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Freitag, Dezember 28, 2007

Vince & Joy (Lisa Jewell)

Wundervolle Schnulze, um das Jahr ausklingen zu lassen.
"Let's say that life is a trip across town. Some people are cab drivers - their destination is dictated by their passengers. But other people are bus drivers. They set the course. People can get on and off the bus, but ultimately the bus is only going in one direction and there's nothing a passenger can do to change that. [...] at some point you'll get kicked off the bus. [...] There was still a small but powerful part of him that felt overwhelmingly like he was a passenger on the wrong bus, heading towards the wrong part of town.

Freitag, November 16, 2007

"Be prepared"...

Es gibt einen Gedanken, den ich momentan versuche ganz weit weg zu schieben. Ich hab Angst. Dabei müssen wir alle damit rechnen, dass es früher oder später eintritt, denn "although life goes on and we are eternal, this existence will one day end. [...] And only those who accept this fact are prepared for life."
Indem ich den Tod verdränge, mache ich einen entscheidenden Fehler. "[I] put things off, and fail to notice important moments. [...] If [I] thought a little more about death, [I] would never forget to make that much-postponed phone call. [I] would be a little crazier. [I] would not be afraid of this incarnation coming to an end, because you cannot fear something that is going to happen anyway."
Ganz im Sinne von "Lebe jeden Tag als wäre es [ihr] letzter" müsste ich mich sobald wie möglich in den Zug nach Leipzig setzen. Und nun schieb ich es auf, in der Hoffnung, dass ich noch mindestens bis Weihnachten Zeit habe...
Dabei könnte es jeden Moment vorbei sein: "Today is as good a day as any to leave this world." Andererseits mag es vielleicht noch Wochen, Monate, Jahre so weitergehen. Wer weiß das schon...

Samstag, November 03, 2007

Spontane Aktionen...

... können sich sehr zum eigenen Nachteil herausstellen! Es sei denn, man weiß sie zum Positiven zu wenden. Nach einem geplatzten Mädelsnachmittag konnte ich gut auf vier Stunden Einsamkeit bis zum seit einem Jahr herbeigesehnten Gospelkonzert verzichten und entschied mich konsequent auch letzteres sausen zu lassen, um mit Steff die Stadt unsicher zu machen.
Zunächst ging's ins "Sausalitos". Happy Hour. Um Fünf Uhr nachmittags! Hallooo? Was soll's. Wir sind ja nur einmal jung, richtig?! Aufgrund von x-reservierten Tischen zog es uns ans Fenster. Der beste Platz letztendlich, da man schön die Leute draußen beobachten und sich über diverse lustig machen konnte. Sowohl die Rauchenden als auch die Einkaufenden.
Kaum hatten wir unsere bestellten Cocktails bekommen, bot uns der Nachbartisch schon seine zwei "Mai Tais" an. Frei nach dem Motto "Immer her damit" nahmen wir an. Ich erweiterte das Motto mit "Immer rinn damit" - nachdem Steff vom Geschmack nicht so begeistert war.
Weiter ging's dann ins Fire. Da gab's dann vorbildlich wie wir sind nur Mangosaft und Cola - mehr wäre ehrlich gesagt auch nicht mehr reingegangen. Ach und dann waren da noch putzige Typen. Na eigentlich waren sie ganz und gar nicht putzig. Aber irgendwie war es doch knuffig wie sie so taten als seien sie frisch verliebt. Warum eigentlich?! Da geht doch Hinz und Kunz hin - warum denken alle, das sei ausschließlich eine Schwulen(-und Lesben)-Bar?
Es folgte eine Fotografier- und Schlendertour durch die Stadt. Apropos Fotografieren. Die Dame im Sausalitos hat'n Bild von uns gemacht! Das will ich haben - verdammt! Denn das gemeinsame vom Fire möchten wir wohl niemandem gerne zeigen... Angelabert wurden wir auch von irgendwelchen Typen, die jedoch nicht weiter der Rede wert sind.
21:11 Uhr wollte ich dann die S-Bahn kriegen. Kein Problem. Etwa acht nach oder sogar noch früher war ich da. Die S-Bahn noch nicht an Platz und Stelle. Die Anzeige ignorierte ich gekonnt und stolzierte zu den Sitzplätzen, um auf die Bahn zu warten. Ich leugne nicht, dass ich "etwas" sehr angetrunken war, aber so angetrunken war ich dann doch nicht, dass ich es nicht mitbekommen hätte, dass die Bahn eingefuhr. Letztendlich bekam ich dummerweise nur noch die "Ausfahrt" mit. Die muss irgendwo anders gestanden haben. Jedenfalls fuhr plötzlich die S4 im Schneckentempo an mir vorbei und ich dachte nur "Halt an verdammt!"
So kann's geh'n. Also dem Rehlein eine Nachricht geschickt und zu guter Letzt beim Jungesellinnen-Abschied gelandet. Wahnsinn! Zum einen war es übelst lustig. Die Mädels waren einfach mal total geil (angetrunken). Zum anderen versetzte ich mich laufend in die Lage der überglücklichen Braut und fragte mich, was für ein Wahnsinnsgefühl es sein muss, sich vorzunehmen mit dem Menschen, den man derzeit über alles liebt, das ganze Leben zu verbringen. Ob es nun wirklich ewig hält oder nicht, ist an dieser Stelle nebensächlich.
Apropos. Franzi legte sich doch glatt noch mit einem älteren Herrn an, der bereits zum vierten Mal verheiratet war. "Das ist traurig" war ihr Kommentar und sie suchte sich Bestätigung bei einer der anderen "Junggesellinnen", dass man nur einmal im Leben heiraten sollte. Kann man geteilter Meinung drüber sein. Letztendlich hat sie recht - wenn man vom Idealzustand ausgeht, aber wer weiß schon wie wir in zehn, zwanzig Jahren denken?!
Nachdem die Braut noch über die Schwelle getragen wurde, ging's dann ins Brauhaus. War vor gut drei Jahren schon mal da und muss sagen, dass es mir dort doch recht gut gefällt. Nichtsdestotrotz nahm ich dann doch zwei Stunden nach der ursprünglich geplanten Abfahrtszeit die Bahn, da Franzi eh den Heimweg einschlagen wollte. Dabei wurden mir zwei Schlafplätze angeboten... aber neee. Dafür bin ich Dienstag beim Rehlein zum Essen & (in Kuhbettwäsche-) Schlafen eingeladen.
Wie geil ist es eigentlich, dass die Straßenmusiker auch um elf Uhr nachts noch Schicht haben?! Sogar der "Singende Gulli" war noch aktiv. Viel Zeit dies zu genießen hatte ich jedoch nicht, da ich in acht Minuten von der Altstadt zum Gleis 2 laufen musste.
Schon irgendwie cool, im "leicht" angetrunkenen Zustand Paulo Coelho auf Englisch zu lesen und sich einzubilden plötzlich viel mehr zu verstehen als sonst oder auf dem Bordsteinrand entlangzuspazieren - wobei das eher vom mäßigem Erfolg geprägt war. Lassen wir lieber ersteren nochmal zu Wort kommen:

"Thank him for making us think about how important friends are."

Sonntag, Oktober 28, 2007

"Coming out"

Nicht missverstehen. Es geht nicht darum, dass ich mich in der gestrigen Mädelsrunde (gezwungenermaßen) als "schwul" geoutet habe. Viel mehr um mein ewiges Singledasein und einer plötzlichen, längst fälligen, positiven Wendung - oder besser "Erkenntnis".
Jahrelang grübelte ich vor mich hin: "Seit 20 Jahren Single. Sind meine Ansprüche zu hoch? Mit mir stimmt doch was nicht. Das ist doch nicht normal oder?" Oh doch! Und wie! Ich fühl mich besser denn je, seit mir endlich die richtige Diagnose gestellt wurde: "Quirkyalone", unverbesserliche Romantikerin und Flaneur.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Alles begann mit diesem Buch. Manchmal kann ein Schnäppchen das Leben verändern - zumindest die Lebenseinstellung. Mir kamen beinahe die Tränen - vor Lachen Glück. Es war so unglaublich, mich in den zig beschriebenen Charaktereigenschaften wiederzuerkennen. Sachen, die man glaubte, nur selbst zu empfinden oder zu tun, und dann stellt man fest, dass es so viele andere Menschen gibt, die all das mit einem teilen. Es ist tatsächlich so als würde "einem eine schwere Last genommen".
Übrigens: vor dem zweiten Buch, welches ich auf dem Wühltisch erworben habe, wird eindringlichst gewarnt - solche Ratgeber können die Gesundheit eines Quirkyalones massiv gefährden. Wird also noch eine Weile im Regal verstauben müssen - bis das Glücksgefühl ein wenig verflogen ist (hoffentlich dauert es noch eine Weile an) und ich es mir vielleicht doch mal zu Gemüte führe.

Die Erkenntnis
"Plötzlich erkennen wir, dass wir es uns lieber zu Hause mit einem Buch gemütlich machen, als mit einem Mann auszugehen, der nur zweite Wahl ist. Von dem Augenblick an hören wir auf, krampfhaft nach einem Partner zu suchen."
Die Suche wird sowieso für viele, und zu denen zähle ich mich auch, durch Introvertiertheit und Schüchternheit erschwert. Ich kann nicht gerade von mir behaupten, es würde mir leicht fallen, die Initiative zu ergreifen. Umso mehr freue ich mich darüber, diesen Erwartungsdruck zunächst einmal über Bord werfen zu können.

Die Schattenseiten
"Je länger wir allein sind, desto größer werden die Ansprüche, die wir an einen potentiellen Partner stellen".
Tja, sowas bezeichnet man wohl als die Schattenseiten des ewigen Single-Daseins. Genauso wie die musternden Blicke des Gegenübers, wenn man ihm mitteilt, (seit langem) keinen Freund zu haben oder wenn man sich zum hunderttausendsten Mal anhören muss: "Jeder Topf findet seinen Deckel.".

Das Paradoxon
Nur weil man gern allein ist und sich allmählich mit dem glücklichen Single-Status zufrieden gibt, heißt das noch lange nicht, dass man Beziehungen komplett abgeschworen hat.

"Einerseits ist man glücklich und zufrieden, allein zu sein, andererseits sehnt man sich nach einer festen Beziehung. [...] Quirkyalones sind manchmal wie hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach einem Partner und der Erkenntnis, dass sie eigentlich gar keinen brauchen."

Die romantische Seite
Romantik ist an dieser Stelle nicht mit dem üblichen Kitsch zu verwechseln. Gemeint ist niveauvolle Romantik.

"Quirkyalones haben keine Lust sich mit irgendeinem x-beliebigen zusammenzutun, nur um nicht alleine zu sein. Stattdessen warten wir auf ein Wunder. Wir wollen unter Millionen den einen finden, der uns wirklich versteht."

"Quirkyalones hassen den gesellschaftlich verordneten Liebeskitsch. Stattdessen treten wir für [...] die große, wahre Liebe ein."

"Wir sind so romantisch veranlagt, dass wir in Herzensdingen einfach keine Kompromisse eingehen wollen. Wir suchen nach intensiven Glückmomenten, die man nicht nur zu zweit sondern auch allein erleben kann."

Der (potenzielle) Partner
"Quirkyalones wollen von Anfang an das Gefühl haben , 'das ist der oder die Richtige!'. Nur dann bekommen sie Herzklopfen oder fühlen sich verstanden. Andererseits stellt sich häufig erst mit der Zeit heraus, wie jemand wirklich ist. [...] Die Herausforderung besteht darin, sicher auf eine Beziehung überhaupt einzulassen. [...] Man weiß nicht genau, woran man ist, und das können Quirkyalones nur schwer ertragen. Wir wollen die Sache sofort geklärt haben - ja oder nein! - und machen einen Rückzieher, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt."

"Manchmal ist es schon fast absurd, wie schnell wir potentielle Verehrer von unserer Liste streichen. Eine Freundin meinte unlängst, für sie sei ein Kandidat bereits gestorben, wenn er nach der ersten Verabredung sagt. 'Wir telefonieren'[...]"

Ich werd' das Gefühl nicht los, dass ich diese Freundin war. Das optimale Mittel mich (unbeabsichtigt) in die Flucht zu schlagen!

"Wenn wir uns zu etwas zwingen, was wir rein gefühlsmäßig gar nicht wollen, bekommen wir leicht das Gefühl, im falschen Film gelandet zu sein. [...] Wenn Sie Beziehungen nur eingegangen sind, um endlich "normal" zu sein, sollten Sie diese umgehend beenden." Das schreib ich mir hinter mein Ohrläppchen.

Die Internetbekanntschaft
"Wir haben Vorurteile gegen Online-Dating [...] Da warten wir lieber auf ein Geschenk des Himmels, auf eine schicksalhafte Begegnung [...]"

Diese Vorurteile sollte man jedoch besser ablegen. Man weiß ja nicht, was man so alles verpasst. Es ist nicht zu empfehlen über eine Woche zu warten, während man ausschließlich über Internet/Telefon kommuniziert, ehe man sich endlich zu einem Treffen entschließt. Stimmt ja irgendwie, wobei es wirklich schwer ist, sich so schnell zu überwinden. Aber letztendlich ist es wohl die beste Herangehensweise. Was aber nicht heißt, dass ich mir das jetzt auf der Stelle zu Herzen nehme. Momentan bin ich ganz zufrieden - so (allein) wie es ist.

"Betrachten Sie die Sache wie eine Tombola: Die Anzahl der Nieten ist immer größer als die Anzahl der Gewinnlose."

Der Flaneur
Gerade wenn ich an den spontanen Ausflug nach Timmendorf denke, an das Glücksgefühl nach der Strandbekanntschaft, oder schlicht und einfach an einsame Spaziergänge, fühle ich mich darin bestätigt, in gewisser Weise auch ein Flaneur zu sein. Vor allem in der letzten Zeit fand ich gefallen daran, neue Leute kennenzulernen, beispielsweise über die Mitfahrerzentrale. Auch wenn dies wohl leider nur einmalige Begegnungen waren. Um wirklich allein zu verreisen und auf diese Art Kontakte zu knüpfen, fehlt mir jedoch noch ein gewisses Maß an Offenheit.

Die Heimlichen Single-Laster (HSL)
Das Radio laut aufdrehen, Nenas größte Hits in Dauerschleife hören und lauthals mitsingen... das ist nur eines meiner Singlelaster. Es gibt noch zig andere und es ist herrlich, die ein oder andere beschriebene Marotte bei sich selbst wiederzuerkennen. Und es sind größtenteils Dinge, die ich wohl nur mit mir selbst teilen kann. Über die ich selbst lachen kann und mir denke: "Oh mann. Gut, dass ich allein bin und mich niemand sehen kann."

14. Februar - International Quirkyalone Day
Ich hab's ja immer gewusst. Nicht ohne Grund verbrachte ich dieses Jahr schon den dritten Valentinstag in einer gemütlichen Mädelsrunde, die zu mindestens 50 % aus Singles bestand.

Engel & Joe

Das Buch ist definitiv besser als der Film. Und warf beim dritten Lesen so einige neue Fragen auf. Das einem das zuvor nie aufgefallen ist... merkwürdig.

"Vielleicht hätte sie gerne kurz in seinem Arm gelegen. Nur so. [...] Aber der Junge muss wohl noch geboren werden, der einen nur so in den Arm nimmt. Es sei denn, man kennt ihn schon hundert Jahre. Oder er ist schwul."

Erst dachte ich, ich könnte dieser Aussage ohne groß zu überlegen zustimmen. Aber letztendlich kam ich zu der Erkenntnis: Doch, solche Typen gibts. Sie sind nicht schwul und man muss sie auch nicht hundert Jahre kennen... dreieinhalb reichen. Trotzdem nicht das Wahre. Alles Mist.

"Vielleicht gibt es Liebe ohne dass man sich megamäßig verknallt."

Dienstag, Oktober 16, 2007

Hard-Boiled, Hard Luck II

Nachdem ich dieses Buch letztes Jahr geschenkt bekommen habe, habe ich es soeben zum zweiten Mal zu Ende gelesen - diesmal in gerade mal zwei Tagen (6x 20 Minuten). Und es ist schön. So wunderschön. Speziell die Geschichte "Hard Luck".
Ist es nicht verwunderlich? Dass dieses Buch meinen Geschmack getroffen hat, obwohl zwischen der, die es ausgesucht hat, und mir eine tiefe Abneigung herrscht?!

"Bei mir hat Liebe immer viel mit Unvorhersehbarkeit zu tun. Ich mag einfach Männer, die mir oft genug Anlass geben zu denken: Wie kommt er bloß ausgerechnet in einem derartigen Moment auf so was?"

Sonntag, Oktober 14, 2007

Glennkill (Leonie Swann)

Dank Glennkill habe ich nun endlich den Beweis: Ich bin ein Schaf. Durch und durch:
"Unmögliche und verwirrende Dinge sollte ein Schaf am besten so schnell wie möglich vergessen, bevor ihm die Welt unter den Hufen durcheinander geriet. [...] Schafe sind normalerweise kein geschwätziges Volk. [...] Aber alle Schafe schätzen gute Geschichten. Am liebsten hören sie nur zu und staunen - auch deshalb, weil man gleichzeitig zuhören und kauen kann."
Auch wenn es um Schafe geht, war ich während des Lesens gelegentlich geneigt, das Buch zur Seite zu legen. Der langatmige Schreibstil (meine Meinung) war Schuld, aber: "Alle Geschichten haben ein Ende! Es nützt nichts, das Buch in der Mitte wegzuwerfen, nur weil man etwas nicht versteht."
Und das war gut so! Denn die letzten hundert Seiten waren tatsächlich noch einen Tick unterhaltsamer, sodass ich gleich mal meinen Sonntag abend dafür opferte. Vielleicht legte ich dieses Tempo aber auch nur deshalb vor, weil ich es kaum erwarten konnte, dass es endlich ein Ende hat?!

"Die meisten Menschen zögern, bevor sie ihre Wege verlassen. Misstrauisch sind sie und zartpfotig, als wäre der Boden voller Stolperlöcher, und ihre ersten Schritte sind wie im Schlamm."

Donnerstag, Oktober 04, 2007

Das Spiel ist aus

"Wir gehören zusammen [...]"
"Zusammen? Was haben wir denn gemeinsam?" [...]
"Unsere Liebe."
(Das Spiel ist aus, Jean-Paul Sartre, S. 97)

Sehr schön. Hilft ihnen aber auch nicht weiter. Da können sie noch so sehr für einander bestimmt sein.

Mittwoch, Oktober 03, 2007

"Nicht-Blocken" macht auch nicht glücklicher...

"Smith hatte sie fest an sich gezogen und ließ sich von dem angenehmen Gefühl gemeinsamer Körperlichkeit überraschen; es war so lang, so verdammt lang her, seit er zum letztenmal den geringsten menschlichen Kontakt gehabt hatte. Er hatte vergessen, wie es sich anfühlte, die Arme ganz unbefangen um einen anderen Menschen zu legen, seine Wärme, seinen Körper zu spüren. [...] Sie hatten eine halbe Ewigkeit so dagestanden, die Arme umeinander geschlungen, Jems Kopf auf Smiths Brust, Smiths Kinn auf ihrem Kopf, wobei sie tief atmeten und seufzten und unausgesprochene Gefühle zwischen sich strömen ließen - eine stumme Verbindung zwischen zwei Menschen, die nach völlig verschiedenen Dingen suchten und sie am selben Ort fanden." (Ralphs Party von Lisa Jewell, S. 75 ff.)

Ich erkenn' mich grad selbst nicht wieder. Langsam beginne ich nachzuvollziehen, was Menschen dazu treibt andere zu belügen, zu betrügen und zu verletzen.
Kaum habe ich das gefunden, wonach ich eine halbe Ewigkeit gesucht habe, nämlich Nähe und Geborgenheit, werde ich dem Ganzen schon überdrüssig. Routine/Sehnsucht(?!) (zum Beispiel in Form von täglichen Anrufen) schreckt mich ab.

"Ich weiß, dass ist blöd jetzt, aber weiter so geht's nicht.
Und, ich sag dir: Da hilft auch kein Handkuss,
weil alles so gleich ist, sich alles verändern muss.
Ich glaub nicht, dass du nur der Grund bist,
aber ich dreh meine Runden bis das Fressen gefunden ist."
(Anajo - "Streuner")

Ich beginne das Single-Dasein zu schätzen wie nie zuvor und werde alles daran setzen, mir diesen Zustand von niemandem wegnehmen zu lassen.
Schluss mit dem Rumgeheule: Hiermit erkläre ich schriftlich, mich (zumindest in den nächsten sechs Monaten) nicht mehr über die Einsamkeit zu beschweren (Zitate o.ä. ausgeschlossen). Glücklicher werde ich dadurch sicher auch nicht - ich kann nur wiederholen "Bei [mir] ist Liebe Verschwendung, weil [ich] immer unglücklich [sein werde]" - aber es fehlt einfach das Entscheidende etwas:

"Oh wie schön könnte die Welt sein, wenn die Liebe stärker wär."
(Olli Schulz & Der Hund Maria - "Unsichtbarer Vogel")

Ist nur noch die Frage, wie ich da nun wieder rauskomme. Hätte ich von Anfang an geblockt - wie eh und je - stünde ich nun nicht vor diesem Problem. Letztendlich tat es auch mal gut, sich einfach mal in die Arme nehmen zu lassen. Aber ich konnte doch nicht ahnen, dass das nun u.a. in täglichen Anrufen ausartet.

"Ich bin's nicht wert. Du verschwendest deine Zeit.
[...] Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.
[...] Wenn ich anders könnte, würd' ich mit dir fliegen.
Wenn ich anders könnte, würd' ich dich lieben.
[...] Du sagst, ich geb' uns keine Chance
und ich mach's mir viel zu leicht.

Ich könnte kotzen, weil ich weiß,
dass alle Zeit der Welt nicht reicht.

Du hättest mir noch viel zu geben.
Das was uns beide heilt [...]"
(Juli - "Ich verschwinde")

Das Schlimme ist, dass ich ihn wirklich mag. Das macht es mir so schwer. Ich trau mich nicht die Karten auf den Tisch zu legen. Sage ihm, was er hören will. Trotz Zweifel habe ich kein einziges Mal so richtig geblockt. Aus Angst zu verletzen?! Um die Geborgenheit zu genießen?! Wie egoistisch von mir. Damit mach ich doch alles nur noch schlimmer...

"Lass mal lieber sein,
hab zu viel Respekt vor deinen Gefühlen."
(Annett Louisan - "Das Spiel")

Donnerstag, September 20, 2007

Zeit im Wind (Nicholas Sparks)

"Man weiß, dass es Verliebtsein ist, wenn man die ganze Zeit mit dem anderen zusammensein will und wenn man irgendwie merkt, dass es für den anderen genauso ist."

Na, wenn das so einfach ist... ich bezweifel es, auch wenn es schön klingt. Aber mit jemanden zusammensein (im Sinne von "Zeit verbringen"), will man doch öfter, als man verliebt ist, oder?!

"Ich habe die ganze Zeit Angst."
"Warum verhälst du dich dann nicht so?" [...]
"Weil ich weiß, dass du auch Angst hast."

Wie dem auch sei. Das Buch ist so schön. Nachdem ich beim zweiten Mal lesen überraschenderweise nicht weinen musste, bannten sich die Tränen diesmal doch einen Weg.

"Was befielt dir dein Herz?"
"Ich weiß es nich."
"Vielleicht kannst du nicht hören, was es dir sagt, weil du zu angestrengt lauschst."

Ich glaub, ich bin auf beiden Ohren taub.

"Die Liebe ist langmütig und freundlich,
die Liebe eifert nicht,
die Liebe treibt nicht Mutwillen,
sie bläht sich nicht auf;
sie verhält sich nicht ungehörig,
sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht erbitten,
sie rechnet das Böse nicht zu;
sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit,
sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles,
sie glaubt alles,
sie hofft alles,
sie duldet alles.
Die Liebe hört niemals auf."
(Korinther 13,4-8a)

Freitag, August 24, 2007

Gern Gelesen. (2007)

Gelesen
William Shakespeare - Romeo and Juliet ***
Antoine de Saint-Exupéry - Der kleine Prinz *****
Franz Kafka - Die Verwandlung ****
Franz Kafka - Brief an den Vater *****
Urs Widmer - Top Dogs ****
Kazuo Ishiguro - The Remains of the Day ***
Franz Kafka - Die Erzählungen (teilweise) ***
Cecelia Aherns - Für immer vielleicht ****
Cecelia Aherns - P.S. Ich liebe dich ***
Bernhard Schlink - Liebesfluchten *****
Guillaume Apollinaire - Die Großtaten des jungen Don Juan **
Wolfgang Welsch - Der Stich des Skorpion *****
Nicholas Sparks - Du bist nie allein ***
Dale Carnegie - Freu dich des Lebens **
Banana Yoshimoto - Eidechse ****
Jonathan Safran Foer - Extremly loud and incredibly close ******
Anna Gavalda - Zusammen ist man weniger allein ****
Thierry Lenain - Un pacte avec le diable ***
Gloria D. Miklowitz - The War between the classes **
Nick Hornby - About a boy *****
Lisa Jewell - Ralphs Party *****
Morton Rhue - Give a boy a gun *****
Banana Yoshimoto - Dornröschenschlaf *****
Arnon Grünberg - Statisten **
Nicholas Sparks - Zeit im Wind ****
Jean-Paul Sartre - Das Spiel ist aus ****
Leonie Swann - Glennkill ***
Banana Yoshimoto - Hard boiled, Hard Luck *****
Kai Hermann - Engel und Joe ****
Mark Haddon - The curious incident of the dog in [...] ***
Sasha Cagen - Singles aus Leidenschaft ****
Stefan Frädrich - Günter lernt verkaufen ***
Paulo Coelho - Like the flowing river ***
Lisa Jewell - Vince & Joy *****

Mittwoch, August 08, 2007

Ralphs Party (Lisa Jewell)

Dieses Buch ist, sowohl inhaltlich als auch sprachlich, so toll! Hab es vor einigen Jahren schon mal gelesen und erinnerte mich gar nicht mehr daran wie wunderschön, aber auch abartig, es geschrieben ist. Die Phantasie der Männer wird unverblümt beschrieben, sodass man sich an manch' einer Stelle nur denkt: "Igitt" oder einfach schmunzelnd weiterliest. Eine Geschichte, die wohl nur darauf wartet verfilmt zu werden, denn all das Beschriebene spielte sich teils so lebendig in meinem Kopf ab. Und dennoch halte ich es für nicht verfilmbar, weil man all diese Emotionen gar nicht auf diese Weise ausdrücken könnte.

Besonders angetan hatte es mir ein etwa drei Seiten langer Dialog über Freunde auf der einen Seite und auf der anderen Menschen, denen man auf der Straße begegnet ohne je Teil ihres Lebens zu werden und das damit verbundene Gefühl, dass einem etwas entgeht.

Ralph: "Freunde sind eine Investition, nicht immer reines Honigschlecken. Nicht nur Fun und Lachen und tolle gemeinsame Erfahrungen. Freunde haben Bedürfnisse, Probleme, Wünsche, Unsicherheiten, Erwartungen, und um ein guter Freund zu sein, muss man zumindest versuchen, all dem gerecht zu werden und nicht nur die guten Zeiten auskosten. Ich glaube nicht, dass man diese Art von Beziehungen jedem anbieten kann, dem man auf der Straße begegnet. Ich denke, man muss wählen, man kann nur zwei Pralinen aus der Schachtel nehmen und muss ein paar Cremehüttchen und Krokantecken den anderen überlassen." [...]
Jem: "Deine Freunde sind nicht unbedingt diejenigen, die du am liebesten magst, sondern einfach die, denen du zuerst begegnet bist. Dein ganzes Leben lang suchst du nach dem richtigen Partner, aber vielleicht entscheidest du dich zu früh für deine Freunde, und dann legst du dich fest für den Rest deines Lebens, ohne zu wissen, was du verpasst."

Zu guter letzt noch ein paar überflüssige Zitate:

"[...] und die beiden schlugen die Zeit tot... bis - ja, bis wann? Bis sie zu alt sein würden, um etwas daran zu ändern? Bis alle Chancen im Leben wie nicht abgeholte Tombolapreise an andere verschenkt würden?"

"Die Dinge geschahen einfach, und erst im nachhinein konnte man feststellen, an welchen Punkten man sich gestattet hatte, die Kontrolle über sich zu verlieren, den falschen Entschluss zu fassen, sich danebenzubenehmen."

"Es gibt keine Abenteuer im Leben, wenn man niemandem traut."

"Die Menschen sind so voller Vorurteile [...], vielleicht weil sie niemals die Chance hatten, jemanden wirklich zu mögen, der nicht dem Idealbild entspricht."

"Wenn du einen Mann hast, oder eine Frau, und du liebst ihn oder sie, dann mach bloß keine Blödsinn, betrüg ihn oder sie nicht. Bitte. Tu's einfach nicht. [...] Lasst es einfach bleiben. Denn wenn man mit jemandem zusammen ist, der eure Liebe erwidert, dann ist man der glücklichste Mensch auf der Welt."

Freitag, August 03, 2007

About a boy (Nick Hornby)

Ein wirklich schönes Buch, muss ich sagen. Leider habe ich es noch nicht im Original gelesen, aber ich wage zu behaupten, dass die deutsche Übersetzung relativ gut gelungen ist - schön geschrieben, tolle Ausdrucksweise.
Ich finde es schade, dass man Ellie in dem Film nur am Rande erwähnt (soweit ich mich erinnere). Meiner Meinung nach ist die Freundschaft zwischen ihr und Marcus von ziemlich großer Bedeutung und trägt auch maßgeblich zur Veränderung Marcus' bei. Auch die Kurt-Cobain-Geschichte spielt im Buch eine wichtige Rolle - warum geht es im Film dann um Hip-Hop?! Warum verzichtet man auf solche entscheidenden Details?! Meinetwegen hätten sie einen Überlänge-Film drehen können, aber wie kann man nur Ellie und Kurt Cobain mehr oder weniger verschweigen?!

"Das Beste war, dass er sich wirklich um Ellie kümmern musste, und das fühlte sich gut an. Er hatte sich sein ganzes Leben lang noch nie um etwas oder jemanden kümmern müssen - er hatte nie ein Haustier gehabt [...] und da er Ellie mehr liebte, als er einen Goldfisch oder Hamster je hätte lieben können, war es ein Spitzengefühl."
(Nick Hornby - About a boy)

Donnerstag, Juli 26, 2007

Zusammen ist man weniger allein

"Was die Leute davon abhält, zusammenzuleben, ist ihre Dummheit, nicht ihre Verschiedenheit."

In den letzten Tagen hab ich es verschlungen, obwohl es letzten Endes doch nur "ganz nett" zu lesen war. Besser als Cecelia Aherns, aber nicht schöner als "Die fabelhafte Welter der Amélie" wie der Klappentext verspricht.

"Sie gaben sich die Hand und tauchten gemeinsam wieder auf. Die Hand ist nicht schlecht. Sie bringt keine Verpflichtung für den, der sie gibt, und beruhigt den, der sie nimmt."

Das letzte Kapitel war wohl das Schönste. Kitsch ohne Ende. Aber soooo schön.

"Bestimmt erlebst du gerade eine hyperromantische Szene. Bestimmt stehst du allein auf dem Bahnsteig, wie in einem Film, und heulst deiner Liebe nach, die sich in einer weißen Rauchwolke verliert."
Sie lächelte unter Tränen. "Ü... Überhaupt nicht", brachte sie heraus, "ich... ich wollte gerade den Bahnhof verlassen."
"Du Lügnerin", sagte eine Stimme hinter ihr. Sie fiel ihm in die Arme und drückte ihn fest fest fest fest. Bis die Naht platzte. Sie weinte.
Öffnete die Schleusentore, schneuzte sich in sein Hemd, heulte noch mehr, entließ 27 Jahre Einsamkeit, Kummer [...]!

Im Film, der in drei Wochen erst in die Kinos kommt, aber gestern schon in der "Ladies Night" zu sehen war, wurde diese Szene bei weitem nicht so romantisch (wie in meiner Phantasie) dargestellt. Dennoch eine wirklich gelungene Romanverfilmung meiner Meinung nach - wobei ich zugeben muss, dass ich keine hohen Erwartungen hatte und die nicht detailgenaue Umsetzung dementsprechend als nicht so schlimm empfand. Außerdem spielte Audrey Tautou eine der vier Hauptrollen - das machte alles wett.

Mittwoch, Juli 18, 2007

Extremely old and incredibly thoughtful

Ich hab's ausgelesen. Es fiel mir schwer die Tränen zurückzuhalten. Es war so schön/traurig.
Ich versteh nicht, warum beide meiner Lieblingsbücher auf Englisch sind, wo ich diese Sprache doch eigentlich nicht ausstehen kann. Aber Charlies ("The Perks of being a wallflower") und Oskars ("Extremely loud & incredibly close) Ausdrucksweisen sind einfach so wunderschön/einzigartig/fesselnd.
Zu guter letzt nun noch ein paar Äußerungen seiner Grandma und seines Grandpa's. Vielleicht teilweise nicht so verständlich, wenn man den Zusammenhang nicht kennt. Aber ich kenn' ihn, das reicht - ist ja mein Blog.

"You cannot protect yourself from sadness without protecting yourself from happiness."

"I am the one who broke the rule."
"But I am the one who made the rule you couldn't live with."

He promised us that everything would be OK. I was a child, but I knew that everything would not be OK. That did not make my father a liar. It made him my father.

I'm so afraid of losing something I love that I refuse to love anything.

"It's better to lose than never to have had."
"I lost something I never had."

Abschließend noch eine Feststellung Oskars. Es ist zwar nichts neues, dass jeder Mensch eines Tages sterben wird, doch so wie er es (in den 9/11 Zusammenhang) verpackt, komm ich nicht drum herum, es zu zitieren:

"Everything that's born has to die, which means our lives are like skyscrapers. The smoke rises at different speeds, but they are all on fire, and we are all trapped."

Mittwoch, Juli 11, 2007

Great inventions, dialogues and thoughts

Oscar is nine years old and inventor (at least inside his brain). His father died in 9/11. And there are so many great inventions, dialogues and thoughts in this novel:

Isn't it so weird how the number of dead people is increasing even though the earth stays the same size, so that one day there isn't going to be room to bury anyone anymore? [...] So what about a skyscraper for dead people that were built down? They could be underneath the skyscrapers for living people that are built up. [...] Sometimes I think it would be weird if there were a skysraper that moved up and down while its elevator stayed in place. So if you wanted to go to the ninety-fifth floor, you'd just press the 95 button and the ninety-fifth floor would come to you. Also, that could be extremely useful, because if you're on the ninety-fifth floor, and a plane hits below you, the building could take you to the ground, and everyone could be safe, even if you left your birdseed shirt at home that day.

Dialogue between Oscar and his father:
Oscar: "Can't you even tell me if I'm on the right track? [...] But if you don't tell me anything, how can I ever be right?"
Father: "Another way of looking at it would be, how could you ever be wrong?"

I felt, that night, [...] incredibly close to everything in the universe, but also extremely alone. I wondered, for the first time in my life, if life was worth all the work it took to live. What exactly made it worth it? What's so horrible about being dead forever, and not feeling anything, and not even dreaming? What's so great about feeling and dreaming?

Mr. Black: "So many people enter and leave your life! Hundreds of thousands of people! You have to keep the door open so they can come in. But it also means you have to let them go."

("Extremely loud & incredibly close" by Jonathan Safran Foer)

Freitag, Juli 06, 2007

Incredibly beautiful

Zwar bin ich gerade mal auf Seite 93 von "Extremely loud & incredibly close" (by Jonathan Safran Foer), aber ich denke, ich kann trotzdem schon sagen, dass ich momentan ein wunderschönes Buch lese. Und weil es gut möglich ist, dass ich noch auf so einige zitierwürdige Textstellen aufmerksam werde, fang ich heute schon mal an:

"Hi." "Hello." "Are you Abby Black?" "Yes." "I'm Oskar Schell." "Hello." "Hi." I told her, "I'm sure people tell you this constantly, but if you looked up 'incredibly beautiful" in the dictionary there would be a picture of you." She cracked up a bit and said, "People never tell me that." "I bet they do." She cracked up a bit more. "They don't." "Then you hang out with the wrong people." "You might be right about that." "Because you're incredibly beautiful."

Dienstag, Juli 03, 2007

Eidechse

Vor ein paar Wochen behauptete ich, dass Autoren besser schreiben können als ihre weibliche Konkurrenz. Ich muss mich berichtigen. Mit "Eidechse" hat nun das dritte Buch von Banana Yoshimoto einen Platz in meinem Regal gefunden und damit hat sie es erneut geschafft mich in ihren Bann zu ziehen.

"Es wäre doch schön, wenn es jemanden gäbe, so jemanden wie Gott, der die Regeln für unsere Welt festlegen würde. Der darauf achtgeben würde, dass ein Mensch nur so weit geht, wie es ihm erlaubt ist. Der beurteilen könnte, wann es genug ist und man absolut nich weitermachen sollte - so jemanden gibt es aber nicht. Es wäre doch schön, wenn jemand den Lauf der Dinge aufhalten würde, das tut aber keiner. Das müssen wir selbst erledigen. Egal, wie schlimm es auch ist, was man erlebt, es lässt sich nicht ändern und es bleibt einem nur der Gedanke, dass alles mögliche passieren kann."

Womöglich waren es gar nicht meine Grübeleien und Überlegungen, die den Lauf der Welt bestimmten, vielleicht brauchten [...] wir alle uns gar nicht groß zu quälen, und die Köpfe zu zerbrechen, weil wir uns nämlich in einem riesigen Strudel befanden, der uns immer weiter mit fortriss bis wir sowieso irgendwann an den richtigen Platz gespült würden. Das war der Augenblick, in dem ich mich einen ersten, winzigen Schritt von der Vorstellung löste, ich sei der Nabel der Welt. Ich verspürte weder Freude noch Enttäuschung, sondern ein seltsam gelöstes Gefühl der Unruhe, der Ungewissheit, so als hätte ich endlich einen Muskel locker gelassen, den ich bis dahin immer unnötig angespannt hatte.

"Du hattest immer schon ein Talent, das mir fehlt. [...] Für die Kunst zu leben, das Leben auszuschöpfen. Das Talent zu meinen, alles habe seine Zeit und zu merken, wann es Zeit ist weiterzuziehen. Das Talent, immer nach vorne zu schauen. Das Talent, der Illusion aufzusitzen, dass man imstande sei, sich in einer Sache zu perfektionieren, bis man ihrer überdrüssig wird, um dann damit abzuschließen, sich etwas anderem zu widmen. Obwohl der Mensch sich doch in Wiklichkeit sein Leben lang immer nur im Kreise dreht."

Der Abschied war so traurig. Dass dieser Tag irgendwann kommen musste, war klar, doch die Zeit, die wir gemeinsam verbracht hatten, war zu perfekt gewesen, als dass wir uns [...] einfach hätten wiedersehen können [...] Das gibt es dann wohl auch [...] Dass etwas perfekt ist und deshalb zu Ende gehen muss.

Dienstag, Juni 26, 2007

Freu dich des Lebens

Die letzten drei Tage quälte ich mich durch "Freu dich des Lebens" von Dale Carnegie. Vielleicht ist Quälen jetzt ein wenig übertrieben, aber ich frag mich einfach, wie viel die Leute, die solche Bücher lesen, für ihr zukünftiges Leben und Verhalten mitnehmen. Da sind zig Ratschläge, denen man sich annehmen soll (und ich habe nur die Auswahl (!) aus "Sorge dich nicht - lebe" und "Wie man Freunde gewinnt") und man denkt sich nach einem Kapitel: "Mensch da sollt ich in der Zukunft mal drauf achten" oder "Das muss ich demnächst mal ausprobieren" und ein, zwei Kapitel später hat man das vorherige schon wieder vergessen.
Für alle die so denken gibt es dann am Ende die Zusammenfassung. Zu jedem Kapitel ein Merksatz. "Stehen Sie zu sich selbst", "Machen Sie Ihre Arbeit mit Begeisterung", "Zählen Sie die Geschenke, nicht die Probleme", "Tun Sie ihr Bestes", "Interessieren Sie sich aufrichtig für die anderen", "Lassen Sie den anderen glauben, die Idee stamme von ihm", "Sprechen Sie zuerst von Ihren eigenen Fehlern, ehe Sie andere tadeln", "Machen Sie Vorschläge statt Befehle zu erteilen"...
Aber trotz vieler Erfahrungsberichte bezweifel ich, dass all diese Ratschläge wirklich von der Mehrheit der Leser befolgt werden. Denn die meisten machen es sicher so wie ich: Sie lesen das Buch. Ein Kapitel nach dem anderen. Und wenn sie damit fertig sind, schnappen sie sich das Nächste.
Würde Dale Carnegie das hier jetzt lesen, hätte er allen Grund zu behaupten, dass ich nichts von dem verstanden habe, was er geschrieben hat. Denn das, was ihr hier tue, ist nichts als kritisieren. Es ist nicht so, dass Carnegie keine Kritik wünscht, aber er zieht es vor, sie indirekt auszusprechen. Am Besten hier und da noch ein anerkennendes Lob.
Aber wie gesagt, ich zweifel an der Umsetzung. Sind außerdem zu viele Informationen auf einmal. Und nicht nur das: Mit 20 hat man auch seine Erfahrungen und Fehler gemacht. Aus den ein oder anderen hat man gelernt, aber manche Verhaltensmuster treten immer wieder auf und die kann man nicht von heut' auf morgen wegretuschieren. Natürlich kann man sich ändern, aber ... vermutlich habe ich gerade Lust einfach mal Sau zu sein. Vielleicht versuche ich durch meine Kritik aber auch darüber hinweg zu täuschen, dass ich unfähig bin, mich den Ratschläge anzunehmen und mich darauf einzulassen, einen besseren Umgang mit Menschen zu pflegen oder ähnliches.
Ich glaube, solche "Glückskärtchen", die man sich ab und zu, idealerweise Tag für Tag zur Hand nimmt, würden mehr bewirken als so ein Buch, das man sich einmal durchliest, um sich dann dem Nächsten zu widmen. Vielleicht geht es aber auch nur mir so, das Buch wird ja nicht umsonst fünf Mal fünf Sterne bei "amazon" eingeheimst haben.
Trotzdem kann ich das, was ich eigentlich gelernt haben sollte momentan einfach nicht auf eine Alltagssituation anwenden. Laut Carnegie soll man dem Gegenüber seine Vorteile, die er aus etwas schöpfen würde, aufzeigen, statt seine Argumention zum Beispiel mit "Ich will" zu beginnen. Aber ich will ein Zwergkaninchen und mir fallen ganz und gar keine Vorteile für meine Mama ein, mit denen ich sie überzeugen könnte. Bleibt also nur das "Ich will", aber wenn es nach Carnegie geht, erreicht man damit genau das Gegenteil. Somit kann ich mir das also gleich abschminken und mein "Moppel" muss weiter bei "Meister Lampe" verweilen.
"Die Kunst beliebt, erfolgreich und glücklich zu werden" lautet der Untertitel. Aber bei mir hat es nur bewirkt, dass ich gerade sehr demotiviert bin und schon ahne, dass meine Mama die besseren Argumente hat und ich einsehen muss, dass das doch mal wieder nichts als eine Schnapsidee war.

"Wir denken selten an das, was wir haben, sondern immer nur an das, was uns fehlt."
(Schopenhauer)

Samstag, Juni 23, 2007

Was für'n Tag

Heute erwachte ich mit dem Gedanken: Ich liebe diese Tage, an denen man einfach grundlos glücklich zu sein scheint. Und tatsächlich grundlos, denn schließlich klingelte mein Wecker das erste Mal um halb acht und am liebsten hätte ich mich noch stundenlang unter meine Decke gekuschelt, doch darauf musste ich noch weitere sechs Stunden warten: Die Arbeit rief.
Mein Chef begann gleich erstmal von seinem Sohn zu erzählen, der gerade von der Klassenfahrt zurück gekommen sei. "Wo war er denn?", fragte ich interessiert. "Segeltörn in Holland." Meine Augen begannen zu leuchten! Die nächsten fünf Minuten konnte ich mich kaum mehr auf die Kunden konzentrieren, weil ich so damit beschäftigt war in Erinnerungen zu schwelgen. Peter...! Was für ein Mann! [Ironie!] Was würd' ich darum geben nochmal mit ihm über's Wasser zu schippern. Leute, wir müssen das doch irgendwann mal hinkriegen! Seit Ende der Neunten nehmen wir uns das schon vor. Wochenenden werden auch angeboten. Och, das wär so genial! Ich hab schon wieder das "inoffizielle Logbuch" rausgekramt!
Seit dieser erlebnisreichen Woche weiß ich, dass ich intro- und Steff extrovertiert ist. Der gute Nils hat ja keine Ahnung! Und Olli's Handynummer hab' ich letztes Jahr gelöscht. Sowas aber auch! Wie konnt' ich nur! Dabei sind wir damals nachts im Schlafanzug unerlaubterweise über zwei Schiffe [der reinen Jungenklasse] geklettert - nur um obige zu erhalten! Aber das Beste war wohl der letzte Abend. Als ich meinen vollen Film ins Wasser fallen ließ, vor Frau S. in die Knie ging, wir uns mit Jerome unterhielten und ich schließlich in Peters Kajüte (?) verschwand! Kaum zu glauben, dass mir an diesem Abend Rotwein schmeckte. Ach, ich könnt hier eigentlich, dass gesamte Logbuch zitieren, aber ich will euch ja nicht langweilen. "Besoffen?"
Viel mehr muss ich noch ein Paar Kunden-Sprüche loswerden, die an mich gerichtet waren und mich irgendwie zum Schmunzeln brachten:
Kunde 1: "Das gibt's doch nicht! Diese Frau ist sowas von clever!!!"
Kunde 2: "Haben Sie heute Lotto gespielt? [...] Nein? Schade! Sie hätten bestimmt gewonnen!"
Mein Chef kam zwischendurch dann auch vom "Kohlrouladen-Zubereiten" wieder. Ein Kunde hielt ihn auf und zwang ihm ein Gespräch auf. An sich ist das nichts besonderes, aber mir fiel auf, dass mein Chef immer wieder besorgt in den Laden blickte, ausweichen wollte, das Gespräch beenden wollte. Als er es geschafft hatte, klärte sich auf, warum. Er rannte sofort zum Telefon, wählte und richtete seiner Frau aus: "Kannst du bitte den Herd ausschalten?!" Männer... immer für eine Überraschung gut.
Ansonsten war heute nicht wirklich viel los. War mir ganz recht, da ich ganz gefesselt von Nicholas Sparks "Du bist nie allein" war. Nach "Zeit im Wind" ist es erst das Zweite, das ich von ihm lese, und es war vollkommen anders. Nicht so schnulzig, sondern eher spannend, sodass ich mich nach der Arbeit gleich in mein Bettchen verkrümmelte und weiterlas, aber zwischendurch nicht drum herum kam etwa zwei Stunden fehlenden Schlaf nachzuholen. Schon der dritte Mittagsschlaf in Folge. Merkwürdig. Aber bei dem scheußlichen Wetter draußen, wüsst' ich auch nichts Besseres mit meiner Zeit anzufangen.
Jedenfalls wage ich es jetzt mal die Behauptung aufzustellen, dass Männer besser schreiben können als Frauen. Stephen Chbosky, Wolfgang Welsch,... Nicholas Sparks reiht sich zwar noch nicht wirklich in die Reihe meiner Lieblingsautoren ein, aber gegenüber Cecelia Ahrens Schreibstil, der mich wirklich oft an den einer 12-Jährigen erinnerte, besteht ein himmelweiter Unterschied.
Und um die Erkenntnisse des heutigen Tages zu vervollständigen: Ich bin ein Herbsttyp, wie mir Julia gerade mitteilte. Denn ich habe mich bereit erklärt, mich für sie als Fotomodel anzubieten, vorausgesetzt das Styling ist inklusive. Das kann was werden. Immerhin hat sie schon von allein festgestellt, dass ich eher der brave Typ bin und für die gewagteren Posen nur Jenny in Frage kommt. Das beruhigt mich.