Mittwoch, August 15, 2007

Von der "Virtualität" ins "wahre Leben"

Nach einer viel zu kurzen Nacht, stieg ich halb zwölf (mittags) in die S-Bahn, um mich eineinhalb Stunden später auf den Weg zum McDonalds im Hamburger Hauptbahnhof zu machen, wo bereits Tina und Pia auf mich warteten. Nach einer etwas peinlichen Begrüßung - meinerseits, ich wusste halt nicht was ich sagen soll... mäh! - ging's zunächst ins "Double Coffee", wo der Kellner so seine Probleme hatte, meine Eisschokolade nicht als Heiße Schokolade zu verstehen...
Nachdem wir die ersten Gesprächsversuche gestartet hatten, ging es dann zum DOM. Meine lieben "Hannoveraner": Ich dachte das wäre mit "unserem" Schützenfest vergleichbar, aber: weit gefehlt. Ich hätte vielleicht mal meinen Schrittzähler ans Bein kleben sollen. Oder wenigstens auf die Uhr gucken sollen, wie lange wir drüber gelaufen sind, aber es war schon verdammt riesig!! Was nichts daran ändert, dass die ganzen Fahrgeschäfte für mich vor einigen Jahren ihren Reiz verloren haben. Und das Jahrmarkt-Feeling kam nachmittags um drei natürlich auch nicht auf, was aber auch nicht weiter schlimm war.
Danach sind wir noch durch die (eine?) Marktstraße - während wir so durch die Läden sind, musste ich natürlich die ganze Zeit an die gute Julia denken. Die hätte sich da bestimmt pudelwohl gefühlt und zumindest ihre Buttonssammlung erweitert.
Als nächstes ging's ins Schanzenviertel, wo Pia wohnt. Wirklich tolle Gegend. Viele kleine Kneipen und Geschäfte. So'ne Kneipe-an-Kneipe-Straße gibt's auch in Leipzig, aber eine vergleichbare Gegend in Hannover fiel mir nicht ein. Klar, in der Altstadt, aber nein, nicht so schön, nicht so groß. Und schon gar nicht so preiswert. Ich sollte mich demnächst mal genauer in Hannover umgucken - dort muss es doch auch Viertel geben, die junge Leute anlocken.
Jedenfalls führte uns Pia in eine wirklich schöne kleine Bar. Ich kannte es bisher nur aus Frankreich und Italien, dass die Tische direkt am offenem Fenster stehen, sodass man im Prinzip direkt zur Straße sitzt, aber dort war das auch überall - voll toll. Und es gab Erdbeersaft. Habe ich in Hannover jemals einen Erdbeersaft getrunken?! Ich glaube nicht! Und er war warm! Der Kellner entschuldigte sich dafür und hatte sogar noch extra Eiswürfel reingemacht - konnte er ja nicht ahnen, dass ich ihn warm ab liebsten habe! War also alles perfekt :)
Nun laber ich die ganze Zeit über Städte. War aber auch unter uns Drei'n Gesprächsthema. Ich bin ja nicht so, dass ich sagen würde, dass ich nur in Hannover leben will - komm ja auch vom Dorf. Aber während ich nun diesen Tag nochmal Revue passieren lasse, kann ich irgendwie nachvollziehen, warum für die Beiden keine andere (deutsche) Stadt als Hamburg in Frage kommt.
Wobei ich auch sagen muss, dass ich sonst nur so in den zentralen Touristengegenden von Städten unterwegs bin. Von daher kann es sein, dass mich andere Städte, die in bestimmten Vierteln ein ähnliches Flair vermitteln, ebenso begeistern.
Potsdam, fällt mir da grad so spontan ein, war auch schön. Keine Großstadt - aber vielleicht darum auch genau mein Ding. Ach wie auch immer - erstmal bleib ich in Hannover und in 2,5 Jahren habe ich auch die schönsten Ecken erkundet, sodass ich hier nie im Leben mehr weg will. Wer weiß...
Nun aber zurück zum Treffen selbst, vor dem ich ja schon ein wenig aufgeregt war. Diese Aufregung entwickelte sich während des Aussteigens bis hin zum Mäcces zur Vorfreude. Es ist absolut unmöglich sich auf so etwas vorzubereiten oder so - man kann nur abwarten und irgendwelche dummen Floskeln aussprechen, nur um irgendwas zu sagen.
Das entspannte sich aber, würd ich sagen. Nicht so, dass wir ununterbrochen geplappert haben. Es gab schon Gesprächspausen, doch spätestens in der Bar wurden die dann mehr und mehr (nicht komplett) von angenehmen, etwas lockereren Wortwechseln Unterhaltungen abgelöst. Zwischenzeitlich ging der Gesprächsstoff dann wieder aus, aber so ist das nun mal. Im wahren Leben gibt es eben keine Souffleuse (comme dans "Le fabuleux destin d'Amélie Poulain") - so sehr ich es mir wünschen würde.
Das hat dem Nachmittag aber abschließen keinesfalls geschadet, denn es war wirklich schön mal die Menschen von denen man (fast) tagtäglich nur liest, mal persönlich zu treffen. Denke, dadurch wächst das Interesse eventuell auch noch viel mehr, wenn man die Person schon "im wahren Leben" kennengelernt hat - zumindest ist mir das beim Lesen von Jackies Einträgen aufgefallen, auch wenn wir uns gerade mal zehn Minuten miteinander unterhalten haben.
Wobei das mit dem "wahren Leben" auch schon wieder so eine Sache ist. Ich war zwar bei diesem Treffen "Ich", sprich ich musste mich nicht verstellen, doch es ist nun mal allgemein so, dass ich bei Fremden nicht so bin wie bei Freunden - aber das ist (hoffentlich) normal, oder?! Das zeigt am Besten die Umfrage in der Abizeitung: Mit 19% bin ich die Zweit-Schüchternste! Wenn ich mit meinen Freunden am Tisch sitze, mich wie ein Schneekönig darüber freue, dass wir Tina S. gemeinsam "Wie schön dass du geboren bist" singen, würde man nie glauben, dass ich in meinem "zweiten" wahren Leben so schüchtern und ruhig bin, wie mich diejenigen, die mich nur flüchtig kennen, charaktersieren würden.
Wie dem auch sei. Schluss mit all diesem Rumgeeier. Ich fand's gut. Und das Beste war wohl, dass niemandem ganz plötzlich einfiel, dass er ja einen unheimlich wichtigen Termin hätte... - und das Zweitbeste, dass wir alle Nichtraucher waren - auch wenn es anfangs kleine Verständigungsschwierigkeiten gab, dies klarzustellen.

(Kennt ihr das?! Dass ihr, wenn ihr irgendwas Nicht-Alltägliches erlebt habt - idealerweise an einem nicht-alltäglichen Ort - ihr euch wieder eurem zu Hause nähert und das Gefühl habt, es sei entweder schon "Ewigkeiten" her oder nur ein "Traum" gewesen?! Mir ging das vorhin erst wieder so. Ich konnt gar nicht glauben, dass ich vor ein paar Stunden noch mit den beiden im Café gesessen hatte. Mit zwei Menschen, die ich nie zuvor getroffen hatte.
Umgekehrt war es auch auf der Hinfahrt. Noch 10 Minuten vor Hamburg konnte ich es nicht fassen, dass ich kurze Zeit später auf zwei (mehr oder weniger) Wildfremden treffen würde, um mit ihnen den Nachmittag zu verbringen. Merkwürdig...)

1 Kommentar:

Robby hat gesagt…

"aber das ist (hoffentlich) normal, oder?!"

Natürlich.