Freitag, September 21, 2007

Sehnsucht und Obsession

Neben Fernweh - ich hatte den Blitzgedanken "Silvester in Ahlbeck" (oder eher) - hat mich heute auch die Sehnsucht eingeholt. Zunächst die Sehnsucht nach der Tanke. Lena wurde vor einigen Tagen von meiner ehemaligen Chefin eingearbeitet und während wir uns so unterhielten, sehnte ich mich schon sehr nach meinem früheren Arbeitsplatz - auch wenn ich an meinem jetzigen ebenfalls sehr zufrieden bin.
Meine ehemalige Chefin meinte vor kurzem zu meiner Mama, die dort tankte, ich solle mal wieder vorbeigucken. Nur so. Das wollte ich gerne. Doch wann? Sie arbeitet immer vormittags und ich ebenso. Keine Chance also. Auch meiner Mama legte ich mein (Zeit-)Problem dar und diese meinte: "Kannst ja zum Kaffeetrinken gehen." Haha! Sehr lustig. Ich fasste das als Ironie auf, dachte gar nicht weiter über diesen Vorschlag nach.
Julias Vater war heute so nett mich von Hannover mitzunehmen und in Bissendorf abzusetzen. Ich blickte auf die Uhr: Kurz nach Zwei. Theoretisch könnte sie noch an der Kasse sitzen. Ich also Julias Vater gebeten mich nicht am Bahnhof sondern an der Tankstelle rauszulassen.
Das Auto meiner ehemal... - ich lass das im weiteren Verlauf mal weg - Chefin stand dort, sie jedoch nicht.
Dafür hantierte mein Chef irgendwo rum. Ich begrüßte ihn, und informierte mich, ob seine Frau nicht zufällig auch mal samstags arbeiten würde, weil ich mal vorbeischauen wollte. Er verneinte, schlug mir aber vor, einfach zu Hause vorbeizugehen. Kam mir irgendwie komisch vor - schließlich hatten wir sozuagen nur "beruflich" miteinander zu tun. Aber nun gut, er hatte es vorgeschlagen, ich fragte nach dem Weg.
Und so stand ich wenige Meter später vor dem Haus, von dem mir mein Chef immer erzählt hatte, mir Fotos gezeigt hatte und so weiter. Ich klingelte, sie hieß mich willkommen, auf der Terasse berichtete ich von der Ausbildung, sie von ihrer Tochter, von der Schule.
Meiner Schule, die heute ein Schulfest veranstalte ohne dass ich einen Schimmer davon hatte! Da packte mich auch die Sehnsucht nach der Schule, den Lehrern, ganz bestimmten Lehrern... Außerdem erfuhr ich, dass insgesamt - seit ich aus der Schule raus bin - ganze drei Lehrerinnen den Bund der Ehe eingegangen sind. Einige haben sogar recht passende Namen angenommen...
Es war total nett. Meine Chefin hat sich gefreut. Meinte sie würde sich freuen, öfter mal was von mir zu hören. Mein Chef bestand darauf, dass sie mir auch noch sein Gartenhaus zeigen würde - sein ganzer Stolz neben dem Teich und dem Gewächshaus!
Ach und einen weiteren Besucher gab es auch noch. Monsieur Menage - der Nachbar! Boah! Und er verabschiedete sich mit "Tschüss Maria". Ist die Frage, ob er meinen Namen aus seinem Gedächtnis rausgekramt hatte oder sich bei meinem Chef zuvor vergewissert hatte. Aber so sehr er mich oft nervte - auch die Begegnungen mit ihm vermisse ich.
Des Klempners Name fiel auch noch. Jedoch der des Vaters. Wäre auch zu viel des Guten gewesen, wenn der gute Mann, der letzte Woche in meinem Zimmer war (während ich im Seminar saß), auch noch bei meinem Chef die Heizungen reparieren hätte müssen.
[...]
Zu Hause angekommen telefonierte ich rum, um ein paar Leute für das Schulfest zusammenzutrommeln. Mit Erfolg. Gegen 18 Uhr betraten Janine, Lena, Kot-Ulla und ich unsere Schule. Viel war in der Agora nicht los. Einzig unser rostiges Abidenkmal fiel uns auf. Es ist rostig! Stichwort: Vergänglichkeit! [Stichwort Kunst bei Frau B.]
Auf dem Weg zur Turnhalle begegneten wir bereits dem ersten bekannten Gesicht - jedoch mit neuem Namen [Verheiratet]. Sie fragte uns, ob wir Sehnsucht hätten. Mein "Ja" war ehrlich gemeint - wie es mit den anderen aussieht, kann ich nicht beurteilen.
In der Turnhalle hatten sich so einige aus dem Kollegium versammelt. Die meisten interessierten mich aber kaum - ich hatte nur Augen für ihn. Mit *mimimimimi* ist das Gefühlswirrwarr wohl am ehesten zu beschreiben. Ich hätte ihn am liebsten geknuddelt, aber am Ende war ich zu schüchtern/zu unfähig mich auch nur neben ihn zu setzen und ein paar Worte zu wechseln. Nein, ich bin nicht verknallt! Also bitte nicht falsch verstehen. Er ist mindestens 30 Jahre älter! Aber er ist so *mimimimimi* - knuffig.
Als wir gehen wollten, stand er grad, drehte sich um und sagte: "Hallo Maria." Es standen noch drei weitere Leute, die er kannte, um mich herum. Aber er begrüßte nicht die Allgemeinheit, sondern ganz speziell mich, was mich noch einmal ein klein wenig schwach werden ließ. Kot-Ulla geht diese Schwärmerei sicher schon gehörig auf die Nerven. Ich glaub sie muss sich das jetzt schon seit Schul/Banker anhören.
Was er auch tut oder sagt, ich komm nicht von ihm los. Zumindest bisher nicht. Ich hab ja so ein wages Gefühl, dass ich in meinem neuen "Chef" wieder so ein "Objekt der Begierde" gefunden habe. Meine Güte - wie das klingt. Im Grunde bild' ich mir wahrscheinlich nur ein, dass er ein Knuddelbär-Gesicht hat. Aber von seinen blauen Augen kann ich auch kaum den Blick wenden. Aber keine Sorge! Ich hab das im Griff. Man darf jawohl noch ein bisschen schwärmen dürfen...
Zurück im Hauptgebäude, liefen wir so durch das Obergeschoss, wo mein ehemaliger Biolehrer, für den ich unberechtigterweise auch eine ganz klitzekleine Obsession habe, am Aufräumen war. Dieser raunte uns nur ein fast schon vorwurfsvoll klingendes "Was wollt ihr denn hier?" entgegen. Und diese Ablehnung gab nicht nur er uns zu spüren.
Im Nachhinein hätte ich schon gerne so manchem Lehrer berichtet wie gut es mir momentan geht - womöglich besser als in meiner ganzen Schulzeit am GM. Aber es schien absolut keiner Interesse gehabt zu haben. Die anderen beiden GoMler waren darüber sicherlich froh - kann ich auch irgendwo nachvollziehen, aber ich hatte schon irgendwo das Bedürfnis mich auszutauschen.
Wäre ich nach dem "Hallo Maria" direkt auf die Person zugegangen, hätte ich vielleicht die Möglichkeit gehabt, aber vielleicht war ich der Meinung, die "Weiseren" müssten den ersten Schritt machen. Vielleicht war ich einfach zu schüchtern, nicht überzeugt genug. Ich weiß es nicht. Ich hätte ihm gern von dem tollen BWL-Seminar erzählt. Und nicht nur mit ihm habe ich ein Gespräch vermisst. Auch meine Deutschlehrerin hätte ich gern gesprochen und dem Lehrer, der mit mir am selben Tag Geburtstag hat, gern nachträglich gratuliert. Aber nichts dergleichen.
Ziemlich cool war auch meine Begegnung mit meinem ehemaligen Chemielehrer. Er steht da so mit 'nem nassen Handtuch in der Hand - eine Schar Kinder um sich herum - und sucht den Schuldigen für das Nässen des Handtuchs. Ich geh an ihm vorbei, er kommt näher, hält mir das Handtuch vor die Nase, ich guck ihm in die Augen, er guckt mich an wie ein Wahnsinniger (wirklich!), worauf mir nichts Besseres einfiel als um mein Leben zu rennen. Bei diesem Blick hätte wohl jeder Angst bekommen.
Ehe wir das Schulgebäude verließen blickten wir noch auf die Lehrerfoto-Wand. Ich war entsetzt, dass ich nach vier Monaten Abwesenheit nur noch knapp 60% des Kollegiums kannte - wenn überhaupt. Wo kommen plötzlich so viele neue Lehrer her?!
Wie dem auch sei. Bin froh spontan hingegangen zu sein, auch wenn das, was ich mir erhofft hatte - nämlich nette Zusammentreffen mit Lehrern, die mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen sind - nicht eingetreten ist. Gelohnt hat es sich allemal: Endlich bin ich im Besitz der Entlassungs-DVD! All die guten und schlechten Reden. "That's what friends are for", Franzi am Klavier. Genial!

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