Sonntag, Mai 06, 2007

"Hannover in Bewegung"

Das Abi ist gelaufen. Mehr schlecht als recht. Doch das Gute daran ist, dass man jetzt (am Wochenende) ganz viel Zeit hat. Zeit, um Dinge zu tun, die man sein ganzes Leben schon tun wollte. Ein Wunsch rief heute danach erfüllt zu werden. Schon seit langem hatte ich mir vorgenommen eines Tages mit dem Fahrrad nach Hannover zu radeln.
Heute war es endlich soweit. Kurz nach 12 schwang ich mich auf's Rad. Ausgestattet mit einer Flasche Wasser, meiner Kamera, Handy, Taschentüchern und noch unnützen Kram. Ach so, ganz wichtig natürlich: Die Karte. Allerdings war diese auf die Innenstadt Hannovers beschränkt. Ehe ich die also zu Rate ziehen könnte, müsste ich bereits mein Ziel erreicht haben. Demnach war ich ganz auf mich allein gestellt.
Am Golfplatz in Hainhaus stellte sich mir das erste Mal die "Und wie geht's jetzt weiter?"-Frage. Ich verließ mich einfach auf mein Gefühl, und zog es vor so wenig wie möglich abzubiegen, sodass ich stets die südliche Richtung einhalten konnte.
Irgendwann kam ich an einen wunderschön blau glänzenden See. Kannste auf'm Rückweg immer noch fotografieren, dachte ich mir und fuhr weiter bis ich erneut Wasser aufblitzen sah und zudem noch nebenan ein Haus entdeckte. Nein... wenn das jetzt das ist, was ich denke, dann... Innerhalb von nur einer halben Stunde hatte ich also das Seehaus erreicht. Dort bog ich dann rechts Richtung Langenhagen ab, wo ich auf eine Karte am Straßenrand aufmerksam wurde. Immer geradeaus und dann wohl oder übel auf die Vahrenwalder. Eigentlich hatte ich mir die Bedingung gestellt auf irgendeinem Wege nach Hannover zu gelangen, der nicht auf der Vahrenwalder enden würde. Aber nun gut, wenn's nicht anders geht (ging's aber).
Um eins erreichte ich den nächsten See, nämlich den Silbersee. Auch schön. Dort vorbei, erblickte ich schließlich wieder Häuser, nicht ahnend, wo genau ich mich befand.
Das Landei wurde sogleich damit vertraut gemacht, dass es in der Stadt ein wenig anders zu geht. Hektischer. So musste ich zum ersten Mal in meinem Radfahrer-Leben an einer grünen Ampel halten, da ein Rettungswagen angerast kam.
Nachdem ich an einem "Saalkamp"-Bushaltestellenschild vorbeigeradelt war, beglückte mich endlich so eine Fahrradweg-Ausschilderung in die List. Unterlegt wurde dieser Glücksmomenten von brasilianischem Getrommel. Ein Grund eine kurze Pause einzulegen und daran erinnert zu werden, dass heute der Marathon stattfand. Neben dem Getrommel konnte man dies an den ab und zu vorbeilaufenden Herren erkennen, die sowohl vom lautstarken Jubel als auch von der Polizei begleitet wurden. Sind jedenfalls alle voll abgegangen zu der südamerikanischen Mucke.
So gern ich dem ganzen auch weitergelauscht hätte: Ich hatte ein Ziel und dieses noch lange nicht erreicht. Die List war eher als erwartet erreicht, Gelegenheit endlich einen Blick auf meine Karte zu werfen, um zu entschlüsseln um was für einen Wald es sich handelte, durch den es mich radeln ließ. Offenbar die Eilenriede. Sehr schöne Gegend. Schließlich bog ich doch mal nach rechts ab - mich auf mein Gefühl verlassend, denn diese oben bereits erwähnten Fahrradweg-Ausschilderungen sind in Hannover nur sehr dürftig ausgestellt.
Und schließlich der "Zoo". Jetzt konnte es eigentlich nicht mehr weit sein. Es folgte die Berliner Allee, ein Tunnel, die Oper. Ziel erreicht. Inklusive Pause in 1:50 Stunden. Ohne Pause und ständigen "Wo fahr ich jetzt am besten lang"-Überlegungen würde man schätzungsweise 1:30 Stunden benötigen, maximal.
Ich war so stolz auf mich, dass ich mir gleich erstmal zwei Kugeln (Creme Catalana und Mozartkugel) von Giovanni L gönnte. Und ich schlemme sonst nie zwei! Mit dem Eis in der Hand schlenderte ich Richtung Bahnhof. Rossmann, Zeitschriftenladen (dachte die hätten vielleicht eine Fahrradkarte) und schließlich Street. Brauche dringend neue, preiswerte (!) Turnschuhe, in denen mir die Füße nicht schon nach 30 Minuten ununterbrochen laufen weh tun, sonst wird das nichts mit Rom und Paris. Schon hatte ich ein Paar gefunden, Größe 40. (Zur Erinnerung: Meine anderen neuen, ebenfalls von Street, sind in der 38) Jedenfalls drückten die 40er. Also andere anprobiert. Erst 39. Kommt man ja nur mit Gewalt rein. Dann 40. Kommt man ja auch nur mit Gewalt rein. Dann 41. Kommt man ja ebenfalls nur mit Gewalt rein. Da könnt'sch bleede werden.
Mein Fahrrad rief nach mir, ich eilte zurück. Unglaublich. Der zweite Tag, an dem ich mein Rad inklusive Korb mitten in der Stadt angeschlossen habe, und der Korb ist immer noch dran. Hätte ich ehrlich gesagt nicht mit gerechnet. Dann die große Frage. Direkt zurück? Maschsee, Herrenhausen?
Ich entschied mich für ersteres, schob das Rad durch die Fußgängerzone Richtung Kröpke als mir einfiel, dass ich die Aegidienkirche eigentlich mal fotografieren wollte. Also dort hin geradelt, Fotos geschoßen, Applaus für die Läufer gehört.
Zielstrebig radelte ich weiter zur NORD/LB, um dort dann auf den Schiffgraben abzubiegen. Nichts da. Marathon, schon vergessen?! Straße war also gesperrt. Ich hätte umdrehen können. Doch ich entschied mich dann doch für die Zielgerade. Halbes Stündchen verbracht ich da. Respekt für Harald oder so mit seinen Kindern, Markus und Andrea, die Cheerleader, die dies und das zur Schau stellten, dem "Ich will nicht erkannt werden"-Typen und so manch anderem über 70-Jährigen. 42 Kilometer - unter dem Motto "Hannover in Bewegung" - und ein paar Zerquetschte. Das ist das 21-fache von dem was ich momentan so über die Runden krieg.
Als Geisterfahrer verließ ich dann den Friedrichswall - toll, wenn die Straßen abgesperrt sind - und machte mich auf den Heimweg. Dummerweise sah ich irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht, fuhr ein wenig zu weit, aber fand dann doch wieder die Podbi, den Saalkamp, den Silbersee. Beim letzteren musste ich dann mal ganz hurtig für kleine Mädchen und bekam vor lauter Kopftüchern das Gefühl mich als deutsche Touristin im Urlaub zu befinden.
Irgendwann kam ich an einen Geranien-Markt, der mir vorher nicht aufgefallen war. Ich bog rechts ab, in der Hoffnung, dass das Seehaus gleich um die Ecke sein würde. Stattdessen wurde der Pferdemarkt ausgeschildert. "Das Schild hast du vorhin nicht gesehen", dachte ich mir und drehte - ohne großartig weiter zu überlegen, ob ich das Schild vorher wirklich noch nicht gesehen hatte - um. In irgendeinen Weg rein, der mir ebenfalls nicht wirklich bekannt vorkam.
Doch eigentlich bin ich die ganze Zeit geradeaus gefahren und so hatte ich die Hoffnung, dass ich irgendwann wieder etwas Bekanntes erblicken würde. Die Baustelle gehörte nicht dazu, die Landstraße, an der zig Autos mit über 70 km/h an mir vorbei sausten ebenso nicht.
Improvisation war gefragt - und der Verzicht noch einmal Fotos von dem See hinter'm Seehaus zu machen. Der Rückweg führte mich am Waldsee vorbei. Und schließlich sah ich den See, zumindest dachte ich das, da er ebenso viele Sandhügel aufwies. Dahinter war allerdings noch einer. Problem war, dass mein Orientierungssinn in den Keller sank und ich es nicht mal merkte - zumindest nicht bevor es zu spät war und ich - innerlich aufschreiend - auf einem Ortsschild "Isernhagen" las. Nee, oder? Das ist jetzt ein Scherz. Was nun?! Richtung Großburgwedel?! Toll, nicht ausgeschildert.
Also zurück nach Langenhagen. *strampel, strampel, See erblick, Haus erblick* Nee, wenn das jetzt das ist, was ich denke... Hatte ich das nicht etwa fünf Stunden zuvor schon einmal (richtig) gedacht?! Richtig, ich war wieder am Seehaus angekommen, was bedeutete, dass ich in einem riesengroßen Kreis gefahren war. Aber so bekam ich immerhin, was ich wollte. Nämlich die Bilder von diesem schönen See, der ganz schön verdreckt ist.
Während ich so des Weges entlang fuhr, fiel mir ein schwarzer Hund auf. Dieser widerum kam mir bekannt vor. Blick nach links, Blick nach rechts. Gott, hier bist du vorhin schon lang! Du hättest einfach nur nach links abbiegen müssen und dann wärste wieder auf dem richtigen Weg gewesen. Aber wie gesagt: Orientierungssinn war zu dem Zeitpunkt längst im Keller, wodurch ich dummerweise rechts abgebogen war.
Von da an, fuhr ich schnurstraks nach Hause und zwar - wider Erwarten - ohne mich einmal zu verfahren. Mich würd' mal interessieren, wie viel Kilometer das jetzt waren.
Dreiviertel Sieben konnte ich mich dann endlich auf mein Bett plumpsen lassen. Drei Stunden Heimfahrt. Ich bin tot. Und wenn nicht, dann bin es spätestens morgen, wenn der Muskelkater endgültig durchkommt. Aua.
Nichtsdestotrotz werde ich auf jeden Fall wieder nach Hannover radeln. Hin ist wirklich kein Problem und was auf dem Rückweg schief lief, muss ich dringend überprüfen.

4 Kommentare:

Robby hat gesagt…

:D :)
Schön :D

Steff hat gesagt…

Du bist ernsthaft mit dem Fahrrad nach Hannover geradelt??? Kann ich gar nicht glauben. Sehr bemerkenswert.
Irgendwann müssen wir das mal zusammen machen, vorzugsweise nach meinen Prüfungen.
Wann genau biste im Urlaub?

Wenn ich in Hannover wohne, kannste mich ja immer mitm Fahrrad besuchen kommen. ;-)

Schaf hat gesagt…

02.06.-06.06. Paris
14.06.-17.06. Rom
Das sind die Termine, die bisher feststehen. Freu mich auf die gemeinsame Radtour :) Vorher werde ich die aber nochmal allein abfahren, um den "Fahrplan" zu perfektionieren und wir nicht genauso wirr umher irren wie ich gestern. :D

Oh ja! Zieh mal bald um! Das wär so toll, wenn ich dich dann öfter mit dem Rad besuchen könnte und dann könnten wir zum Maschsee und und und :)

Steff hat gesagt…

Uuuu und dann ab 18.6. gibts doch eure Abiergebnisse oder? In der Woche kann ich übrigens auch mit meinen Ergebnissen rechnen. :-(

Von mir aus können wir uns auch verfahren, ich bin da flexibel. ;-)

Du willst mich wohl loswerden...
1.8. ist geplant und ich hoffe, ich finde bis dahin auch ne schnieke Wohnung für mich. Momentan siehts schlecht aus, weil einfach alles viel zu teuer ist.
Aber wenns klappt, dann ist das mit dem Maschsee ne supi Idee, ist ja dann Sommer. :-)