Sonntag, Oktober 28, 2007

"Coming out"

Nicht missverstehen. Es geht nicht darum, dass ich mich in der gestrigen Mädelsrunde (gezwungenermaßen) als "schwul" geoutet habe. Viel mehr um mein ewiges Singledasein und einer plötzlichen, längst fälligen, positiven Wendung - oder besser "Erkenntnis".
Jahrelang grübelte ich vor mich hin: "Seit 20 Jahren Single. Sind meine Ansprüche zu hoch? Mit mir stimmt doch was nicht. Das ist doch nicht normal oder?" Oh doch! Und wie! Ich fühl mich besser denn je, seit mir endlich die richtige Diagnose gestellt wurde: "Quirkyalone", unverbesserliche Romantikerin und Flaneur.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Alles begann mit diesem Buch. Manchmal kann ein Schnäppchen das Leben verändern - zumindest die Lebenseinstellung. Mir kamen beinahe die Tränen - vor Lachen Glück. Es war so unglaublich, mich in den zig beschriebenen Charaktereigenschaften wiederzuerkennen. Sachen, die man glaubte, nur selbst zu empfinden oder zu tun, und dann stellt man fest, dass es so viele andere Menschen gibt, die all das mit einem teilen. Es ist tatsächlich so als würde "einem eine schwere Last genommen".
Übrigens: vor dem zweiten Buch, welches ich auf dem Wühltisch erworben habe, wird eindringlichst gewarnt - solche Ratgeber können die Gesundheit eines Quirkyalones massiv gefährden. Wird also noch eine Weile im Regal verstauben müssen - bis das Glücksgefühl ein wenig verflogen ist (hoffentlich dauert es noch eine Weile an) und ich es mir vielleicht doch mal zu Gemüte führe.

Die Erkenntnis
"Plötzlich erkennen wir, dass wir es uns lieber zu Hause mit einem Buch gemütlich machen, als mit einem Mann auszugehen, der nur zweite Wahl ist. Von dem Augenblick an hören wir auf, krampfhaft nach einem Partner zu suchen."
Die Suche wird sowieso für viele, und zu denen zähle ich mich auch, durch Introvertiertheit und Schüchternheit erschwert. Ich kann nicht gerade von mir behaupten, es würde mir leicht fallen, die Initiative zu ergreifen. Umso mehr freue ich mich darüber, diesen Erwartungsdruck zunächst einmal über Bord werfen zu können.

Die Schattenseiten
"Je länger wir allein sind, desto größer werden die Ansprüche, die wir an einen potentiellen Partner stellen".
Tja, sowas bezeichnet man wohl als die Schattenseiten des ewigen Single-Daseins. Genauso wie die musternden Blicke des Gegenübers, wenn man ihm mitteilt, (seit langem) keinen Freund zu haben oder wenn man sich zum hunderttausendsten Mal anhören muss: "Jeder Topf findet seinen Deckel.".

Das Paradoxon
Nur weil man gern allein ist und sich allmählich mit dem glücklichen Single-Status zufrieden gibt, heißt das noch lange nicht, dass man Beziehungen komplett abgeschworen hat.

"Einerseits ist man glücklich und zufrieden, allein zu sein, andererseits sehnt man sich nach einer festen Beziehung. [...] Quirkyalones sind manchmal wie hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach einem Partner und der Erkenntnis, dass sie eigentlich gar keinen brauchen."

Die romantische Seite
Romantik ist an dieser Stelle nicht mit dem üblichen Kitsch zu verwechseln. Gemeint ist niveauvolle Romantik.

"Quirkyalones haben keine Lust sich mit irgendeinem x-beliebigen zusammenzutun, nur um nicht alleine zu sein. Stattdessen warten wir auf ein Wunder. Wir wollen unter Millionen den einen finden, der uns wirklich versteht."

"Quirkyalones hassen den gesellschaftlich verordneten Liebeskitsch. Stattdessen treten wir für [...] die große, wahre Liebe ein."

"Wir sind so romantisch veranlagt, dass wir in Herzensdingen einfach keine Kompromisse eingehen wollen. Wir suchen nach intensiven Glückmomenten, die man nicht nur zu zweit sondern auch allein erleben kann."

Der (potenzielle) Partner
"Quirkyalones wollen von Anfang an das Gefühl haben , 'das ist der oder die Richtige!'. Nur dann bekommen sie Herzklopfen oder fühlen sich verstanden. Andererseits stellt sich häufig erst mit der Zeit heraus, wie jemand wirklich ist. [...] Die Herausforderung besteht darin, sicher auf eine Beziehung überhaupt einzulassen. [...] Man weiß nicht genau, woran man ist, und das können Quirkyalones nur schwer ertragen. Wir wollen die Sache sofort geklärt haben - ja oder nein! - und machen einen Rückzieher, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt."

"Manchmal ist es schon fast absurd, wie schnell wir potentielle Verehrer von unserer Liste streichen. Eine Freundin meinte unlängst, für sie sei ein Kandidat bereits gestorben, wenn er nach der ersten Verabredung sagt. 'Wir telefonieren'[...]"

Ich werd' das Gefühl nicht los, dass ich diese Freundin war. Das optimale Mittel mich (unbeabsichtigt) in die Flucht zu schlagen!

"Wenn wir uns zu etwas zwingen, was wir rein gefühlsmäßig gar nicht wollen, bekommen wir leicht das Gefühl, im falschen Film gelandet zu sein. [...] Wenn Sie Beziehungen nur eingegangen sind, um endlich "normal" zu sein, sollten Sie diese umgehend beenden." Das schreib ich mir hinter mein Ohrläppchen.

Die Internetbekanntschaft
"Wir haben Vorurteile gegen Online-Dating [...] Da warten wir lieber auf ein Geschenk des Himmels, auf eine schicksalhafte Begegnung [...]"

Diese Vorurteile sollte man jedoch besser ablegen. Man weiß ja nicht, was man so alles verpasst. Es ist nicht zu empfehlen über eine Woche zu warten, während man ausschließlich über Internet/Telefon kommuniziert, ehe man sich endlich zu einem Treffen entschließt. Stimmt ja irgendwie, wobei es wirklich schwer ist, sich so schnell zu überwinden. Aber letztendlich ist es wohl die beste Herangehensweise. Was aber nicht heißt, dass ich mir das jetzt auf der Stelle zu Herzen nehme. Momentan bin ich ganz zufrieden - so (allein) wie es ist.

"Betrachten Sie die Sache wie eine Tombola: Die Anzahl der Nieten ist immer größer als die Anzahl der Gewinnlose."

Der Flaneur
Gerade wenn ich an den spontanen Ausflug nach Timmendorf denke, an das Glücksgefühl nach der Strandbekanntschaft, oder schlicht und einfach an einsame Spaziergänge, fühle ich mich darin bestätigt, in gewisser Weise auch ein Flaneur zu sein. Vor allem in der letzten Zeit fand ich gefallen daran, neue Leute kennenzulernen, beispielsweise über die Mitfahrerzentrale. Auch wenn dies wohl leider nur einmalige Begegnungen waren. Um wirklich allein zu verreisen und auf diese Art Kontakte zu knüpfen, fehlt mir jedoch noch ein gewisses Maß an Offenheit.

Die Heimlichen Single-Laster (HSL)
Das Radio laut aufdrehen, Nenas größte Hits in Dauerschleife hören und lauthals mitsingen... das ist nur eines meiner Singlelaster. Es gibt noch zig andere und es ist herrlich, die ein oder andere beschriebene Marotte bei sich selbst wiederzuerkennen. Und es sind größtenteils Dinge, die ich wohl nur mit mir selbst teilen kann. Über die ich selbst lachen kann und mir denke: "Oh mann. Gut, dass ich allein bin und mich niemand sehen kann."

14. Februar - International Quirkyalone Day
Ich hab's ja immer gewusst. Nicht ohne Grund verbrachte ich dieses Jahr schon den dritten Valentinstag in einer gemütlichen Mädelsrunde, die zu mindestens 50 % aus Singles bestand.

1 Kommentar:

Robby hat gesagt…

Bin ich wohl auch. Aber ist ja nichts neues :D