Dienstag, Mai 29, 2007

Eine Briefmarke, bitte

Vor etwa 17,5 Minuten hätte ich gedacht, dass dies ein "Ich bin es leid in einem beschissenen Kaff zu leben"-Eintrag wird. Ich wette, in der (Groß-)stadt passiert einem das nicht: Es ist Dienstag, 17:29, na ja meine Handyuhr geht nicht, also möglichweise schon halb. Die Post macht um 17:30 Uhr zu. Ich renn rein, in den Vorraum. Drinnen stehen die Kunden. Die Glastür ist zu. Ich warte. Ein Kunde gesellt sich zu mir. "Also entweder ich bin zu schwach oder die Tür ist geschlossen. Probieren Sie's mal." Er hat auch keinen Erfolg. Wir warten. Schließlich entscheide ich mich doch für den Briefmarken-Automaten, der draußen steht. Defekt. Das ist doch jetzt ein schlechter Scherz, oder?!, denk ich mir und geh wieder zum Postvorraum, um mit dem anderem Kunden weiter zu warten. Schließlich meint er: "Ich glaube nicht, dass die uns reinlassen. Die warten jetzt, gehen geschlossen raus und schließen dann zu." Aber ich entgegne ihm, dass man die Hoffnung nicht aufgeben soll. Das interessiert ihn nicht, er verabschiedet sich: "Viel Glück."
Dann öffnet sich endlich die Tür. Die Kunden verlassen die Post, die Beamtin schlägt mir die Tür vor der Nase zu, doch - oh Wunder - sie teilt mir mit: "Wenn sie kurz Warten können, komme ich ans Fenster, aber ich darf niemanden mehr reinlassen." Klar kann ich warten, ich warte seit über 5 Minuten. Sie kommt ans Gitterfenster, ich bestell meine Marken, sie verschwindet mit meinem Geld. Eine Kundin von eben kommt angerannt, da sie ihren Schlüssel in der Filiale liegen gelassen hat, ich bekomme meine Marken, sie ihren Schlüssel, und die Welt erscheint rosarot wie nie. Ist das nicht schön? Ich war danach mit einem Mal so glücklich, dass ich das Auto am Bahnhof für meine Mama abstellte, statt sie eine Stunde später abzuholen, und im Regen nach Hause rannte, hüpfte, spazierte. Ich könnt immer noch darüber schmunzeln. Sowas gibt's doch echt nur im (Beschissen-)Dorf.