Da bin ich wieder. Zurück aus dem Ort, den ich wohl in zehn Jahren meinen Zweitwohnsitz nennen werde. Na gut, vielleicht übertreib' ich ein wenig. Aber ich bin gern dort. Dieses Gefühl dort anzukommen und sich in dieser vertrauten Umgebung (fast) wie zu Hause zu fühlen. Das vierte Jahr fahr ich dort nun schon hin und es war definitiv nicht das letzte. Wer weiß, vielleicht steht sogar dieses Jahr noch ein Kurztrip an.
Diese Ostseeluft tut so gut. Nicht gut genug, denn meine Erkältung (?) ist immer noch nicht abgeklungen. Dennoch habe ich sie ganz tief eingeatmet, in der Hoffnung meine Nase würde dadurch frei werden. Erfolglos.
Was meinen vorherigen optimistischen "Glück mit dem Wetter"-Eintrag angeht: Da hab ich mich wohl zu früh gefreut. Klar, es war schön. Zu schön. Denn meine beste Feindin hat sich nach fast zehn Jahren wieder zurückgemeldet. Ihr Name lautet Sonnenallergie. Meine Füße sind immer noch rot gepunktet...
Dafür war das Wasser genial. Vor allem am Montag. Richtig hohe Wellen (nicht so hoch wie in Marokko), in die wir uns reinwerfen konnten. Ich liebe die Ostsee. Es war zwar kalt und kostete Überwindung, aber somit war es wenigstens eine Abkühlung. Letztendlich bin ich auch immer recht schnell reingestürmt. Wenn ich zu lange gezögert hätte, hätte ich einen Rückzieher gemacht.
Die Zugfahrt
06:27 pünktliche Abfahrt in Bissendorf - hatte ja schon Angst, dass es am Freitag, den 13., zu (spontanen) Streiks kommt - in Hannover noch das nötige Frühstück eingekauft und dann auf nach Berlin. Dort zog es mich trotz Regen nach draußen. Der Grund? Beachvolleyball-Turnier. Das war so toll! Leider hatte ich nur kurz Aufenthalt, sodass kaum Zeit blieb dem Spiel gespannt zuzuschauen. In Züssow innerhalb von einer Minute umgestiegen. Eineinhalb Stunden mit der Usedomer Bäderbahn. Zwar ein Bummelzug, doch klimatisiert, was die Fahrt durchaus angenehm machte - angenehmer als im IC von Hannover nach Berlin. Der war nämlich überklimatisiert...
Die Ankunft
Wider Erwarten wartete niemand auf mich. Im ersten Moment stimmte mich dies traurig, weil ich so damit gerechnet hätte, meine Eltern auf dem Bahnhof in die Arme schließen zu können, aber dann genoss ich es zu Fuss zu unserem trauten Heim in der Wyker Straße 13 zu trotten.
Dort wurde gleich Badezeug angezogen und schon ging's zu den anderen an den Strand. Erstmal ein Fischbrötchen schlemmen, später Volleyball spielen. Ich bin aus der Übung. Das war nicht zu übersehen.
Ins Meer traute ich mich am Freitag leider nicht mehr. Ich wollte, doch in dem Moment war die Sonne hinter den Wolken und ich wollte nicht aus dem kalten Wasser kommen und immer noch frieren. War eine gute Entscheidung, denn zehn Minuten später fing es an zu regnen.
Der Geburtstag
Für Matthias' 50. mussten noch allerlei Vorkehrungen getroffen werden. Für mich sah das so aus: "Heute kann es regnen, stürmen oder schnei'n, denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein [...]" Ich war die ganze Zeit dabei, dieses Lied auswendig zu lernen und zwar das ganze! Alle Strophen! Wurde ganz böse, wenn meine Mama mich ständig unterbrach, weil ich es wenigstens einmal in einem durch singen wollte und dann immer wieder von vorne anfangen musste.
Reingefeiert wurde in "Mikes Bar". Jedoch ohne Mike, sondern mit seiner Freundin Simone. Bis halb elf waren wir leider nicht alleine in der Kneipe. Die Ahlbecker Jugend spielte Dart. Und was macht die Ahlbecker Jugend beruflich? Eine Lehre zum Koch. Wie überraschend. Scheint dort wohl Standard zu sein. Der Koch war zum Glück (?) nicht da...
Gegen Eins gingen wir dann zurück zur Wohnung, wo die Geschenke ausgepackt wurden. Aber er weiß immer noch nicht, wohin die Flugreise geht! Ich bin ja so neidisch auf ihn...
Am nächsten Morgen gab es ein ausgezeichnetes Frühstück am Strand, inklusive einer viel zu großen und fettigen Fischplatte. Sehr lecker - also das Frühstück - nicht der Fisch. Da hab ich mich doch eher zurückgehalten am frühen Morgen.
Die Begegnungen
Simone: Mikes Freundin. Kümmert sich um die Kneipe, wenn Mike mal für einen Abend eine Auszeit braucht. Gesellte sich um Mitternacht noch zu uns, um gemeinsam auf das Geburtstagskind anzustoßen. Erzählte. Ich hörte ihr zu und wünschte mir, sie würde nicht mehr aufhören zu erzählen. Von Ahlbeck, von den Touristen, den Köchen, der schönsten Reisezeit, um sich wirklich zu erholen: Oktober.
Während sie so redete und ich nichts erwiderte, bemerkte ich, dass ich - auch wenn das manchmal nicht so wirkt - viel lieber zuhöre. Wenn man zu Zweit ist, ist das natürlich schlecht, da niemand gerne Alleinunterhalter ist, aber an diesem Abend waren ja genug andere da, die Kommentare abgeben konnte, sodass ich mich einzig auf das Zuhören konzentrieren konnte.
Ines: Das letzte Mal vor über zehn Jahren gesehen. Ich wartete vor dem "Haus Pommern" auf sie. Starrte minutenlang auf die Tür. Es war ein komisches Gefühl. Darauf zu warten, dass sich diese Tür öffnet und jemand herauskommt, den man solange nicht gesehen hat, der sich rein äußerlich vielleicht kaum verändert hat, aber plötzlich in einer völlig anderen Konstellation aus der Tür tritt.
Damals war sie noch mit Olaf zusammen. Die erste Assoziation zu Ines war immer Olaf gewesen. Dabei sind die beiden schon seit Jahren auseinander. Heute ist sie mit Mario verheiratet und hat zwei Kinder, Fabienne (9 Jahre) und Lucienne (3 Jahre).
Ich stellte mich also darauf ein, dass sie aus der Tür kommen würde, mit einem anderen Mann und zwei kleinen Kindern. Nein, mit einem Kind. Dass es inzwischen auch eine Lucienne gab, war mir nicht mehr so bewusst. Aber jedes Mal, wenn sich die Haustür öffnete, blickte ich nur Fremden ins Gesicht.
Schließlich kam jemand vom Parkplatz. Ines?! Ja, das könnte sein. Doch ein blondes Mädchen?! Wo ist die Dunkelhaarige?! Und der Mann?! Letztendlich lag Fabienne krank im Bett und Mario kümmerte sich um sie. Also begrüßte ich Ines und Lucy, die etwas schüchtern schien.
Fabienne: Samstag abend kam sie zum Abendessen ins "Haus Pommern". Ich erwartete ein kleines Mädchen mit kurzen, braunen Haaren. So hatte ich sie dunkel von einem Foto in Erinnerung. Doch das war lange her. Es ist doch komisch, dass sich so ein Bild so sehr einprägt, dass man die Möglichkeit völlig ausschließt, dass das Mädchen inzwischen auch gewachsen sein könnte und sich verändert hat...
Ich saß am Anfang der Tafel, sie am Ende. Gegenüber also. So dass ich nicht umher kam, mir ständig zu denken: "Was für ein hübsches Mädchen."
Am nächsten Tag lief ich zur Promenade als mir schon Lucy und Fabi entgegen kamen. Am Strand angekommen, legte ich mich erstmal hin, las und döste ein bisschen. Genervt von den vielen Fliegen, entschied ich mich dann, am Wasser entlang zum Beachvolleyballplatz entlang zu spazieren, wo meine Eltern gerade spielten.
Während ich so lief, bemerkte ich plötzlich, dass mir jemand gefolgt war: Fabienne! Sie begann zu erzählen. Ich hörte zu - was sonst. Ich lief nicht zum Beachvolleyballplatz, sondern weiter. Sie auch. Ich hob eine Muschel auf. Sie auch. Sie gab sie mir. Sie sammelte Muscheln für mich. Sie hätte schon genug.
Mal erzählte sie, mal gab ich einen Kommentar ab, dann schwiegen wir wieder. Es fällt mir einfach nach wie vor schwer Gesprächsthemen zu finden, vor allem bei Kindern. Ich bekam auch irgendwie keinen Ton raus. Ich überlegte, ob ich fragen sollte, ob sie ihren Eltern Bescheid gesagt hätte, dass sie mit mir hier lang läuft. Doch ich schwieg. Ich überlegte, ob ich sie fragen sollte, ob wir wieder umkehren sollten. Doch ich schwieg. Und wartete darauf, dass sie es sagte.
Wieder zurück meinte ihr Vater, sie müsse Bescheid sagen, wenn sie weggehen würde, sie würden sich sonst große Sorgen machen. Er schimpfte nicht. Er sprach ganz ruhig, sorgenvoll, aber auch verständnisvoll.
Ich fühlte mich ein wenig schuldig. Hätte ich meine Frage gleich zu Anfang ausgesprochen, hätten wir gleich umkehren und Bescheid sagen können. So hatten sich ihre Eltern minutenlang ungeheure Sorgen gemacht. Das konnte ich nur all zu gut nachvollziehen. Denn auch ich ging vor vielen Jahren am Strand "verloren".
Wir blieben weiterhin am Strand. Spielten Ball, bauten eine Klecksburg, später eine Sandburg, sammelten Muscheln, setzten/legten uns ins warme Wasser, schwammen (weiter als sie durfte, aber sie wollte es so), buddelten im Sand/Wasser. Taten das, was man als Kind eben tut. Es war schön. Auch wenn ich oft nicht so recht wusste, was ich erzählen/fragen sollte, genoss ich ihre Gesellschaft.
Wovon sie so redete?! Von allem möglichen. Wie sie ihr Kind später nennen würde, wenn es ein Mädchen würde, von ihren Mitschülern und Freunden, sowie was sie wogen, von der Schule, ihren Hobbies, der Sommerfeier der Firma ihrer Mama, von der Nachbarskatze. Und sie zeichnete. Sie zeichnete einen Pferdekopf in den Sand. Auf Papier könne sie das besser, sie könne mir ja eines malen und es mir dann schicken. Außerdem lehrte sie mir wie man Sterne zeichnet. Und wenn sie mal nichts zu erzählen oder zu malen hatte, dann schlug sie unentwegt Räder, führte mir einen Spagat vor oder einen Handstand. Und was kann ich?! Nichts (als zuhören).
Lucienne: Blond, ein wenig bockig, was aber daran lag, dass sie krank war. Dennoch unheimlich süß. Beim (Abend-)Essen rannte sie immer um den Tisch. Pausenlos. Sie lächelte mich nicht so oft an, sondern eher mit Skepsis würd ich sagen. Beim Eisessen meinte Fabi zu ihr, sie solle nochmal "Happy Birthday" singen, da ich da schon verschwunden war als sie es einen Abend zuvor zum Besten gab. Als sie fertig war, meinte Fabi "ein bisschen lauter", weil Lucy es nur in sich hinein gemurmelt hatte. Das nahm sie dann wörtlich und schrie lauthals: "Happy Birthday to you, Marmelade im Schuh [...]"! Das war soooo süß! Erst das kleine, schüchterne Mäuschen und dann schmettert sie dieses Lied plötzlich runter.
Klaus: Erinnert mich an einen Hund. Oder einen Kater. So einen rundlichen Trickfilm-Kater. Meine Cousine Franzi hatte recht, es ist oft schwer, zu beurteilen, ob er einen Spaß macht oder etwas ernst meint. Wenn man mit dieser Art nicht zurecht kommt, hat man ein Problem (mit ihm). Aber ich geb' mein Bestes. Er ist so ein lieber, manchmal schon ein kleiner "Lüstling", wie ihn meine Tante bezeichnete, aber ich kann ihn gut leiden - auch wenn er mich ständig "Franzi" nannte. Anfangs korrigierte ich ihn noch, später hatte ich mich dran gewöhnt und gehorchte auch auf den Namen derer, die leider nicht dabei war. Der erste Ahlbeck-Urlaub ohne mein Rehlein... Dafür hab ichihren den Kellner im "Calypso" gesehen. Hoffentlich hat er nicht gemerkt wie ich ihn angestarrt hab...
Niemand: Ist es komisch unter "Begegnungen" zu schreiben, dass man "Niemandem" begegnet ist? Als ich Samstag abend alleine zur Seebrücke ging, an Jugendlichen vorbeikam, dachte ich die ganze Zeit, was wäre, wenn unter diesen auch "Litze" sein würde. Ob er mich erkennen würde. Ich fragte mich nicht nur, was wäre, wenn er mir plötzlich begegnen würde, sondern auch ob dieser Gedanke daran, der heimliche Wunsch ist, ihn zu sehen?! Und ich mir nur einrede, dass ich ihm nicht begegnen will? Schwachsinn, ich will ihn nicht sehen. Definitiv nicht. Oder...?!
Das Essen
In Mikes Strandbar aß ich eine oberleckere feurige Soljanka. Im "Haus Pommern" hat es mir dagegen so gar nicht geschmeckt. Dafür gab es am Sonntag leckeres Eis: Chocolate Brownies, Champagner Trüffel und Nougat Krokant.
Am Abend ging es dann mit Klaus & Monika zum Spanier. Zunächst eine Tomaten-Paprika-Suppe, anschließend eine Schinken-Käse-Salami-Oliven-Platte sowie eine Backpflaume im Speckmantel.
Montag gab es zu Hause Tomate-Mozzarella, Ciabatta und Scampi-Spieße. Lecker!!!
Das Fischbrötchen vom ersten Tag sollte übrigens das letzte für mich sein, obwohl noch zwei weitere für mich bestellt worden. An dem einen Tag hatte ich keinen Hunger beziehungsweise war mit Fabi und der Sandburg beschäftigt. Am nächsten... tja, da kam mir was dazwischen... In beiden Fällen musste Klaus sich erbarmen. Der Arme!
Das Trinken
Zum Geburtstag trank ich den Abend über KiBa und Bananensaft. Zum Anstoßen nippte ich am Sekt - für den Rest opferte sich Lutz.
Dass ich am Strand hier und da mal ein Wasser, in Restaurants 'ne Cola getrunken habe, muss hier ja nicht detailliert beschrieben werden. Umso mehr aber der Drink auf der Seebühne. Ich wollte Erdbeersaft. Hatten sie nicht. Aber Erdbeersirup. Also bekam ich einen leckeren alkoholfreien Cocktail, der zwar mehr nach Banane als Erdbeere schmeckte, aber dennoch sehr lecker war.
Zum Abschluss trafen wir am letzten Abend in unserer eigentlichen Stammkneipe "Schneiders Bar" ein. Gemeinsam tranken wir einen Wodka. Bäh. Aber dann... ja dann kam er: Mein heißgeliebter Erdbeersaft. Ein Urlaub in Ahlbeck ohne Erdbeersaft wäre nicht vollkommen gewesen.
Die Spaziergänge
Samstag abend als das Gewitter abgeklungen war, lief ich gegen zehn noch einmal zur Promenade und auf die Seebrücke. Auf dem Rückweg begegnete mir eine Katze. Weiß. Nicht so schön wie Getigerte oder Schwarze, aber dafür zahm. Hat ein bisschen mit mir gespielt. Zumindest hoffe ich, dass es spielen und nicht kämpfen war - weh getan hat sie mir jedenfalls nicht, als sie ihre Pfoten/Krallen um meinen Arm geschlungen hat.
Montag war im Grunde mein letzter Tag. Es war Zeit für den langersehnten Strandspaziergang. Doch Montag war auch der heißeste Tag. Ich lief barfuss bis nach Heringsdorf. Dann dachte ich, ich könne ja auch noch bis Bansin. Es war heiß. Verdammt heiß. Den Rückweg wollte ich an der Promenade entlang gehen. Doch auch dort war die Sonne. Und Asphalt. Ich barfuss. Wie jeden Tag. Aua. Aber es ging. Irgendwie.
Drei Stunden war ich unterwegs als ich endlich wieder in Ahlbeck eintraf. Dort holte ich mir was zu trinken, um dann weiter zur Fischbude zu gehen, wo Klaus und Monika auf mich warteten. Über heißen Asphalt & Sand. Ich konnte nicht mehr.
Endlich erreichte ich vollkommen erschöpft die Fischerstube. Setzte mich zu den beiden. Dann gingen wir rein, um uns Fischbrötchen auszusuchen. Ich musste mich setzen. Ich sagte Klaus, was ich haben wolle, dann setzte ich mich wieder. Er nahm die Fischbrötchen, ich schnappte mir meine Cola.
Da passierte es. Du musst dich setzen, hämmerte es in meinem Kopf. Aber wo ist der Stuhl? Ich tastete mit meinen Händen den Untergrund ab, um mit meinem Gesäß den Stuhl und nicht den Fussboden zu treffen. Sehen konnte ich nichts mehr. Ich saß. Zum Glück. Durst. Du musst was trinken. Ich versuchte das Cola-Glas an meinen Mund zu führen. Ich zitterte. Mehr und mehr. Solange bis die Cola über meiner Hose verteilt war. Ich traf meinen Mund. Doch die Cola lief an den Mundwinkeln runter. Ich kam mir so behindert vor. Ich war behindert. Ich stand total neben mir.
Monika hatte das Geschehen von draußen beobachtet, stürmte rein, stützte mich beim Hinausgehen, wischte mir mit nassen Servietten Stirn und Nacken ab, Klaus kippte einfach ein bisschen was über die Brust - sehr charmant...
Ich hatte so ein Glück, dass es dort passiert ist und nicht auf dem Weg. Dass ich es bis dahin geschafft hab... Oh mann. Aber ich bin auch so stur: Wenn ich spazieren will, dann richtig. Dann lass ich mich auch nicht abbringen, nicht mal von unerträglich heißem Wetter.
Wurde anschließend gezwungen inklusive Hose ins Wasser zu gehen, zumindest bis zu den Knien, um mich abzukühlen. Das Wasser und die Ostseeluft machen die enormen Temperaturen wirklich erträglich - aber man läuft Gefahr, dass man den Sonnenstich erst zu spät realisiert...
Am Abend haben wir Klaus dann die Promenade gezeigt. Zunächst beobachteten wir noch den Sonnenuntergang ehe es auf die Seebrücke ging, auf der eine Band spielte. Eher Schlager. Ein kleiner Junge war ordentlich dabei, "Ich hab dich tausendmal betrogen" mitzusingen und sich dazu im Takt zu bewegen. Unter der Seebrücke waren einige Jugendliche, die es sich dort mit einem Radio und Alkohol gemütlich gemacht hatten. Würd' auch gern mal mit einigen lieben Menschen abends am Strand sitzen. Dennoch schlug ich das Angebot meiner Tante, dass sie mich ja dort lassen könne, aus. Hatte schon die Durchsage im Ohr "Die kleine Maria möchte aus dem Spielparadies abgeholt werden". Nee, nee, nee, ich setz mich doch nicht zu wildfremden, betrunkenen Leuten, um Rammi Dammi zu machen.
Dienstag morgen klingelt um fünf Uhr mein Wecker. Das Zeichen dafür, mich schnell anzuziehen, meine Kamera zu verarzten und das Haus zu verlassen, um den Sonnenaufgang am Strand zu erleben. Wunderschön. Im Nachbarort gewitterte es, konnte man richtig die Blitze sehen. Aber um den Ahlbecker Strand machte das Gewitter einen Bogen. Dafür regnete es ein bisschen.
Ich spazierte am Strand entlang, auf die Seebrücke, auf der Promenade und durch's Dorf. Zweieinhalb Stunden lang. Kaum Touristen. Höchstens welche, die im Auto schliefen und ihre Käsefüße aus dem Fenster hängen ließen. Sollte man mal drüber nachdenken, wenn man mal keine günstige Übernachtungsmöglichkeit findet... Oder eben im Schlafsack am Strand - hat auch einer gemacht.
Die Rückfahrt
War etwa eine halbe Stunde zu früh am Ahlbecker Bahnhof - aber sieben Minuten zu spät am entsprechenden Briefkasten(also noch einen Tag Geduld, bitte) - der Postbote offensichtlich wohl noch später. In Berlin trank ich meinen ersten Starbucks-Kakao. War ok. Hat mich aber auch nicht überwältigt.
In Hannover kam ich 20:37 auf Gleis 12 an. Laut Reiseverbindungsplan hätte ich die 21:11-Bahn nehmen sollen. Stattdessen stürmte ich durch den Bahnhof, rammte Fussballfans und schaffte tatsächlich noch meine Bahn, in der ich dann mit Anka und Nicole zusammen saß. Letztere geht nächsten Monat für ein halbes Jahr nach Australien - Martin & Peter dürften inzwischen auch schon in Neuseeland angekommen sein. Schön für sie...
Diese Ostseeluft tut so gut. Nicht gut genug, denn meine Erkältung (?) ist immer noch nicht abgeklungen. Dennoch habe ich sie ganz tief eingeatmet, in der Hoffnung meine Nase würde dadurch frei werden. Erfolglos.
Was meinen vorherigen optimistischen "Glück mit dem Wetter"-Eintrag angeht: Da hab ich mich wohl zu früh gefreut. Klar, es war schön. Zu schön. Denn meine beste Feindin hat sich nach fast zehn Jahren wieder zurückgemeldet. Ihr Name lautet Sonnenallergie. Meine Füße sind immer noch rot gepunktet...
Dafür war das Wasser genial. Vor allem am Montag. Richtig hohe Wellen (nicht so hoch wie in Marokko), in die wir uns reinwerfen konnten. Ich liebe die Ostsee. Es war zwar kalt und kostete Überwindung, aber somit war es wenigstens eine Abkühlung. Letztendlich bin ich auch immer recht schnell reingestürmt. Wenn ich zu lange gezögert hätte, hätte ich einen Rückzieher gemacht.
Die Zugfahrt
06:27 pünktliche Abfahrt in Bissendorf - hatte ja schon Angst, dass es am Freitag, den 13., zu (spontanen) Streiks kommt - in Hannover noch das nötige Frühstück eingekauft und dann auf nach Berlin. Dort zog es mich trotz Regen nach draußen. Der Grund? Beachvolleyball-Turnier. Das war so toll! Leider hatte ich nur kurz Aufenthalt, sodass kaum Zeit blieb dem Spiel gespannt zuzuschauen. In Züssow innerhalb von einer Minute umgestiegen. Eineinhalb Stunden mit der Usedomer Bäderbahn. Zwar ein Bummelzug, doch klimatisiert, was die Fahrt durchaus angenehm machte - angenehmer als im IC von Hannover nach Berlin. Der war nämlich überklimatisiert...
Die Ankunft
Wider Erwarten wartete niemand auf mich. Im ersten Moment stimmte mich dies traurig, weil ich so damit gerechnet hätte, meine Eltern auf dem Bahnhof in die Arme schließen zu können, aber dann genoss ich es zu Fuss zu unserem trauten Heim in der Wyker Straße 13 zu trotten.
Dort wurde gleich Badezeug angezogen und schon ging's zu den anderen an den Strand. Erstmal ein Fischbrötchen schlemmen, später Volleyball spielen. Ich bin aus der Übung. Das war nicht zu übersehen.
Ins Meer traute ich mich am Freitag leider nicht mehr. Ich wollte, doch in dem Moment war die Sonne hinter den Wolken und ich wollte nicht aus dem kalten Wasser kommen und immer noch frieren. War eine gute Entscheidung, denn zehn Minuten später fing es an zu regnen.
Der Geburtstag
Für Matthias' 50. mussten noch allerlei Vorkehrungen getroffen werden. Für mich sah das so aus: "Heute kann es regnen, stürmen oder schnei'n, denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein [...]" Ich war die ganze Zeit dabei, dieses Lied auswendig zu lernen und zwar das ganze! Alle Strophen! Wurde ganz böse, wenn meine Mama mich ständig unterbrach, weil ich es wenigstens einmal in einem durch singen wollte und dann immer wieder von vorne anfangen musste.
Reingefeiert wurde in "Mikes Bar". Jedoch ohne Mike, sondern mit seiner Freundin Simone. Bis halb elf waren wir leider nicht alleine in der Kneipe. Die Ahlbecker Jugend spielte Dart. Und was macht die Ahlbecker Jugend beruflich? Eine Lehre zum Koch. Wie überraschend. Scheint dort wohl Standard zu sein. Der Koch war zum Glück (?) nicht da...
Um Mitternacht war es dann so weit. Unser "Matzel" nullte. Wir sangen gemeinsam "Zum Geburtstag viel Glück" und später den Refrain von "Happy Birthday to you" ehe ich meinen großen Auftritt hatte. Wie sollte es anders sein: Ich wurde unterbrochen - ein Anruf für das Geburtstagskind. Aber ich durfte noch einmal beginnen - sieht aus als würde ich gleich anfangen zu weinen, aber ich war einfach nur hochkonzentriert.
Meine Nummer Eins äußerte noch am nächsten Tag, dass er sich sehr über dieses Ständchen gefreut hätte. Sogar meine Mama lobte, dass ich diesmal auch den Ton getroffen hätte. Das Gefühl hatte ich nicht. Zudem habe ich auch beinahe meinen Text vergessen, sodass es zu ungewollten Pausen kam, aber ich hab von vorn bis hinten durchgehalten! Das ist soooo ein schönes Geburtstagslied. Will nur nie jemand mit mir singen - aber Matthias war mir ein Solo wert.Gegen Eins gingen wir dann zurück zur Wohnung, wo die Geschenke ausgepackt wurden. Aber er weiß immer noch nicht, wohin die Flugreise geht! Ich bin ja so neidisch auf ihn...
Am nächsten Morgen gab es ein ausgezeichnetes Frühstück am Strand, inklusive einer viel zu großen und fettigen Fischplatte. Sehr lecker - also das Frühstück - nicht der Fisch. Da hab ich mich doch eher zurückgehalten am frühen Morgen.
Die Begegnungen
Simone: Mikes Freundin. Kümmert sich um die Kneipe, wenn Mike mal für einen Abend eine Auszeit braucht. Gesellte sich um Mitternacht noch zu uns, um gemeinsam auf das Geburtstagskind anzustoßen. Erzählte. Ich hörte ihr zu und wünschte mir, sie würde nicht mehr aufhören zu erzählen. Von Ahlbeck, von den Touristen, den Köchen, der schönsten Reisezeit, um sich wirklich zu erholen: Oktober.
Während sie so redete und ich nichts erwiderte, bemerkte ich, dass ich - auch wenn das manchmal nicht so wirkt - viel lieber zuhöre. Wenn man zu Zweit ist, ist das natürlich schlecht, da niemand gerne Alleinunterhalter ist, aber an diesem Abend waren ja genug andere da, die Kommentare abgeben konnte, sodass ich mich einzig auf das Zuhören konzentrieren konnte.
Ines: Das letzte Mal vor über zehn Jahren gesehen. Ich wartete vor dem "Haus Pommern" auf sie. Starrte minutenlang auf die Tür. Es war ein komisches Gefühl. Darauf zu warten, dass sich diese Tür öffnet und jemand herauskommt, den man solange nicht gesehen hat, der sich rein äußerlich vielleicht kaum verändert hat, aber plötzlich in einer völlig anderen Konstellation aus der Tür tritt.
Damals war sie noch mit Olaf zusammen. Die erste Assoziation zu Ines war immer Olaf gewesen. Dabei sind die beiden schon seit Jahren auseinander. Heute ist sie mit Mario verheiratet und hat zwei Kinder, Fabienne (9 Jahre) und Lucienne (3 Jahre).
Ich stellte mich also darauf ein, dass sie aus der Tür kommen würde, mit einem anderen Mann und zwei kleinen Kindern. Nein, mit einem Kind. Dass es inzwischen auch eine Lucienne gab, war mir nicht mehr so bewusst. Aber jedes Mal, wenn sich die Haustür öffnete, blickte ich nur Fremden ins Gesicht.
Schließlich kam jemand vom Parkplatz. Ines?! Ja, das könnte sein. Doch ein blondes Mädchen?! Wo ist die Dunkelhaarige?! Und der Mann?! Letztendlich lag Fabienne krank im Bett und Mario kümmerte sich um sie. Also begrüßte ich Ines und Lucy, die etwas schüchtern schien.
Fabienne: Samstag abend kam sie zum Abendessen ins "Haus Pommern". Ich erwartete ein kleines Mädchen mit kurzen, braunen Haaren. So hatte ich sie dunkel von einem Foto in Erinnerung. Doch das war lange her. Es ist doch komisch, dass sich so ein Bild so sehr einprägt, dass man die Möglichkeit völlig ausschließt, dass das Mädchen inzwischen auch gewachsen sein könnte und sich verändert hat...
Ich saß am Anfang der Tafel, sie am Ende. Gegenüber also. So dass ich nicht umher kam, mir ständig zu denken: "Was für ein hübsches Mädchen."
Am nächsten Tag lief ich zur Promenade als mir schon Lucy und Fabi entgegen kamen. Am Strand angekommen, legte ich mich erstmal hin, las und döste ein bisschen. Genervt von den vielen Fliegen, entschied ich mich dann, am Wasser entlang zum Beachvolleyballplatz entlang zu spazieren, wo meine Eltern gerade spielten.
Während ich so lief, bemerkte ich plötzlich, dass mir jemand gefolgt war: Fabienne! Sie begann zu erzählen. Ich hörte zu - was sonst. Ich lief nicht zum Beachvolleyballplatz, sondern weiter. Sie auch. Ich hob eine Muschel auf. Sie auch. Sie gab sie mir. Sie sammelte Muscheln für mich. Sie hätte schon genug.
Mal erzählte sie, mal gab ich einen Kommentar ab, dann schwiegen wir wieder. Es fällt mir einfach nach wie vor schwer Gesprächsthemen zu finden, vor allem bei Kindern. Ich bekam auch irgendwie keinen Ton raus. Ich überlegte, ob ich fragen sollte, ob sie ihren Eltern Bescheid gesagt hätte, dass sie mit mir hier lang läuft. Doch ich schwieg. Ich überlegte, ob ich sie fragen sollte, ob wir wieder umkehren sollten. Doch ich schwieg. Und wartete darauf, dass sie es sagte.
Wieder zurück meinte ihr Vater, sie müsse Bescheid sagen, wenn sie weggehen würde, sie würden sich sonst große Sorgen machen. Er schimpfte nicht. Er sprach ganz ruhig, sorgenvoll, aber auch verständnisvoll.
Ich fühlte mich ein wenig schuldig. Hätte ich meine Frage gleich zu Anfang ausgesprochen, hätten wir gleich umkehren und Bescheid sagen können. So hatten sich ihre Eltern minutenlang ungeheure Sorgen gemacht. Das konnte ich nur all zu gut nachvollziehen. Denn auch ich ging vor vielen Jahren am Strand "verloren".
Wir blieben weiterhin am Strand. Spielten Ball, bauten eine Klecksburg, später eine Sandburg, sammelten Muscheln, setzten/legten uns ins warme Wasser, schwammen (weiter als sie durfte, aber sie wollte es so), buddelten im Sand/Wasser. Taten das, was man als Kind eben tut. Es war schön. Auch wenn ich oft nicht so recht wusste, was ich erzählen/fragen sollte, genoss ich ihre Gesellschaft.
Wovon sie so redete?! Von allem möglichen. Wie sie ihr Kind später nennen würde, wenn es ein Mädchen würde, von ihren Mitschülern und Freunden, sowie was sie wogen, von der Schule, ihren Hobbies, der Sommerfeier der Firma ihrer Mama, von der Nachbarskatze. Und sie zeichnete. Sie zeichnete einen Pferdekopf in den Sand. Auf Papier könne sie das besser, sie könne mir ja eines malen und es mir dann schicken. Außerdem lehrte sie mir wie man Sterne zeichnet. Und wenn sie mal nichts zu erzählen oder zu malen hatte, dann schlug sie unentwegt Räder, führte mir einen Spagat vor oder einen Handstand. Und was kann ich?! Nichts (als zuhören).
Lucienne: Blond, ein wenig bockig, was aber daran lag, dass sie krank war. Dennoch unheimlich süß. Beim (Abend-)Essen rannte sie immer um den Tisch. Pausenlos. Sie lächelte mich nicht so oft an, sondern eher mit Skepsis würd ich sagen. Beim Eisessen meinte Fabi zu ihr, sie solle nochmal "Happy Birthday" singen, da ich da schon verschwunden war als sie es einen Abend zuvor zum Besten gab. Als sie fertig war, meinte Fabi "ein bisschen lauter", weil Lucy es nur in sich hinein gemurmelt hatte. Das nahm sie dann wörtlich und schrie lauthals: "Happy Birthday to you, Marmelade im Schuh [...]"! Das war soooo süß! Erst das kleine, schüchterne Mäuschen und dann schmettert sie dieses Lied plötzlich runter.
Klaus: Erinnert mich an einen Hund. Oder einen Kater. So einen rundlichen Trickfilm-Kater. Meine Cousine Franzi hatte recht, es ist oft schwer, zu beurteilen, ob er einen Spaß macht oder etwas ernst meint. Wenn man mit dieser Art nicht zurecht kommt, hat man ein Problem (mit ihm). Aber ich geb' mein Bestes. Er ist so ein lieber, manchmal schon ein kleiner "Lüstling", wie ihn meine Tante bezeichnete, aber ich kann ihn gut leiden - auch wenn er mich ständig "Franzi" nannte. Anfangs korrigierte ich ihn noch, später hatte ich mich dran gewöhnt und gehorchte auch auf den Namen derer, die leider nicht dabei war. Der erste Ahlbeck-Urlaub ohne mein Rehlein... Dafür hab ich
Niemand: Ist es komisch unter "Begegnungen" zu schreiben, dass man "Niemandem" begegnet ist? Als ich Samstag abend alleine zur Seebrücke ging, an Jugendlichen vorbeikam, dachte ich die ganze Zeit, was wäre, wenn unter diesen auch "Litze" sein würde. Ob er mich erkennen würde. Ich fragte mich nicht nur, was wäre, wenn er mir plötzlich begegnen würde, sondern auch ob dieser Gedanke daran, der heimliche Wunsch ist, ihn zu sehen?! Und ich mir nur einrede, dass ich ihm nicht begegnen will? Schwachsinn, ich will ihn nicht sehen. Definitiv nicht. Oder...?!
Das Essen
In Mikes Strandbar aß ich eine oberleckere feurige Soljanka. Im "Haus Pommern" hat es mir dagegen so gar nicht geschmeckt. Dafür gab es am Sonntag leckeres Eis: Chocolate Brownies, Champagner Trüffel und Nougat Krokant.
Am Abend ging es dann mit Klaus & Monika zum Spanier. Zunächst eine Tomaten-Paprika-Suppe, anschließend eine Schinken-Käse-Salami-Oliven-Platte sowie eine Backpflaume im Speckmantel.
Montag gab es zu Hause Tomate-Mozzarella, Ciabatta und Scampi-Spieße. Lecker!!!
Das Fischbrötchen vom ersten Tag sollte übrigens das letzte für mich sein, obwohl noch zwei weitere für mich bestellt worden. An dem einen Tag hatte ich keinen Hunger beziehungsweise war mit Fabi und der Sandburg beschäftigt. Am nächsten... tja, da kam mir was dazwischen... In beiden Fällen musste Klaus sich erbarmen. Der Arme!
Das Trinken
Zum Geburtstag trank ich den Abend über KiBa und Bananensaft. Zum Anstoßen nippte ich am Sekt - für den Rest opferte sich Lutz.
Dass ich am Strand hier und da mal ein Wasser, in Restaurants 'ne Cola getrunken habe, muss hier ja nicht detailliert beschrieben werden. Umso mehr aber der Drink auf der Seebühne. Ich wollte Erdbeersaft. Hatten sie nicht. Aber Erdbeersirup. Also bekam ich einen leckeren alkoholfreien Cocktail, der zwar mehr nach Banane als Erdbeere schmeckte, aber dennoch sehr lecker war.
Zum Abschluss trafen wir am letzten Abend in unserer eigentlichen Stammkneipe "Schneiders Bar" ein. Gemeinsam tranken wir einen Wodka. Bäh. Aber dann... ja dann kam er: Mein heißgeliebter Erdbeersaft. Ein Urlaub in Ahlbeck ohne Erdbeersaft wäre nicht vollkommen gewesen.
Die Spaziergänge
Samstag abend als das Gewitter abgeklungen war, lief ich gegen zehn noch einmal zur Promenade und auf die Seebrücke. Auf dem Rückweg begegnete mir eine Katze. Weiß. Nicht so schön wie Getigerte oder Schwarze, aber dafür zahm. Hat ein bisschen mit mir gespielt. Zumindest hoffe ich, dass es spielen und nicht kämpfen war - weh getan hat sie mir jedenfalls nicht, als sie ihre Pfoten/Krallen um meinen Arm geschlungen hat.
Montag war im Grunde mein letzter Tag. Es war Zeit für den langersehnten Strandspaziergang. Doch Montag war auch der heißeste Tag. Ich lief barfuss bis nach Heringsdorf. Dann dachte ich, ich könne ja auch noch bis Bansin. Es war heiß. Verdammt heiß. Den Rückweg wollte ich an der Promenade entlang gehen. Doch auch dort war die Sonne. Und Asphalt. Ich barfuss. Wie jeden Tag. Aua. Aber es ging. Irgendwie.
Drei Stunden war ich unterwegs als ich endlich wieder in Ahlbeck eintraf. Dort holte ich mir was zu trinken, um dann weiter zur Fischbude zu gehen, wo Klaus und Monika auf mich warteten. Über heißen Asphalt & Sand. Ich konnte nicht mehr.
Endlich erreichte ich vollkommen erschöpft die Fischerstube. Setzte mich zu den beiden. Dann gingen wir rein, um uns Fischbrötchen auszusuchen. Ich musste mich setzen. Ich sagte Klaus, was ich haben wolle, dann setzte ich mich wieder. Er nahm die Fischbrötchen, ich schnappte mir meine Cola.
Da passierte es. Du musst dich setzen, hämmerte es in meinem Kopf. Aber wo ist der Stuhl? Ich tastete mit meinen Händen den Untergrund ab, um mit meinem Gesäß den Stuhl und nicht den Fussboden zu treffen. Sehen konnte ich nichts mehr. Ich saß. Zum Glück. Durst. Du musst was trinken. Ich versuchte das Cola-Glas an meinen Mund zu führen. Ich zitterte. Mehr und mehr. Solange bis die Cola über meiner Hose verteilt war. Ich traf meinen Mund. Doch die Cola lief an den Mundwinkeln runter. Ich kam mir so behindert vor. Ich war behindert. Ich stand total neben mir.
Monika hatte das Geschehen von draußen beobachtet, stürmte rein, stützte mich beim Hinausgehen, wischte mir mit nassen Servietten Stirn und Nacken ab, Klaus kippte einfach ein bisschen was über die Brust - sehr charmant...
Ich hatte so ein Glück, dass es dort passiert ist und nicht auf dem Weg. Dass ich es bis dahin geschafft hab... Oh mann. Aber ich bin auch so stur: Wenn ich spazieren will, dann richtig. Dann lass ich mich auch nicht abbringen, nicht mal von unerträglich heißem Wetter.
Wurde anschließend gezwungen inklusive Hose ins Wasser zu gehen, zumindest bis zu den Knien, um mich abzukühlen. Das Wasser und die Ostseeluft machen die enormen Temperaturen wirklich erträglich - aber man läuft Gefahr, dass man den Sonnenstich erst zu spät realisiert...
Am Abend haben wir Klaus dann die Promenade gezeigt. Zunächst beobachteten wir noch den Sonnenuntergang ehe es auf die Seebrücke ging, auf der eine Band spielte. Eher Schlager. Ein kleiner Junge war ordentlich dabei, "Ich hab dich tausendmal betrogen" mitzusingen und sich dazu im Takt zu bewegen. Unter der Seebrücke waren einige Jugendliche, die es sich dort mit einem Radio und Alkohol gemütlich gemacht hatten. Würd' auch gern mal mit einigen lieben Menschen abends am Strand sitzen. Dennoch schlug ich das Angebot meiner Tante, dass sie mich ja dort lassen könne, aus. Hatte schon die Durchsage im Ohr "Die kleine Maria möchte aus dem Spielparadies abgeholt werden". Nee, nee, nee, ich setz mich doch nicht zu wildfremden, betrunkenen Leuten, um Rammi Dammi zu machen.
Dienstag morgen klingelt um fünf Uhr mein Wecker. Das Zeichen dafür, mich schnell anzuziehen, meine Kamera zu verarzten und das Haus zu verlassen, um den Sonnenaufgang am Strand zu erleben. Wunderschön. Im Nachbarort gewitterte es, konnte man richtig die Blitze sehen. Aber um den Ahlbecker Strand machte das Gewitter einen Bogen. Dafür regnete es ein bisschen.
Ich spazierte am Strand entlang, auf die Seebrücke, auf der Promenade und durch's Dorf. Zweieinhalb Stunden lang. Kaum Touristen. Höchstens welche, die im Auto schliefen und ihre Käsefüße aus dem Fenster hängen ließen. Sollte man mal drüber nachdenken, wenn man mal keine günstige Übernachtungsmöglichkeit findet... Oder eben im Schlafsack am Strand - hat auch einer gemacht.
Die Rückfahrt
War etwa eine halbe Stunde zu früh am Ahlbecker Bahnhof - aber sieben Minuten zu spät am entsprechenden Briefkasten
In Hannover kam ich 20:37 auf Gleis 12 an. Laut Reiseverbindungsplan hätte ich die 21:11-Bahn nehmen sollen. Stattdessen stürmte ich durch den Bahnhof, rammte Fussballfans und schaffte tatsächlich noch meine Bahn, in der ich dann mit Anka und Nicole zusammen saß. Letztere geht nächsten Monat für ein halbes Jahr nach Australien - Martin & Peter dürften inzwischen auch schon in Neuseeland angekommen sein. Schön für sie...


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:)
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