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Sonntag, Dezember 30, 2007

"Zuhause" - Damals und Heute

"Du gehst den Weg noch einmal ab.
Setzt an der Bordsteinkante nach.
Und dann fällt dir plötzlich auf,
hier warst schon einmal.
Das ist dir alles so vertraut
und irgendwie kennst du dich aus.
Und auf einmal wird dir klar,
früher warst du hier zuhaus'"
(Ton - Die Sorgen anderer)

Auf dem Weg zu meiner Oma am Donnerstag musste ich in Möser Halt machen. Dem Ort, wo ich von 1998 - 2000 gelebt habe. Es ist zu einem kleinen Ritual von mir geworden, wenn ich einmal (allein) dort bin, von der Schule bis zu unserem Haus zu fahren.
Komisches Gefühl den Schulweg, den ich damals mit Tag für Tag mit Anne (sie wohnte ab dem Zweiten Halbjahr der 5. Klasse gegenüber) ging, entlangzufahren. Viel hat sich nicht verändert. Ich frage mich, was wäre wenn... du hier geblieben wärst. Aber Fragen auf die es keine Antworten gibt, braucht man sich im Grunde gar nicht zu stellen. Auf jedenfall wäre vieles anders geworden.
Und weil ich eine kleine Stalkerin bin, fuhr ich mit Schrittgeschwindigkeit an unserem Haus im Verbindungsweg vorbei, um immerhin noch die alte Garage einzufangen. Dass dieses hässliche Ding noch niemand abgerissen hat... na ja. Passt zumindest nicht zu dem (Traum-)Haus. Mit der (Traum-)Küche, die meine Mutter abbezahlte, damit andere nach 2000 dann die Milch für meinen Halbbruder zubereitet konnten. Die Welt ist so ungerecht.
Was meinen Halbbruder betrifft, ist Punkt 3 auf der Wunschliste übrigens gestrichen. Macht kein Sinn eine Rolle in seinem Leben einzunehmen, wenn man 5 Jahre verpasst hat. Außerdem habe ich mich in der Vergangenheit schon bemüht. In Form von Weihnachtsgeschenken und Geburtstagskarten mit Fotos. Aber nie kam was zurück. Kann man von einem 5-Jährigen auch nicht erwarten - aber wozu hat man Eltern?! Das für dieses Weihnachten geplante Geschenk liegt daher auch wieder verpackt im Schrank. Folge eines Spontankaufs. Einen Jungen, der sich einen Hubschrauber wünscht, kann man wohl kaum mit Büchern begeistern - auch wenn es um einen Löwen geht...
Wie dem auch sei. Die kleine Zeitreise sowie das familiäre Weihnachtsfest hat zum ersten Mal folgendes ausgelöst: Ich hatte das Gefühl, dass das "Zuhause ist, wo meine Freunde sind" dem "Zuhause ist, wo meine Familie ist" gegenüber überwiegte. Nicht verwunderlich, wenn man vom Cousin von oben bis unten abwertend beäugt wird, um sich mit einem "Ziehst dich noch um?!" begrüßt zu werden. Arschloch. Nichts gegen meinen Jogginganzug!

Freitag, Dezember 28, 2007

Karl Heinz - Mein Stern auf allen Wegen

Knapp 450 Kilometer. Er und ich - allein. Dass sich das Autoradio bereits nach zehn Kilometern verabschiedete machte nichts. Wir hatten ja einander (und ich meinen mp3-Player samt Kopfhörern). Die Fahrt nach Magdeburg: Ein Wintermärchen. Das wenige Stunden später - pünktlich zu Weihnachten - schon vorbei sein sollte. Soviel zur "weißen Weihnacht'".
Letzten Endes war ich aber sehr froh über diese Wetterverhältnisse. Ohne Bedenken konnte ich heute wieder die (staufreie) Heimfahrt antreten. Da konnte er mir nach zweieinhalb Jahren endlich mal zeigen, was wirklich in ihm steckt. Noch nie hat Auto(-bahn) fahren so viel Spaß gemacht. Karl-Heinz ist der Größte!
Ich geb' Gas - Ich will Spaß!

Sonntag, November 11, 2007

Irrfahrt ins Unbekannte

Wahrscheinlich klingt die Überschrift viel interessanter/spannender als das, worum es letztendlich geht. War heute zum 25. Geburtstag meine Lieblingsmitazubine Janna eingeladen. Zusammen mit Janina. Wir drei hängen eigentlich immer zusammen. Warum nur wir zwei?!
Janna meinte, wir würden da besser reinpassen beziehungsweise dass wir uns besser eingliedern könnten. Wie bitte?! Ich?! Leute! Das ist ein verdammt gutes Zeichen! Sie hat in den letzten zwei Monaten diesen Eindruck von mir gewonnen. Das bedeutet, dass ich auf einem guten Weg bin anderen Menschen offen zu begegnen. Es heißt jedoch nicht, dass ich meine Schüchternheit komplett verloren habe.
Ich kann Menschen freundlich begegnen, doch um offen und gesprächig zu sein, muss der Gegenüber mich auf irgendeine Art motivieren und von sich aus in ein Gespräch verwickeln. Von selbst fällt mir das sehr schwer. Small-Talk ist und bleibt mir ein Grauen, ich wehre mich zwar nicht massiv dagegen, wenn ich damit konfrontiert werde, aber wirklich begeistern tut es mich nicht und mir Fragen/Themen auszudenken, um Gesprächspausen zu überbrücken, fällt mir nachwievor schwer.
Jedenfalls fuhr ich gegen 21 Uhr hier los, Richtung Garbsen. Autobahn war kein Problem, aber als ich dann in dem Ort war, bekam ich Schwierigkeiten, düste ewig durch den falschen Ort ehe ich meinen Fehler bemerkte und kam dadurch mit mindestens zehn Minuten Verspätung an.
Die Rückfahrt sah ich nicht als wirkliche Herausforderung - ich weiß ja, wo ich wohne. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden: Ausfahrt verpasst, da angenommen danach kommt ja noch die Richtige. Kam sie aber nicht, also gewendet und wieder massig Zeit und Sprit verloren. Und das bei den jetzigen Preisen... Im Radio lief nur Müll, mein mp3-Player machte schlapp und erst fünf Minuten vor der Ankunft zu Hause konnte ich ihn wieder zum Leben erwecken.
Soviel zur Irrfahrt. Das Unbekannte waren neben einem Ort, namens Horst, den ich noch nie in meinem Leben durchquert hatte, die anderen Geburtstagsgäste.
Natürlich alle viel älter als ich, abgesehen von Janina und Jannas Schwester Neela, die ich zufälligerweise schon vom Bewerbungsgespräch bei Bahlsen kannte. Wie heißt es so schön?! "Die Welt ist klein." Der Name könnte "Merle" übrigens Konkurrenz machen.
"[Gab] auch was zum Angucken"
wie unser bayrischer Dozent sagen würde. Wunderhübsche, natürlich und sympathisch wirkende Mädels Frauen. Zwei davon bereits Mütter. Die Kerle waren jetzt auch nicht gerade hässlich, teilweise sogar recht knuffig, aber die Ausstrahlung der weiblichen Gäste zog mich dann doch mehr in den Bann.
War übrigens keine richtige Party in dem Sinne sondern ein sogenanntes "Sit-in" auch wenn die meiste Zeit in der Küche gestanden wurde. Getanzt wurde trotzdem vereinzelt. Ich hielt mich zurück, auch wenn mich Janna mehr als einmal drum bat - immerhin "gröhlte" ich bei dem ein oder anderem Lied mit.
Ich mag diese Art von "Party". Gute Freunde, (Party-)musik zu der man mitgröhlen, schunkeln, tanzen kann oder es einfach lässt, eine Lautstärke, die noch die Möglichkeit bietet sich zu unterhalten. Habe unheimliche Lust auch mal so ein "Sit-In" zu veranstalten.
Wirklich ins Gespräch gekommen, bin ich mit Jannas Freunden nicht. Das ein oder andere Mal konnte ich mich mit ein, zwei Sätzen einbringen oder man kommunizierte in Form eines Lächelns/Schmunzelns/Lachens oder eines zustimmenden Nickens miteinander.
Zumindest bin ich guter Dinge, dass ich nicht all zu sehr wie die "graue Maus" oder was auch immer rüberkam. Nach Small-Talk à la "Und was machst du beruflich?", "Wie lange kennst du Janna schon?" war mir nicht. Wäre sicherlich eine Möglichkeit gewesen ins Gespräch zu kommen, aber... das wäre zu gezwungen rübergekommen.
Dafür unterhielt ich mich mit Janina - wenn uns grad was einfiel, oder wir schwiegen und lachten eben gemeinsam. Kennt eigentlich jemand das Lied vom "roten Pferd"? Also wir beide kannten es nicht. Nachdem es dann aber zum Dritten Mal lief, wären wir wohl auch in der Lage gewesen mitzugröhlen. Bin der Meinung, dass mir das letztens schon mal wer vorgesungen hätte. Ich erinner mich nur nicht mehr, wer. Vermutlich Janna. Das wäre das naheliegendste. Aber wann?!
Als wir uns dann kurz vor 3 Uhr verabschiedeten, umarmte mich/uns der "Typ im rosa Hemd". War recht betrunken. Die Treppe runtergehend, hörte ich dann noch ein "Na los xxxxx, geh hinterher" und Janna meinte unten (zum Spaß), dass der Gute sich wohl (mal wieder) verliebt hätte. Ist nur die Frage in wen. Den ganzen Abend über hielt ich ihn für schwul. a) weil Janna ihn mir so vorgestellt hatte b) weil er ein rosa Hemd trug und c) weil er sich irgendwie so verhielt. Aber Punkt a) schien mir zum Ende hin eher ironisch gemeint gewesen zu sein.
Alles in allem, ein schöner Abend. Sehr verraucht - Mindestens 70% Raucher, aber neue Leute getroffen, die mir allesamt sympathisch waren. Es wäre schön, wenn wir einander im nächsten Jahr dann schon als "Freunde" vorstellen. Momentan ist das ja noch mehr auf Kollegenebene, aber sozusagen auf "erhöhtem Niveau".
Kennen uns letztendlich auch erst seit zwei Monaten - da kann man noch nicht viel erwarten. Aber Janna ist in jedem Fall ein toller, lebensfroher Mensch mit dem man unheimlich viel Spaß haben kann. Und Janina ist ein wenig so wie ich. Zurückhaltend, aber freundlich und gern lächelnd. Bin gespannt, was die Zukunft für unser Dreiergespann bereithält.

Samstag, November 03, 2007

Spontane Aktionen...

... können sich sehr zum eigenen Nachteil herausstellen! Es sei denn, man weiß sie zum Positiven zu wenden. Nach einem geplatzten Mädelsnachmittag konnte ich gut auf vier Stunden Einsamkeit bis zum seit einem Jahr herbeigesehnten Gospelkonzert verzichten und entschied mich konsequent auch letzteres sausen zu lassen, um mit Steff die Stadt unsicher zu machen.
Zunächst ging's ins "Sausalitos". Happy Hour. Um Fünf Uhr nachmittags! Hallooo? Was soll's. Wir sind ja nur einmal jung, richtig?! Aufgrund von x-reservierten Tischen zog es uns ans Fenster. Der beste Platz letztendlich, da man schön die Leute draußen beobachten und sich über diverse lustig machen konnte. Sowohl die Rauchenden als auch die Einkaufenden.
Kaum hatten wir unsere bestellten Cocktails bekommen, bot uns der Nachbartisch schon seine zwei "Mai Tais" an. Frei nach dem Motto "Immer her damit" nahmen wir an. Ich erweiterte das Motto mit "Immer rinn damit" - nachdem Steff vom Geschmack nicht so begeistert war.
Weiter ging's dann ins Fire. Da gab's dann vorbildlich wie wir sind nur Mangosaft und Cola - mehr wäre ehrlich gesagt auch nicht mehr reingegangen. Ach und dann waren da noch putzige Typen. Na eigentlich waren sie ganz und gar nicht putzig. Aber irgendwie war es doch knuffig wie sie so taten als seien sie frisch verliebt. Warum eigentlich?! Da geht doch Hinz und Kunz hin - warum denken alle, das sei ausschließlich eine Schwulen(-und Lesben)-Bar?
Es folgte eine Fotografier- und Schlendertour durch die Stadt. Apropos Fotografieren. Die Dame im Sausalitos hat'n Bild von uns gemacht! Das will ich haben - verdammt! Denn das gemeinsame vom Fire möchten wir wohl niemandem gerne zeigen... Angelabert wurden wir auch von irgendwelchen Typen, die jedoch nicht weiter der Rede wert sind.
21:11 Uhr wollte ich dann die S-Bahn kriegen. Kein Problem. Etwa acht nach oder sogar noch früher war ich da. Die S-Bahn noch nicht an Platz und Stelle. Die Anzeige ignorierte ich gekonnt und stolzierte zu den Sitzplätzen, um auf die Bahn zu warten. Ich leugne nicht, dass ich "etwas" sehr angetrunken war, aber so angetrunken war ich dann doch nicht, dass ich es nicht mitbekommen hätte, dass die Bahn eingefuhr. Letztendlich bekam ich dummerweise nur noch die "Ausfahrt" mit. Die muss irgendwo anders gestanden haben. Jedenfalls fuhr plötzlich die S4 im Schneckentempo an mir vorbei und ich dachte nur "Halt an verdammt!"
So kann's geh'n. Also dem Rehlein eine Nachricht geschickt und zu guter Letzt beim Jungesellinnen-Abschied gelandet. Wahnsinn! Zum einen war es übelst lustig. Die Mädels waren einfach mal total geil (angetrunken). Zum anderen versetzte ich mich laufend in die Lage der überglücklichen Braut und fragte mich, was für ein Wahnsinnsgefühl es sein muss, sich vorzunehmen mit dem Menschen, den man derzeit über alles liebt, das ganze Leben zu verbringen. Ob es nun wirklich ewig hält oder nicht, ist an dieser Stelle nebensächlich.
Apropos. Franzi legte sich doch glatt noch mit einem älteren Herrn an, der bereits zum vierten Mal verheiratet war. "Das ist traurig" war ihr Kommentar und sie suchte sich Bestätigung bei einer der anderen "Junggesellinnen", dass man nur einmal im Leben heiraten sollte. Kann man geteilter Meinung drüber sein. Letztendlich hat sie recht - wenn man vom Idealzustand ausgeht, aber wer weiß schon wie wir in zehn, zwanzig Jahren denken?!
Nachdem die Braut noch über die Schwelle getragen wurde, ging's dann ins Brauhaus. War vor gut drei Jahren schon mal da und muss sagen, dass es mir dort doch recht gut gefällt. Nichtsdestotrotz nahm ich dann doch zwei Stunden nach der ursprünglich geplanten Abfahrtszeit die Bahn, da Franzi eh den Heimweg einschlagen wollte. Dabei wurden mir zwei Schlafplätze angeboten... aber neee. Dafür bin ich Dienstag beim Rehlein zum Essen & (in Kuhbettwäsche-) Schlafen eingeladen.
Wie geil ist es eigentlich, dass die Straßenmusiker auch um elf Uhr nachts noch Schicht haben?! Sogar der "Singende Gulli" war noch aktiv. Viel Zeit dies zu genießen hatte ich jedoch nicht, da ich in acht Minuten von der Altstadt zum Gleis 2 laufen musste.
Schon irgendwie cool, im "leicht" angetrunkenen Zustand Paulo Coelho auf Englisch zu lesen und sich einzubilden plötzlich viel mehr zu verstehen als sonst oder auf dem Bordsteinrand entlangzuspazieren - wobei das eher vom mäßigem Erfolg geprägt war. Lassen wir lieber ersteren nochmal zu Wort kommen:

"Thank him for making us think about how important friends are."

Samstag, Oktober 27, 2007

Begegnungen in Leipzig (19. bis 21. Oktober)

Sylvia
Eigentlich begegnete ich ihr bereits in Hannover. Sie war meine Mitfahrgelegenheit. Total sympathisch. Unterhaltung über Ost/West. Probleme, Dialekte und falsche Vorurteile. Sie vertritt die Meinung, dass es auf einen selbst ankommt wie andere Menschen einem selbst begegnen. Scheine sehr offen rüber gekommen zu sein, denn sie begegnete mir ebenso aufgeschlossen.
In ihrer Gegenwart fühlte ich mich nicht wie ein dummes Blondchen. Im Gegenteil. Es wurden schließlich Themen angesprochen, die mich interessieren. Da konnte ich mich einbringen. Nicht nur, was die Überbleibsel der DDR angeht - ich war zum Beispiel erstaunt darüber, dass ich noch wusste, um was es bei der ersten gestellten Millionenfrage bei Günther Jauch ging. Sie erinnerte sich sogar noch an die Frage.
Und ich steh’ total drauf, wenn man den östlichen Ursprung noch einen Tick heraushört. Da hat man bei mir automatisch ein Stein im Brett.

Ramid (oder so ähnlich)
Beifahrer von Sylvia. Marrokaner. Seit drei Jahren in Deutschland. Spricht (hoch-)deutsch mit französischem Akzent, was ihn stört. Mich aber nicht, gut verständlich. Im Gegensatz zu mir ist er auch noch der sächsischen Sprache mächtig. Das klang sowas von authentisch. "Fährst du nach Leipzig oder Leiiipsch?", "Fahr'n wa heeeeme", "Günddooar - die Kindoooar sind doooar." So geil! Wirklich! Ich dachte nur *mimimimimi*! Und tolle Augen hatte er. Und überhaupt. Hach! Ein Marrokaner, der sächseln kann... das erlebt man nicht alle Tage. Die Mitfahrerzentrale ist doch echt eine tolle Erfindung.

Freundliche Verkäuferinnen
Eines vorweg: Der erste Laden, den ich am Leipziger Bahnhof betrat, war auch der, in dem ich letztendlich - nach wochenlanger Suche - eine Winterjacke fand. Frieren tu’ ich trotzdem noch.
Ich freu mich ja wirklich immer über freundliche Verkäuferinnen. (Die es übrigens sowohl in Hannover auch in Leipzig gibt - nur begegnen sie mir in meiner Geburtsstadt öfter.) Aber: Ich kann nicht "Nein" sagen. Ich hab ein fürchterlich schlechtes Gewissen, wenn ich sagen muss: "Nein, die Jeans doch nicht." So zog ich diesen Satz ewig vor mir hin, probierte eine Jeans nach der anderen an, ließ mich beraten ohne Ende - um dann glücklicherweise doch "Nein" zu sagen.

Akkordeonspieler
Es ist so toll im Dunkeln durch Leipzig - oder eine beliebige andere Stadt - zu irren und dann Melodien eines Akkordeons zu vernehmen. Dann geht man noch ein Stückchen weiter und entdeckt Schokoäpfel. Würd' ich mir – meinen Zähnen zu Liebe - nicht unbedingt kaufen, aber trotzdem war es ein schönes Gefühl. Sowohl Freitag als auch am Samstag ging ich durch die Stadt und sehnte mich unheimlich nach Weihnachtsmarkt. Hat alles gepasst. Die Stimmung, die Temperatur... nur der Weihnachtsschmuck, die Musik, die Stände fehlten.

Buchläden
Eigentlich wollt ich Freitag abend noch weiter shoppen gehen, sprich nach Klamotten gucken - auch wenn ich meine gewünschte Winterjacke bereits "käuflich erworben" hatte. Doch der erste Buchladen machte mir einen Strich durch die Rechnung.
Ich steuerte direkt auf den Wühltisch zu und kam nicht umher, den Blick auf folgenden Titel fallen zu lassen: "Singles aus Leidenschaft". Der Klappentext passt exakt auf meine momentane Stimmung: "[...] Herzliche Absage an den Pärchenwahnsinn. [...] Singles genießen es, allein zu sein. Sie haben nichts gegen Liebe [...], nur brauchen sie zum Glück keine nervtötenden Beziehungen." Muss ich haben, dachte ich, wollte zur Kasse, als direkt darunter ein Buch mit folgendem Klappentext zum Vorschein kam: "Lang genug Single, Lust auf die große Liebe?[...]für bindungswillige Männer und Frauen." Dieser widersprüchlichen Kombination konnte ich nun wirklich nicht den Rücken kehren - bei je 1,99 € kann man ja auch nicht viel verkehrt machen. Ich kann mich immer noch drüber kaputtlachen.

Gitarristen
Neben dem Akkordeonspieler fanden auch noch andere Straßenmusiker mein Gehör. Wie zum Beispiel der Gitarrist der vor H&M unter anderem "Wonderwall" sang. Wunderschön. Ich liebe das. Nur leider finde ich in Hannover nie die Ruhe und Zeit, mich da wirklich mal ein paar Minuten hinzustellen, um zu lauschen. Selbst in Leipzig kommt man sich irgendwann dumm vor, wenn man da die ganze Zeit allein wie bestellt und nicht abgeholt rumsteht.
Genial war es damals mit Katrin S. auf der Bank in der Georgsstraße vor Deichmann. David Angelo. So einen Abend würd' ich gern nochmal erleben. Nächsten Sommer vielleicht...

Nummer Eins
Meine Nummer Eins war ja ganz stolz auf sich! Hatte nämlich ein Geschenk für mich. Ein Poloshirt mit Schafaufdruck. Als ich ihm sagte, er sei nicht der erste mit dieser Idee, wirkte er leicht bedrückt. Aber sein Shirt ist auch richtig toll! Das Schaf ist so knuffig! Er plant daraus eine Serie zu machen und bin die Erste, die es tragen (und dafür werben) darf - jaha, den ersten Interessenten gibt es schon: Klein Maria.

Klein Maria
Ist ja wirklich eine Liebe. Dann, wenn sie deine Hand nimmt, dich (überraschend) drückt, ein Küss'chen auf die Wange gibt, dir die halbe Portion Ketchup auf dein neues Fleeceshirt spritzt. Aber auf die Dauer... wirklich nervtötend. Wenn sie nicht ihren Willen kriegt, kann sie ziemlich bockig werden. Wahrscheinlich waren/sind wir alle so.

Ziege
Den Streichelzoo ließen sich Theresa und ich uns nicht nehmen. Auch wenn nur eine einzige Ziege zu streicheln war. Eine Gruppe Jugendlicher beobachtete uns amüsiert. Schließlich wollten wir wieder gehen, öffneten die erste Tür und was macht die Ziege! Sie rennt raus. Gab zum Glück noch eine zweite Tür, aber trotzdem... mussten wir sie halt erstmal wieder reinscheuchen. Das war - neben den Affen - das Erlebnisreichste am Zoobesuch.

Affen
Das Beste an jedem Zoobesuch. So menschlich. So unterhaltsam. Und so angriffslustig. Wollten gerade gehen als wir einen Affen entdeckten, der so vor der Glasscheibe saß. Andere fütterten ihn - ich blieb misstrauisch in sicherer Entfernung. Irgendwann kam zufällig ein Pfleger vorbei. Wollte ihn wieder zurücktreiben. Der Affe ist ihm beinahe ins Gesicht gesprungen und hat ihn böse angefaucht. Hilfe!

Junge Eltern
Wahnsinn wie viele junge Eltern mit im Zoo begegneten. Hielt es erst für ein Leipziger Phänomen, aber Lena meinte, dass sie in Hannover ähnliche Erfahrungen gemacht hätte.

Japaner
En masse.
Auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Hübsch. Dünn. Top gestylt - wenn auch nicht meinen Geschmack treffend. Akzentfreies Deutsch sprechend.

Klofrau bei Mäcces
Ich hatte eine nette Unterhaltung mit der Klofrau von McDonalds. So erfuhr ich, was all die jugendlichen Japaner hier machten. War wohl so ein Treffen, zu dem viele Japaner aus ganz Deutschland angereist waren. Gab auch Ärger mit ein paar Deutschen, die die angemacht haben.

Deutsche
Weiß nicht, ob es (Möchtgern-)Nazis waren. Jedenfalls war es mit einem Mal ziemlich laut im Bahnhof. Gebrüll. "Raus hier." Polizisten schauten in einer Seelenruhe hinterher - dürfte also nichts dramatisches passiert sein. Vielleicht aber doch. Zumindest kam keine fünf Minuten später ein Krankenwagen in die Bahnhofshalle gefahren.

Lena
War zwar nicht direkt in Leipzig, aber am Telefon. Dreieinhalb Stunden lang. Wie wir das geschafft haben?! Hab ich mich auch erst gefragt, aber dank "Männer sind Schweine" war erstmal für Gesprächsstoff gesorgt. Tat mal wieder sehr gut, auch wenn ich immer müder und müder wurde.

Plain White T's
Hörte ich mindestens fünfzehn Mal an diesem Wochenende. Allein dreimal lief das Video während ich mit Lena telefonierte.

Daniela
Mitfahrgelegenheit auf dem Rückweg. Ganz sympathisch. Selbstständig. Ursprünglich aus Dresden. War auf dem Weg nach Emden, um dort ein Seminar zu geben. Zu welchem Thema?! Photoshop! Ihr Lieblingsprogramm! Schade eigentlich, dass sie Auto fahren musste...

Sonntag, Oktober 07, 2007

Danke, ich hab euch auch lieb.

Ich dachte wirklich, es geht mir gut. Ich war wirklich dabei, die Einstellung zu bekommen, dass Single sein gar nicht so schlecht sei und dass ich da drüber stehen kann. Kein Grund mehr sich weiter über die "Einsamkeit" zu beklagen. Drei Tagen bei meiner schrecklich netten Familie haben diese (positive) Entwicklung jedoch wieder zunichte gemacht.
Danke an die Neue meines Cousins, die sich noch vor der Frage nach meinem Alter erkundigte, ob ich einen Freund hätte. Ist das wichtig? Als wäre es ein Statussymbol mit dem man sich schmückt und nach dem man beurteilt wird.
Immerhin machte sie mir ein Kompliment: "Sieht man [dass du nicht rauchst] Weil du schöne Haut hast"... Okay, hab ich zwar noch nicht gemerkt, aber danke...
Nach diesen netten Worten erreichte meine Oma, dass mein Selbstwertgefühl gleich mal wieder in den Keller sank: "Streck deinen Po nicht so aus. [...] Ganz schön fetten Hintern hast du." Danke, sehr charmant. Ich musste mich wirklich zusammenreißen. Danach ging ich erstmal eine Runde spazieren und gab mir eine Überdosis Wohlstandskinder ("Für Recht und Ordnung" - perfektes Album bei aufgestauten Hassgefühlen), um meine Wut nicht an meinen Mitmenschen auszulassen.
Danke an meine Freundin aus Sekundarschulzeiten, mit der ich mich nach Jahren zum Eisessen verabredete. Das Entsetzen darüber, dass ich immer noch keinen Freund hatte, konnte sie auch nicht mit ein paar gut gemeinten, vermeintlich aufbauenden Worten vertuschen. Damit verschlimmern die Leute es nur noch.
Gestern wollten meine Tante und Klaus allein sein. Hätten sie mir auch direkt sagen können. Wäre ich freiwillig ins Bett oder zu Oma. Stattdessen beauftragten sie seinen Sohn, mich zu überreden mit ihm in die (Assi-)Disco zu kommen (Tante: "Wenn du es schaffst sie zu überreden, spendier ich dir den Abend.") Sorry, Argumente wie "Wenn man sich volllaufen lässt, macht es Spaß. [...] Alkohol ist doch nicht schlimm. [...] Ich zeig' dir heute mal ein paar alkoholische Getränke, die wirklich lecker schmecken." wirken nicht wirklich überzeugend auf mich.
Mit einem Mal gewann ich meine Blockkünste wieder zurück und so ließ ich ihn gehen. Brauch das echt nicht. Ich meine, ich kannte ihn grad mal zehn Minuten und soll schon mit ihm und seinen Freunden auf die Piste?! Und soll ihm zugucken wie er sich volllaufen lässt?! Nein, danke.
Danke auch an die ganze Familie, die beim heutigen Frühstück das Sahnehäuchen setzte. Als meine Oma erfuhr, dass ich gestern eigentlich mit Klaus' Sohn auf die Piste sollte, meinte sie [für mich Partei ergreifend]: "Och. Sie hat doch noch Zeit. Das ist doch noch zu früh." Was auch immer sie meinte...
Meine Cousine [entsetzt]: "Sie ist 20!"
Meine Oma: "Na ja, hat doch noch nichts versäumt."
Meine Cousine zweifelnd/abwertend/viel sagend: "Na ja..."
Danke, ich hab euch auch lieb.

"Es tut so weh dir zu zuschauen,
man versucht deinem Leben einen Sinn zu geben.
Und der Kalender hinter dir
ist schon 20 Jahre alt.
Es sieht so aus als rast die Zeit
Ohne Halt. [...]

Was du in deinem langen Leben schon erreicht hast,
ist nicht viel
Du hast Angst vor neuen Dingen,
weil du das Fremde nicht kapierst[...]

Ist es wirklich so spät
bist du denn schon so weit
musst du wirklich schon gehen -
ja ich hab doch noch Zeit
Und werd es besser tun als Du.

Was du verpasst und ignorierst,
holst du nie wieder ein.
Rennst mit Scheuklappen durchs Leben.
Deine Welt sie ist so klein.
Alle Triebe und Gefühle unterdrückst du wie den Schmerz,
der sich von innen langsam hoch frisst
bis zum Herz."

(The Wohlstandskinder - "Konservativ")

Der Stich des Skorpion III

Ich musste mich wirklich zusammenreißen Herrn W. nicht anzurufen, um ihm mitzuteilen, dass ich ja in der Nähe bin und man vielleicht einen Kaffee trinken gehen könnte. Und ich wär' fast gestorben bei dem Gedanken in der Straßenbahn an seinem Auto vorbeizufahren oder noch schlimmer: ihm in der Stadt zu begegnen. Hat er unbewusst wieder ganz schön in mir herumgestochen.

Samstag, September 29, 2007

Schwein gehabt

Da trinke ich EINMAL eineinhalb Biere im Fire, obwohl ich das Auto am Bahnhof stehen hab und prompt kommt die Polizei langsam die Scherenbosteler Straße hochgefahren. Sind aber nicht auf mich aufmerksam geworden. Dabei standen sie direkt vor mir. Na ja, ich war ja auch nicht mal angetrunken, aber aufgrund der 0,00 Promille-Grenze hatte ich schon ein bisschen Bammel.

Montag, September 24, 2007

Ich bin verändert. Irgendwie.

Dummes Gelaber gestern. Zumal ich schon vor einigen Monaten von dem "Problem" sprach. Im Grunde kann man das mit ein, zwei Absätzen zusammenfassen: "Früher plapperte ich wie ein Wasserfall, was so ziemlich alle meine Familienmitglieder nervte. Nun sitz ich da und mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren, um mir irgendwelche Fragen und Themen auszudenken. Meist ohne wirklichen (langanhaltenden) Erfolg. In Anbetracht dessen, dass [meine Cousine am Sonntag] ziemlich niedergeschlagen war, war dies wohl auch besser so als wenn ich sie vollgeblubbert hätte.
Später kam noch ihre Mitbewohnerin auf Zeit. [...] So ein nettes Mädchen. Hat die ganze Zeit erzählt - wie ein Wasserfall, was Franzi nicht unbedingt gut tat. Gut, dass ich verändert bin...
Ich dagegen fand es sehr angenehm. Ich musste ja nur "Zuhören" [nichts was ich in meinem veränderten Zustand lieber tu'], ab und zu zustimmend nicken. Sie hat eine wirklich realistische Einstellung. Was Beziehungen, Leben, Arbeiten, Geld und Schule angeht. [...]
[Alles in allem]: Ich bin nicht mehr so gesprächig. Kann man positiv auffassen, weil ich vielen Menschen somit weniger auf die Nerven gehe - wobei diese sich [teilweise auch] schon langsam Sorgen machen, weil ich so schweigsam bin. [Aber eigentlich war ich das ja schon immer. Zumindest bei Fremden. Weitet sich jetzt halt nur aus. Und dass meine Talente nicht im Small-Talk verborgen liegen, weiß ich ja auch schon ewig.]"

Mittwoch, September 19, 2007

Der singende Gulli

Den muss man gesehen - pardon - gehört haben, wenn man in Hannover zu Besuch ist. Darum startete heute die zweite "Wir zeigen Ivonne Hannover"-Tour. Kröpcke-Altstadt-Leineufer und zurück zum Singenden Gulli.
Normalerweise kommen da immer unbekannte Melodien heraus. Demzufolge war ich wirklich überrascht als ich plötzlich Nora Tschirners und Olli Schulz' Stimme hörte. Sozusagen der Prolog zu "Küss mich schnell bevor ich platz'". Das Lied folgte leider nicht, stattdessen ein Unbekanntes und wenige Minuten später: Ein Stück aus dem Amélie-Soundtrack. Kaum zu glauben, oder?!
Mir geht es grade richtig gut. Auf dem Heimweg hätte "glücklich" vielleicht wieder gepasst. Ich lächelte so vor mich hin, weil ich so rundum zufrieden mit allem war. Wäre meine schwere Tasche nicht gewesen, hätte ich mich womöglich noch zu Luftsprüngen hinreißen lassen. Ich frag mich, wie es sich dann anfühlt, wenn man (glücklich) verliebt ist.

Mittwoch, September 12, 2007

Spiel, Spaß & Spannung

Damit diese drei Faktoren erfüllt sind, benötigt man nicht etwa ein Ü-Ei. Man nehme:
  • einen Großkonzern
  • einen "importierten" waschechten Bayer
  • etwa 16 motivierte, sympathische Azubis
Der Zustand, in dem ich mich momentan befinde, war mir bisher vollkommen unbekannt: Gesundheitlich geht es mir "beschissen" (Halsschmerzen, Husten, Schnupfen), aber geistig bin ich unheimlich gut drauf - vielleicht wäre sogar "glücklich" an dieser Stelle angemessen.
Von der letzten Woche hatte ich bereits berichtet. Diese Woche begann mit allerlei Formalitäten und Vorträgen über dies und das, was auf die Dauer ziemlich trocken und einschläfernd war. Spaß und gute Laune hatten wir dennoch untereinander.
Mit dem heutigen Tag wurde jedoch alles bisherige übertroffen: "BWL-Seminar". Klingt trocken? Ist es aber nicht! Zumindest nicht mit ihm, der mich am nachmittag doch ein wenig an Kurt Krömer erinnerte. Nur jünger und bayrisch sprechend statt berlinerisch - aber dafür ist ja unser Tim Toast zuständig - wenn er nicht gerade die Aufgabe des Pausenbeauftragten übernimmt.
Es hat so dermaßen Spaß gemacht. Es war wie Schulunterricht. Nur besser! Wie ich das vermisst habe... Zuhören, Melden, Gruppenarbeit, Präsentieren, Spielchen zum Wachwerden ("Wer bin ich?" - Paris Hilton!). Meine Begeisterung kennt keine Grenzen. Leider kann ich das schriftlich nicht so rüberbringen.
Nach der "Arbeit" wollte Janna Ivonne noch Hannover zeigen. Ich schloß mich an. Unsere Route (zu Fuß!): Kröpcke - Steintor - Klagesmarkt - Universität. Dort setzten wir uns in die gut gefüllte Mensa - obwohl doch "vorlesungsfreie Zeit" ist, um unsere ersten Versuche bezüglich Ausbildungsnachweis und Urlaubsantrag zu starten.
Abgeholt wurden wir dann von Florian (B.B.A.-ler), der uns zunächst zur Berufsschule chauffierte und dann zum Neuen Rathaus. War sehr interessant - wusste zum Beispiel gar nicht, dass dort Modelle von Hannover zur Zeit 1689 - 1939 - 1945 - Heute ausgestellt waren. Anschließend drehte er noch eine Runde am Maschsee vorbei, um schließlich in der Nähe der Oper zu landen, wo er uns einen exklusiven Einblick hinter die Bühne sowie zu den Proben ("Peter Grimes") ermöglichte. Wirklich spannend!
Und so kam es, dass ich erst um kurz nach acht zu Hause war, obwohl ich bereits zwanzig vor vier Schluss hatte. Dabei stellte ich fest, dass es schon wieder ungewohnt zeitig dunkel wird... Der Ausflug hat sich jedoch allemal gelohnt und wird nächste Woche womöglich wiederholt, schließlich bietet Hannover noch sehr viel mehr schöne Ecken!

Freitag, September 07, 2007

Willkommen in meinem neuen Leben!

Als ich letzten Sonntag von meinem "neuen Leben" schrieb, fand ich, dass es unheimlich blöd klingt. Beginne ich mit der Ausbildung wirklich ein "neues Leben"? Wird es so enorme Veränderungen geben? Wird alles anders werden? Kann ich wirklich von einem "neuen Leben" sprechen?
Knapp fünf Tage später kann ich all diese Fragen mit einem klarem "Ja!" beantworten. Spätestens am Montag, den 03. September 2007 - auf den Tag genau dreizehn Jahre nach meiner Einschulung - realisierte ich, dass nun wirklich eine völlig neue Zeit anbricht.
Im Festzelt Olpe begrüßte man uns - knapp 450 neue Azubis aus dem Raum Mitte [NDS, NRW] - offiziell als neue Siemens-Azubis. Von nun an würden wir dazu gehören, vorausgesetzt wir würden uns an die Regel: "Nicht schlagen. Nicht klauen. Nicht lügen" halten. Man beglückwünschte uns, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hätten, die Ausbildung bei Siemens anzutreten.
Anschließend kehrten wir wieder in unsere "Klassen" [KB's: 4 Kauffrauen für Bürokommunikation, 6 Industriekaufleute, 5 Bachelors] zurück, spielten allerlei Kennenlernspiele und begannen an unserem Projekt zu basteln: Ein Theaterstück, das wir mehr oder minder erfolgreich am späten Mittwoch nachmittag aufführten. Zwar reichte es nicht für einen Auftritt auf der Festzeltbühne am Donnerstag (worüber wir alle nicht wirklich traurig waren), aber unsere Ausbilderin war dennoch sehr stolz auf uns.
Mit allerlei Informationen zur Ausbildung wurden wir auch versorgt. Die Schulzeit ist nun endgültig vorbei, wusste ich. Von nun an ist die Verantwortung für mich selbst [und andere] so viel größer. Es gibt Unmengen an Dingen, die man zu beachten hat. Protokolle, Urlaubsanträge, und und und.
Das bedeutet aber keinesfalls, dass ausschließlich "Arbeit" auf uns zukommt. Wobei, vermutlich doch, aber nicht ohne, dass wir vorher nochmal ordentlich gefeiert haben:
Donnerstag begann man um 14 Uhr die neun besten Theaterstücke auf der Bühne vor vielen wichtigen Menschen aufzuführen. Waren recht Gute dabei. Das Wortspiel "Bei der Gründung war SIE auch schon vor den MENS" fand ich sehr amüsant. Und dass der chinesische Gastarbeiter Deutschland doch nicht so prickelnd findet und vor seiner Abreise gleich noch was mit nach Hause nimmt: Die Glühbirne ("Die Idee") war auch ein Volltreffer.
Im Anschluss an die Präsentationen wurden noch einige wichtige Personen auf die Bühne gebeten. Man lobte uns mehrmals, gab uns auf den Weg, dass wir auch in der Ausbildung genauso lebensfroh und voller Energie sein sollte wie in den letzten Tagen. Es wurde noch viel mehr gesagt. Sachen, die mich fast ein wenig zum Weinen brachten. Nicht weil es rührend oder traurig war, sondern wegen der klaren Aussage, dass ich nun ein Teil von Siemens bin. Ich! Diese Gewissheit, dass nun wirklich alles anders wird. Kann das gar nicht in Worte fassen, was in mir vorging. Es war zumindest sehr aufwühlend. Ich denke, jeder, der selbst (vor kurzem) eine Ausbildung begonnen hat, kann dieses Gefühl zumindest ein klein wenig nachempfinden.
Nachdem alle ihre Dankesworte losgeworden waren, noch 10 Tausend Mal Schlachtrufe durch's Zelt gingen - zum einem, der der Olper: "Allee, Allee, Allee, Allee, Allee! Keine Straßen! Viele Bäume! Aus Olpe kommen wir!" und zum anderen der, der Finnetroper: "Dübdübdübdüdüdübdübdüb düdüpdüdüdüdüpdüp Hop Hop Finnentrop ist top" - wurde dann auch endlich das Grillbüffet eröffnet.
Apropos Essen: Die haben es wohl wirklich gut gemeint mit uns. Das beste Jugendherbergs-Essen, das wir alle je hatten! Frühstück, Mittag, Kaffee, Abend. Wen wundert's da noch, dass ich heute entsetzt feststellen musste, dass ich drei Kilo mehr auf den Rippen habe.
Ach und zu unserem Schlachtruf: Es war wirklich so. Weit und breit nur Bäume. Wir durften das Gelände nicht verlassen - wohin auch?! War ja nüscht da! Für die Gröhlerei waren übrigens eher die Techniker verantwortlich - wir KB's hielten uns da meist dezent zurück - nicht nur, aber irgendwann ging es auch uns auf die Nerven.
Nun aber wieder zurück zum Feiern. Nachdem das Grillzeugs verdaut war, trat eine wirklich tolle, stimmungsvolle Liveband auf und holte so ziemlich jeden nach vorne auf die Tanzfläche. Und ja, mit so ziemlich jedem ist auch meine Wenigkeit gemeint. Denn ich habe mein Vorhaben wahr gemacht: Offen sein! Und da gehört es dazu, sich der Gruppe anzuschließen. Das hat nichts mit Gruppenzwang zu tun, sondern einfach mit dem Zusammengehörigkeitsgefühl zu dem Team, zu dem wir in den paar Tagen gewachsen sind - gemeinsam Spaß haben eben.
Das heißt nicht, dass ich total abging, aber ich wagte zumindest den Versuch mich ein klein wenig zur Musik zu bewegen und mitzusingen! Sogar "Alt wie ein Baum" wurde gespielt. Doch schon bald hieß es: "Laaaaleeeluuuu"! Nach drei Zugaben sangen uns die zwei Siemens-Menschen in den Schlaf. Dabei war es gerade mal kurz vor elf! Aber so ist das nun mal in einer Jugendherberge! Um 23 Uhr haben alle auf ihren Zimmern zu sein und die aus den anderen Jugendherbergen hatten schließlich auch noch ein Stück'chen zu fahren.
Mit einem dröhnendem Kopf wachte ich heut' morgen auf. Das lag jedoch nicht an den paar Radlern, die ich weggepichelt hatte, sondern vielmehr an der Erkältung, die in diesen Tagen zum Ausbruch gekommen ist. Das ist der einzige Minuspunkt, den ich zu vergeben habe.
Ach nee! Einen habe ich noch: 11:30 Uhr war die Abfahrt geplant. Kein Mittagessen. Dann die Nachricht, dass der Bus im Stau stehe. Doch Mittagessen. Und wir warteten - sahen wie die Paderborner, die erst nach uns abfahren sollten, Olpe verließen, während wir immer noch zwischen all den Bäumen verloren waren. 19:30 Uhr war ich dann endlich zu Hause. Mit dreistündiger Verspätung...
Aber was sind die fünf Stunden langweilige Busfahrt schon gegen fünf wahnsinnig tolle, motivierende Tage mit richtig netten Leuten! Die Industriekaufleute sind total nett und lustig. Werden sicher 2,5 schöne, erlebnisreiche, gemeinsame Jahre. Die Bürokauffrauen, die ich erst für Tussen hielt, wurden ebenfalls von Tag zu Tag sympathischer. Und die Bachelor waren auch allesamt sehr unterhaltsam.
Nun sehe ich mich vor einem Problem, dessen Ausmaß ich momentan noch nicht kenne: Neues Leben mit dem alten zu kombinieren. Neue Kontakte knüpfen und intensivieren, ohne die alten zu vernachlässigen. Wird sicher nicht leicht werden, also bitte seid mir nicht böse, wenn ich in den ersten Wochen zeitlich nicht immer alles unter einen Hut bekomme. Zwar habe ich noch keinen richtigen Arbeitstag hinter mir - aber ich war selbst während der Auftaktwoche ständig müde und vermute daher, dass die Online-Aufenthalte in nächster Zeit etwas dürftiger ausfallen.

Mittwoch, August 29, 2007

Mein schönstes Geburtstagsgeschenk...

... kam wohl von mir selbst. Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben. Ich dachte, das, was ich die letzten knapp 40 Stunden erlebt habe, wäre unbeschreiblich. Ist es wohl auch. Zumindest die (Glücks-)Gefühle, die ich verspürte.

Ich könnte kotzen, weil ich weiß, dass alle Zeit der Welt nicht reicht.

Sonntag beginnt meine Ausbildung. Angst, Neugier, Aufregung - doch das Fernweh war immer noch das dominierende Gefühl. Hinzu kam mein Geburtstag. Ich wollte nicht. Ich wollte nicht zu Hause sein. Ich wollte allein sein. Ich wollte nachdenken. Ich wollte an einen Ort, an dem ich mich wohl fühle - mich jedoch niemand kennt.

Und ich weiß dass alles in mir schreit. Weil gar nichts von mir bleibt. Ich verschwinde.

Ich fuhr nach Hamburg. Alster. Speicherstadt. Fotos machen. Shoppen. Einkaufen. Verschwinden. Und an welchem Ort fühl ich mich wohl mitunter am wohlsten?! An der See. An der Ostsee. Meine Wahl fiel auf den Timmendorfer Strand - Ahlbeck wäre zeitlich und finanziell nicht möglich gewesen. Rumgeirrt. Pension gesucht. Sachen abgestellt. An den Strand. Mit Baguette, Frischkäse, Robby Bubble Erdbeere und einem noch in letzter Minute erworbenen Sektglas - bisschen Stil sollte zum entsprechendem Anlass schon gegeben sein.
In x Schichten eingemümmelt ("Eine Mumie!") - und trotzdem frierend - saß ich da, stand, trippelte rum, hörte Musik, lauschte dem Rauschen des Meeres, fürchtete mich vor plötzlich auftretenden undefinierbaren Schatten, starrte in den Himmel, auf eine Sternschnuppe hoffend und wartete bis es Zwölf wurde. Ganz einsam und verlassen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Dann passierte es. Zwei Typen liefen an mir vorbei. Wirklich vorbei, denn ich lag im Schatten des Strandkorbs 87 und war damit wohl so ziemlich unsichtbar. Dann: "Da sitzt ja jemand." Sie kamen näher. Ich erklärte, was ich so ganz allein am Strand trieb, weckte damit wohl Interesse - zumindest setzten sie sich dazu, um mir Gesellschaft zu leisten.
Es war so unheimlich schön. Die waren so nett. Und lustig. Dummerweise war ich so höflich, mich zu ihnen umzudrehen, während wir uns unterhielten - und damit verpasste ich die Sternschnuppen. Ich hatte mir so gewünscht in dieser Nacht eine Sternschnuppe zu sehen, aber stattdessen lief es so ab:
Der eine: "Da war wieder ein. Haste die gesehen?! [...] Ach warte ab. Du musst nur 5 Minuten lang in den Himmel starren - da kommt bestimmt gleich eine hinterher."
Um Mitternacht gratulierten sie mir. Dreiviertel Eins fröstelte einer der beiden, sodass sie sich entschlossen wieder die Heimfahrt anzutreten. Wir brachen gemeinsam auf und so bekam der eine nochmal die Chance mich im Licht zu sehen. "Wie Rumpelstilzchen" lautete das als Kompliment zu verstehende Urteil und er kniff mir in die Wange oder sonst wo ins Gesicht.

Ich bin gerade aufgewacht
Hab meine Augen aufgemacht
Für einen ersten Schritt ist es nie zu spät [...]
Ich will mein Leben, weil es sonst ein anderer lebt!

Um 05:20 Uhr klingelte der Wecker. Ich lass mir doch meinen Sonnenaufgang am Meer nicht entgehen. Dass ich Geburstag hatte, war mir gar nicht so bewusst. Ich genoss es einfach diesen neuen Tag auf diese Weise zu beginnen. Seifenblasen und Unmengen Fotos zu machen. Zu Lächeln, ohne Zwang, sondern völlig aus dem Bauch heraus. Glücklich. Einfach so. Allein. Aber glücklich. Trotz nicht einmal vier Stunden Schlaf. Hellwach. [Vorspulen]

Dann steig' ich in die Bahn und das tut weh
Ich seh' dass ich 'was ändern kann und dass ich auch was ändern will.

So weh tat es im Grunde gar nicht. Ich fühlte mich gut. Ich hatte keine Sternschnuppen gesehen, doch ich wusste, dass ich alles richtig gemacht hatte. Ich bereute nichts. Es war genauso wie ich es mir gewünscht hatte - nur besser.
In Lübeck wollte ich gemütlich meine Bilder anschauen als ein kleiner, schwarzer Junge versuchte das Fenster zu öffnen - ich half ihm. Damit tat ich, was ich vielleicht doch hätte lassen sollen: Ich schenkte ihm Aufmerksamkeit. Nur mal ein Auszug des Fragenkatalogs meines kleinen Reporters: "Wie alt bist du? [...] Was machst du? [...] Hast du schon mal mit einem Mann geschlafen? [...] Warst du schon mal am Strand? [...] Warst du schon mal verliebt? [...] Warst du schon mal in einen Mann verliebt? [...] Hatte er blonde Haare? [...] Erzähl mir alles. [...] Wie heißt du? [...] Wie alt bist du? 20. [...] Magst du Kinder? [...] Warst du schon mal in einem Puff? [...] Wo steigst du aus, Maria? [...] Ich kann deine Gedanken lesen. Du denkst, was ist das nur für ein Idiot." Möglich?!

Ein neues Jahr, es hat sich nichts verändert.
Alles beim alten und die Augen sind gerändert
Dieselben Ängste und dieselben Sorgen.
Gestern wie heute und bestimmt auch morgen.

Zu Hause angekommen hatte ich nochmal einen Grund mich zu freuen: Ein überfüllter Briefkasten. April, April... Ich hab mich trotzdem gefreut: Schaaafe! Die restlichen Geschenke mussten noch ein paar Minuten warten, denn ich wollte, dass meine Mama beim Auspacken dabei ist. Am meisten habe ich mich nicht etwa über neue Unterwäsche, eine Uhr und den Koffer gefreut, sondern hierüber: Eierwärmer (?!), welchen ich letztens noch erfolglos im Leipziger DDR-Laden gesucht hatte.

[...]Du musst heut' nichts entscheiden.
Na komm mein Mädchen komm einmal zur Ruh.
Sag was du brauchst es kommt auf dich zu.

Abends ging's ins Restaurant. Firenze. Italiener. Ich mag kein Italienisch - wie schon öfter erwähnt, doch damals waren wir oft dort und deshalb dachte ich es wäre schön - der alten, wenn auch vergangenen, Zeiten wegen.
In der "gemütlichen Ecke" unterhielten wir uns über Gott und die Welt. Vor allem aber über mich. Gestern, heute, morgen. Meine Mama war mehr als überrascht zu erfahren, dass ich später gerne Kinder haben würde. Ob diese Überraschung freudiger Natur war kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen.
Sie sprach Gedanken aus, mit denen ich mich bereits von selbst in den letzten zwei Tagen beschäftigt hatte. Zum Beispiel, dass ich meine Ausbildung als so einen Neuanfang sehen sollte wie den in Möser damals. Offen, locker, gesellig sein. Ich hoffe, das ich diesen Vorsatz erfüllen kann.

Heute kann es regnen, stürmen oder schneien.
Denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein.

Das Einzige, was mich ein wenig traurig stimmt, ist, dass mir niemand mein Lieblingsgeburtstagslied gesungen hat... doch das ist kein Grund zu weinen, denn:

Tränen gibt es schon genug auf dieser Welt.

Letzte Nacht...

... hätte nicht viel gefehlt und ich hätte mich verliebt...
... habe ich wieder keine Sternschnuppe gesehen, aber er...
... verglich er mich mit "Rumpelstilzchen" - ein Kompliment...
... hat all meine (nicht vorhandenen) Erwartungen übertroffen...
... werd' ich so schnell nicht vergessen - unbeschreiblich...

Donnerstag, August 23, 2007

Unglaubliche Vorahnung

Montag fuhr ich in die Clara-Wiek-Straße in Leipzig, um das Haus zu suchen, in welchem ich von 1987 bis 1989 gelebt hatte. Ich hab keine Ahnung wie ich mir das vorgestellt hatte. Wie sollte ich ein Haus finden und wiedererkennen, an das ich keinerlei Erinnerungen hatte?! Nicht einmal meine Mutter konnte sich noch an die Hausnummer erinnern.
Nichtsdestotrotz schritt ich mit meiner Kamera durch die Straßen und blieb an einem ganz bestimmten Eingang stehen. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade dieser mir ins Auge fiel, denn die Tür war kaputt, sodass man einen Blick in den Hinterhof werfen konnte. Ich dachte mir nichts weiter dabei, während ich eben diesen Eingang fotografierte.
In dem Moment rief meine Mama an. Ich erzählte ihr, wo ich war und sie versuchte mir zu erklären, wo sich das Haus ungefähr befand und fügte hinzu, dass es runde Fenster hätte. Mit diesen Informationen suchte ich weiter und blieb erneut vor selbigem Hauseingang stehen.
Meiner Mama schickte ich am nächsten Tag die Bilder und erkundigte mich, ob es sich um das Haus handelte. Sie bejahte. Ich find das unglaublich. Dass es genau das Haus war, dass mir bereits ins Auge gefallen war ehe ich Näheres wusste.

(Nicht) Spontan genug

Wäre ich heute spontan genug gewesen, würde ich - mit etwas Glück - in etwa 3,5 Stunden auf der Queen Mary II am Hamburger Hafen ausfahren. Wäre ich überhaupt nicht spontan gewesen, hätte ich niemals von meinem möglichen Glück erfahren. Aber zurück zum Anfang:
05:00 Uhr. Mein Wecker klingelt. Ich mache das Handy an. "Meine Freundin ist ein Handyfetischist". Gleich zwei SMS. Kot-Ulla sagt ab und auch Lena teilt mit, dass sie nicht um halb sieben mit Micha nach Hamburg fahren wird. Mäh... bin eh viel zu müde, also passt mir das ganz gut und ich schlafe bis kurz nach halb 10 weiter.
Ich bin müde. Lustlos. Google nach der "Queen Mary II" und frag mich: "Wegen so'nem dummen Schiff fährst du doch jetzt nicht 2,5 Stunden nach Hamburg." Doch. Denn eine innere Stimme spricht zu mir: "Wenn du jetzt nicht fährst, wirst du bis zum nachmittag im Schlafanzug rumhängen und nichts, aber auch gar nichts, aus diesem grauen Tag machen."
10:27 Uhr geht's los. 13:01 Uhr Ankunft. Bereits vom metronom aus, kann man einen Blick auf das große Kreuzfahrtschiff erhaschen. Ich banne mir einen Weg durch Hamburgs Straßen bis zur Queen Mary II. Es ist warm. Zu warm. Den Wetterbericht kann man doch echt in die Tonne hauen. Gewitter und Regen haben sie gesagt. Und jetzt läuft mir mein eigener Schweiß den Rücken runter.
Wie dem auch sei. Einen kurzen Augenblick überlege ich bis halb zehn in Hamburg zu verweilen, da das Schiff dann ablegen wird und ein Feuerwerk stattfindet. Letztendlich entscheide ich mich aber doch nur noch eben ein Fischbrötchen zu essen und mich dann wieder auf den Weg zum Bahnhof zu machen, zumal ich bezweifel, dass ich gegen Mitternacht überhaupt noch mit der Bahn nach Hause kommen würde.
Ein Moderator geht durch die Mengen, und interviewt die Leute bezüglich ihrer Anreise. Zu dem Österreicher meint er dann erklärend: "Das ist ein Schiff." Der hat mich so zum Schmunzeln gebracht, obwohl es echt so dumme Sprüche waren, aber manchmal bin ich da sehr empfänglich für. Und dann warb er noch für das Gewinnspiel: Wer einen Reisepass dabei hätte, hätte die Chance heute abend auf der Queen Mary II einzuchecken. Das wär's gewesen...
Im Anschluss spielte eine spanische Band. Rief ich natürlich gleich meine Mama an als "Baila me" erklang. Doch langsam wurde es Zeit den Rückweg anzutreten - da half auch kein "Maria, Maria, Maria".
Die Zugfahrt verlief unspektakulär. Zu lesen hatte ich auch nichts mehr, weil ich "Dornrösschenschlaf" bereits auf der Hinfahrt ausgelesen hatte und mir ja nicht zwei Bücher mitschleppe.
In Langenhagen traf ich Fiete mit seiner Freundin. Ich treffe ungern alte Mitschüler [von meinen Freunden wie zum Beispiel Jenny und Katrin S., die mit derselben S-Bahn fuhren, abgesehen]. Manchmal hab ich nichts dagegen, mich dazu zu stellen und die üblichen Fragen wie "Wie geht's?" und "Was machst du jetzt so?" zu stellen, doch heute war mir nicht danach. Ein "Hallo" ließ ich mir noch entlocken, aber dann lief ich den Bahnsteig entlang, nur um nicht dort stehen bleiben zu müssen und womöglich noch in ein Gespräch verwickelt zu werden. Ist mir doch egal, was der jetzt von mir denkt.

Montag, August 20, 2007

"Montags könnt' ich kotzen"...

... las ich heute auf dem T-Shirt eines jungen, nicht ganz schlanken Mädels und konnte im ersten Moment nur zustimmen, denn:

Schlimmer als heute kann es einfach nicht mehr werden.
Ich lieg' auf dem Rücken,
hab mich verirrt und möchte sterben.
Wo kommen all - wo kommen all diese Gedanken her?!
Ich hab keine Kraft,
Ich hab keine Lösung.
Ich will einfach, dass alles ein Mal anhält - für einen Augenblick.


Sowie man himmelhochjauchzend ist, ist man sogleich zu Tode betrübt. So ist das nun mal.

Ich muss raus,
Ich muss raus auf die Straße,
frag' mich wohin.

Ich seh' keinen Sinn.
Ich seh' keinen Ufer
und ich krieg' keine Luft mehr.

Wo kommt die Erlösung her?!
Dann zieh' ich die Tür auf
und bin mittendrin.


Mittendrin in der Vergangeheit. In der Clara-Wiek-Straße. Dort lebte ich von 1987 bis 1989. Heute suchte ich das Haus. Alles was ich wusste, war dass es sich um runde Fenster handelte. Ob ich das entsprechende Haus gefunden habe, wird mir meine Mutter hoffentlich beantworten können. Ich habe mir vorgenommen nun jedes Schild der Straßen zu fotografieren, in denen ich mal gewohnt habe - inklusive der Hausnummer, soweit noch vorhanden.

Geh' unter Leute,
bevor es mich bezwingt.
Und ein Glück, mit diesem Trick,
glaub ich fast wieder an alles!


Tatsächlich. Es hat geklappt. Ich fuhr in Leipzigs Innenstadt - eigentlich um zu shoppen. Doch ich hörte Live-Musik und es verschlug mich zu einer kleinen Bühne am Nikolaikirchhof, wo ein Bandwettbewerb stattfand. Leider bekam ich nur noch die beiden letzten von fünf Bands mit. Die Sängerin von den Goodfellas hatte eine starke Stimme, die mich stellenweise an Anna von Rosenstolz erinnerte. Richtig geil. Ostfront war dann eher im Hip-Hop-Bereich angesiedelt und haben dementsprechend weniger Punkte von mir bekommen.
Während der Auswertung gönnte ich mir dann doch noch einen Ausflug in die Einkaufsmeile, um dann wieder mit meinem McDoof-Einkäufen zu MC Sinaya zurückzukehren und anschließend dem Karaoke zu lauschen. Einige konnten verdammt gut singen ("Respect"), andere performten "Umbrella" zumindest besser als ich es jemals zuvor gehört habe und "Coolboy", der mir den ganzen Nachmittag über schon aufgefallen war, sang "Imagine".
Der Typ war schon irgendwie geil. Überhaupt laufen in Leipzig 'ne Menge hübsche Männer rum. Einer erinnerte mich an Litze. Nur schöner - ist ja auch nicht schwer... Bildhübsche Mädels liefen mir natürlich auch über den Weg. Einige mit einem guten, alternativen Klamottengeschmack - und Dreadlocks. Gefiel mir richtig gut.
Matthias kam dann auch irgendwann um die Ecke, wir aßen eine Kleinigkeit bei Maredo, und während The Butlers weiterspielten, schlenderten wir zu Biggis Lieblingskneipe, um eben diese zu treffen. Die coolste Frau, "wo's gibt"! Ich meine, wer lässt sich schon nochmal zu 'ner "Kneipentour" überreden, wenn er schon im Schlafzeug ist?! Ich bestimmt nicht.
Sie war ganz enttäuscht, dass ich mich nicht bei ihr gemeldet hatte, um mit ihr einen Kurztrip zu starten - hatte das irgendwie nicht ernst genommen. Zudem ist sie so viel anders als ich. Ausgeflippter, offener. Aber cool wäre es schon mit ihr durch'ne fremde Stadt zu ziehen - heut' abend schlug sie Budapest vor. Hätte ich nichts gegen einzuwenden.
Jedenfalls tranken wir... zu viel. Aber es war schön. Der Barkeeper war auch toll. Biggi ist da bekannt wie'n bunter Hund und so unterhielt er sich ein wenig mit uns, während wir mit unserem "Drambuie" anstießen. Biggi war erstaunt - oder doch schockiert ?! - wie schnell ich austrank, worauf meine Nummer Eins A sowas in der Art meinte wie dass er mich doch zu einem normalen Menschen heranziehen müsste...
Außerdem nahm ich noch folgende Dialoge auf:
Barkeeper [zu Biggi]: "Es kommt doch auf das Innere an."
Biggi: "Ja, aber das lern' ich doch erst später kennen."
Und nach ihrer zweiten Pfirsich-Bowle dann: "Die waren noch nicht reif. [...] Da gab's doch auch irgend'n Film, oder?"
Matthias [überzeugt]: "Blutige Erdbeeren!!!"
Biggi: "Mit Dustin Hoffmann."
Matthias [entschlossen]: "Blutreife Erdbeeren!"
Ich: "Die Reifeprüfung?!"
Muss ja keiner verstehen, aber wir haben so gelacht. Schließlich bestand Biggi darauf, sie allein zu lassen. Wir hatten sie (aus dem Bett) hergelockt und nun waren wir diejenigen, die eher gehen mussten, während Biggi zu den Stammgästen verschwand. Das ist mir eine...

Sonntag, August 19, 2007

Nichts weiter.

Vorhin waren wir am mit dem Rad am See. Ich las "Dornröschenschlaf" und erneut schlief ich dabei ein - muss ein Fluch sein. Unangenehm ist es, wenn man dann die Augen aufmacht und dank eines gut beleibten, alten Mannes realisieren muss, dass man sich am FKK-Strand befindet...
Nachdem wir noch ein paar Minuten dem Saxophonisten gelauscht hatten, fuhren wir weiter zur Wasserski-Anlage - natürlich nur zum zugucken! Keine zehn Pferde kriegen mich darauf - nur runter und ich kann auch so oft genug für Lacher sorgen.
Erneut wurde mir - im wahrsten Sinne des Wortes - vor Augen geführt, dass ich keine Sonnenbrillen mag. Ich kann das nicht haben einen verdunkelten Himmel zu sehen, obwohl doch eigentlich die Sonne scheint. Andererseits ist es schon angenehmer als ständig die Augen zuzukneifen. Ist eben gewöhnungsbedürftig. Ich sträube mich allerdings noch dagegen.
Später fuhr ich mit dem Rad in die Innenstadt, genauer: In die Karl-Liebknecht-Straße, um Fotos zu machen. Während ich so die Straße entlang fuhr, kam mir ein junger Mann entgegen. Schön, anders, lange Haare, etwas ungepflegt. Ich fuhr an ihm vorbei und hörte hinter mir ein "Entschuldigung" - gutmütig hielt ich an und der fragte mich doch tatsächlich nach "Kleingeld". Nicht mal auf dem Rad bleibt man verschont...
Schließlich ließ ich die Leipziger Szene hinter mir, um den "Fockeberg" zu befahren. Offenbar schien es vorwiegend Paare dorthin zu ziehen. Heute war wieder einer dieser Tage, wo es mich nicht glücklich macht, andere glücklich zu sehen. Stattdessen schäumte ich über vor Neid als ich all die hübschen Mädchen sah, die Arm in Arm mit ihren Kerlen, die ich nicht genauer betrachtete, entlang spazierten.
Auf dem Rückweg erinnerte ich mich an den gestrigen Nachmittag. Claudia (Franzis Cousine) und Geli (Matthias' Schwester) unterhielten sich über die neue Freundin von Franzis Cousin David, 15 (!). (David - welch' Ironie, wo ich doch auf eben diesen im Folgenden noch zurückkommen möchte). Jedenfalls ahnte ich, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde bis ich ein "Und du? Hast du'n Freund?" von der Seite vernehmen würde. "Nein", lautete die klare Antwort, worauf Claudi verständnisvoll meinte: "Ist auch richtig so. Erstmal die Ausbildung hinter dich bringen." "Genau", lächelte ich gezwungen.
Früher war es die perfekte Ausrede, wenn mich jemand fragte, ob ich einen Freund hätte: "Nein. Ich konzentrier' mich erstmal auf's Abi." (Nicht, dass ich für's Abi blockte - so ist das auch nicht.) Und nun hab ich das bestanden und die Ausbildung tritt an die Stelle des Abiturs. Kann doch echt nicht wahr sein.
Dann überleg' ich immer, ob ich jemals wirklich verliebt war. Und jedes Mal führt mich der Gedanke zu David. Das soll's gewesen sein?! Im Grunde war das doch nichts. Gar nichts. Alberne Verliebtheit. Wochenlange Ungewissheit. Und dann von einer Minute zur anderen war ich drüber hinweg. Seitdem nichts mehr. Gar nichts mehr. Seit drei Jahren! Und wie gesagt: Das mit David war auch nichts. Nur Schwärmerei. Nichts weiter. Weiter weiß ich grad nicht mehr...

Könnten wir auch glücklich sein.
Ich bleib jetzt erstmal allein.
(The Wohlstandskinder - Das ist bloß der Sonnenstich)

Donnerstag, August 16, 2007

"Ich bin heut' das Prinzesschen..."

Ich frag mich wirklich, was momentan los ist, dass sich kleine Mädchen so an mich heften. Erst Fabi und nun auch noch Maria aus Chemnitz. Kurz nach der Begrüßung, auf dem Weg zum Auto bat sie mir schon an, dass ich mit ihr hinten sitzen könnte. Dieses Angebot nahm ich - freundlich wie ich bin - natürlich dankend an. Anschließend fuhren wir zum Schlossteich Tretbootfahren (und - diesmal - hab ich getreten!). Dort zeigte sie bereits ihre bockige Seite - ziemlicher Dickkopf die Kleine. Aber es war trotzdem total schön.
Zu Hause bastelten wir dann gemeinsam Ketten. Sie eine für mich. Ich für sie. Als ich fertig war, rannte sie zu ihrer Mama, um sie zu fragen, ob sie die Kette zur Einschulung tragen dürfe. Durfte sie und so kam sie jubelnd zurück, sprang mir in die Arme und bedankte sich überglücklich. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für ein schönes Gefühl war, zu sehen, dass ich die Kleine mit so einer Kleinigkeit so unheimlich glücklich machen konnte.
Beim Abendessen bat ich sie mir den Brotkorb zu reichen, worauf sie sowas in der Art meinte wie: "Sehr wohl, meine Majestät." Und dann erklärte sie allen am Tisch wie die Rollen an diesem Abend verteilt waren. Die kleine Maria war die Dienerin der Prinzessin (ich), Lothar der Diener des Königs (Theresas Freund René) und Struppi die Dienerin der Königin (Theresa). Als ich es dann wagte, mich für ihre Dienste zu bedanken, korrigierte sie mich, dass Prinzessinnen weder Danke noch Bitte in Gegenwart ihrer Diener zu sagen pflegen. "Das ist aber unhöflich", meinte die Prinzessin.
Während des Essens schlang sie sich immer wieder um meine Arme, kitzelte mich an den Achseln und bat mich dann dasselbe bei ihr zu tun. "oO... was geht denn jetzt ab", dachte ich und vergewisserte mich erst, ob sie das wirklich ernst meinte, was sie tat: Kinder, Kinder...
Später setzte sie sich noch auf meinen Schoß, nahm meine Hände in ihre, schlang diese um ihren kleinen Bauch herum, lehnte und schmiegte sich an mich an. Einen "Gute Nacht"-Knutscher gab's sogar auch noch (von ihr!), zusammen mit der Bitte (ihrerseits!), ob sie am nächsten Morgen mit in mein Bett kommen dürfe.
Kam sie dann auch so gegen halb neun oder so. Erst erzählten wir so ein bisschen. Ich stellte ihr Fragen! Ich! Ich begann ein Gespräch mit einer etwa 6-Jährigen! Dann holte sie ihr Lesebuch heraus und ich las ihr, die sich wieder an mich schmiegte, mindestens fünf Geschichten vor, ehe wir dann - Hand in Hand - hinunter zum Frühstück gingen.
Natürlich mussten wir wieder zusammen sitzen, denn "Marias bleiben immer zusammen - aber bald nicht mehr...". Sie ahnte, dass der Abschied näherrückte. Gemeinsam putzten wir Zähne, spielten noch einmal das "Leiter/Schlange"-Spiel und fuhren dann schließlich zum Bahnhof. Ich saß wieder mit ihr hinten und die ganze Fahrt über hielten wir Händchen, streichelten und klatschten einander. Sooooo schön.
Wenn alles glatt geht, sehe ich sie am 20. Oktober im Leipziger Zoo wieder. Freu mich jetzt schon darauf. Und dabei kam ich hauptsächlich vorbei, um Struppi und Theresa zu besuchen. Aber mit denen habe ich mich auch sehr nett unterhalten. War eine gute Idee, den Chemnitzern nach Jaaaaaahren wieder einen Besuch abzustatten!

Mittwoch, August 15, 2007

Von der "Virtualität" ins "wahre Leben"

Nach einer viel zu kurzen Nacht, stieg ich halb zwölf (mittags) in die S-Bahn, um mich eineinhalb Stunden später auf den Weg zum McDonalds im Hamburger Hauptbahnhof zu machen, wo bereits Tina und Pia auf mich warteten. Nach einer etwas peinlichen Begrüßung - meinerseits, ich wusste halt nicht was ich sagen soll... mäh! - ging's zunächst ins "Double Coffee", wo der Kellner so seine Probleme hatte, meine Eisschokolade nicht als Heiße Schokolade zu verstehen...
Nachdem wir die ersten Gesprächsversuche gestartet hatten, ging es dann zum DOM. Meine lieben "Hannoveraner": Ich dachte das wäre mit "unserem" Schützenfest vergleichbar, aber: weit gefehlt. Ich hätte vielleicht mal meinen Schrittzähler ans Bein kleben sollen. Oder wenigstens auf die Uhr gucken sollen, wie lange wir drüber gelaufen sind, aber es war schon verdammt riesig!! Was nichts daran ändert, dass die ganzen Fahrgeschäfte für mich vor einigen Jahren ihren Reiz verloren haben. Und das Jahrmarkt-Feeling kam nachmittags um drei natürlich auch nicht auf, was aber auch nicht weiter schlimm war.
Danach sind wir noch durch die (eine?) Marktstraße - während wir so durch die Läden sind, musste ich natürlich die ganze Zeit an die gute Julia denken. Die hätte sich da bestimmt pudelwohl gefühlt und zumindest ihre Buttonssammlung erweitert.
Als nächstes ging's ins Schanzenviertel, wo Pia wohnt. Wirklich tolle Gegend. Viele kleine Kneipen und Geschäfte. So'ne Kneipe-an-Kneipe-Straße gibt's auch in Leipzig, aber eine vergleichbare Gegend in Hannover fiel mir nicht ein. Klar, in der Altstadt, aber nein, nicht so schön, nicht so groß. Und schon gar nicht so preiswert. Ich sollte mich demnächst mal genauer in Hannover umgucken - dort muss es doch auch Viertel geben, die junge Leute anlocken.
Jedenfalls führte uns Pia in eine wirklich schöne kleine Bar. Ich kannte es bisher nur aus Frankreich und Italien, dass die Tische direkt am offenem Fenster stehen, sodass man im Prinzip direkt zur Straße sitzt, aber dort war das auch überall - voll toll. Und es gab Erdbeersaft. Habe ich in Hannover jemals einen Erdbeersaft getrunken?! Ich glaube nicht! Und er war warm! Der Kellner entschuldigte sich dafür und hatte sogar noch extra Eiswürfel reingemacht - konnte er ja nicht ahnen, dass ich ihn warm ab liebsten habe! War also alles perfekt :)
Nun laber ich die ganze Zeit über Städte. War aber auch unter uns Drei'n Gesprächsthema. Ich bin ja nicht so, dass ich sagen würde, dass ich nur in Hannover leben will - komm ja auch vom Dorf. Aber während ich nun diesen Tag nochmal Revue passieren lasse, kann ich irgendwie nachvollziehen, warum für die Beiden keine andere (deutsche) Stadt als Hamburg in Frage kommt.
Wobei ich auch sagen muss, dass ich sonst nur so in den zentralen Touristengegenden von Städten unterwegs bin. Von daher kann es sein, dass mich andere Städte, die in bestimmten Vierteln ein ähnliches Flair vermitteln, ebenso begeistern.
Potsdam, fällt mir da grad so spontan ein, war auch schön. Keine Großstadt - aber vielleicht darum auch genau mein Ding. Ach wie auch immer - erstmal bleib ich in Hannover und in 2,5 Jahren habe ich auch die schönsten Ecken erkundet, sodass ich hier nie im Leben mehr weg will. Wer weiß...
Nun aber zurück zum Treffen selbst, vor dem ich ja schon ein wenig aufgeregt war. Diese Aufregung entwickelte sich während des Aussteigens bis hin zum Mäcces zur Vorfreude. Es ist absolut unmöglich sich auf so etwas vorzubereiten oder so - man kann nur abwarten und irgendwelche dummen Floskeln aussprechen, nur um irgendwas zu sagen.
Das entspannte sich aber, würd ich sagen. Nicht so, dass wir ununterbrochen geplappert haben. Es gab schon Gesprächspausen, doch spätestens in der Bar wurden die dann mehr und mehr (nicht komplett) von angenehmen, etwas lockereren Wortwechseln Unterhaltungen abgelöst. Zwischenzeitlich ging der Gesprächsstoff dann wieder aus, aber so ist das nun mal. Im wahren Leben gibt es eben keine Souffleuse (comme dans "Le fabuleux destin d'Amélie Poulain") - so sehr ich es mir wünschen würde.
Das hat dem Nachmittag aber abschließen keinesfalls geschadet, denn es war wirklich schön mal die Menschen von denen man (fast) tagtäglich nur liest, mal persönlich zu treffen. Denke, dadurch wächst das Interesse eventuell auch noch viel mehr, wenn man die Person schon "im wahren Leben" kennengelernt hat - zumindest ist mir das beim Lesen von Jackies Einträgen aufgefallen, auch wenn wir uns gerade mal zehn Minuten miteinander unterhalten haben.
Wobei das mit dem "wahren Leben" auch schon wieder so eine Sache ist. Ich war zwar bei diesem Treffen "Ich", sprich ich musste mich nicht verstellen, doch es ist nun mal allgemein so, dass ich bei Fremden nicht so bin wie bei Freunden - aber das ist (hoffentlich) normal, oder?! Das zeigt am Besten die Umfrage in der Abizeitung: Mit 19% bin ich die Zweit-Schüchternste! Wenn ich mit meinen Freunden am Tisch sitze, mich wie ein Schneekönig darüber freue, dass wir Tina S. gemeinsam "Wie schön dass du geboren bist" singen, würde man nie glauben, dass ich in meinem "zweiten" wahren Leben so schüchtern und ruhig bin, wie mich diejenigen, die mich nur flüchtig kennen, charaktersieren würden.
Wie dem auch sei. Schluss mit all diesem Rumgeeier. Ich fand's gut. Und das Beste war wohl, dass niemandem ganz plötzlich einfiel, dass er ja einen unheimlich wichtigen Termin hätte... - und das Zweitbeste, dass wir alle Nichtraucher waren - auch wenn es anfangs kleine Verständigungsschwierigkeiten gab, dies klarzustellen.

(Kennt ihr das?! Dass ihr, wenn ihr irgendwas Nicht-Alltägliches erlebt habt - idealerweise an einem nicht-alltäglichen Ort - ihr euch wieder eurem zu Hause nähert und das Gefühl habt, es sei entweder schon "Ewigkeiten" her oder nur ein "Traum" gewesen?! Mir ging das vorhin erst wieder so. Ich konnt gar nicht glauben, dass ich vor ein paar Stunden noch mit den beiden im Café gesessen hatte. Mit zwei Menschen, die ich nie zuvor getroffen hatte.
Umgekehrt war es auch auf der Hinfahrt. Noch 10 Minuten vor Hamburg konnte ich es nicht fassen, dass ich kurze Zeit später auf zwei (mehr oder weniger) Wildfremden treffen würde, um mit ihnen den Nachmittag zu verbringen. Merkwürdig...)