"Dummes kleines Blondchen." Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Beschreibung genau auf mich passt. Manchmal. Dann, wenn ich ein bisschen länger beim Nachdenken brauch. Dann, wenn man sich wieder über die "kleene Abiturientin" amüsiert.
Es gibt aber auch Situationen, wo ich mir an den Kopf fasse, wie dumm sich manche Leute anstellen. Dann bin ich froh, dies bemerkt zu haben und demzufolge offenbar nicht so dämlich zu sein.
Nichtsdestotrotz gibt es genügend Situationen in denen ich mich unglaublich blond fühle. Was könnte man dagegen tun?! Ich könnte endlich mal das "Coloeur Experte Hellbraun" auf meinen Schopf anwenden, das seit Wochen unter meinem Schreibtisch verstaubt. Werde ich demnächst wohl auch tun, aber von einer äußerlichen Farbveränderung allein verschwindet nicht die innere Blondheit. Vielleicht ist dieser Begriff aber auch ein bisschen unglücklich gewählt. Denn was ich darunter verstehe, ist viel mehr als nur "Dämlichkeit".
Beim Abigottesdienst teilte uns der Pastor mit, dass wir mit dem Abitur beziehungsweise nach dreizehn Jahren Schulbank nun das breiteste Allgemeinwissen vorweisen könnten. Ich hab alle möglichen Suchmaschinen in meinem Gehirn aktiviert, doch ich kann es nicht finden - könnte mir mal jemand den Link geben?!
Eigentlich soll es hier um mich gehen und nicht um das niedersächsische Schulsystem oder die Lernmethoden der GM-Lehrer. Ich möchte eigentlich nicht andere dafür beschuldigen, dass ich keinen Einser-Schnitt sondern eben nur einen 2,6er erzielt habe. "Jeder ist seines Glückes Schmied." Doch ich muss sagen, dass man in Sachsen-Anhalt eher auf das "für's Leben lernen" hingearbeitet hat.
Unangekündigte Leistungskontrollen. Was gibt es schlimmeres für einen Schüler? Am GM erlebte man sowas vielleicht in sieben Jahren maximal sieben Mal in Form von unangekündigten Vokabeltests. Manchmal wollten die Lehrer einen auch nur schocken und sammelten letztendlich eh nicht ein. Die Folge dessen: Man lernt nicht für das Leben sondern bestenfalls für die Klausuren.
Hat man aber jeden Tag auf's Neue zu erwarten, dass der Lehrer das gestern Gelernte abfragt, entwickelt man eine ganz andere Lernmethode. Man wiederholt die erhaltenen Informationen tagtäglich. Damit setzt sich das Wissen viel eher fest. Das ist nun meine Meinung und es gibt sicherlich auch Leute, die trotz Leistungskontrollen über Jahre hinweg fünf Minuten vor der Klausur lernten.
In der Sekundarstufe hatte ich durchweg nur Einser-Schnitte. Auf dem Gymnasium kam dann die Ernüchterung. Jahrelang habe ich um einen guten Schnitt gekämpft, musste mich am Ende mit 2,6 zufrieden geben. War ich letztendlich auch, aber momentan denk' ich mir halt wieder: "Das hätteste besser gekonnt." Wirklich?!
Allgemeinwissen war das Stichwort. Gestern liefen Radionachrichten. Und ich stellte mal wieder fest, dass ich momentan so gar keinen Schimmer vom aktuellen Weltgeschehen habe. Als Politik-LKlerin hab ich mich irgendwie so durchgeschummelt. Habe gelernt, was ich sollte. Für die Klausur eben. Hab mir Zeitungsartikel durchgelesen (oder auch nur ausgeschnitten), die für das Thema relevant waren. Nur das Nötigste, wenn überhaupt.
Und nun steh' ich da. Keine Ahnung. Von Nichts. Was wenn mich nun jemand nach der "politischen Lage in Lateinamerika" befragen würde?! Großes Loch in meinem Kopf. Gut, man muss auch nicht über alles Bescheid wissen.
Aber ich möchte mich nicht länger so ahnungslos fühlen wie ich es momentan tue. Ich möchte über das Allgemeinwissen verfügen, das man uns "versprochen" hat. Mir meine eigene Meinung bilden. Selbst wenn die keinen interessiert. Ich möchte einfach die Möglichkeit haben, mitreden zu können - ob ich es am Ende auch tu, ist vorerst zweitrangig.
Um meinem Ziel wenigstens ein Stückchen näher zu kommen, habe ich mir vorgenommen mir mindestens einmal die Woche die Frankfurter Rundschau zu holen - Gutscheine habe ich ja noch genug. Wäre zumindest schon mal ein Anfang.
Es geht mir jedoch nicht ausschließlich um das Allgemeinwissen oder vielmehr Interesse für aktuelle politische/gesellschaftliche/weltliche Themen. Mit dem Beginn der Ausbildung hatte ich mir vorgenommen, zu zeigen, dass ich es drauf habe. Für mein Abitur wird sich später niemand interessieren, umso mehr für den Abschluss meiner Ausbildung. Und was hab ich bisher dafür getan?! Nichts!
Wir hatten Seminare. Habe ich die Themen und Fachbegriffe zu Hause wiederholt?! Nein. Sitzen die englischen Redewendungen für Geschäftsbriefe? Nein. Bin ich in der Lage selten angewandte Kniffe aus Word oder Excel zu nutzen ohne nochmal nachzuschlagen?! Nein.
Ich mache also genau so weiter wie bisher. Das muss sich ändern. Ich möchte das Wissen speichern können wie ich es früher konnte, nur noch einen Tick langanhaltender. Ich möchte Neugier und Interesse zeigen, Fragen stellen.
Das Problem ist: Diese Unlust. Ich kann mir so viel vornehmen, aber scheitere an der Umsetzung. Beispielsweise nehme ich mir seit Montag (oder noch viel länger) vor nach der Arbeit auf den Crosstrainer zu gehen - wenn ich mich schon nicht für's Joggen motivieren kann. Hab ich bis jetzt noch nicht gemacht. Genauso geht es mir mit den Seminarunterlagen und überhaupt dem schon seit Wochen vorgenommenen Aktensortieren. Für heute habe ich mir zum Beispiel vorgenommen kaufmännische Begriffe durchzulesen und - idealerweise - zu lernen. Stattdessen sitz' ich hier und schreibe darüber, was ich alles machen müsste, statt es einfach zu tun!
Wie man sieht, liegt ein langer Weg vor mir und langsam sollte ich ihn erhobenen Hauptes betreten - ehe es (schon wieder) zu spät ist. Denn genau so wenig wie man die Zeit zurückdrehen kann, kann man sie auch nicht anhalten.
Es gibt aber auch Situationen, wo ich mir an den Kopf fasse, wie dumm sich manche Leute anstellen. Dann bin ich froh, dies bemerkt zu haben und demzufolge offenbar nicht so dämlich zu sein.
Nichtsdestotrotz gibt es genügend Situationen in denen ich mich unglaublich blond fühle. Was könnte man dagegen tun?! Ich könnte endlich mal das "Coloeur Experte Hellbraun" auf meinen Schopf anwenden, das seit Wochen unter meinem Schreibtisch verstaubt. Werde ich demnächst wohl auch tun, aber von einer äußerlichen Farbveränderung allein verschwindet nicht die innere Blondheit. Vielleicht ist dieser Begriff aber auch ein bisschen unglücklich gewählt. Denn was ich darunter verstehe, ist viel mehr als nur "Dämlichkeit".
Beim Abigottesdienst teilte uns der Pastor mit, dass wir mit dem Abitur beziehungsweise nach dreizehn Jahren Schulbank nun das breiteste Allgemeinwissen vorweisen könnten. Ich hab alle möglichen Suchmaschinen in meinem Gehirn aktiviert, doch ich kann es nicht finden - könnte mir mal jemand den Link geben?!
Eigentlich soll es hier um mich gehen und nicht um das niedersächsische Schulsystem oder die Lernmethoden der GM-Lehrer. Ich möchte eigentlich nicht andere dafür beschuldigen, dass ich keinen Einser-Schnitt sondern eben nur einen 2,6er erzielt habe. "Jeder ist seines Glückes Schmied." Doch ich muss sagen, dass man in Sachsen-Anhalt eher auf das "für's Leben lernen" hingearbeitet hat.
Unangekündigte Leistungskontrollen. Was gibt es schlimmeres für einen Schüler? Am GM erlebte man sowas vielleicht in sieben Jahren maximal sieben Mal in Form von unangekündigten Vokabeltests. Manchmal wollten die Lehrer einen auch nur schocken und sammelten letztendlich eh nicht ein. Die Folge dessen: Man lernt nicht für das Leben sondern bestenfalls für die Klausuren.
Hat man aber jeden Tag auf's Neue zu erwarten, dass der Lehrer das gestern Gelernte abfragt, entwickelt man eine ganz andere Lernmethode. Man wiederholt die erhaltenen Informationen tagtäglich. Damit setzt sich das Wissen viel eher fest. Das ist nun meine Meinung und es gibt sicherlich auch Leute, die trotz Leistungskontrollen über Jahre hinweg fünf Minuten vor der Klausur lernten.
In der Sekundarstufe hatte ich durchweg nur Einser-Schnitte. Auf dem Gymnasium kam dann die Ernüchterung. Jahrelang habe ich um einen guten Schnitt gekämpft, musste mich am Ende mit 2,6 zufrieden geben. War ich letztendlich auch, aber momentan denk' ich mir halt wieder: "Das hätteste besser gekonnt." Wirklich?!
Allgemeinwissen war das Stichwort. Gestern liefen Radionachrichten. Und ich stellte mal wieder fest, dass ich momentan so gar keinen Schimmer vom aktuellen Weltgeschehen habe. Als Politik-LKlerin hab ich mich irgendwie so durchgeschummelt. Habe gelernt, was ich sollte. Für die Klausur eben. Hab mir Zeitungsartikel durchgelesen (oder auch nur ausgeschnitten), die für das Thema relevant waren. Nur das Nötigste, wenn überhaupt.
Und nun steh' ich da. Keine Ahnung. Von Nichts. Was wenn mich nun jemand nach der "politischen Lage in Lateinamerika" befragen würde?! Großes Loch in meinem Kopf. Gut, man muss auch nicht über alles Bescheid wissen.
Aber ich möchte mich nicht länger so ahnungslos fühlen wie ich es momentan tue. Ich möchte über das Allgemeinwissen verfügen, das man uns "versprochen" hat. Mir meine eigene Meinung bilden. Selbst wenn die keinen interessiert. Ich möchte einfach die Möglichkeit haben, mitreden zu können - ob ich es am Ende auch tu, ist vorerst zweitrangig.
Um meinem Ziel wenigstens ein Stückchen näher zu kommen, habe ich mir vorgenommen mir mindestens einmal die Woche die Frankfurter Rundschau zu holen - Gutscheine habe ich ja noch genug. Wäre zumindest schon mal ein Anfang.
Es geht mir jedoch nicht ausschließlich um das Allgemeinwissen oder vielmehr Interesse für aktuelle politische/gesellschaftliche/weltliche Themen. Mit dem Beginn der Ausbildung hatte ich mir vorgenommen, zu zeigen, dass ich es drauf habe. Für mein Abitur wird sich später niemand interessieren, umso mehr für den Abschluss meiner Ausbildung. Und was hab ich bisher dafür getan?! Nichts!
Wir hatten Seminare. Habe ich die Themen und Fachbegriffe zu Hause wiederholt?! Nein. Sitzen die englischen Redewendungen für Geschäftsbriefe? Nein. Bin ich in der Lage selten angewandte Kniffe aus Word oder Excel zu nutzen ohne nochmal nachzuschlagen?! Nein.
Ich mache also genau so weiter wie bisher. Das muss sich ändern. Ich möchte das Wissen speichern können wie ich es früher konnte, nur noch einen Tick langanhaltender. Ich möchte Neugier und Interesse zeigen, Fragen stellen.
Das Problem ist: Diese Unlust. Ich kann mir so viel vornehmen, aber scheitere an der Umsetzung. Beispielsweise nehme ich mir seit Montag (oder noch viel länger) vor nach der Arbeit auf den Crosstrainer zu gehen - wenn ich mich schon nicht für's Joggen motivieren kann. Hab ich bis jetzt noch nicht gemacht. Genauso geht es mir mit den Seminarunterlagen und überhaupt dem schon seit Wochen vorgenommenen Aktensortieren. Für heute habe ich mir zum Beispiel vorgenommen kaufmännische Begriffe durchzulesen und - idealerweise - zu lernen. Stattdessen sitz' ich hier und schreibe darüber, was ich alles machen müsste, statt es einfach zu tun!
Wie man sieht, liegt ein langer Weg vor mir und langsam sollte ich ihn erhobenen Hauptes betreten - ehe es (schon wieder) zu spät ist. Denn genau so wenig wie man die Zeit zurückdrehen kann, kann man sie auch nicht anhalten.


3 Kommentare:
Hey Maria,
ich habe auch schon alt zu oft festgestellt, dass einem dass Wissen aus dem Abitur nicht viel weiterhilft. Aber das du es bestanden hast gibt Unternehmen oder Menschen auch eine Aussicht darauf was du drauf hast. Du gehörst zu den Leuten, die sich der Herausforderung gestellt haben 3 weitere Jahre die Schulbank zu drücken und sich Prüfungen zu stellen. Abitur bedeutet auch das man Ausdauer beweist. Keinen Menschen interessiert es wie die Schiffe von Columbus hießen oder wie die Vererbung von statten geht. Die Theorie die du in der Schule lernst bringt dir in der Praxis reichlich wenig. Wir lernen die Definitionen kaufmännischer Begriffe noch und nöcher, aber wann werde ich die Gelegenheit haben einem Kunden oder Kollegen zu erklären was Produktionsfaktoren sind oder wie die Rechtsgrundlage der Unternehmen in einem Konzern aussieht? Nie. Das Entscheidene ist, dass man die Zusammenhänge versteht. Und das man das was man weiß zielgerichtet einsetzt. Man muss nicht alles Wissen, man muss nur wissen wo man es findet. Man muss auch nicht alles können, solange man es organisieren kann.
Unsere Lehrer ärgern sich auch das wir nicht jeden Tag Zeitung lesen, aber sowas entwickelt sich erst nach und nach. Eben erst dann, wenn man alle Zusammenhänge versteht.
Ich hoffe ich habe dich nicht missverstanden und "am Thema vorbei" geschrieben...;)
Lg, Antje
Ich würd nicht sagen, dass du mich komplett falsch verstanden hast. Irgendwo im Text habe ich das Allgemeinwissen eher zu 'nem Teilwissen gemacht: Politik-Gesellschaft-Welt. Zu Allgemeinwissen würde jedoch so ziemlich alles gehören. Literatur, Biologie,... mit letzterem werd' ich wohl nie warm werden.
Es ist mir klar, dass man in der Schule viel lernt, was man nie wieder braucht. Und demnach was du sagst, wird sich das auch in der BBS nicht wirklich ändern.
Aber es gibt eben auch um mich. Ich will es für mich tun. Ich möchte nicht in einer Diskussion sitzen und bis in alle Ewigkeit schweigen. Ich möchte auch meine Meinung haben, die auch auf einer festen Wissensgrundlage und nicht nur auf Gefühl beruht.
Und was die Schule angeht, das Wiederholen der Themen, Bescheid wissen über Grundlegendes: Damit meine ich zum einen auch einfach "einen Durchblick haben" was man mit deinem "Zusammenhänge verstehen" gleichsetzen kann.
Außerdem möchte ich mir selbst etwas beweisen. Mein Abi-Ziel habe ich nicht erreicht, also möchte ich wenigstens die Chance der Ausbildung nutzen mehr zu leisten. Ich möchte stolz auf mich sein können.
Das heißt nicht, dass ich nicht auch stolz auf meine 10 Punkte im Mathe-Abi war. Ich habe INSGESAMT das Gefühl nicht alles gegeben zu haben und das möchte ich nun in gewisser Weise wiedergutmachen.
Der Typ, der täglich Zeitung liest, bin ich auch absolut nicht. Darum habe ich mir ja auch vorerst nur vorgenommen es einmal in der Woche zu tun, weil ich mich genau kenne und weiß, dass ich das kontinuierlich und täglich gar nicht durchhalten würde...
Wie dem auch sei. Danke für deine netten Worte - du hast natürlich recht mit dem, was du sagst. Aber wie gesagt, es ging mir halt in erster Linie um mich. Dass ich das Gefühl haben will, nicht nur Stroh im Kopf zu haben (wobei: wenn dem so wäre, hätte ich wohl nie mein Abi bestanden ;) )
"Und ich stellte mal wieder fest, dass ich momentan so gar keinen Schimmer vom aktuellen Weltgeschehen habe."
Den habe ich seit anderthalb Jahren nicht mehr. Und fühl' mich nicht mal schlecht dabei...
Auch nur Menschen.
Kommentar veröffentlichen