Während Robby seine Kindheit hier vor kurzem als glücklich bezeichnete, habe ich vorhin das Gefühl bekommen, dass ich mir all die Jahre was vorgemacht habe. Alles nur Schein.
Vielleicht hätte ich nicht mit dem Einschulungsvideo beginnen sollen. Der 03. September 1994 war einer der schrecklichsten (Vormit-)Tage meiner Kindheit. Ich hab geheult. Weiß nicht warum. Als mein Name aufgerufen worde, musste meine Mama mich nach vorne begleiten. Auch sie musste sich ihre Tränen wegwischen und wurde von einer anderen Mutter mitfühlend angesprochen: "Na, auch so nah am Wasser gebaut?!"
Nicht nur die Einschulung war schlimm. Die gesamte Grundschulzeit schien mich nicht wirklich glücklich gemacht zu haben. Es gibt kein Foto von damals, das mich glücklich mit meiner Klasse zeigt. Im Hort war das wieder anders - und zu Hause, bei Janine war ich auch ein ganz anderes, glückliches Kind.
Das Video war schlimm. All die Namen wurden aufgerufen. Namen, die mich bis zum Abitur begleiteten. Sarah Standvoss, Ramon Kreutzer, Janine Gieseler,... sowie Namen, die mir völlig fremd vorkamen. Und dann fiel plötzlich folgender Name: Jan Hertrampf. Ich glaubte, ich hör' nicht richtig. Wir waren also nicht nur vier Jahre gemeinsam im Hort, sondern wurden auch gemeinsam eingeschult. Janine, Kot-Ulla - ward ihr euch dessen bewusst?!
Ich war sowas von bockig. Bin mir eben richtig unsympatisch geworden. Offensichtlich auch ein Aufmerksamkeitsdefizit - hab ich das etwa immer noch?! Nur weil ich gelegentlich um mich schlage?! Wenn ich meinen Willen nicht bekam, wurde erst einmal 'ne Runde rumgezickt. Wenn ich mal so drüber nachdenke... vielleicht habe ich mich gar nicht so sehr verändert?! Ich hoffe doch, denn wenn ich immer noch so bin wie damals...
Warum ich glaube, dass der Schein trügt?! Warum ich mir was vorgemacht habe?! Wenn ich mich bisher an früher erinnern wollte, nahm ich meist Fotos zur Hand. Auch heute (nebenbei). Dort sind wirklich ein paar glücklich aussehende Fotos dabei. Aber das sind ja nur Momentaufnahmen und man weiß nicht, was vor und danach passierte.
In den Videos ist das anders. Mein Vater filmte einfach. Er hatte eine neue Kamera und die musste genutzt werden. Ob die, die vor der Kamera standen, es nun wollten oder nicht. Meine Mama wollte es nicht. Sie war genervt. Den Eindruck, dass sie glückliche Eheleute waren, machten sie nicht.
Und er... Er war damals schon so wie jetzt. Man sieht seiner Schwester an wie sehr sie sich über ihren Bruder ärgerte. Immer noch. Das allerschlimmste an der Sache ist, dass mich eben das Gefühl beschlich, dass ich ihm ähnlich bin. Erschreckend ähnlich.
Es gibt eine Szene (klingt wie so'n richtig professioneller Film) da telefoniert meine Mutter. Er filmt. Sie bemerkt es, regt sich auf, lacht. Lacht, weil er sich über sie lustig macht, dass sie nun schon zum weiß-nicht-wie-vielten-Mal erzählt wie der Urlaub war. Er macht die "Blablabla"-Handbewegung.
Manchmal denk' ich mir die auch, wenn meine Mama telefoniert oder erzählt und sich zum x-ten Mal wiederholt. Moment... wirklich?! Habe ich es nicht vor kurzem noch genossen, ihr zuzuhören wie sie zum x-ten Mal von Verona erzählt? Ja. Und sie erzählte damals schon mit der selben Begeisterung wie heute.
Dann nehmen wir eben eine andere Szene zum Vergleich: Wir sind gerade aus Gran Canaria zurück. Man erkennt daran übrigens sehr gut, dass es sich womöglich damals schon abzeichnete, dass die Ehe unter keinem guten Stern steht. Im Wohnzimmer unterhält man sich:
Seine Schwester: "Hat es dir auch mal gut getan, Lutz?"
Er: "Mir?"
Mama: "Lutz ist wieder zu Hause. Gib nicht soviel auf die Reaktion, die er jetzt von sich gibt."
Schwester: "Na, ob es dir gut getan hat - der Urlaub."
Er: "Doch, war ganz gut."
Schwester: "Verplauder dich nicht..."
Er [gereizt]: "Kannst du deine Frage nochmal stellen?"
Schwester: "Wie war's?"
Er: "Sehr schön."
Schwester: "Hat dir der Urlaub gut getan?"
Er: "Er war fantastisch, der Urlaub."
Schwester: "Na bitte. Musst du immer erst üben?"
Gelegentlich kann ich auch ganz schön mundfaul sein. Und dann, wenn andere darauf aufmerksam werden, beginne ich übertriebene Sätze zu bilden, um ihnen vor Augen zu führen wie lächerlich dieses ganze Gelaber ist. Oder?! Stelle ich mich vielleicht gerade (absichtlich) in einem schlechten Licht dar?!
Im Grunde geht es doch bei meinem Vater darum, dass er diese Familientreffen hasste. Später - in Möser - verschwand er sogar im Schlafzimmer, um fernzusehen, während die Familie beisammen saß. Ich dagegen genieße es, mit der Familie zusammen zu sein. Zumal das nicht so oft vorkommt.
Bin ich also doch nicht ganz so schlimm?! Während des Videoguckens war ich mir fast sicher. Und diese Bockigkeit?! Vielleicht ist die ja doch von meiner Mama. Ich kenn' keinen Menschen, der so zickig sein kann wie sie. Nicht, dass ich nun alles schlechte von meiner Mama habe. Im Gegenteil. Aber es ist mir dennoch lieber, ein paar mehr schlechte Eigenschaften von ihr als von meinem Vater zu haben.
Offensichtlich war ich damals schon genervt von ihm. Nicht in diesem Ausmaß wie heute, aber ich ließ mich nicht (immer) von ihm unterkriegen (Er: "Können Sie spanisch sprechen?" Ich: "Ja, aber ich mach es nicht [...] weil ich's nicht möchte.") und durchschaute ihn: "Och mann Papi - du spielst nur so."
Fünf von insgesamt sieben Videos liegen nun noch vor mir. Bin gespannt, was für (un-)glückliche Gefühle währenddessen noch so aufkommen...
Zu guter letzt noch 'ne Frage: Besitzt jemand unter euch "Hands up" von Ottawan?! Musste das im Türkei-Urlaub 1993 auf 'ner Bühne mittanzen und hab mich da grad dran erinnert als mir die Fotos von damals in die Hände fielen. Daria und ich nahmen nachmittags immer an so'nem Kinderclub teil. Der Animateur war toll!
Vielleicht hätte ich nicht mit dem Einschulungsvideo beginnen sollen. Der 03. September 1994 war einer der schrecklichsten (Vormit-)Tage meiner Kindheit. Ich hab geheult. Weiß nicht warum. Als mein Name aufgerufen worde, musste meine Mama mich nach vorne begleiten. Auch sie musste sich ihre Tränen wegwischen und wurde von einer anderen Mutter mitfühlend angesprochen: "Na, auch so nah am Wasser gebaut?!"
Nicht nur die Einschulung war schlimm. Die gesamte Grundschulzeit schien mich nicht wirklich glücklich gemacht zu haben. Es gibt kein Foto von damals, das mich glücklich mit meiner Klasse zeigt. Im Hort war das wieder anders - und zu Hause, bei Janine war ich auch ein ganz anderes, glückliches Kind.
Das Video war schlimm. All die Namen wurden aufgerufen. Namen, die mich bis zum Abitur begleiteten. Sarah Standvoss, Ramon Kreutzer, Janine Gieseler,... sowie Namen, die mir völlig fremd vorkamen. Und dann fiel plötzlich folgender Name: Jan Hertrampf. Ich glaubte, ich hör' nicht richtig. Wir waren also nicht nur vier Jahre gemeinsam im Hort, sondern wurden auch gemeinsam eingeschult. Janine, Kot-Ulla - ward ihr euch dessen bewusst?!
Ich war sowas von bockig. Bin mir eben richtig unsympatisch geworden. Offensichtlich auch ein Aufmerksamkeitsdefizit - hab ich das etwa immer noch?! Nur weil ich gelegentlich um mich schlage?! Wenn ich meinen Willen nicht bekam, wurde erst einmal 'ne Runde rumgezickt. Wenn ich mal so drüber nachdenke... vielleicht habe ich mich gar nicht so sehr verändert?! Ich hoffe doch, denn wenn ich immer noch so bin wie damals...
Warum ich glaube, dass der Schein trügt?! Warum ich mir was vorgemacht habe?! Wenn ich mich bisher an früher erinnern wollte, nahm ich meist Fotos zur Hand. Auch heute (nebenbei). Dort sind wirklich ein paar glücklich aussehende Fotos dabei. Aber das sind ja nur Momentaufnahmen und man weiß nicht, was vor und danach passierte.
In den Videos ist das anders. Mein Vater filmte einfach. Er hatte eine neue Kamera und die musste genutzt werden. Ob die, die vor der Kamera standen, es nun wollten oder nicht. Meine Mama wollte es nicht. Sie war genervt. Den Eindruck, dass sie glückliche Eheleute waren, machten sie nicht.
Und er... Er war damals schon so wie jetzt. Man sieht seiner Schwester an wie sehr sie sich über ihren Bruder ärgerte. Immer noch. Das allerschlimmste an der Sache ist, dass mich eben das Gefühl beschlich, dass ich ihm ähnlich bin. Erschreckend ähnlich.
Es gibt eine Szene (klingt wie so'n richtig professioneller Film) da telefoniert meine Mutter. Er filmt. Sie bemerkt es, regt sich auf, lacht. Lacht, weil er sich über sie lustig macht, dass sie nun schon zum weiß-nicht-wie-vielten-Mal erzählt wie der Urlaub war. Er macht die "Blablabla"-Handbewegung.
Manchmal denk' ich mir die auch, wenn meine Mama telefoniert oder erzählt und sich zum x-ten Mal wiederholt. Moment... wirklich?! Habe ich es nicht vor kurzem noch genossen, ihr zuzuhören wie sie zum x-ten Mal von Verona erzählt? Ja. Und sie erzählte damals schon mit der selben Begeisterung wie heute.
Dann nehmen wir eben eine andere Szene zum Vergleich: Wir sind gerade aus Gran Canaria zurück. Man erkennt daran übrigens sehr gut, dass es sich womöglich damals schon abzeichnete, dass die Ehe unter keinem guten Stern steht. Im Wohnzimmer unterhält man sich:
Seine Schwester: "Hat es dir auch mal gut getan, Lutz?"
Er: "Mir?"
Mama: "Lutz ist wieder zu Hause. Gib nicht soviel auf die Reaktion, die er jetzt von sich gibt."
Schwester: "Na, ob es dir gut getan hat - der Urlaub."
Er: "Doch, war ganz gut."
Schwester: "Verplauder dich nicht..."
Er [gereizt]: "Kannst du deine Frage nochmal stellen?"
Schwester: "Wie war's?"
Er: "Sehr schön."
Schwester: "Hat dir der Urlaub gut getan?"
Er: "Er war fantastisch, der Urlaub."
Schwester: "Na bitte. Musst du immer erst üben?"
Gelegentlich kann ich auch ganz schön mundfaul sein. Und dann, wenn andere darauf aufmerksam werden, beginne ich übertriebene Sätze zu bilden, um ihnen vor Augen zu führen wie lächerlich dieses ganze Gelaber ist. Oder?! Stelle ich mich vielleicht gerade (absichtlich) in einem schlechten Licht dar?!
Im Grunde geht es doch bei meinem Vater darum, dass er diese Familientreffen hasste. Später - in Möser - verschwand er sogar im Schlafzimmer, um fernzusehen, während die Familie beisammen saß. Ich dagegen genieße es, mit der Familie zusammen zu sein. Zumal das nicht so oft vorkommt.
Bin ich also doch nicht ganz so schlimm?! Während des Videoguckens war ich mir fast sicher. Und diese Bockigkeit?! Vielleicht ist die ja doch von meiner Mama. Ich kenn' keinen Menschen, der so zickig sein kann wie sie. Nicht, dass ich nun alles schlechte von meiner Mama habe. Im Gegenteil. Aber es ist mir dennoch lieber, ein paar mehr schlechte Eigenschaften von ihr als von meinem Vater zu haben.
Offensichtlich war ich damals schon genervt von ihm. Nicht in diesem Ausmaß wie heute, aber ich ließ mich nicht (immer) von ihm unterkriegen (Er: "Können Sie spanisch sprechen?" Ich: "Ja, aber ich mach es nicht [...] weil ich's nicht möchte.") und durchschaute ihn: "Och mann Papi - du spielst nur so."
Fünf von insgesamt sieben Videos liegen nun noch vor mir. Bin gespannt, was für (un-)glückliche Gefühle währenddessen noch so aufkommen...
Zu guter letzt noch 'ne Frage: Besitzt jemand unter euch "Hands up" von Ottawan?! Musste das im Türkei-Urlaub 1993 auf 'ner Bühne mittanzen und hab mich da grad dran erinnert als mir die Fotos von damals in die Hände fielen. Daria und ich nahmen nachmittags immer an so'nem Kinderclub teil. Der Animateur war toll!


1 Kommentar:
:(
Videos gibt's von mir keine. Und ob meine Vermutungen stimmen... das ist das, was ich mir zu den Bildern dazudenke, aus ihnen schlussfolgere. False Memories und so... was weiß ich :/
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