... kam wohl von mir selbst. Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben. Ich dachte, das, was ich die letzten knapp 40 Stunden erlebt habe, wäre unbeschreiblich. Ist es wohl auch. Zumindest die (Glücks-)Gefühle, die ich verspürte.
Sonntag beginnt meine Ausbildung. Angst, Neugier, Aufregung - doch das Fernweh war immer noch das dominierende Gefühl. Hinzu kam mein Geburtstag. Ich wollte nicht. Ich wollte nicht zu Hause sein. Ich wollte allein sein. Ich wollte nachdenken. Ich wollte an einen Ort, an dem ich mich wohl fühle - mich jedoch niemand kennt.
Ich fuhr nach Hamburg. Alster. Speicherstadt. Fotos machen. Shoppen. Einkaufen. Verschwinden. Und an welchem Ort fühl ich mich wohl mitunter am wohlsten?! An der See. An der Ostsee. Meine Wahl fiel auf den Timmendorfer Strand - Ahlbeck wäre zeitlich und finanziell nicht möglich gewesen. Rumgeirrt. Pension gesucht. Sachen abgestellt. An den Strand. Mit Baguette, Frischkäse, Robby Bubble Erdbeere und einem noch in letzter Minute erworbenen Sektglas - bisschen Stil sollte zum entsprechendem Anlass schon gegeben sein.
In x Schichten eingemümmelt ("Eine Mumie!") - und trotzdem frierend - saß ich da, stand, trippelte rum, hörte Musik, lauschte dem Rauschen des Meeres, fürchtete mich vor plötzlich auftretenden undefinierbaren Schatten, starrte in den Himmel, auf eine Sternschnuppe hoffend und wartete bis es Zwölf wurde. Ganz einsam und verlassen.
Dann passierte es. Zwei Typen liefen an mir vorbei. Wirklich vorbei, denn ich lag im Schatten des Strandkorbs 87 und war damit wohl so ziemlich unsichtbar. Dann: "Da sitzt ja jemand." Sie kamen näher. Ich erklärte, was ich so ganz allein am Strand trieb, weckte damit wohl Interesse - zumindest setzten sie sich dazu, um mir Gesellschaft zu leisten.
Es war so unheimlich schön. Die waren so nett. Und lustig. Dummerweise war ich so höflich, mich zu ihnen umzudrehen, während wir uns unterhielten - und damit verpasste ich die Sternschnuppen. Ich hatte mir so gewünscht in dieser Nacht eine Sternschnuppe zu sehen, aber stattdessen lief es so ab:
Der eine: "Da war wieder ein. Haste die gesehen?! [...] Ach warte ab. Du musst nur 5 Minuten lang in den Himmel starren - da kommt bestimmt gleich eine hinterher."
Um Mitternacht gratulierten sie mir. Dreiviertel Eins fröstelte einer der beiden, sodass sie sich entschlossen wieder die Heimfahrt anzutreten. Wir brachen gemeinsam auf und so bekam der eine nochmal die Chance mich im Licht zu sehen. "Wie Rumpelstilzchen" lautete das als Kompliment zu verstehende Urteil und er kniff mir in die Wange oder sonst wo ins Gesicht.
Um 05:20 Uhr klingelte der Wecker. Ich lass mir doch meinen Sonnenaufgang am Meer nicht entgehen. Dass ich Geburstag hatte, war mir gar nicht so bewusst. Ich genoss es einfach diesen neuen Tag auf diese Weise zu beginnen. Seifenblasen und Unmengen Fotos zu machen. Zu Lächeln, ohne Zwang, sondern völlig aus dem Bauch heraus. Glücklich. Einfach so. Allein. Aber glücklich. Trotz nicht einmal vier Stunden Schlaf. Hellwach. [Vorspulen]
So weh tat es im Grunde gar nicht. Ich fühlte mich gut. Ich hatte keine Sternschnuppen gesehen, doch ich wusste, dass ich alles richtig gemacht hatte. Ich bereute nichts. Es war genauso wie ich es mir gewünscht hatte - nur besser.
In Lübeck wollte ich gemütlich meine Bilder anschauen als ein kleiner, schwarzer Junge versuchte das Fenster zu öffnen - ich half ihm. Damit tat ich, was ich vielleicht doch hätte lassen sollen: Ich schenkte ihm Aufmerksamkeit. Nur mal ein Auszug des Fragenkatalogs meines kleinen Reporters: "Wie alt bist du? [...] Was machst du? [...] Hast du schon mal mit einem Mann geschlafen? [...] Warst du schon mal am Strand? [...] Warst du schon mal verliebt? [...] Warst du schon mal in einen Mann verliebt? [...] Hatte er blonde Haare? [...] Erzähl mir alles. [...] Wie heißt du? [...] Wie alt bist du? 20. [...] Magst du Kinder? [...] Warst du schon mal in einem Puff? [...] Wo steigst du aus, Maria? [...] Ich kann deine Gedanken lesen. Du denkst, was ist das nur für ein Idiot." Möglich?!
Zu Hause angekommen hatte ich nochmal einen Grund mich zu freuen: Ein überfüllter Briefkasten. April, April... Ich hab mich trotzdem gefreut: Schaaafe! Die restlichen Geschenke mussten noch ein paar Minuten warten, denn ich wollte, dass meine Mama beim Auspacken dabei ist. Am meisten habe ich mich nicht etwa über neue Unterwäsche, eine Uhr und den Koffer gefreut, sondern hierüber: Eierwärmer (?!), welchen ich letztens noch erfolglos im Leipziger DDR-Laden gesucht hatte.
Abends ging's ins Restaurant. Firenze. Italiener. Ich magkein Italienisch - wie schon öfter erwähnt, doch damals waren wir oft dort und deshalb dachte ich es wäre schön - der alten, wenn auch vergangenen, Zeiten wegen.
In der "gemütlichen Ecke" unterhielten wir uns über Gott und die Welt. Vor allem aber über mich. Gestern, heute, morgen. Meine Mama war mehr als überrascht zu erfahren, dass ich später gerne Kinder haben würde. Ob diese Überraschung freudiger Natur war kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen.
Sie sprach Gedanken aus, mit denen ich mich bereits von selbst in den letzten zwei Tagen beschäftigt hatte. Zum Beispiel, dass ich meine Ausbildung als so einen Neuanfang sehen sollte wie den in Möser damals. Offen, locker, gesellig sein. Ich hoffe, das ich diesen Vorsatz erfüllen kann.
Ich könnte kotzen, weil ich weiß, dass alle Zeit der Welt nicht reicht.
Sonntag beginnt meine Ausbildung. Angst, Neugier, Aufregung - doch das Fernweh war immer noch das dominierende Gefühl. Hinzu kam mein Geburtstag. Ich wollte nicht. Ich wollte nicht zu Hause sein. Ich wollte allein sein. Ich wollte nachdenken. Ich wollte an einen Ort, an dem ich mich wohl fühle - mich jedoch niemand kennt.
Und ich weiß dass alles in mir schreit. Weil gar nichts von mir bleibt. Ich verschwinde.
Ich fuhr nach Hamburg. Alster. Speicherstadt. Fotos machen. Shoppen. Einkaufen. Verschwinden. Und an welchem Ort fühl ich mich wohl mitunter am wohlsten?! An der See. An der Ostsee. Meine Wahl fiel auf den Timmendorfer Strand - Ahlbeck wäre zeitlich und finanziell nicht möglich gewesen. Rumgeirrt. Pension gesucht. Sachen abgestellt. An den Strand. Mit Baguette, Frischkäse, Robby Bubble Erdbeere und einem noch in letzter Minute erworbenen Sektglas - bisschen Stil sollte zum entsprechendem Anlass schon gegeben sein.
In x Schichten eingemümmelt ("Eine Mumie!") - und trotzdem frierend - saß ich da, stand, trippelte rum, hörte Musik, lauschte dem Rauschen des Meeres, fürchtete mich vor plötzlich auftretenden undefinierbaren Schatten, starrte in den Himmel, auf eine Sternschnuppe hoffend und wartete bis es Zwölf wurde. Ganz einsam und verlassen.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Dann passierte es. Zwei Typen liefen an mir vorbei. Wirklich vorbei, denn ich lag im Schatten des Strandkorbs 87 und war damit wohl so ziemlich unsichtbar. Dann: "Da sitzt ja jemand." Sie kamen näher. Ich erklärte, was ich so ganz allein am Strand trieb, weckte damit wohl Interesse - zumindest setzten sie sich dazu, um mir Gesellschaft zu leisten.
Es war so unheimlich schön. Die waren so nett. Und lustig. Dummerweise war ich so höflich, mich zu ihnen umzudrehen, während wir uns unterhielten - und damit verpasste ich die Sternschnuppen. Ich hatte mir so gewünscht in dieser Nacht eine Sternschnuppe zu sehen, aber stattdessen lief es so ab:
Der eine: "Da war wieder ein. Haste die gesehen?! [...] Ach warte ab. Du musst nur 5 Minuten lang in den Himmel starren - da kommt bestimmt gleich eine hinterher."
Um Mitternacht gratulierten sie mir. Dreiviertel Eins fröstelte einer der beiden, sodass sie sich entschlossen wieder die Heimfahrt anzutreten. Wir brachen gemeinsam auf und so bekam der eine nochmal die Chance mich im Licht zu sehen. "Wie Rumpelstilzchen" lautete das als Kompliment zu verstehende Urteil und er kniff mir in die Wange oder sonst wo ins Gesicht.
Ich bin gerade aufgewacht
Hab meine Augen aufgemacht
Für einen ersten Schritt ist es nie zu spät [...]
Ich will mein Leben, weil es sonst ein anderer lebt!
Hab meine Augen aufgemacht
Für einen ersten Schritt ist es nie zu spät [...]
Ich will mein Leben, weil es sonst ein anderer lebt!
Um 05:20 Uhr klingelte der Wecker. Ich lass mir doch meinen Sonnenaufgang am Meer nicht entgehen. Dass ich Geburstag hatte, war mir gar nicht so bewusst. Ich genoss es einfach diesen neuen Tag auf diese Weise zu beginnen. Seifenblasen und Unmengen Fotos zu machen. Zu Lächeln, ohne Zwang, sondern völlig aus dem Bauch heraus. Glücklich. Einfach so. Allein. Aber glücklich. Trotz nicht einmal vier Stunden Schlaf. Hellwach. [Vorspulen]
Dann steig' ich in die Bahn und das tut weh
Ich seh' dass ich 'was ändern kann und dass ich auch was ändern will.
Ich seh' dass ich 'was ändern kann und dass ich auch was ändern will.
So weh tat es im Grunde gar nicht. Ich fühlte mich gut. Ich hatte keine Sternschnuppen gesehen, doch ich wusste, dass ich alles richtig gemacht hatte. Ich bereute nichts. Es war genauso wie ich es mir gewünscht hatte - nur besser.
In Lübeck wollte ich gemütlich meine Bilder anschauen als ein kleiner, schwarzer Junge versuchte das Fenster zu öffnen - ich half ihm. Damit tat ich, was ich vielleicht doch hätte lassen sollen: Ich schenkte ihm Aufmerksamkeit. Nur mal ein Auszug des Fragenkatalogs meines kleinen Reporters: "Wie alt bist du? [...] Was machst du? [...] Hast du schon mal mit einem Mann geschlafen? [...] Warst du schon mal am Strand? [...] Warst du schon mal verliebt? [...] Warst du schon mal in einen Mann verliebt? [...] Hatte er blonde Haare? [...] Erzähl mir alles. [...] Wie heißt du? [...] Wie alt bist du? 20. [...] Magst du Kinder? [...] Warst du schon mal in einem Puff? [...] Wo steigst du aus, Maria? [...] Ich kann deine Gedanken lesen. Du denkst, was ist das nur für ein Idiot." Möglich?!
Ein neues Jahr, es hat sich nichts verändert.
Alles beim alten und die Augen sind gerändert
Dieselben Ängste und dieselben Sorgen.
Gestern wie heute und bestimmt auch morgen.
Alles beim alten und die Augen sind gerändert
Dieselben Ängste und dieselben Sorgen.
Gestern wie heute und bestimmt auch morgen.
Zu Hause angekommen hatte ich nochmal einen Grund mich zu freuen: Ein überfüllter Briefkasten. April, April... Ich hab mich trotzdem gefreut: Schaaafe! Die restlichen Geschenke mussten noch ein paar Minuten warten, denn ich wollte, dass meine Mama beim Auspacken dabei ist. Am meisten habe ich mich nicht etwa über neue Unterwäsche, eine Uhr und den Koffer gefreut, sondern hierüber: Eierwärmer (?!), welchen ich letztens noch erfolglos im Leipziger DDR-Laden gesucht hatte.
[...]Du musst heut' nichts entscheiden.
Na komm mein Mädchen komm einmal zur Ruh.
Sag was du brauchst es kommt auf dich zu.
Na komm mein Mädchen komm einmal zur Ruh.
Sag was du brauchst es kommt auf dich zu.
Abends ging's ins Restaurant. Firenze. Italiener. Ich mag
In der "gemütlichen Ecke" unterhielten wir uns über Gott und die Welt. Vor allem aber über mich. Gestern, heute, morgen. Meine Mama war mehr als überrascht zu erfahren, dass ich später gerne Kinder haben würde. Ob diese Überraschung freudiger Natur war kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen.
Sie sprach Gedanken aus, mit denen ich mich bereits von selbst in den letzten zwei Tagen beschäftigt hatte. Zum Beispiel, dass ich meine Ausbildung als so einen Neuanfang sehen sollte wie den in Möser damals. Offen, locker, gesellig sein. Ich hoffe, das ich diesen Vorsatz erfüllen kann.
Heute kann es regnen, stürmen oder schneien.
Denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein.
Das Einzige, was mich ein wenig traurig stimmt, ist, dass mir niemand mein Lieblingsgeburtstagslied gesungen hat... doch das ist kein Grund zu weinen, denn:Denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein.
Tränen gibt es schon genug auf dieser Welt.


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