Dienstag, Januar 30, 2007

Arbeiten, um nicht gammeln zu müssen (Di und Mi)

Dienstag, 30. Januar 2007
In der Schule ist alles gelaufen. Gestern zwei Stunden, heute ebenso, morgen eigentlich gar keine. Aus purer Langeweile - oder Geldnot (-> Neuseeland) - bin ich daher heute um 11 zur Tanke gegangen. Bis 14 Uhr war geplant, ich meinte, ich könnte auch bis 15 Uhr, wenn der Chef zu viel zu tun hat. Hatte er nicht, aber 15 Uhr war trotzdem in Ordnung für ihn. 6 Cent teurer als gestern. Wie jeden Tag nach Montag. Daher tote Hose. Einkaufszettel geschrieben, Zigaretten eingeräumt, gelesen, teilweise unglaublich freundlich zu den Kunden und Lieferanten gewesen - immer ein Lächeln parat. Führte dann auch mal wieder zu so einem mich verwirrenden Dialog mit einem älteren Herrn, einem sehr älteren Herrn:
Er: "Nehmen Sie mich auch in Zahlung?"
Ich, ihn fragend anguckend und den nächsten Satz abwartend.
Er: "Ich habe kein Geld dabei."
Ich: "Das ist schlecht. Aber ich bin sicher, sie finden noch was." (Oder so, weil er weiter in seiner Hose wühlte)
Er zahlt: "Müssen Sie mich also doch nicht hier behalten."
Ich: "Nee..."
Er: "Hätten Sie denn was mit mir anfangen können?"
Ähm...
Ein weiterer Kunde, der mich zum lächeln brachte, war der glatte Gegensatz. Schätzungsweise 5 Jahre alt. Mutter kommt mit etwa dreijähriger Tochter und Sohn herein. Die Kinder sollen sich was zum Naschen aussuchen, ich biete ihnen kostenlose Gummibärchen an, die er dankend animmt. Die drei bleiben noch eine Weile, weil sie auf den Vater - unfreundlichste Person des Tages - warten müssen. Das Mädel wirft mir einen so bösen Blick zu, dass ich eigentlich auf der Stelle hätte tot umfallen müssen. Was hab ich der getan? Hat die Angst, ich nehme ihr ihren Bruder weg? Wohl kaum. Eher lag es an ihrer Erkältung, mit der sie zu kämpfen hatte, wie ich später erfuhr. Papa kommt, Frau und Mädel gehen raus. Junge bleibt im Stuhl, labert was von: "Was fängt mit H an und hört mit Baby auf." Sprach er mit mir oder sich selbst? Egal, beim verabschieden lobt er: "Der Stuhl ist sehr gemütlich." Voll süß.
Auch süß: Mein Chef. Sowohl heute, wenn er mir eine Story nach der anderen erzählt, mir seine Urlaubsvideos zeigt, weil so wenig los ist, als auch: damals... Nach dem Mittag kam er mit Fotos an. Zwar finde ich, dass er auch noch heute das gewisse Etwas hat, aber die Fotos... warum zeigt er mir die? Ich meine, ich kann ihm kaum sagen: "Mensch, wenn wir uns damals schon gekannt hätten..." Was erwartet er, was ich auf sein "Da war ich noch ganz schön jung..." entgegne? Trotzdem war es wirklich sehr interessant heute. Das Video aus Kreta war schön. Leider fallen mir nie schnell gute Fragen ein, sodass so dämliche unangenehme Pausen entstehen, wenn er fertig erzählt hat. Wie auch immer, möchte hier niemanden mit dem Gerede meines Chefs langweilen. Wobei: Eins noch! Vorwäscher Marco ist mit Kassierin Lisa zusammen. Hab es zwar schon geahnt, aber der Chef hat's heute bestätigt, mit dem Zusatz: "Die verarscht den von vorne bis hinten." Hallo? Wer denn bitte noch alles? Immer die, von denen man es am wenigsten denkt. Ich hab Lisa damals eingearbeitet. Total schüchtern, Walddorfschülerin, nett. Heute wurde mein Weltbild erneut zerstört. Marco hätte ich so ein Verhalten vielleicht eher zugetraut. Absolutes Arschloch hab ich immer gedacht, habe ihn die ersten Wochen nach Daniels Unfall beinahe gehasst, aber inzwischen mag ich ihn wirklich gerne und das hat auch er nicht verdient. Find solche Weiber einfach zum kotzen. Aber solange es die Typen mit sich machen lassen, bitte schön.
Spaß darf neben der Arbeit natürlich nicht zu kurz kommen, daher sind wir gegen 19 Uhr spontan zu Mäcce (Buchholz) gedüst. Steff (!) ist gefahren! Irgendwie mag ich ihren Fahrstil. Gut, sie macht 'ne Notbremsung vor 'nem Bahnübergang, bevorzugt es im Gegenverkehr zu fahren, aber wer sieht nicht gern dem Tod ins Auge? Mäcce war lustig. Ging u.a. um kleinere Geschwister. Und während ich anfangs als Einzelkind die jüngeren pubertierenden Geschwister verteidigen wollte, konnte ich am Ende doch auch als große Schwester von Sidney und seiner Nora, sowie seinem imaginären Hund Dennis berichten. Auf der Rückfahrt kam ich aus dem Lachen nicht mehr raus - Katrin, du bringst mich irgendwann noch um, ohne dir deiner Schuld bewusst zu sein! Ich lachte über Katrin, Katrin über mich, weil ich lachte. Und so waren alle glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lachen sie jetzt immer noch...

Ohrwurm des Tages: Razorlight - America.

Mittwoch, 31. Januar 2007
Der Tag begann mit der Podiumsdiskussion. Lena, Kot-Ulla und ich waren dummerweise so albern, dass sich schon die 10. Klässler nach uns umdrehten. Lena rechnete aus, dass es heute allerhöchste Zeit ist, sich um den Nachwuchs zu kümmern, um pünktlich zum Studienbeginn im Oktober von den Studiengebühren befreit zu werden. Sie konnte gar nicht mehr aufhören davon zu reden, sodass ich irgendwann die Schnauze voll hatte und meinte: "Lena, nicht nur reden - MACHEN!" "Das musst DU gerade sagen" Wo sie recht hat, hat sie recht... Konzentrationsschwäche, Albernheit, leichtes Desinteresse führten zu einem Lachflash nach dem anderen. Wir hatten unseren Spaß, denn wir wussten - bald ist Schluss mit lustig: Zeugnisausgabe. 2,7 - bin nicht zufrieden, aber was soll's. Immerhin sind alle für die 13.2. zugelassen.
Nachmittags arbeiten: Endlich - Daniel ist wieder da! Hab mich wirklich gefreut, auch wenn ich es nicht so zeigen konnte. Und mir sind sogar dumme Small-Talk-Fragen eingefallen. Dummerweise war ihm aber nicht so nach Small-Talk. Zumindest fasste er sich extrem kurz.
Kundin, die ebenfalls erfreut war Daniel(a) wiederzusehen: "Lebst du auch noch?"
Er: "Leider."
Sie: "Dann nimm dir doch 'n Strick. [...] Überlegs dir nochmal. Das Leben kann so schön sein."
Er: "Wo denn?"
Sie: "Jeden Tag! Guck morgens einfach in den Spiegel und sag dir: "Mann, bin ich ein Geiler!"" (Das hat sie wirklich gesagt!)
Er: "Eher zerspringt der Spiegel..."
Oh Mann, ich glaub dem geht's echt nicht gut...
Anderer Kunde erfreut sich an unserem Kartenlesegerät: "Das ist mal eindeutig!"
Ich [erstaunt]: "Ich glaube von 10 Kunden sind sie der Erste, der das so sieht."
Er lobt die verständliche Abbildung: "So gehört sich das! SIE HABEN ZUKUNFT!"
Der nächste Kunde, hilflos mit seiner EC-Karte rumfuchtelnd: "Wie war das hier nochmal?"
Nach der Arbeit habe ich meine Mutter gleich vom Bahnhof abgeholt. Die schien auch nicht so gut drauf zu sein, hat sogar vergessen, dass heute Zeugnisausgabe war. Während sie ihr Abendbrot zubereitete, fragte sie: "Weißte, wer sich vermutlich - mit hoher Wahrscheinlichkeit - bald trennt?" Spontan sagte ich einen Namen, bei der es mich nicht überrascht hätte. Der war es natürlich nicht. Und in Sekundenschnelle ahnte ich, welchen Namen sie mir gleich nennen würde. Aber ich wusste, dass mir die Wahrheit nicht gefallen würde und wollte meine Vermutung auch nicht äußern, weil ich nur hoffte: "Das kann nicht sein! Bitte bitte nicht DIE Beiden...!" Aber vor der Wahrheit kann man sich nicht drücken, so bitter sie auch sein mag. Ich hoffe so, dass sich das einrenkt. Ich weiß nicht, was vorgefallen ist. Ich will nur, dass alles wieder in Ordnung kommt, so wie nach der letzten Trennung. Ich werde keinen Namen nennen, denn schwarz auf weiß hat was Offizielles und ich will nicht, dass es offiziell ist.

Ohrwurm des Tages: Pohlmann - Mädchen und Rabauken

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