Freitag, August 03, 2007

Ost und West - Zwischen zwei Welten

Es ist doch wirklich immer wieder erstaunlich wie man allein daran, wie einem die Verkäuferinnen in einem Leipziger "Street"-Laden begegnen, bemerken kann, dass man sich nicht mehr in Hannover befindet. Diese Freundlichkeit! Diese Offenheit! Diese Herzlichkeit!
Natürlich gibt es Außnahmen. Mürrische, auf sächsisch meckernde, unfreundliche Menschen. Genauso wie man in Hannover auch mal ausnahmsweise freundlichen, offenen, herzlichen Menschen begegnen kann.
Und ich?! Ich steh' irgendwo dazwischen. Ich bin nicht offen - zumindest nicht bei Fremden. Ich versuche freundlich zu sein, doch oft genug erwische ich mich auch dabei wie ich grimmig durch die Stadt laufe, während ich an der Penny-Kasse dann wieder wegen meines strahlenden, unbegründeten Lächelns die Aufmerksamkeit der Kassiererin auf mich ziehe.
Ich selbst schüre jetzt wieder mit dem obersten Absatz Vorurteile. Dass die meisten Wessis unfreundlich sind, während einem die Menschen im Osten viel offener begegnen. Aber eigentlich habe ich diese Vorurteile satt. Warum?! Weil ich ständig mit ihnen konfrontiert werde.
Bin ich zu Hause, in der Wedemark, lacht man mich aus und korrigiert mich, wenn ich Stulle, Schnitte oder Mutti sage. Hier bin ich der Ossi.
Zu Besuch im Osten muss man mich widerum stets über viertel und dreiviertel irgendwas aufklären, und schüttelt den Kopf, wenn ich Brotdose statt Brotbüchse sage. Hier bin ich der (hochdeutsch sprechende) Wessi.
Es sind nun fast 18 Jahre seitdem Mauerfall vergangen und ich bezweifel, dass diese Vorurteile je verschwinden. Denn sie werden ewig von Generation zu Generation weitergetragen. Meine Eltern regen sich oft am Abendbrotstisch über westliche Attitüden auf, die Eltern von Freunden machen sich über den sächsischen Dialekt lustig. Dies wird auf die Kinder übertragen, auf deren Kinder und immer so fort. Selbst unser mexikanischer Austauschschüler José in der 7. bezeichnete mich eines Tages als "Ossibraut" oder so ähnlich.
Meine Sympathie gilt weiterhin den Ostdeutschen, was auf der einen Seite verständlich ist, weil ich hier geboren wurde und der Großteil meiner Familie hier lebt. Aber auf der anderen Seite habe ich sechzehn Jahre meines fast zwanzigjährigen Lebens im Westen verbracht - wodurch mich meine Freunde aus der Sekundarschulzeit auch stets als Wessi ansahen.
Manchmal könnt' ich mich wirklich über diese ganzen Unterschiede, die nie ganz verschwinden werden, aufregen. Andererseits steh' ich total drauf, wenn Wessis sächseln, was ich überhaupt nicht kann, aber richtig lustig finde. Es ist also auch nicht so, dass ich nicht über so manchen Spaß lachen kann - im Gegenteil, es ist meist unheimlich amüsant.
Aber immerzu zwischen diesen Welten zu stehen. Weder von den Wessis als Wessi akzeptiert zu werden, was ich vermutlich gar nicht wollen würde, noch von den Ossis als Ossi - dafür erfülle ich vermutlich nicht die typischen Kriterien, sollte es welche geben...

3 Kommentare:

Steff hat gesagt…

Ist es nicht scheißegal, was du bist? Häng dich doch jetzt nicht so am Wessi oder Ossi sein auf.
Ich sag auch Stulle und Brotbüchse. ;-)
Ne Kollegin bei mir die sächselt total. Das ist irgendwie voll lustig.

Schaf hat gesagt…

Ich versteh nicht wie man Brotbüchse sagen kann :P - in dieser Hinsicht bin ich schon ein ziemlicher Wessi :D
... es ist nur immer doof, hier als Ossi - dort als Wessi verurteilt zu werden. Ist halt komisch.

Robby hat gesagt…

Hmm - wenn man sich mit Ost/Wessi profilieren muss, dann bin ich ganz klar froh, Ossi zu sein :p
Aber noch viel froher bin ich, wenn man betrachtet, dass ich einfach nur ich bin *hehe*
Arroganz for teh win.