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Sonntag, Dezember 30, 2007

"Zuhause" - Damals und Heute

"Du gehst den Weg noch einmal ab.
Setzt an der Bordsteinkante nach.
Und dann fällt dir plötzlich auf,
hier warst schon einmal.
Das ist dir alles so vertraut
und irgendwie kennst du dich aus.
Und auf einmal wird dir klar,
früher warst du hier zuhaus'"
(Ton - Die Sorgen anderer)

Auf dem Weg zu meiner Oma am Donnerstag musste ich in Möser Halt machen. Dem Ort, wo ich von 1998 - 2000 gelebt habe. Es ist zu einem kleinen Ritual von mir geworden, wenn ich einmal (allein) dort bin, von der Schule bis zu unserem Haus zu fahren.
Komisches Gefühl den Schulweg, den ich damals mit Tag für Tag mit Anne (sie wohnte ab dem Zweiten Halbjahr der 5. Klasse gegenüber) ging, entlangzufahren. Viel hat sich nicht verändert. Ich frage mich, was wäre wenn... du hier geblieben wärst. Aber Fragen auf die es keine Antworten gibt, braucht man sich im Grunde gar nicht zu stellen. Auf jedenfall wäre vieles anders geworden.
Und weil ich eine kleine Stalkerin bin, fuhr ich mit Schrittgeschwindigkeit an unserem Haus im Verbindungsweg vorbei, um immerhin noch die alte Garage einzufangen. Dass dieses hässliche Ding noch niemand abgerissen hat... na ja. Passt zumindest nicht zu dem (Traum-)Haus. Mit der (Traum-)Küche, die meine Mutter abbezahlte, damit andere nach 2000 dann die Milch für meinen Halbbruder zubereitet konnten. Die Welt ist so ungerecht.
Was meinen Halbbruder betrifft, ist Punkt 3 auf der Wunschliste übrigens gestrichen. Macht kein Sinn eine Rolle in seinem Leben einzunehmen, wenn man 5 Jahre verpasst hat. Außerdem habe ich mich in der Vergangenheit schon bemüht. In Form von Weihnachtsgeschenken und Geburtstagskarten mit Fotos. Aber nie kam was zurück. Kann man von einem 5-Jährigen auch nicht erwarten - aber wozu hat man Eltern?! Das für dieses Weihnachten geplante Geschenk liegt daher auch wieder verpackt im Schrank. Folge eines Spontankaufs. Einen Jungen, der sich einen Hubschrauber wünscht, kann man wohl kaum mit Büchern begeistern - auch wenn es um einen Löwen geht...
Wie dem auch sei. Die kleine Zeitreise sowie das familiäre Weihnachtsfest hat zum ersten Mal folgendes ausgelöst: Ich hatte das Gefühl, dass das "Zuhause ist, wo meine Freunde sind" dem "Zuhause ist, wo meine Familie ist" gegenüber überwiegte. Nicht verwunderlich, wenn man vom Cousin von oben bis unten abwertend beäugt wird, um sich mit einem "Ziehst dich noch um?!" begrüßt zu werden. Arschloch. Nichts gegen meinen Jogginganzug!

Freitag, August 31, 2007

Es nützt ja alles nichts...

... ich will schreiben, also mach ich das eben. Zumindest wage ich einen (ersten) Versuch:

Letzte Woche schaute ich mehrmals das "Weihnachten 1995"-Video. Es fing eigentlich recht lustig an - auch wenn es mich nun - zwölf Jahre später - ein wenig traurig stimmte:
Mein Vater: "Heute ist also Heilig Abend. Und darum geht es dir gut?"
Ich [selbstverständlich]: "Eigentlich geht es mir immer gut."
Ach ja, und kennt ihr den?! "Hi." "Wooo?" [Eigentlich unlustig, aber ihr hättet meinen Gesichtsausdruck sehen müssen.]
Dann kullerten mit einem Mal nach und nach klitzekleine Tränen meine Wange hinunter. Ich hörte meinen Opa im Hintergrund herzlich lachen. Und ab diesem Zeitpunkt richtete ich meine Aufmerksamkeit nur noch auf ihn.
Wir spielten Kniffel. Ich saß neben ihm. Es war so offensichtlich wie sehr ich an ihm hing. Ich wusste zwar noch wie traurig ich über seinen Tod war, wie verzweifelt und geistesabwesend ich in Leipzig saß und nicht mehr ein noch aus wusste. Doch nach sieben Jahren war es mir gar nicht mehr so bewusst wie unser Verhältnis (vor seiner Krankheit) zueinander war.
Aber als ich ihn dort sitzen sah, wie ich an ihm hing, wie ich mit ihm erzählte, für ihn die Daumen drückte - vorausgesetzt er würde es für mich auch tun, da spürte ich wieder [...] <- wie gesagt, ich kann es einfach nicht in Worte fassen.
In dem Moment musste ich an diese Aussage denken, dass man einem Menschen zeigen sollte wie sehr man ihn mag solange man es noch die Möglichkeit hat, weil es morgen schon vorbei sein kann. Ich fragte mich, ob ich ihm je gesagt hatte, dass ich ihn liebe. Aber selbst wenn ich dies nicht ausgesprochen habe, so haben wir es uns wenigstens gegenseitig gezeigt. Ich erinner mich noch daran, wie ich an seinem Krankenbett saß und spürte, dass er sich freute mich zu sehen. Ich glaube sogar, er hielt meine Hand.
Seine beruhigende Art zu sprechen, seine Äußeres - das rief in mir zudem die Assoziation zu Klaus hervor. Beide haben dieses "Kuschelbär"-Wesen. Ich glaub' ich kroch morgens [mittags, abends] lieber unter seine Decke als unter Omas. Ich schaute lieber mit ihm im Wohnzimmer Fussball statt einen Spielfilm mit meiner Oma in der Küche. Ich naschte lieber mit ihm Herrenschokolade als Vollmilch.
"Das Beste" (Silbermond) wurde ja für den verstorbenen Vater der Sängerin geschrieben. Wenn man den Text hört, kann man das manches Mal gar nicht nachvollziehen. Aber nachdem die Erinnerung an ihn nun durch das Video wieder so lebendig geworden ist, trifft all das, was dieser Text aussagt, auch auf meinen Opa zu - auch wenn mir das "damals" vielleicht gar nicht so bewusst war, weil ich es für selbstverständlich hielt, dass er (für uns) da war:

Ich habe einen Schatz gefunden,
und er trägt deinen Namen.
So wunderschön und wertvoll
und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.
[...]
Hast es wieder mal geschafft,
mir den Atem zu rauben.
Wenn du neben mir liegst
dann kann ich es kaum glauben.
Dass jemand wie ich
sowas schönes wie dich verdient hat.

Dein Lachen macht süchtig,
fast so als wär' es nicht von dieser Erde.
Auch wenn deine Nähe Gift wär',
ich würd' bei dir sein so lange bis ich sterbe.
Dein Verlassen würde Welten zertör'n,
doch daran will ich nicht denken.
Viel zu schön ist es mit dir
wenn wir uns gegenseitig Liebe schenken.
[...]

Du bist das Beste was mir je passiert ist.
Es tut so gut wie du mich liebst.
Vergess' den Rest der Welt,
wenn du bei mir bist.

Du bist das Beste was mir je passiert ist.
Es tut so gut wie du mich liebst.
Ich sag's dir viel zu selten:
Es ist schön dass es dich gibt.

Wenn sich mein Leben überschlägt
bist du die Ruhe und die Zuflucht.
Weil alles was du mir gibst
einfach so unendlich gut tut.
Wenn ich rastlos bin,
bist du die Reise ohne Ende.
Deshalb leg' ich meine kleine große Welt
in deine schützenden Hände.

Donnerstag, August 30, 2007

Wie die Zeit vergeht...

Letztens fuhr ich mit Lena und Julia an unserer alten Schule vorbei.
Lena: "Irgendwie komisch hier lang zu fahren."
Julia verneinte, ich brachte - wenn überhaupt - ein zustimmendes "Hmm" raus, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, dieses Gefühl zu deuten, welches ich hatte, als wir die Ortsriede entlang fuhren. Ein komisches Gefühl. So endgültig.
Da ich heute morgen eh nach Mellendorf zum Arzt musste ("Sie haben eine hyperergische Rhinopathie. Das heißt also eine vasomotorische Rhinopathie." Alles klar...), entschied ich mich endlich das zu tun, was ich mir schon seit Wochen/Monaten/Jahren vornehme: Ich besuchte meine Hortnerin Claudia.
Ich parkte am Royeplatz, Blick zum Schulgebäude. Erster Schultag und ich bin nicht da. Ich gehör' nicht mehr dazu. Die, die gestern noch unter uns waren, treten nun ihr letztes Schuljahr an. Für mich und die 59 anderen Abiturienten 2007 gehört das Gymnasium Mellendorf der Vergangenheit an. Schwer zu begreifen. Natürlich bin ich froh bestanden zu haben - endlich das Abi in der Tasche. Und natürlich regten wir uns so oft über die Lehrer - und Mitschüler - auf, litten all die Jahre über, hatten jedoch auch stets viel zu lachen. Ich sollte also erleichtert und froh sein, aber es ist dennoch komisch, weil man immerhin sieben Jahre seines Lebens Tag für Tag dieses Gebäude (und andere) betreten hat - plus vier Jahre die schräg gegenüber liegende Grundschule.
Eigentlich wollt' ich von meinem Besuch berichten: Claudia war überrascht. Hat sich unheimlich gefreut. Sie fragte mich nach meiner Zukunft aus, wir dachten an die alten Zeiten. Angefangen beim Kindergarten bis hin zur Tabaluga-Aufführung.
Dann holte sie einen Ordner raus, wo ein altes Gruppenfoto eingeheftet war. Wir gingen die einzelnen "Kinder" durch - auch Jan H. ("Jan... tja, hm... der macht ja momentan 'Urlaub'") - und während ich in all diese jungen Gesichter blickte, schien es mir unbegreiflich, dass diese "Kinder" inzwischen auch an die 18, 19 Jahre alt sind. Wie die Zeit vergeht...

Samstag, August 25, 2007

Meine Sommerhits

Kroatien 2003
Der erste unvergessliche Sommer mit meinem Rehlein. Wochenlang litten wir an diversen Ohrwürmern: "Listen up everybody in the music land [...] Everybody Cha Cha Shake Shake [...]" "ohoh ohoh", "Und ich sag heeeeeey ab in den Süden".
"Tour de France" und "Senorita" vermittelten uns - zurück in Deutschland - den südländischen Strandbar-Flair. "Jenny from the block" ließ uns an den Animateur Sascha zurückdenken - auf dessen Bekanntschaft wir beide wohl im Nachhinein gern verzichtet hätten -, der während des Beachvolleyballturniers immer mit sang, jedoch nicht ganz textsicher: "I'm still, I'm still Jenny from the rocks."
Zu den restlichen persönlichen Sommerhits gibt es keine wirklich Geschichte - wir hörten sie in diesem Sommer einfach gern oder kamen zumindest nicht drum herum.
  1. Cecil, Lauro & Johnny - Everybody Cha Cha
  2. Lumidee - Never leave you
  3. Kraftwerk - Tour de France
  4. Avril Lavigne - Losing Grip
  5. One T. feat. Cool T. - Magic Key
  6. Buddy feat. DJ the Wave - Ab in den Süden
  7. Justin Timerlake - Senorita
  8. The Love Committee - Love rules
  9. J.Lo - Jenny from the Block
  10. Boogie Pimps - Saltshaker
Ahlbeck 2004
Ebenfalls ein unvergesslicher Urlaub. Diese Musikauswahl war stark vom Alkohol beeinflusst. Strandparty. Monikas Nachbar Meier schüttete uns unentwegt echten russischen Wodka ins Bier. Die Freude war groß als der DJ "Kling Klang" spielte. Auf dem Heimweg sangen wir, mein Rehlein, Monika, Biggi und ich, ununterbrochen: "Lebt denn der alte Holzmichel noch? [...] Ja, er lebt noch, er lebt noch, stirbt nicht." Am nächsten Tag waren wir in ganz Ahlbeck bekannt. Nichts ahnend betraten wir "Schneiders Bar" und beim Anblick von Biggi meinte der Barkeeper gleich [entsetzt?]: "Ach ihr seid's - die von gestern abend." Aufgrund einer mit diesem Abend zusammenhängenden "Urlaubsbekanntschaft" stellte ich nach dem Urlaub fest wie schön "Durch die Nacht" doch ist, welchem ich zuvor noch abgeneigt war.
  1. De Randfichten - Lebt denn der alte Holzmichel noch?
  2. Keimzeit - Kling Klang
  3. Silbermond - Durch die Nacht
Nirgendwo 2005
Offenbar kein Urlaub - von drei Tagen Ahlbeck abgesehen. Keine Sommerhits. Auch Nachforschungen konnten mir nicht auf die Sprünge helfen.

Ahlbeck 2006
Nach einer langandauernden Funkstille fuhren mein Rehlein und ich Mitte August für ein paar Tage wieder an die See. Dort entdeckten wir gemeinsame musikalische Interessen oder ergänzten einander. Einig waren wir uns, dass "Mas que Nada" das Kroatien-Flair schlechthin vermittelt und die ganzen vier Tage nervten wir uns gegenseitig mit unserem Ohrwurm: "oooohaiiaiohhouhwaouhwahouuwah".
  1. Black Eyed Peas feat. Sergio Mendes - Mas Que Nada
  2. Mia. - Tanz der Moleküle
  3. Gnarls Barkley - Crazy
  4. Bob Sinclair feat. Goleo - Love Generation
  5. The Bodyrockers - I like the way you move
Ahlbeck 2007
Momentan bin ich noch ein wenig ratlos. Ich lief mit meinem mp3-Player am Strand entlang. Da liefen aber nicht wirklich aktuelle Sommerhits:
  1. 2raumwohnung - Nimm mich mit
  2. 2raumwohnung - Wir trafen uns in einem Garten
  3. Bobby Hepp - Sunny
  4. Donna Summer - Upside down
  5. Hansen Band - Strand
  6. Hund am Strand - Neues Lied
  7. Mia. - Hoffnung/Mit diesem Trick
  8. Mia. - Komm mein Mädchen
  9. Olli Schulz & der Hund Marie - Kleine Meise, Großes Herz
  10. Ray Collins Hot Club - Barefoot

Small World (1995)

Es gibt eine Welt, in der man der Realität entfliehen kann ohne in tiefen Schlaf verfallen zu müssen. In der man glückliche Tage verbringen kann ohne an das Morgen zu denken, wo alles schön und bunt ist.
Eine Welt, in der die einzigen Sorgen wohl daraus bestehen, den bösen Blicken von Dschafar oder Hook nicht entwischen zu können, oder sich beim Hoola Hop peinlich zu machen (Ich konnte es damals schon nicht und daran hat sich bis heute nichts geändert).
Eine Welt, in der Prinzen und andere Märchenfiguren zum Leben erweckt werden, in der der Wilde Westen direkt neben Entenhausen liegt.

Freitag, August 24, 2007

Miau.

Meine erste Katze bekam ich mit sieben Jahren. Meiner Mama beschrieb ich diesen schönen Augenblick in einem Heftchen, das ich ihr zum 34. Geburtstag schenkte [ich zitiere ohne Korrekturen vorzunehmen]:
"Der erste schöne Augenblick bei mir mit Shelly war als ich sie bekam. Es war abends ich schlief schon doch ich stand noch einmal auf, da hörte ich das Papa schon zu Hause war. Schließlich ging ich zu ihm. Auf einmal kratzte mich etwas am Fuß, es war Shelly."
Und weil es so schön ist, mache ich gleich weiter: "Puschel [Zwergkaninchen] hatten wir schon vor Shelly gehabt. Später spielten sie immer miteinander, doch wenn Shelly mal ihre Ruhe brauchte, ging sie immer zu einer ihrer Lieblingsplätzen, z.B. auf meinem Kleiderschrank, auf meinem Bett, unter dem Bett, im Schlafzimmerschrank oder auf dem Sofa.
Weißt du noch? Als Shelly weg war. Na ja, eigentlich war sie gar nicht weg. Du hast sie überall gesucht, aber nicht gefunden. Schließlich war sie im Kleiderschrank im Schlafzimmer.
Eines Tages wollten wir drei spazieren gehen. Ich glaube Shelly war gerade mal zwei Jahre alt. Doch Shelly kam uns hinterher. Natürlich guckten wir immer ob sie noch da war. Papa meinte: "Komm wir gehen wieder nach Hause sie wird schon kommen."
Als wir wieder zu Hause waren sagte ich entschloßen: "Ich fahre den Weg mit dem Fahrrad noch mal ab. Schließlich fand ich Shelly in einem Hof wo sie sozusagen "gefangen" war. Ich befreite sie wieder und alles war wieder gut.
Nun weißt Du das Shelly viele schöne Augenblicke und schließlich ein schönes aber kurzes Leben geführt hat."
Da waren natürlich noch etliche weitere schöne Momente. Das Ende kam dann am 27. Mai 1998. Wir wollten zum Tierarzt. Eigentlich sollte sie nur geimpft werden. Aufgrund des geplanten Umzugs war unsere Transportkiste bereits in Magdeburg, weshalb wir uns eine Leine von Katharina [Micky] ausgeliehen hatten. Wir stiegen ins Auto. Shelly war unruhig, sie wollte raus, ich konnte die Leine nicht mehr halten, sie sprang aus dem Auto - und das war's. Ein Auto kam, erfasste sie. Wir fuhren zum Tierarzt, doch der war zu einem anderen Notfall gefahren. In Stöckers Garten beerdigten wir sie dann...
Als wir dann in Möser wohnten, jungte die Katze meiner Oma. Wir bekamen eine [oder mehr] davon und diese jungte dann auch. An alle Einzelheiten ihres Lebens kann ich mich nur dunkel erinnern. Doch die Geburt habe ich noch genau vor Augen:
Wir wollten zu Oma aus Magdeburg, da miaute Cassy ständig und folgte mir auf Schritt und Tritt. Wir ahnten was los war und bereiteten ihren Korb vor. Doch sie wollte nicht in ihren Korb, sondern auf mein Bett. Ich wuselte weiter in der Wohnung rum, aber sobald ich aus dem Raum ging, folgte sie mir wieder miauend. Es war so ein unvergesslicher Moment. Schließlich war es dann soweit. Detailierte Beschreibung zur Geburt möchte und kann ich nicht mehr liefern.
Anschließend brachten wir alle Kätzchen in den Keller, wo Cassy ihr Körbchen und Katzenklo hatte. Aber was machte Cassy? Sie trug sie nacheinander wieder in mein Zimmer. Sie wollte in meiner Nähe sein. Das muss wahre Liebe (gewesen) sein.
Letztendlich hatte ich kein Glück mit Katzen. Die eine überfahren, die anderen meist spurlos verschwunden. Dabei waren sie allesamt so knuffig, wie man hier sehen kann.

Let's dance [kiss, jump]

Das Dumme an diesen Familienvideos ist, dass irgendwelche Idioten vergessen haben auf "Stop" zu drücken. Auf diese Weise sind Unterhaltungen aufgenommen worden, die ich gar nicht hören wollte: "Und dann hat sie ihn geküsst. Maria hat ihn geküsst." Ich hab keine Ahnung wen, aber es ging um den Türkei-Urlaub ("Hands up, Baby Hands up, Gimme gimme your heart, gimme gimme...") und die Animation, daher befürchte ich beinahe, dass es sich um den Animateur handelt. Denn kennengelernt habe ich dort sonst nur ein kleines Mädchen. Ich glaub, sie hieß auch Maria.
Anfangs war der Geburstag vom 10. August 1993 wirklich schön/traurig anzusehen. Schön/traurig weil mein Opa oft zu sehen war, mein Opa, der Hirte. Und Norbert. Beide starben 2000/2001 an einem Gehirntumor. Zeit, deswegen Tränen zu vergießen, blieb mir jedoch nicht, die Tanzfläche wurde eröffnet:
Mein Opa tanzte mit Mama. Und er machte das gut. Besser als mein Vater, der seine Unfähigkeit vermutlich damit zu vertuschen versuchte, dass er sie abknutschte und total abartig betatschte. Das war wirklich... bäh! Und zu guter letzt mein Cousin, inzwischen etwa 29 Jahre alt. Das war so lustig. Das ist der Grund, warum ich nie tanze. Weil man sich tatsächlich so dermaßen peinlich machen kann. Immerhin hatte ich meinen Spaß.
Ebenso beim nächsten Video: Serengeti-Park April 1994. Hab mich beim Trampolinspringen ständig hingelegt, weil Daria so heftig gesprungen ist. Joa... viel mehr gibt's zu diesem Ausflug auch nicht zu sagen.
Dass diese Videos einen angenehmeres Gefühl verbreiten, ist kein Wunder. Schließlich waren die Anlässe genau richtig um den Schein zu wahren. Beim Geburtstag ist alles Friede, Freude, Eierkuchen - man spielt den Gästen das perfekte Ehepaar vor. Und im Serengeti-Park möchte man seinen Kindern eben auch einen sorgenfreien Nachmittag bieten.
Eigentlich will ich nicht alles schlecht reden, aber dieses Rumgemache der Beiden beim Tanzen war wirklich abstoßend...

Donnerstag, August 23, 2007

Der Schein trügt

Während Robby seine Kindheit hier vor kurzem als glücklich bezeichnete, habe ich vorhin das Gefühl bekommen, dass ich mir all die Jahre was vorgemacht habe. Alles nur Schein.
Vielleicht hätte ich nicht mit dem Einschulungsvideo beginnen sollen. Der 03. September 1994 war einer der schrecklichsten (Vormit-)Tage meiner Kindheit. Ich hab geheult. Weiß nicht warum. Als mein Name aufgerufen worde, musste meine Mama mich nach vorne begleiten. Auch sie musste sich ihre Tränen wegwischen und wurde von einer anderen Mutter mitfühlend angesprochen: "Na, auch so nah am Wasser gebaut?!"
Nicht nur die Einschulung war schlimm. Die gesamte Grundschulzeit schien mich nicht wirklich glücklich gemacht zu haben. Es gibt kein Foto von damals, das mich glücklich mit meiner Klasse zeigt. Im Hort war das wieder anders - und zu Hause, bei Janine war ich auch ein ganz anderes, glückliches Kind.
Das Video war schlimm. All die Namen wurden aufgerufen. Namen, die mich bis zum Abitur begleiteten. Sarah Standvoss, Ramon Kreutzer, Janine Gieseler,... sowie Namen, die mir völlig fremd vorkamen. Und dann fiel plötzlich folgender Name: Jan Hertrampf. Ich glaubte, ich hör' nicht richtig. Wir waren also nicht nur vier Jahre gemeinsam im Hort, sondern wurden auch gemeinsam eingeschult. Janine, Kot-Ulla - ward ihr euch dessen bewusst?!
Ich war sowas von bockig. Bin mir eben richtig unsympatisch geworden. Offensichtlich auch ein Aufmerksamkeitsdefizit - hab ich das etwa immer noch?! Nur weil ich gelegentlich um mich schlage?! Wenn ich meinen Willen nicht bekam, wurde erst einmal 'ne Runde rumgezickt. Wenn ich mal so drüber nachdenke... vielleicht habe ich mich gar nicht so sehr verändert?! Ich hoffe doch, denn wenn ich immer noch so bin wie damals...
Warum ich glaube, dass der Schein trügt?! Warum ich mir was vorgemacht habe?! Wenn ich mich bisher an früher erinnern wollte, nahm ich meist Fotos zur Hand. Auch heute (nebenbei). Dort sind wirklich ein paar glücklich aussehende Fotos dabei. Aber das sind ja nur Momentaufnahmen und man weiß nicht, was vor und danach passierte.
In den Videos ist das anders. Mein Vater filmte einfach. Er hatte eine neue Kamera und die musste genutzt werden. Ob die, die vor der Kamera standen, es nun wollten oder nicht. Meine Mama wollte es nicht. Sie war genervt. Den Eindruck, dass sie glückliche Eheleute waren, machten sie nicht.
Und er... Er war damals schon so wie jetzt. Man sieht seiner Schwester an wie sehr sie sich über ihren Bruder ärgerte. Immer noch. Das allerschlimmste an der Sache ist, dass mich eben das Gefühl beschlich, dass ich ihm ähnlich bin. Erschreckend ähnlich.
Es gibt eine Szene (klingt wie so'n richtig professioneller Film) da telefoniert meine Mutter. Er filmt. Sie bemerkt es, regt sich auf, lacht. Lacht, weil er sich über sie lustig macht, dass sie nun schon zum weiß-nicht-wie-vielten-Mal erzählt wie der Urlaub war. Er macht die "Blablabla"-Handbewegung.
Manchmal denk' ich mir die auch, wenn meine Mama telefoniert oder erzählt und sich zum x-ten Mal wiederholt. Moment... wirklich?! Habe ich es nicht vor kurzem noch genossen, ihr zuzuhören wie sie zum x-ten Mal von Verona erzählt? Ja. Und sie erzählte damals schon mit der selben Begeisterung wie heute.
Dann nehmen wir eben eine andere Szene zum Vergleich: Wir sind gerade aus Gran Canaria zurück. Man erkennt daran übrigens sehr gut, dass es sich womöglich damals schon abzeichnete, dass die Ehe unter keinem guten Stern steht. Im Wohnzimmer unterhält man sich:
Seine Schwester: "Hat es dir auch mal gut getan, Lutz?"
Er: "Mir?"
Mama: "Lutz ist wieder zu Hause. Gib nicht soviel auf die Reaktion, die er jetzt von sich gibt."
Schwester: "Na, ob es dir gut getan hat - der Urlaub."
Er: "Doch, war ganz gut."
Schwester: "Verplauder dich nicht..."
Er [gereizt]: "Kannst du deine Frage nochmal stellen?"
Schwester: "Wie war's?"
Er: "Sehr schön."
Schwester: "Hat dir der Urlaub gut getan?"
Er: "Er war fantastisch, der Urlaub."
Schwester: "Na bitte. Musst du immer erst üben?"
Gelegentlich kann ich auch ganz schön mundfaul sein. Und dann, wenn andere darauf aufmerksam werden, beginne ich übertriebene Sätze zu bilden, um ihnen vor Augen zu führen wie lächerlich dieses ganze Gelaber ist. Oder?! Stelle ich mich vielleicht gerade (absichtlich) in einem schlechten Licht dar?!
Im Grunde geht es doch bei meinem Vater darum, dass er diese Familientreffen hasste. Später - in Möser - verschwand er sogar im Schlafzimmer, um fernzusehen, während die Familie beisammen saß. Ich dagegen genieße es, mit der Familie zusammen zu sein. Zumal das nicht so oft vorkommt.
Bin ich also doch nicht ganz so schlimm?! Während des Videoguckens war ich mir fast sicher. Und diese Bockigkeit?! Vielleicht ist die ja doch von meiner Mama. Ich kenn' keinen Menschen, der so zickig sein kann wie sie. Nicht, dass ich nun alles schlechte von meiner Mama habe. Im Gegenteil. Aber es ist mir dennoch lieber, ein paar mehr schlechte Eigenschaften von ihr als von meinem Vater zu haben.
Offensichtlich war ich damals schon genervt von ihm. Nicht in diesem Ausmaß wie heute, aber ich ließ mich nicht (immer) von ihm unterkriegen (Er: "Können Sie spanisch sprechen?" Ich: "Ja, aber ich mach es nicht [...] weil ich's nicht möchte.") und durchschaute ihn: "Och mann Papi - du spielst nur so."
Fünf von insgesamt sieben Videos liegen nun noch vor mir. Bin gespannt, was für (un-)glückliche Gefühle währenddessen noch so aufkommen...

Zu guter letzt noch 'ne Frage: Besitzt jemand unter euch "Hands up" von Ottawan?! Musste das im Türkei-Urlaub 1993 auf 'ner Bühne mittanzen und hab mich da grad dran erinnert als mir die Fotos von damals in die Hände fielen. Daria und ich nahmen nachmittags immer an so'nem Kinderclub teil. Der Animateur war toll!

Unglaubliche Vorahnung

Montag fuhr ich in die Clara-Wiek-Straße in Leipzig, um das Haus zu suchen, in welchem ich von 1987 bis 1989 gelebt hatte. Ich hab keine Ahnung wie ich mir das vorgestellt hatte. Wie sollte ich ein Haus finden und wiedererkennen, an das ich keinerlei Erinnerungen hatte?! Nicht einmal meine Mutter konnte sich noch an die Hausnummer erinnern.
Nichtsdestotrotz schritt ich mit meiner Kamera durch die Straßen und blieb an einem ganz bestimmten Eingang stehen. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade dieser mir ins Auge fiel, denn die Tür war kaputt, sodass man einen Blick in den Hinterhof werfen konnte. Ich dachte mir nichts weiter dabei, während ich eben diesen Eingang fotografierte.
In dem Moment rief meine Mama an. Ich erzählte ihr, wo ich war und sie versuchte mir zu erklären, wo sich das Haus ungefähr befand und fügte hinzu, dass es runde Fenster hätte. Mit diesen Informationen suchte ich weiter und blieb erneut vor selbigem Hauseingang stehen.
Meiner Mama schickte ich am nächsten Tag die Bilder und erkundigte mich, ob es sich um das Haus handelte. Sie bejahte. Ich find das unglaublich. Dass es genau das Haus war, dass mir bereits ins Auge gefallen war ehe ich Näheres wusste.

Freitag, August 10, 2007

10. August 200X

An diesem wunderschönen - moment, ich schau mal eben aus dem Fenster - leicht bewölkten Freitag hat kein Geringerer als Herr W. das 44. Lebensjahr beschritten. Und dem dummen Blondchen Maria, das gestern so guter Laune war, fiel nichts besseres ein als Punkt 00:00 Uhr das Handy in die Hand zu nehmen und die Nummer zu wählen, die sie offensichtlich auch noch in 50 Jahren auswendig können wird.
Kaum hatte ich die Wähltaste gedrückt, erklang auch schon ein: "ICH." Das ging mir ein wenig zu schnell, doch ich brachte dann doch noch ein: "Ich wollte dir nur alles Gute wünschen." raus. Anschließend fragte er mich, wie es mir denn ginge, ob ich im Urlaub war, mit wem ("Hast du gar nicht deinen Tanzpartner mitgenommen?") und so weiter. Na ja, dann wollte ich irgendwie erklären, dass ich die ersten Tage mit meinen Eltern und die letzten zwei dann mit Monika und Klaus oben war. Und dummerweise drückte ich es auch (fast) genauso aus, bekam aber noch gerade so die Kurve. Trotzdem hoffe ich, dass er mitbekommen hat, was ich eigentlich sagen wollte: "Ich war die ersten Tage mit meinen E... mit Mama und Matthias oben [...]"
Sieben Minuten haben wir miteinander geredet. Ich war überzeugt davon, dass es nach dem Auflegen mit der guten Laune vorbei wäre, dass ich mir wieder Vorwürfe machen würde, wie ich so dämlich sein kann, ihn tatsächlich anzurufen, wo ich doch auf Distanz gehen will, aber ich wurde überrascht: Ich fühlte mich richtig gut danach. Ich muss auch dazu sagen, dass er ganz (oberflächlich) nett war, was aber nicht heißt, dass ich meine Meinung über ihn geändert habe.
Und es war allemal besser ihn anzurufen als ihm eine Mail, SMS oder überhaupt nichts zu schreiben. Denn damit hätte ich mich selbst nur auf sein Niveau runtergezogen und mich würde noch eher ein schlechtes Gewissen plagen, wenn meine Oma mich dann fragen würde, ob ich ihm gratuliert hätte.
Das war nun gestern Nacht. Beim Geburtstag gestern erzählte meine Mutter etwas von der Rückfahrt Kroatien-Leipzig. Das war genau vor vier Jahren und ein paar Stunden. Wir fuhren am 09. August 2004 gegen drei los. Franzi und ich hatten durchgemacht - die "Kulmbacher" (ein Mädel, zwei Jungs - alle drei sympathisch), Daria und "unser" Rezeptionist Ivan leisteten uns Gesellschaft.
Jedenfalls musste ich etwa 17 Stunden später in Magdeburg sein, wo mein werter Herr Vater in seinen 40. reinfeierte. Doch wie sollt' es anders sein: Wir standen im Stau. Meine Eltern waren total fertig und hatten nicht mehr wirklich die Motivation weiterzufahren als sie neben sich ein Auto mit dem Kennzeichen MD erblickten. Sofort kamen sie auf die Idee, die Fahrerin zu fragen, ob sie mich mitnehmen könnte. Eine Wildfremde! Sie steckten mich in das Auto einer Wildfremden - die hätte ja sonst eine Verrückte sein können. War sie aber nicht. Sie hieß Andrea, war 30+, sehr sympathisch, hatte einen Sohn (zu Hause), und kam gerade von einem Urlaub in den Bergen zurück. War eine angenehme Autofahrt - nicht so wie die gestern beim polnischen Autowerkstatt-Typen, wo die Fahrt gar nicht enden wollte, weil so eine peinliche Stille herrschte.
Jedenfalls kam ich vor Mitternacht in der Kirche Sankt Immanuel (sein Restaurant damals) an, duschte mich, zog mich um, und mischte mich unter das "Partyvolk". Ich hab mich so scheiße gefühlt. Ich wollte nur noch zurück nach Kroatien oder wenigstens nach Leipzig. Damals hatte ich halt noch weniger Kontakt und Bezug zu meiner Familie väterlicherseits. Nur zu meiner Oma ein bisschen. Ich vermisste meine Familie so, weil ich spürte, dass ich zu denen nicht mehr gehörte. Außerdem waren alle Cousinen und Cousins (na ja, einer) mit ihren Partnern da und Maria, gut ich war auch erst 15, stand da wieder rum wie bestellt und nicht abgeholt.
Bin dann auch irgendwann in die Pension gegangen - allein - weil ich sowieso total fertig von der Fahrt war. Schlief sogar bis kurz nach 12 durch (was ich noch alles weiß) - hatte offenbar einiges nachzuholen - oder wollt einfach solang wie möglich allein sein, den anderen nicht nochmal begegnen?! War so froh als ich wieder - ja wo war ich eigentlich danach?! - in Ottersleben/Leipzig/Hannover war.

Samstag, Juli 07, 2007

In Memoriam

Heute wäre er 19 Jahre jung geworden,
doch es hat nicht sollen sein...

Samstag, Juni 23, 2007

Was für'n Tag

Heute erwachte ich mit dem Gedanken: Ich liebe diese Tage, an denen man einfach grundlos glücklich zu sein scheint. Und tatsächlich grundlos, denn schließlich klingelte mein Wecker das erste Mal um halb acht und am liebsten hätte ich mich noch stundenlang unter meine Decke gekuschelt, doch darauf musste ich noch weitere sechs Stunden warten: Die Arbeit rief.
Mein Chef begann gleich erstmal von seinem Sohn zu erzählen, der gerade von der Klassenfahrt zurück gekommen sei. "Wo war er denn?", fragte ich interessiert. "Segeltörn in Holland." Meine Augen begannen zu leuchten! Die nächsten fünf Minuten konnte ich mich kaum mehr auf die Kunden konzentrieren, weil ich so damit beschäftigt war in Erinnerungen zu schwelgen. Peter...! Was für ein Mann! [Ironie!] Was würd' ich darum geben nochmal mit ihm über's Wasser zu schippern. Leute, wir müssen das doch irgendwann mal hinkriegen! Seit Ende der Neunten nehmen wir uns das schon vor. Wochenenden werden auch angeboten. Och, das wär so genial! Ich hab schon wieder das "inoffizielle Logbuch" rausgekramt!
Seit dieser erlebnisreichen Woche weiß ich, dass ich intro- und Steff extrovertiert ist. Der gute Nils hat ja keine Ahnung! Und Olli's Handynummer hab' ich letztes Jahr gelöscht. Sowas aber auch! Wie konnt' ich nur! Dabei sind wir damals nachts im Schlafanzug unerlaubterweise über zwei Schiffe [der reinen Jungenklasse] geklettert - nur um obige zu erhalten! Aber das Beste war wohl der letzte Abend. Als ich meinen vollen Film ins Wasser fallen ließ, vor Frau S. in die Knie ging, wir uns mit Jerome unterhielten und ich schließlich in Peters Kajüte (?) verschwand! Kaum zu glauben, dass mir an diesem Abend Rotwein schmeckte. Ach, ich könnt hier eigentlich, dass gesamte Logbuch zitieren, aber ich will euch ja nicht langweilen. "Besoffen?"
Viel mehr muss ich noch ein Paar Kunden-Sprüche loswerden, die an mich gerichtet waren und mich irgendwie zum Schmunzeln brachten:
Kunde 1: "Das gibt's doch nicht! Diese Frau ist sowas von clever!!!"
Kunde 2: "Haben Sie heute Lotto gespielt? [...] Nein? Schade! Sie hätten bestimmt gewonnen!"
Mein Chef kam zwischendurch dann auch vom "Kohlrouladen-Zubereiten" wieder. Ein Kunde hielt ihn auf und zwang ihm ein Gespräch auf. An sich ist das nichts besonderes, aber mir fiel auf, dass mein Chef immer wieder besorgt in den Laden blickte, ausweichen wollte, das Gespräch beenden wollte. Als er es geschafft hatte, klärte sich auf, warum. Er rannte sofort zum Telefon, wählte und richtete seiner Frau aus: "Kannst du bitte den Herd ausschalten?!" Männer... immer für eine Überraschung gut.
Ansonsten war heute nicht wirklich viel los. War mir ganz recht, da ich ganz gefesselt von Nicholas Sparks "Du bist nie allein" war. Nach "Zeit im Wind" ist es erst das Zweite, das ich von ihm lese, und es war vollkommen anders. Nicht so schnulzig, sondern eher spannend, sodass ich mich nach der Arbeit gleich in mein Bettchen verkrümmelte und weiterlas, aber zwischendurch nicht drum herum kam etwa zwei Stunden fehlenden Schlaf nachzuholen. Schon der dritte Mittagsschlaf in Folge. Merkwürdig. Aber bei dem scheußlichen Wetter draußen, wüsst' ich auch nichts Besseres mit meiner Zeit anzufangen.
Jedenfalls wage ich es jetzt mal die Behauptung aufzustellen, dass Männer besser schreiben können als Frauen. Stephen Chbosky, Wolfgang Welsch,... Nicholas Sparks reiht sich zwar noch nicht wirklich in die Reihe meiner Lieblingsautoren ein, aber gegenüber Cecelia Ahrens Schreibstil, der mich wirklich oft an den einer 12-Jährigen erinnerte, besteht ein himmelweiter Unterschied.
Und um die Erkenntnisse des heutigen Tages zu vervollständigen: Ich bin ein Herbsttyp, wie mir Julia gerade mitteilte. Denn ich habe mich bereit erklärt, mich für sie als Fotomodel anzubieten, vorausgesetzt das Styling ist inklusive. Das kann was werden. Immerhin hat sie schon von allein festgestellt, dass ich eher der brave Typ bin und für die gewagteren Posen nur Jenny in Frage kommt. Das beruhigt mich.

Donnerstag, Juni 21, 2007

Der Stich des Skorpion

Anfangs dachte ich, während ich das Buch über den erfolgreichsten Fluchthelfer und Staatsfeind Nr. 1, Wolfgang Welsch, zum Zweiten Mal in die Hände nahm, dass es sich in die Länge ziehen würde. Doch in den letzten beiden Tagen konnte ich es kaum noch aus der Hand legen. So unheimlich spannend, interessant, aufwühlend, dem Titel entsprechend Stiche versetzend und Fragen aufwerfend. Fragen über die DDR, die Stasi, meine Vergangenheit.

"Die Art der Anfrage und der berufliche Hintergrund des Klienten machten mich misstrauisch. Schließlich war seine Stellung an der Bar eines Interhotels für den Kenner eine ideale IM-Position [...]." (Wolfgang Welsch)

Mein Vater arbeitete an einer Bar - war es nicht auch ein Interhotel?! Er wurde bespitzelt. Ist das ein Beleg dafür, dass er selbst nicht zu den berüchtigten IM gehörte?! Ich fragte meine Mutter: "Wurden auch Personen bespitzelt, die selbst bespitzelten?" "Klar", lautete ihre Antwort.
Ich las die Stasi-Akten meines Vaters. Drei bis vier an der Zahl. Es ist unglaublich. Und erschreckend. Vielleicht hätte ich es nicht tun sollen, denn es kamen unvermutete Wahrheiten ans Licht: Zum Beispiel weiß ich seitdem, dass ich möglicherweise noch weitere, ältere Halbgeschwister habe. Ich habe es nie gewagt, meinen Vater darauf anzusprechen. Wozu?! Um mir Lügen und Ausreden anzuhören? Lügen. Das konnte er schon immer.

"Die Menschen müssen wachsam bleiben und dürfen die Geschichte nicht vergessen, die sich in der eigenenen Geschichte widerspiegelt." (Isabel Allende)

Ich habe ihn zu seinen Stasi-Akten, sowie den Jahren 1986 bis 1989, dem Jahr in dem wir ausreisten, befragt. Unvorstellbar, was uns alles hätte passieren können. Westdeutsche Mark wurden in meinen Windeln versteckt, Papiere das Klo runtergespült, mein Vater verhaftet, meine Mama musste darum bangen, dass ich in ein Heim gesteckt würde. All das, weil mein Vater, ein Wehrdienstverweigerer, einen Ausreiseantrag gestellt hatte, über Westkontakte verfügte und und und. Es war spannend ihm zu zuhören. Ich glaubte ihm. Warum auch nicht?!
Doch während des Lesens kamen plötzlich wieder Fragen in mir auf: War das die ganze Wahrheit? Noch heute erzählt er nur von den "anderen", die Fehler machen, die ihm sein Leben schwer machen. Wie damals.

"Trauer ist keine Schwäche, sie ist nur eine besonders schwere Arbeit. Ich musste deswegen keine Scham empfinden. Ich musste nur ein neues Verhältnis zur Welt herstellen, weil das alte zerbrochen war." (Wolfgang Welsch)

Heute weiß ich, dass vieles, was er erzählt, nur seine Darstellung der Dinge ist. Er vergisst dabei, dass er sich ebenfalls vieles zu Schulden kommen lässt. Dass er Fehler begeht, sich bei anderen unbeliebt macht. Nicht nur andersrum wie er es mir stets einzutrichtern versucht. Hat er - als Barkeeper - auch als IM gearbeitet? Hat er uns allen vielleicht dieses kleine Detail verheimlicht? Wäre nicht verwunderlich, oder?
Das Schlimme ist, dass es wirklich schwer ist, solchen Verdächtigungen nachzugehen. Zumal ich doch seinen Schilderungen stets mit so einer Neugierde und Glaubwürdigkeit lauschte. Nie kam in mir der Zweifel auf, dass auch er nicht ganz "sauber" war. Wieso sollte er auch andere bespitzelt haben, wo er selbst gegen das System war? Warum sollte er für dieses System gearbeitet haben? Um seine Ausreise zu beschleunigen - die letztendlich auch drei Jahre auf sich warten ließ?!

"Der Regen kehrt nicht nach oben zurück.
Wenn die Wunde nicht mehr schmerzt,
schmerzt die Narbe."

(Bertold Brecht)

Fragen über Fragen. Und doch keine Antworten. Selbst wenn ich welche bekommen würde, woher sollte ich wissen, ob diese außnahmsweise der Wahrheit entsprechen oder wie gewöhnlich erstunken und erlogen sind?
Damals, als ich von meinen möglichen Halbgeschwistern erfuhr, versuchte ich ihre Adressen herauszufinden, was jedoch daran scheiterte, dass ich dafür eine Gebühr hätte zahlen müssen ohne überhaupt zu wissen, ob diese Person wirklich die war, die ich suchte. Das war es mir zu dem Zeitpunkt nicht wert. Ich erinnere mich nicht mehr wie hoch die Gebühr war, doch nun wäre ich entschlossen, diese aufzubringen, um wenigstens einige Antworten zu finden. Dummerweise habe ich die Namen nicht mehr geschweige denn die Stasi-Akten. Einzig an ein, zwei Vornamen erinnere ich mich noch.
Ich hab von meinem Vater so viel über unsere Vergangenheit in der DDR erfahren. Doch nun kommen in mir Zweifel auf, ob das alles nur eine einzige Lüge war. Vermutlich dramatisier ich das hier jetzt, schließlich wurde mir manches von meiner Mama bestätigt. Dennoch habe ich ihm in meiner kindlichen Naivität sicherlich oft mehr vertraut als ich hätte sollen.

Sonntag, Mai 20, 2007

"Don't forget Kevin...

[...] but don't think about Kevin at school."
Pünktlich wie nie war ich vorhin schon über 10 Minuten zu zeitig am Langenhagener Bahnhof, um meine Mama abzuholen. Da brauchte ich Beschäftigung, spielte ein bisschen an meinem Handy rum und entdeckte zwei Aufnahmen. Eine von Ivan und eine von Neno. Rezeptionisten des Hotel Zadars und des Hotel Donuts. Die Aufnahmen stammen aus Telefongesprächen des 07. und 08. Septembers 2003. Damals waren Franzi und ich regelrecht "Kroatien"-Geil und wollten den Kontakt um jeden Preis aufrecht erhalten. Ivan gratulierte mir per SMS sogar zum 16. Geburtstag: "I wiss you very good birthay, I hope you enjoj yourselfe today! Hope to see you next year... I send you meny kisses.... Don't forget Kevin." Insgesamt belegen noch weitere vier Nachrichten meinen Posteingang. Warum eigentlich Kevin?! Weil Ivan so eine verdammte Ähnlichkeit mit Kevin Bacon hat. Zumindest fanden wir das damals.
Die Auslandsgespräche wurden zumeist während der Nachtschicht getätigt, was zur Folge hatte, dass Neno uns eines Nachts fragte: "Are you sleepy? [...] Because your voice is a little bit wouwouwou." Ach so ein Niedlicher und vor allem Schüchterner. Im Gegensatz zu Ivan, der uns auch mal nachäffte ("Ähm Ähm Ähm.") was zur Folge hatte, dass die Hemmschwelle sank und wir ihm schon sehr direkte Fragen stellten - was mir im Nachhinein verdammt peinlich ist, wenn ich mir das so anhöre:
Ich: "Do you have a girlfriend?"
Er: "No."
Ich: "Why?"
Er: "I don't know why. Do you have a boyfriend?"
Ich: "No."
Er: "Why? [Gelächter] That's a hard question, why."
Sein größtes Problem war jedoch: "They have ice and I don't have ice and that's my biggest problem." Trotzdem scheint er ein schönes Leben zu haben: "Every day we are at the beach and bla bla bla. Like always." Nur den Sonntag, den konnte er noch nie leiden: "The worst day is Sunday. Because tomorrow is school." Von ihm erfuhr ich, dass man von Bier müde wird: "I'm sleeping when I drink."
Die alles entscheidende Frage schließlich - und beinahe peinlichste: "Do you enjoy to talk with us every week or every two weeks or do you think it is teribble." Was sollte er da schon anderes sagen als: "That's a [hab ich nicht verstanden] question: Why not!" Na, ich weiß ja nicht, ob ich ihm das glauben soll...

Montag, Mai 14, 2007

Montag, 14. Mai 2007

Heute war eine Menge los an der Tankstelle. Kommentar eines Kunden: "Ganz schön was los hier bei euch... Ich weiß woran das liegt: Die waren gestern alle mit ihren Frauen unterwegs. Da kann man(n) mal sehen, wie teuer Frauen sind. Am besten sollte man die Finger von ihnen lassen."
Kurz vor eins überraschte mich Julia. Hatte wirklich nicht mehr mit ihr gerechnet, da wir gestern überhaupt nicht darüber gesprochen hatten, was sie heute vormittag machen würde. Jedenfalls ging die Zeit dann noch viel schneller und unterhaltsamer rum. Ich ließ mich von ihr umfangreich beraten, was ich nur mit meinen Haaren machen soll. Wir haben nun festgehalten: Mittelbraun färben, Strähnchen (blond oder dunkelbraun), kurz. Außerdem riet sie mir davon ab, meine Haare beim Abiball hochzustecken. Sollte ich sie abschneiden, käme das eh nicht mehr in Frage, aber wenn nicht... Ich hab kein Bock, dass die den ganzen Abend so lose rumhängen. Ich hab Angst! Ich hab Angst, dass ich meine Haare braun färbe und sie dann rot aussehen. Ich hab Angst, dass ich sie abschneide und ich dann nicht mehr wie 15 sondern wie 12 aussehe. Aber dieses Blond, das eigentlich Natur pur ist, aber am Ansatz von einem Mittelblond verdrängt wird, kann ich auch nicht mehr sehen - genauso wenig wie die leblos herunter hängenden dünnen Strähnen. Scheußlich.
Wie das bei Julia und mir momentan so an der Tagesordnung ist, da sie in weniger als drei Monaten 20 wird, drehten sich unsere Gespräche auch wieder um das Alter. Schließlich meinte ich, dass 20 zu sein gar nicht so schlimm sei, da ich mir dann endlich wieder merken könnte, wie alt ich sei. 18 merkt man sich, weil man jahrelang darauf gewartet hat. Mit 20 ist es ähnlich, nur die 19 ist so ein Mittelding ohne wirkliche Bedeutung.
Übrigens hat Julia fürchterliche Angst vor Daniel. Sie meint, er sehe aus wie ein Mörder. Macht sehr viel Spaß, sie damit aufzuziehen. (Julia: "Was redet der da mit dem?" Ich: "Er fragt ihn, wo sie sich heute abend treffen, damit er ihn umbringen kann.")
Auf dem Heimweg begegneten mir die ganzen Schulkinder. Durch zwei Mädels, die gemeinsam die Straße entlang gingen, dachte ich zunächst, dass ich den Schulweg stets selbst bewältigen musste, doch Sekunden später erinnerte ich mich an Anne. Als sie gegenüber von uns einzog, verbrachten wir so ziemlich jede Minute miteinander. Morgens holte entweder sie mich oder ich sie ab, um gemeinsam zur Schule zu gehen. Nicht selten verspäteten wir uns. Weiß gar nicht mehr, ob das irgendwelche Konsequenzen hatte. Weiß nur noch, dass wir irgendwann umgesetzt wurden. Ich musste mit ihr den Platz tauschen und mich zu Daniel setzen, sie neben Marcel. Daniel hat sie immer abgelenkt und die Lehrer hofften, dass er etwas konzentrierter mitarbeiten würde, wenn sich die "stille" Maria ("Wachsi") zu ihm setzen würde. Doch das Ende vom Lied war, dass er auch mich ablenkte, mit meinem Bus-Lineal *brumm brumm* spielte und was weiß ich noch alles. Mit Anne, die ganz hinten saß, kommunizierte ich von meinem vorderen Platz aus in unserer damaligen geheimen Zeichensprache. Die Sekundarschulzeit war, glaube ich, die schönste Schulzeit überhaupt. Nichts gegen die GoMler - mit euch habe ich die schönste Zeit meist außerhalb der Schule. Schließlich hat uns das GM allesamt nie recht glücklich gemacht, auch wenn wir - wie immer - das Beste draus gemacht haben und auch 'ne Menge Spaß hatten. Vor allem in den Pausen... bis Dr. Do dann mit Kehrblech kam und uns Nichtraucher (!) aufforderte die Kippen wegzukehren. Unverschämtheit!

Montag, April 30, 2007

"Kindergekritzel"

"[...] Denn so viele reden wichtig, erzählen tolle Geschichten
Und uns wird langsam müde von versteinerten Gedichten."

Gestern nacht habe ich mal einen Blick in meinen Krimi und andere Geschichten geworfen. Vielleicht sollte ich mir überlegen eine Parodie zu schreiben, denn ich kam aus dem Lachen teilweise gar nicht mehr raus. Total naives "Kindergekritzel". Da erfährt die kleine Pia von ihrem Entführer Thomas [Thomy] höchstpersönlich, dass er sie in seiner Gewalt hat, und da fällt ihr nichts Besseres ein als mit ihm verständnisvoll, wenn auch leicht zitternd, nach einer anderen Lösung zu suchen. Was mich sehr getroffen hat, ist, dass Sophies/Susannes guter Freund Jan/Peter schon nach einer halben Seite stirbt. Das war mir dann doch etwas zu abrupt.
Die anderen "Romananfänge", die eigentlich reifer und überlegter klingen sollten, haben mich fast noch mehr zum Lachen gebracht. Immerhin wurde "007" aber in "Leila" umbenannt.
Mir ist aber noch viel mehr aufgefallen, was mich wirklich ins Staunen versetzt hat. Damals war ich ungefähr 13 Jahre und manche Sichtweisen sind immer noch so. Gut, ich lache jetzt über das "Kindergekritzel", und es fällt mir schwer es ernst zu nehmen, aber z.B. wusste ich gar nicht, dass ich (Lea) damals schon etwas gegen Kosenamen à la "Mausi" hatte. Zumindest habe ich das einfließen lassen, auch wenn dies nur mit einem "Mausi-Waui-Trip" zusammenhängt. Wobei ich diesbezüglich auch nicht mehr ganz so bis gar nicht empfindlich reagiere. Vielleicht hat mich Schnuffi-Katrin immunisiert ;)
Sehr erschreckend fand ich, dass Julia sich nach einer Seite und nach etwa 10 Jahren "bester Freundschaft" plötzlich "irgendwie [...] ein wenig von [Alex] angezogen" fühlt, und das schlimmste: "sogar ganz schön doll."
Hab also noch sehr viel an Arbeit vor mir, wenn ich mich überhaupt noch zu einem "Neuanfang" motivieren kann. Müsste das ganze komplett neu aufrollen, denn teilweise klingt das doch extrem kitschig, zu viel Hollywood-Einfluss vermute ich, sogar eine Szene aus "Save the last dance" habe ich einfließen lassen.
Peinlich, peinlich.

Sonntag, April 29, 2007

Bettmensch

"Müde, träge, immer schlaff
Das ist meine Superkraft
Und ich trage einen Pyjama."

Es ist jetzt gleich halb vier nachmittags. Das hält mich aber nicht davon ab immer noch mit Schlafanzugoberteil im Bett zu liegen. Zwischendurch ein ausgiebiges Frühstück, danach aber gleich zurück ins Bett, Kafka Biographie gelesen, Parallelen entdeckt, zugeklappt, sowohl das Buch als auch die Augen, und wieder eingedöst.

"Denn ich bin Bettmensch.
Halb Bett und halb Mensch.
Hört sich komisch an
Bin eigentlich ganz nett
Mit einem großen Spannbettlaken
Bin ich immer gut beraten
Und ich mach es mir gemütlich
Zwischen Daunen und Federkern
Lieg ich wirklich gern
Hier ist meine Welt noch friedlich
Und bitte jetzt nicht stören."

Einfach mal träumen, der Musik lauschen. Muss auch mal sein. Gestört wurde ich nur beim Lesen - sei es durch meine Mama oder dummerweise vom sich verabschiedenden Laptop-Akku, womit dem Lauschen der schönen Musik ein Ende gesetzt wurde. Bin mir gar nicht sicher, ob ich wirklich geschlafen und geträumt hab - die Musik hab ich durchgehend registriert (glaub ich), aber irgendwie war es auch mehr als nur die Augen schließen und rumliegen.

"Gibt es denn nicht irgendwas
Das schnell und einfach hilft
Gegen diese Lebensform
Die man für mich entwirft
Selbst die Menschen, die man kennt
Sind einem manchmal völlig fremd
Ich muss dann immer ganz schnell weg
Zurück in mein Geheimversteck"

Aber ich kann ja nicht noch die ganzen Tage, Wochen, Monate in diesem Geheimversteck verbringen. Ich brauche eine Aufgabe - abgesehen vom Arbeiten und von den GoMlern. Beim Aufräumen letztens fand ich mein "Meine dicksten Freunde"-Buch wieder, blätterte ein bisschen drin rum und landete bei meiner Lieblingslehrerin. Sie wünschte mir, dass "meine Träume wahr werden, die du in deinem Hundertwasserbild gemalt hast." Damals wollte ich Autorin werden. Die Manuskripte habe ich immer noch - hoffe ich, momentan sind entsprechende CDs oder Disketten nicht auffindbar. Das ist nun sieben, acht Jahre her und die waren damals schon verbesserungsbedürftig. Wird also Zeit, dass ich den "Krimi" neu umschreibe. Wobei es sich damals schon vom Krimi entfernte. Zwei Polizeibeamte, sehr gut befreundet. Doch bevor mehr draus wird, wird er erschossen. Der neue Kollege kommt, sorgt sich um sie. Ihre Schwester kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, sodass sie sich um deren Tochter Pia (der einzige Name an den ich mich noch erinnere) kümmern muss. Nach und nach kommt raus, dass der neue Kollege doch nicht ganz so "sauber" ist. Letztendlich hat er ihren guten Freund umgebracht, um an die Stelle (oder an sie?!) zu kommen. Da er total krank im Kopf ist, entführt er dann auch noch Pia. Die beiden freunden sich widerum an. Ganz so sicher bin ich mir jetzt gerade nicht. Und nachdem ich alles (halbwegs) fertig geschrieben hatte, bemerkte ich dann, dass es ähnliche Geschichten schon längst gegeben hat: Perfect World klingt ähnlich wie die Pia-Entführer-Beziehung, auch wenn ich den Film bis heute nicht gesehen habe. Ach - genauerer Blick auf's Hundertwasser-Bild: 007, der Hund, spielt natürlich auch eine Rolle. Wie konnt ich den nur vergessen. Ich such nachher nochmal in allen Schränken - das muss ja irgendwo sein und dann könnt ihr euch das Buch irgendwann selbst kaufen.

"Hier kommt Bettmensch
Halb Mensch und halb Bett
Hört sich seltsam an
Ist eigentlich ganz nett
Ich bin Bettmensch
Halb Mensch und halb Bett
Und wenn du noch zu mir kommst
Wär dieser Song perfekt ..."

Nachtrag: Manuskript(e) gefunden! Zu meiner Überraschung gab es etwa vier Anläufe. War damals also schon ständig unzufrieden. Verschiedene Perspektiven. Immer andere Namen. Sophie und Jan, Alex und Julia, Lea, Micha und David, Susanne, Peter und Thomas.

Sonntag, April 08, 2007

Starlight Express (300.)

"Du spinnst doch" oder so meinte meine Oma als sie sah, dass ich mich mit Inlinern an den Füßen durch die Wohnung bewegte. Ich gebe ja zu, dass sie recht hatte. Aber auf einmal packte mich einfach die Lust durch mein maximal 4 x 4 m² Zimmer zu "rasen". Die Schmerzen im rechten Fuß ignorierend, wollte ich gar nicht mehr aufhören, legte schließlich sogar die "Starlight Express"-CD ein, was Erinnerungen weckte. Damals hörte ich die Musik hoch- und runter, konnte so ziemlich alles auswendig bis meine Eltern (leibliche) mich zu Weihnachten 2000 endlich in das Musical einluden. Wir hatten so geniale Plätze. Dort, wo die Darsteller während der Rennen immer langfuhren und am Ende noch einmal zum Abschied! Der Papa schüttelte meiner Mama, glaub ich, sogar die Hand. Das war so toll! Werde ich mir auf jeden Fall eines Tages noch einmal ansehen! Überraschenderweise konnte ich heute - nach sieben Jahren - immer noch mitsingen. Zumindest bei meinen "Herzensliedern", vorwiegend die mit Pearl und/oder Rusty. Dadurch war ich offenbar vom Fahren abgelenkt, verlor die Kontrolle, krachte mit den Beinen gegen die Tür und mit dem Oberkörper schön auf den Boden. Wirklich gekracht, denn keine Minute später kam meine Mutter ins Zimmer, um dieses sogleich wieder kopfschüttelnd zu verlassen. Etwa 15 Minuten später klopfte schon wieder wer. "Los, du kannst im Schlafzimmer weiterfahren." Ohne mich zu fragen, wurde ich also aus meinem Zimmer ausquartiert. Ob aus dem Grund, dass Matthias fernsehen oder doch "popseln" wollte, man weiß es nicht... So habe ich heute das große Bett für mich, inklusive ordentlicher Matratze. Was will man mehr?! 'ne Lok mit Locomotion? Oder doch 'n Liebesexpress?

Liebesexpress, nimm mich mit auf Reisen.
Ich fahr mit dir durch das ganze Land.
Wenn du an mir hängst,
Geht die Fahrt ins Glück.

Oder Starlight Express!?
Starlight Express,
ich brauche dich jetzt,
und wünsch mir, du wärst hier.
Wenn es dich gibt,
dann zeige mir den Weg
damit ich nicht verlier.

300. Eintrag und immer noch "glückfrei" (wobei sich das, auf die Tollpatschigkeit bezogen, auch nie ändern wird).
Doch gut zu wissen:


Es gibt ein Licht ganz am Ende des Tunnels.
Ist man im Tunnel drin, dann sieht man es nicht..
Jedoch am Ende des Tunnels scheint ein Licht.

Nachtrag: Es ist Montag, 09. April 2007, 01:40 Uhr. Ich liege in meinem Bett. Kein weiterer Kommentar...

Freitag, April 06, 2007

Zum Schreien...

Wie jawohl alle Wedemärker mitbekommen haben, wurde vor etwa sieben Wochen eine ehemalige Wedemärkerin in Passau ermordet. Ich habe das ganze nur einmal im Wedemark Echo verfolgt. Dort waren auch die Namen der Tatverdächtigen aufgelistet. Auch unter den GoMlern war das Thema kurzzeitig im Gespräch. Der ein oder andere kannt Jan H. über tausend Ecken, der andere vom Sehen, wieder ein anderer persönlich. Ich hielt mich da raus. Ich hatte den Namen noch nie gehört und beschäftigte mich nicht weiter damit, fand es aber erschreckend, wenn ich hörte, dass andere mehr oder weniger etwas mit ihm zu tun hatten, und war erleichtert nicht mitreden zu können. Vor ein paar Tagen habe ich dann in Julias livejournal gelesen, dass der eine sich in Spanien gestellt hat. Da ich davon nichts mitbekommen hatte, wollte ich mich nun mal im Internet darüber informieren. Kurze Zeit später fand ich ein Fahndungsfoto des 29-jährigen. Erinnerte mich ein wenig an einen Tankstellenkunden, bei dem ich vor kurzem auch eine Waffe in der Hosentasche vermutete, aber das muss ein Hirngespinst gewesen sein. Voller Neugier suchte ich dann weiter nach dem zweiten Täter. Foto gesehen und gedacht: "Scheiße! Mit dem hast du Indianer gespielt." Ich kann echt nicht beschreiben, was ich gerade fühle. Aber wenn man sich die ganze Zeit nicht damit beschäftigt, andere beinahe bemitleidet, die ihn gerade mal vom Sehen kannten (selbst sowas kann ja an die Nieren gehen), und dann Wochen später feststellt, dass man drei Jahre lang jeden Nachmittag mit diesem Menschen im Hort verbracht hat - das ist schon ein Schock. Je länger ich mir das Bild ansah, desto mehr dachte ich: "Naja, vielleicht sieht er ihm ja nur ähnlich." Ja, klar, und er trägt nur rein zufällig denselben Vornamen. Hab dann mein Fotoalbum rausgesucht, Hortgruppenbild aufgeschlagen... Wen ich wiederentdeckt habe, muss ich ja nicht extra erwähnen. Aus der Hortabschiedsmappe fiel mir gleich der Text von "Es ist wunderbar Delphin zu sein [...]" entgegen. Ich glaube, er war damals auch einer. Oder ein Frosch? Ist auch egal. Ich mochte ihn.
Versteht mich nicht falsch, aber ich habe gute Erinnerungen an den Hort und damit auch an ihn. Also um Missverständnisse zu vermeiden: Ich mochte den 9-jährigen Jungen. Wenn ich weiter drüber nachdenke, erinner ich mich daran, dass er mit Bami und Dennis auch oft für Ärger gesorgt hat, aber das führt zu weit - von wegen "Man-hätte-es-damals-schon-merken-können". Das ist schwachsinnig. Kleine Jungs sind nun mal ungezogen, frech und alles. Ist es schlimm, wenn man nun gute Erinnerungen hat? Ich denke nicht, denn: "Menschen verändern sich."

Nachtrag: Hab es grad meiner Mama erzählt. Ohne ein Foto zu sehen, wusste sie wen ich meine. Kommentar: "Das ist doch der Lockige, mit dem Claudia [Hortnerin] immer schimpfen musste, oder?"

Mittwoch, April 04, 2007

Zum weinen...

... war mir vorhin als ich mich spontan entschied am Mellendorfer Friedhof Halt zu machen und nach Monaten mal wieder Fabian zu besuchen. Diesmal konnte ich die Tränen nicht zurückhalten. 4 Jahre ist es her. 4 Jahre! Und ich bereue so, dass ich mich nicht anders verhalten habe. Aber hatte ich überhaupt eine Wahl, eine andere Möglichkeit? Nun ist es eh zu spät. War es ein Zeichen von Stärke, dass ich am Totensonntag 2003 den Schritt gewagt habe, seine Familie zu besuchen? Oder wollte ich schlicht und einfach mein Gewissen beruhigen? Ist es nicht viel mehr ein Zeichen von Schwäche, dass ich es in all den Jahren, in denen er gelitten hat, erst zwei Wochen vor seinem Tod geschafft habe, bei seiner Familie anzurufen? Und dass ich mit ihm sprach und das Einzige, was ich rausbekommen habe, die Frage war, ob ich seine Mutter sprechen könnte? Er wollte mich nicht sehen. Verständlich. "Fabian fühlte sich nicht gern wie ein Affe im Zoo", schrieb sie mir im Juni, nachdem ich ihr einen "außerordentlich gefühlvollen Brief" geschrieben hatte. "Es hatten nur Menschen Zutritt, die ihm während seiner zweijährigen Krankheit treu die Freundschaft hielten [...]" Wir hatten lange kein Kontakt mehr zu ihm und seiner Familie gehabt. Dennoch war der Besuch vor etwa dreieinhalb Jahren so voller Vertrautheit. Es war so schön, weil sich kaum was verändert hatte. Aber mein Versprechen oder meinen Vorsatz, einen solchen Besuch zu wiederholen, habe ich wieder hinausgeschoben. Es blieb bei unregelmäßigen Weihnachtskarten- und Pralinen. Ich weiß nicht, ob mehr überhaupt drin ist, weil erneut soviel Zeit verstrichen ist und weil es doch immer wieder Überwindung kostet. Die Zeit vergeht, Menschen kommen und gehen, und die Fehler werden doch nicht weniger. Wir werden älter und wie schon des Öfteren in der letzten Zeit bemerke ich, dass die Erinnerung verblasst. Ich bin mir plötzlich unsicher, ob das woran ich mich erinnere, wirklich das ist, was ich erlebt habe, oder nur das, was ich glaube oder mir wünsche, erlebt zu haben. War es wirklich Fabian, der sich auf der anderen Leitung meldete, oder war dies nur mein erster Gedanke, und stellte sich der Gesprächspartner dann als seine kleine Schwester heraus? Wünsche ich mir, dass ich noch ein letztes Mal mit Fabian gesprochen habe und halte deshalb an dem ersten Gedanken fest? Vielleicht stimmt es auch. Ich weiß nicht.