Dienstag, Juni 26, 2007

Freu dich des Lebens

Die letzten drei Tage quälte ich mich durch "Freu dich des Lebens" von Dale Carnegie. Vielleicht ist Quälen jetzt ein wenig übertrieben, aber ich frag mich einfach, wie viel die Leute, die solche Bücher lesen, für ihr zukünftiges Leben und Verhalten mitnehmen. Da sind zig Ratschläge, denen man sich annehmen soll (und ich habe nur die Auswahl (!) aus "Sorge dich nicht - lebe" und "Wie man Freunde gewinnt") und man denkt sich nach einem Kapitel: "Mensch da sollt ich in der Zukunft mal drauf achten" oder "Das muss ich demnächst mal ausprobieren" und ein, zwei Kapitel später hat man das vorherige schon wieder vergessen.
Für alle die so denken gibt es dann am Ende die Zusammenfassung. Zu jedem Kapitel ein Merksatz. "Stehen Sie zu sich selbst", "Machen Sie Ihre Arbeit mit Begeisterung", "Zählen Sie die Geschenke, nicht die Probleme", "Tun Sie ihr Bestes", "Interessieren Sie sich aufrichtig für die anderen", "Lassen Sie den anderen glauben, die Idee stamme von ihm", "Sprechen Sie zuerst von Ihren eigenen Fehlern, ehe Sie andere tadeln", "Machen Sie Vorschläge statt Befehle zu erteilen"...
Aber trotz vieler Erfahrungsberichte bezweifel ich, dass all diese Ratschläge wirklich von der Mehrheit der Leser befolgt werden. Denn die meisten machen es sicher so wie ich: Sie lesen das Buch. Ein Kapitel nach dem anderen. Und wenn sie damit fertig sind, schnappen sie sich das Nächste.
Würde Dale Carnegie das hier jetzt lesen, hätte er allen Grund zu behaupten, dass ich nichts von dem verstanden habe, was er geschrieben hat. Denn das, was ihr hier tue, ist nichts als kritisieren. Es ist nicht so, dass Carnegie keine Kritik wünscht, aber er zieht es vor, sie indirekt auszusprechen. Am Besten hier und da noch ein anerkennendes Lob.
Aber wie gesagt, ich zweifel an der Umsetzung. Sind außerdem zu viele Informationen auf einmal. Und nicht nur das: Mit 20 hat man auch seine Erfahrungen und Fehler gemacht. Aus den ein oder anderen hat man gelernt, aber manche Verhaltensmuster treten immer wieder auf und die kann man nicht von heut' auf morgen wegretuschieren. Natürlich kann man sich ändern, aber ... vermutlich habe ich gerade Lust einfach mal Sau zu sein. Vielleicht versuche ich durch meine Kritik aber auch darüber hinweg zu täuschen, dass ich unfähig bin, mich den Ratschläge anzunehmen und mich darauf einzulassen, einen besseren Umgang mit Menschen zu pflegen oder ähnliches.
Ich glaube, solche "Glückskärtchen", die man sich ab und zu, idealerweise Tag für Tag zur Hand nimmt, würden mehr bewirken als so ein Buch, das man sich einmal durchliest, um sich dann dem Nächsten zu widmen. Vielleicht geht es aber auch nur mir so, das Buch wird ja nicht umsonst fünf Mal fünf Sterne bei "amazon" eingeheimst haben.
Trotzdem kann ich das, was ich eigentlich gelernt haben sollte momentan einfach nicht auf eine Alltagssituation anwenden. Laut Carnegie soll man dem Gegenüber seine Vorteile, die er aus etwas schöpfen würde, aufzeigen, statt seine Argumention zum Beispiel mit "Ich will" zu beginnen. Aber ich will ein Zwergkaninchen und mir fallen ganz und gar keine Vorteile für meine Mama ein, mit denen ich sie überzeugen könnte. Bleibt also nur das "Ich will", aber wenn es nach Carnegie geht, erreicht man damit genau das Gegenteil. Somit kann ich mir das also gleich abschminken und mein "Moppel" muss weiter bei "Meister Lampe" verweilen.
"Die Kunst beliebt, erfolgreich und glücklich zu werden" lautet der Untertitel. Aber bei mir hat es nur bewirkt, dass ich gerade sehr demotiviert bin und schon ahne, dass meine Mama die besseren Argumente hat und ich einsehen muss, dass das doch mal wieder nichts als eine Schnapsidee war.

"Wir denken selten an das, was wir haben, sondern immer nur an das, was uns fehlt."
(Schopenhauer)

2 Kommentare:

Robby hat gesagt…

"Die Kunst beliebt, erfolgreich und glücklich zu werden" <-- lernt man nicht in einem Buch.

Meiner Meinung nach.
Es kann einem helfen, inspirieren, begleiten - ja. Aber es ist keine Wunderwaffe, kein Lichtschalter, im Endeffekt muss man's selbst schaffen.

Damn - schlauer Kommentar mal wieder...

Schaf hat gesagt…

Jaaaaaa, aber ich behaupte ja, dass ich aus den Ratschlägen im Buch, die einen dahinführen sollen, auch nicht schlauer/besser/glücklicher/anders werde - also wenn ich mich dementsprechend verhalte... Dass ich das Buch lese & plötzlich beliebt etc. bin, wollt ich damit ja auch nicht sagen ;)