"Du gehst den Weg noch einmal ab.
Setzt an der Bordsteinkante nach.
Und dann fällt dir plötzlich auf,
hier warst schon einmal.
Das ist dir alles so vertraut
und irgendwie kennst du dich aus.
Und auf einmal wird dir klar,
früher warst du hier zuhaus'"
(Ton - Die Sorgen anderer)
Auf dem Weg zu meiner Oma am Donnerstag musste ich in Möser Halt machen. Dem Ort, wo ich von 1998 - 2000 gelebt habe. Es ist zu einem kleinen Ritual von mir geworden, wenn ich einmal (allein) dort bin, von der
Schule bis zu unserem Haus zu fahren.
Komisches Gefühl den Schulweg, den ich damals mit Tag für Tag mit Anne (sie wohnte ab dem Zweiten Halbjahr der 5. Klasse gegenüber) ging, entlangzufahren. Viel hat sich nicht verändert. Ich frage mich,
was wäre wenn... du hier geblieben wärst. Aber Fragen auf die es keine Antworten gibt, braucht man sich im Grunde gar nicht zu stellen. Auf jedenfall wäre vieles anders geworden.
Und weil ich eine kleine Stalkerin bin, fuhr ich mit Schrittgeschwindigkeit an unserem Haus im
Verbindungsweg vorbei, um immerhin noch die alte
Garage einzufangen. Dass dieses hässliche Ding noch niemand abgerissen hat... na ja. Passt zumindest nicht zu dem (Traum-)Haus. Mit der (Traum-)Küche, die meine Mutter abbezahlte, damit
andere nach 2000 dann die Milch für meinen Halbbruder zubereitet konnten. Die Welt ist so ungerecht.
Was meinen Halbbruder betrifft, ist Punkt 3 auf der
Wunschliste übrigens gestrichen. Macht kein Sinn eine Rolle in seinem Leben einzunehmen, wenn man 5 Jahre verpasst hat. Außerdem habe ich mich in der Vergangenheit schon bemüht. In Form von Weihnachtsgeschenken und Geburtstagskarten mit Fotos. Aber nie kam was zurück. Kann man von einem 5-Jährigen auch nicht erwarten - aber wozu hat man Eltern?! Das für dieses Weihnachten geplante
Geschenk liegt daher auch wieder verpackt im Schrank. Folge eines Spontankaufs. Einen Jungen, der sich einen Hubschrauber wünscht, kann man wohl kaum mit Büchern begeistern - auch wenn es um einen
Löwen geht...
Wie dem auch sei. Die kleine Zeitreise sowie das familiäre Weihnachtsfest hat zum ersten Mal folgendes ausgelöst: Ich hatte das Gefühl, dass das
"Zuhause ist, wo meine Freunde sind" dem
"Zuhause ist, wo meine Familie ist" gegenüber überwiegte. Nicht verwunderlich, wenn man vom Cousin von oben bis unten abwertend beäugt wird, um sich mit einem
"Ziehst dich noch um?!" begrüßt zu werden. Arschloch. Nichts gegen meinen Jogginganzug!