Freitag, Dezember 28, 2007

Wandernde Gedanken

Soviele Gedanken, die in den letzten Tagen meinen Kopf durchströmten. Es tat weh. Es tat gut. Ich legte es darauf an. Flüchtete täglich für eine gute Stunde vor dem weihnachtlichen Stress. Ging spazieren. Musik in den Ohren, die ich vielleicht besser nicht hätte hören sollen. Tat es aber trotzdem. Weil es - neben den Erinnerungen - das Einzige ist, was mir noch von ihm geblieben ist. Irgendwie. Auch wenn's dumm ist. Dachte an ihn. Versuchte mit dem Verlust klarzukommen. Endgültig abzuschließen. Sah mich fast am Ziel. Entfernte mich davon aber wieder, während Hoffnung und Sehnsucht wuchsen.

Es begleiteten mich auch Gedanken an Weihnachten. Ein graues bis hellblaues Leipzig. Weit und breit kein weiß. Immerhin ein leicht gefrorener Karl-Heine-Kanal. Dennoch keine Weihnachtsstimmung. Ein Fahrradfahrer kommt mir entgegen, ruft mir etwas zu. Auch wenn ich es akustisch nicht verstehe, ist klar, was er mir gewünscht hat: "Frohe Weihnachten." Ich versuch' ein "Danke" oder "Ebenso" mit meinen Lippen zu formen - bekomme jedoch nur ein schüchternes Lächeln hin. Der größte Wunsch sich ins Bett zu kuscheln. Nichts tun. Höchstens mal eben im Jogginganzug frische Luft zu schnappen. Um sich dann wieder ins Bett zu verkriechen. Dieser Wunsch wird sich wohl nächstes Jahr erfüllen. Ob mir diese Vorstellung dann immer noch gefällt, ist eine andere Frage.

"Ich hasse Kinder", denke ich als ich an drei Halbwüchsen vorbeigehe, die nichts besseres zu tun haben als sieben Tage vor Silvester ihre Knaller vom letzten Jahr in die Luft zu sprengen. "Ich mag Kinder", denke ich als ich an einer jungen Familie vorbeigehe und stelle mir vor wie der Junge in wenigen Stunden mit seinen strahlenden Kinderaugen seinen neuen Lego-Betonmischer bestaunt. Glücklich.

Mit einem Mal frage ich mich, was aus Weihnachten geworden ist. Was ist Weihnachten ohne Kinder? Es geht mir nicht darum, ob es ein Tag ist, an dem eben die ganze Familie zusammensitzt oder der Tag, an dem Jesus geboren ist. Ersteres wäre auch an vielen anderen Tagen möglich - vorausgesetzt man würde sich die Zeit nehmen - und letzteres interessiert Nichtchristen wohl eher weniger. Und doch verzichten sie nicht auf die alljährliche Bescherung.

Momentan habe ich das Gefühl, das Weihnachten für eine gewisse Zeitspanne ein wenig an Bedeutung verliert. Sobald die Kinder "erwachsen", die Wünsche weniger werden und der Stress zunimmt. Und somit wird es nächstes Jahr ein wenig anders werden. Die Adventssonntage werden an Bedeutung gewinnen. In meiner momentanen Stimmung hätte ich nichts dagegen, wenn sich diese Vorstellungen in den nächsten Jahren realisieren ließen. Und wenn die ersten Enkel auf der Welt sind, kann gern über eine "Reformation" des Heiligen Abends diskutiert werden.

Mir ist wirklich nicht nach Weihnachten. Beisammen sitzen. Liebe Worte verlieren. Ich bring' es nicht über die Lippen. Ich schreibe lieber. Zeige meine Liebe und Zuneigung in Form von Geschenken oder viel mehr kleinen, aber persönlichen Aufmerksamkeiten, weil ich mich (in diesen Tagen) zu mehr nicht in der Lage fühle. Es fällt mir schwer die Geschenke/Umschläge zu überreichen. Aber es nützt ja alles nichts. Ein liebloses oder vielleicht doch gespielt freundliches "Das ist noch für ..." und gut ist.

Irgendwie macht mich nichts wirklich glücklich. Immerhin aber sehr zufrieden. Ich mag meine Familie schließlich. Daher ist es ein großes Glück so viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Zu sehen wie die Großoma im Pflegeheim wieder auflebt. Andererseits tat es weh zu sehen wie andere leiden, sich das Alter bemerkbar macht.

Umso mehr blühte ich (teilweise) auf als mich einen Tag später der Freund meiner Tante begrüßte ("Meine Sonne"). Nennen wir ihn Bernd. Mario Barth. Oder einfach nur Knuddelbär. Das sollte reichen, um sich ein Bild von ihm machen zu können. Er ist einfach toll. Wenn ich's nicht besser wüsste, würd' ich behaupten er wäre - zwanzig Jahre jünger - der absolute Traummann. Aber ich weiß es besser. Denn er hat einen Sohn. Er ist wie sein Vater. Er ist okay. Mehr nicht. Denn ich lehne Menschen ab, die mich dafür verurteilen mir nicht grundlos die Birne zuzukippen. Gut, es gibt Außnahmen. Sonst müsst' ich ja (fast) meine ganze Familie ablehnen, weil sie nicht versteht, dass ich gemütliche Abende zu Hause (mit den Mädels) wilden Partynächten vorziehe.

Als abschließender Gedanke: Die Schließung dieses Blogs. Weil ich nicht kontrollieren kann, wer hier mitliest. Weil ich nicht will, dass jeder Depp weiß wie es in mir drin aussieht. Weil ich endlich lernen muss über Gefühle zu reden statt sie ausschließlich niederzuschreiben. Weil 2008 Veränderungen bringen soll. Konsequenterweise hätte ich diesen Eintrag gar nicht schreiben sollen. Aber mein Entschluss steht noch nicht fest. Inzwischen bin ich soweit ihn nicht zu schließen. Weil mir fabuloo deztann so gut gefällt. Wäre aber gut möglich, dass zu persönliche Gedanken und Gefühle ab 01. Januar 2008 ausschließlich durch Zitate angedeutet werden. Ich denk' drüber nach.

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