein Leipziger Phänomen, aber Lena meinte, dass sie in Hannover ähnliche Erfahrungen gemacht hätte.
Japaner
En masse. Auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Hübsch. Dünn. Top gestylt - wenn auch nicht meinen Geschmack treffend. Akzentfreies Deutsch sprechend.
Klofrau bei Mäcces
Ich hatte eine nette Unterhaltung mit der Klofrau von McDonalds. So erfuhr ich, was all die jugendlichen Japaner hier machten. War wohl so ein Treffen, zu dem viele Japaner aus ganz Deutschland angereist waren. Gab auch Ärger mit ein paar Deutschen, die die angemacht haben.
Deutsche
Weiß nicht, ob es (Möchtgern-)Nazis waren. Jedenfalls war es mit einem Mal ziemlich laut im Bahnhof. Gebrüll. "Raus hier." Polizisten schauten in einer Seelenruhe hinterher - dürfte also nichts dramatisches passiert sein. Vielleicht aber doch. Zumindest kam keine fünf Minuten später ein Krankenwagen in die Bahnhofshalle gefahren.
Lena
War zwar nicht direkt in Leipzig, aber am Telefon. Dreieinhalb Stunden lang. Wie wir das geschafft haben?! Hab ich mich auch erst gefragt, aber dank "Männer sind Schweine" war erstmal für Gesprächsstoff gesorgt. Tat mal wieder sehr gut, auch wenn ich immer müder und müder wurde.
Plain White T's
Hörte ich mindestens fünfzehn Mal an diesem Wochenende. Allein dreimal lief das Video während ich mit Lena telefonierte.
