Heute abend waren wir, meine Mama und ich, bei Lie zum Geburtstag eingeladen. Wer ist Lie?! Lie ist die Mutter meiner ehemaligen besten, essgestörten Freundin, sowie eine ehemalige Nachbarin von uns und gute Bekannte. Ich hatte mich im Juli um ihre Katze Micky gekümmert - falls sich noch wer dran erinnert. Ihr Ehemann leidet bestimmt schon seit 20 Jahren an MS und sitzt inzwischen im Rollstuhl. Weiß auch nicht, warum ich gerade "so viel" Hintergrundinfos liefere, aber mir ist grad danach. Aber statt meine Freundschaft zu Katharina, der Tochter, zu analysieren - mit all den Höhen und Tiefen, sollte ich mich vielleicht doch lieber auf den heutigen Abend beschränken.
Ich stach natürlich mal wieder aus der Menge - wie immer, wenn wir zu Feierlichkeiten bei den Beiden eingeladen sind. Warum dürfte eigentlich klar sein: Mit meinen 19 Jahren bilde ich die absolute Außnahme unter der 40 bis 50+ Jahre alten Gesellschaft. Es ist nicht so, dass die keine Kinder (in meinem Alter und älter) hätten, aber bitte, wer geht in dem Alter schon mit seinen Eltern zum Geburtstag der Freunde von den Eltern?! Niemand. Aber ich finde das immer total interessant. Dort kann ich das tun, was ich so liebe: Zuhören. Einfach Zuhören.
Ganz ohne Reden ging das natürlich auch nicht. Denn das Übliche "Und was hast du nach der Schule vor?" wurde nun durch ein "Und wie geht's jetzt weiter?" ersetzt und darauf konnte ich natürlich sichere Antworten geben. Man(n) war sehr interessiert - wollten zum Beispiel wissen, seit wann ich denn schon gewusst hätte, dass ich das machen will, wo doch die Mehrheit der Abiturienten keinen Schimmer hat, wie's weitergehen soll. Fanden sie scheinbar sehr bemerkenswert.
Tja, und da man sich grad schon so nett über das Abi unterhalten hatte, kam dann die Frage, mit der ich - ganz ehrlich - so gar nicht gerechnet hätte: "Sag mal, Maria! Wie fährst du denn eigentlich Auto?" Ich hatte keine Ahnung, was sie von mir wollte, als sie fortfuhr: "Ich habe deinen Abibericht gelesen. [...] Wir haben uns weggepackt. [...] Ich konnte das gar nicht glauben, die ruhige Maria..." Na toll, meine GoMler-Freunde! Habt ihr ja tolle Arbeit geleistet! Jetzt bin ich womöglich in der halben Wedemark als Verkehrsrowdy bekannt! Dabei hab ich mich gebessert (nach dem berüchtigten, aber erkenntnisreichen IKEA-Besuch) - auch wenn es heute früh wirklich brenzlig war...
So schön das alles ist, von den Älteren mit Interesse angesprochen zu werden, ziehe ich es doch vor, mich im Hintergrund aufzuhalten. Einfach nur den Gesprächen zu lauschen. Während die Männer Aktien zum Thema machten, war es in der Frauenrunde sehr viel unterhaltsamer. "Also bei Geschirr da kommen Herbert und ich uns nie überein" und damit folgte ein Austausch über die kleinen, belustigenden Eheproblemchen. Dass der eine Villeroy und Boch- Geschirr bevorzugt, der andere dies aber verabscheut und eher zu Rosenthal greifen würde. Vorzeitiger Kompromiss wurde bei IKEA gefunden. Manch einer erwägte sogar die Verlobung zurückzuziehen, weil man sich über die Tapete in der ersten gemeinsamen Wohnung nicht einigen konnte. Mag jetzt lächerlich klingen, ist es auch - uns so haben die Damen es ja auch rübergebracht und daher war es so schön zuzuhören, weil sie es so amüsant und ehrlich erzählt haben.
Dasselbe galt auch für meine Mutter. Ich habe sie nun schon x-Mal von Verona erzählen hören und dennoch bin ich immer noch fasziniert von dem Leuchten in ihren Augen und könnte stundenlang ihrem Reisebericht lauschen, auch wenn es immer dasselbe ist. Die Männer zieht sie magisch an, hab ich das Gefühl. Ihre Tiramisu wurde von den Weibern in keinster Weise in solch hohen Tönen gelobt wie von den beiden schlemmenden Herren. "So locker, leicht... und... lecker wirklich [...]" Klingt harmlos, war aber in meinen Augen total lustig, weil der Typ zunächst die Tiramisu ablehnte bis sie ihn probieren ließ und da war er wohl hin und weg...
Ein anderer männlicher Gast hielt mir einen ewigen Vortrag über Obstler. Zur Überraschung meiner Mutter hatte ich mich entschieden an diesem Abend einen kleinen Schluck Obstler zu trinken. Lie wollte erst eingießen, aber dann griff meine Mutter zu der Flasche: "Nein, ich gieß ein", womit sie allgemeines Gelächter hervorrief, weil es in dem Moment so klang als wolle sie verhindern, dass ihrem kleinen Töchterchen zu viel Alkohol eingeschenkt würde.
Jedenfalls nippte ich am Obstler, fühlte mich eigentlich unbeobachtet - doch nichts da: Kaum hatte ich das Glas abgestellt, fragte man(n) mich von links: "Und?! Wonach schmeckt es?" "Birne?!" Er drehte die Flasche um, auf deren Etikett eine Birne und ein Apfel abgebildet waren. Ich gab zu, dass man letzteren kaum schmecken würde und er stimmte mir zu, versuchte zu erklären, warum dass so sei und empfahl mir mal einen Calvados-Schnaps (im Espresso) zu trinken, denn da würde man den Apfel ausgezeichnet rausschmecken. Dann erklärte er noch, dass die Wirkung des Schapses erst etwa eine halbe Stunde später einsetzen würde und es daher riskant sei, wenn man in einer geselligen Runde einen nach dem anderen trinkt. Worauf ich befürchtete, er würde von mir denken, dass ich ein kleines Mädchen wäre, dass soeben die erste Erfahrung mit Alkohol machen würde und gewarnt sein müsste. Daher stellte ich klar, dass ich, wenn überhaupt, stets nur ein (!) kleines Gläschen trinken würde.
Das war jedoch nicht alles, was ich an dem Abend getrunken habe. Gleich zu anfang ging es mit einem Bierchen los. Ich bestellte ein Wasser, worauf meine Mama mich jedoch zu einem Bier überredete: "Das ist wirklich lecker. Das musst du probieren! Matthias schwärmt heute noch davon." Was soll ich sagen?! Sie behielt recht. Das hat mir sogar aus dem Glas geschmeckt! Nach einem Halben merkte ich schon wie es mir ein wenig zu Kopfe stieg und ging die Sache daraufhin etwas langsamer an. Ich kann es nicht beschreiben. Meine erste Assoziation war: PAN! Kroatisches Bier (zuletzt vor genau vier Jahren und einem Tag getrunken)! Wer jetzt wissen will, was das heute abend für ein exklusives Getränk war: Fränkisches Bier! Fragt mich nicht wie es heißt, aber sooo lecker.
Und das Essen erst. Dieser Kartoffelsalat. Der erste Schichtsalat, der mir geschmeckt hat. Mamas Tiramisu. Alles vom Feinsten. Ja, ich war wohl im Paradies...
Abschließend noch ein paar Worte, rückblickend auf den Ost-West-Eintrag, den ich demnächst - nach weiteren Beobachtungen in "Ost" und "West" - überarbeiten werde: Während ich so am Tisch saß, den Gesprächen lauschte, selbst angesprochen wurde, überlegte ich, wo ich mich wohler fühle. Das ist gar nicht mal so spontan zu beantworten, denn wenn ich daran denke, welchen älteren Herren von "drüben" zu unserem Bekanntenkreis gehören, muss ich ganz klar sagen, dass ich mich bei denen wohler fühle. Weil es ganz andere Menschen sind. Damit meine ich jetzt nicht allgemein die "Ossis", sondern denke speziell an Lutz B. und Klaus. Die kann man gar nicht mit denen von heute vergleichen. Zumal diese ja auch nicht zu unserem, sondern zu Herberts Freundeskreis gehören. Lutz B. und Klaus sind unglaublich humorvoll, was nicht heißt, dass die Herren heute nicht gelacht haben oder Witze gemacht haben. Aber eben anders. Und ich spürte, trotz des (angeblichen?) Interesses, auch eine Distanz sowie Skepsis.
In der Frauenrunde fühlte ich mich dagegen recht wohl - habe ich ja oben schon beschrieben. Die Gespräche waren interessant, unterhaltsam, oft amüsant. Manch eine mag ich weniger, manch anderer könnte ich stundenlang zuhören - bayrischer Dialekt hin oder her. Eine von ihnen erwähnte auch meine Mama vorhin auf dem Weg nach Hause. Wir waren uns einig, dass sie sehr sympathisch ist und es angenehm ist ihr zuzuhören. Sie strahlt irgendwie so viel Ruhe und Wärme aus.
Wie auch immer. Ich hab mich wohl gefühlt - war dann zwar auch froh als meine Mutter aufstand, um sich zu verabschieden, aber ich bereue es nicht, mitgegangen zu sein trotz meines ach so jungen Alters.
Ich stach natürlich mal wieder aus der Menge - wie immer, wenn wir zu Feierlichkeiten bei den Beiden eingeladen sind. Warum dürfte eigentlich klar sein: Mit meinen 19 Jahren bilde ich die absolute Außnahme unter der 40 bis 50+ Jahre alten Gesellschaft. Es ist nicht so, dass die keine Kinder (in meinem Alter und älter) hätten, aber bitte, wer geht in dem Alter schon mit seinen Eltern zum Geburtstag der Freunde von den Eltern?! Niemand. Aber ich finde das immer total interessant. Dort kann ich das tun, was ich so liebe: Zuhören. Einfach Zuhören.
Ganz ohne Reden ging das natürlich auch nicht. Denn das Übliche "Und was hast du nach der Schule vor?" wurde nun durch ein "Und wie geht's jetzt weiter?" ersetzt und darauf konnte ich natürlich sichere Antworten geben. Man(n) war sehr interessiert - wollten zum Beispiel wissen, seit wann ich denn schon gewusst hätte, dass ich das machen will, wo doch die Mehrheit der Abiturienten keinen Schimmer hat, wie's weitergehen soll. Fanden sie scheinbar sehr bemerkenswert.
Tja, und da man sich grad schon so nett über das Abi unterhalten hatte, kam dann die Frage, mit der ich - ganz ehrlich - so gar nicht gerechnet hätte: "Sag mal, Maria! Wie fährst du denn eigentlich Auto?" Ich hatte keine Ahnung, was sie von mir wollte, als sie fortfuhr: "Ich habe deinen Abibericht gelesen. [...] Wir haben uns weggepackt. [...] Ich konnte das gar nicht glauben, die ruhige Maria..." Na toll, meine GoMler-Freunde! Habt ihr ja tolle Arbeit geleistet! Jetzt bin ich womöglich in der halben Wedemark als Verkehrsrowdy bekannt! Dabei hab ich mich gebessert (nach dem berüchtigten, aber erkenntnisreichen IKEA-Besuch) - auch wenn es heute früh wirklich brenzlig war...
So schön das alles ist, von den Älteren mit Interesse angesprochen zu werden, ziehe ich es doch vor, mich im Hintergrund aufzuhalten. Einfach nur den Gesprächen zu lauschen. Während die Männer Aktien zum Thema machten, war es in der Frauenrunde sehr viel unterhaltsamer. "Also bei Geschirr da kommen Herbert und ich uns nie überein" und damit folgte ein Austausch über die kleinen, belustigenden Eheproblemchen. Dass der eine Villeroy und Boch- Geschirr bevorzugt, der andere dies aber verabscheut und eher zu Rosenthal greifen würde. Vorzeitiger Kompromiss wurde bei IKEA gefunden. Manch einer erwägte sogar die Verlobung zurückzuziehen, weil man sich über die Tapete in der ersten gemeinsamen Wohnung nicht einigen konnte. Mag jetzt lächerlich klingen, ist es auch - uns so haben die Damen es ja auch rübergebracht und daher war es so schön zuzuhören, weil sie es so amüsant und ehrlich erzählt haben.
Dasselbe galt auch für meine Mutter. Ich habe sie nun schon x-Mal von Verona erzählen hören und dennoch bin ich immer noch fasziniert von dem Leuchten in ihren Augen und könnte stundenlang ihrem Reisebericht lauschen, auch wenn es immer dasselbe ist. Die Männer zieht sie magisch an, hab ich das Gefühl. Ihre Tiramisu wurde von den Weibern in keinster Weise in solch hohen Tönen gelobt wie von den beiden schlemmenden Herren. "So locker, leicht... und... lecker wirklich [...]" Klingt harmlos, war aber in meinen Augen total lustig, weil der Typ zunächst die Tiramisu ablehnte bis sie ihn probieren ließ und da war er wohl hin und weg...
Ein anderer männlicher Gast hielt mir einen ewigen Vortrag über Obstler. Zur Überraschung meiner Mutter hatte ich mich entschieden an diesem Abend einen kleinen Schluck Obstler zu trinken. Lie wollte erst eingießen, aber dann griff meine Mutter zu der Flasche: "Nein, ich gieß ein", womit sie allgemeines Gelächter hervorrief, weil es in dem Moment so klang als wolle sie verhindern, dass ihrem kleinen Töchterchen zu viel Alkohol eingeschenkt würde.
Jedenfalls nippte ich am Obstler, fühlte mich eigentlich unbeobachtet - doch nichts da: Kaum hatte ich das Glas abgestellt, fragte man(n) mich von links: "Und?! Wonach schmeckt es?" "Birne?!" Er drehte die Flasche um, auf deren Etikett eine Birne und ein Apfel abgebildet waren. Ich gab zu, dass man letzteren kaum schmecken würde und er stimmte mir zu, versuchte zu erklären, warum dass so sei und empfahl mir mal einen Calvados-Schnaps (im Espresso) zu trinken, denn da würde man den Apfel ausgezeichnet rausschmecken. Dann erklärte er noch, dass die Wirkung des Schapses erst etwa eine halbe Stunde später einsetzen würde und es daher riskant sei, wenn man in einer geselligen Runde einen nach dem anderen trinkt. Worauf ich befürchtete, er würde von mir denken, dass ich ein kleines Mädchen wäre, dass soeben die erste Erfahrung mit Alkohol machen würde und gewarnt sein müsste. Daher stellte ich klar, dass ich, wenn überhaupt, stets nur ein (!) kleines Gläschen trinken würde.
Das war jedoch nicht alles, was ich an dem Abend getrunken habe. Gleich zu anfang ging es mit einem Bierchen los. Ich bestellte ein Wasser, worauf meine Mama mich jedoch zu einem Bier überredete: "Das ist wirklich lecker. Das musst du probieren! Matthias schwärmt heute noch davon." Was soll ich sagen?! Sie behielt recht. Das hat mir sogar aus dem Glas geschmeckt! Nach einem Halben merkte ich schon wie es mir ein wenig zu Kopfe stieg und ging die Sache daraufhin etwas langsamer an. Ich kann es nicht beschreiben. Meine erste Assoziation war: PAN! Kroatisches Bier (zuletzt vor genau vier Jahren und einem Tag getrunken)! Wer jetzt wissen will, was das heute abend für ein exklusives Getränk war: Fränkisches Bier! Fragt mich nicht wie es heißt, aber sooo lecker.
Und das Essen erst. Dieser Kartoffelsalat. Der erste Schichtsalat, der mir geschmeckt hat. Mamas Tiramisu. Alles vom Feinsten. Ja, ich war wohl im Paradies...
Abschließend noch ein paar Worte, rückblickend auf den Ost-West-Eintrag, den ich demnächst - nach weiteren Beobachtungen in "Ost" und "West" - überarbeiten werde: Während ich so am Tisch saß, den Gesprächen lauschte, selbst angesprochen wurde, überlegte ich, wo ich mich wohler fühle. Das ist gar nicht mal so spontan zu beantworten, denn wenn ich daran denke, welchen älteren Herren von "drüben" zu unserem Bekanntenkreis gehören, muss ich ganz klar sagen, dass ich mich bei denen wohler fühle. Weil es ganz andere Menschen sind. Damit meine ich jetzt nicht allgemein die "Ossis", sondern denke speziell an Lutz B. und Klaus. Die kann man gar nicht mit denen von heute vergleichen. Zumal diese ja auch nicht zu unserem, sondern zu Herberts Freundeskreis gehören. Lutz B. und Klaus sind unglaublich humorvoll, was nicht heißt, dass die Herren heute nicht gelacht haben oder Witze gemacht haben. Aber eben anders. Und ich spürte, trotz des (angeblichen?) Interesses, auch eine Distanz sowie Skepsis.
In der Frauenrunde fühlte ich mich dagegen recht wohl - habe ich ja oben schon beschrieben. Die Gespräche waren interessant, unterhaltsam, oft amüsant. Manch eine mag ich weniger, manch anderer könnte ich stundenlang zuhören - bayrischer Dialekt hin oder her. Eine von ihnen erwähnte auch meine Mama vorhin auf dem Weg nach Hause. Wir waren uns einig, dass sie sehr sympathisch ist und es angenehm ist ihr zuzuhören. Sie strahlt irgendwie so viel Ruhe und Wärme aus.
Wie auch immer. Ich hab mich wohl gefühlt - war dann zwar auch froh als meine Mutter aufstand, um sich zu verabschieden, aber ich bereue es nicht, mitgegangen zu sein trotz meines ach so jungen Alters.


1 Kommentar:
Im Paradies sollte man sich keine Gedanken machen... ;) :)
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