Donnerstag, Juni 28, 2007

Abi-Flop '07

Eine treffendere Bezeichnung fällt mir momentan nicht für den heutigen Abi-Gag ein. Seit Jahren versteckt sich dahinter ein Tag an dem Klassenräume verwüstet, Fenster und Türen mit Zeitungen abgeklebt, die Lehrer verarscht und die Schüler, die noch weitere Jahre leiden müssen, unterhalten werden. Die letzten zwei Jahre war das für mich immer ein sehr komisches Gefühl, denn jedes Mal dachte ich: "Oh nein! Nur noch ein [zwei] Jahr[e] und dann stehen wir da."
Und nun war es soweit. Ich dachte, es sei was Besonderes, wenn man selbst dann dort sitzt, aber das erwartete kribbelige Gefühl blieb aus. Aber fangen wir mal von vorne an:
Kurz nach halb sieben erreichte ich mit Kot-Ulla das Schulzentrum. Viel zu früh meiner Meinung nach, zumal wir noch mindestens zwanzig Minuten in der Kälte stehen mussten. Ich vertrieb mir die Zeit damit "Dein ist mein ganzes Herz" vor mich hinzuträllern ohne zu bemerken, dass die Tochter dieses legendären Liedermachers hinter mir lief - aber ich hatte nun mal diesen Ohrwurm, was sollt' ich denn machen.
Kurz vor sieben erbarmte sich der Hausmeister dann doch uns ins Schulgebäude zu lassen. Doch was tat er da?! Er riss unsere gestern mit Müh' und Not an die Fenster und Türen geklebten Zeitungen ab. Er war sauer. Das war offensichtlich. Aber wir auch. Wir verstanden einfach nicht, was das sollte.
Einige Minuten später fragten mit einem Mal diverse Leute rum, ob jemand Saft, Traubenzucker oder was Süßes bei hätte. Ich hatte keinen Schimmer, wozu, doch dann sah ich, dass Lukas auf dem Sofa lag, völlig grün angelaufen. Er war von der Leiter gefallen. Daraufhin fragte man natürlich den Hausmeister nach einer Kühlkompresse. Er verweigerte mit den Worten: "Pech." Schon einmal was von unterlassener Hilfeleistung gehört?
Und selbst wenn. Es scheint ziemlich zwecklos sich über das Verhalten des Hausmeisters zu beschweren, denn zunächst einmal sollten wir uns an die eigene Nase fassen. Wir wurden doch tatsächlich des "Hausfriedensbruchs" beschuldigt. Warum? Weil wir uns einem strengen Verbot widersetzt haben und uns unerlaubter Weise [illegal] Zutritt zu den abgeschlossenen Klassenräumen im ehemaligen Oberstufentrakt verschafft haben sowie zum Lehrerzimmer.
Unsere Direktorin war mindestens genauso verärgert wie der Hausmeister, suchte nach dem Schuldigen - glücklicherweise waren Kot-Ulla und ich zum "Tatzeitpunkt" nicht mehr anwesend. Wird noch einigen Ärger geben - Anzeige ist nicht ausgeschlossen. Hatten wir das nicht letztes Jahr schon mal?!
Die Stimmung war dann erstmal im Keller. Wir mussten oben "Ordnung" machen. Ich muss schon sagen: Haben gute Arbeit geleistet. Verwirrendes Tisch-Labyrinth sowie ein bemerkenswerter Stuhl-Haufen. Das aufzuräumen kann man den 5. und 6. Klässlern natürlich nicht antun... Im Grunde hätten wir nur die Agora in Beschlag nehmen können. Wieso wir? Warum wird uns untersagt die Tradition, die sich all die Jahre durchgesetzt hat, weiterzuführen?
Während wir allesamt den Kopf hängen ließen, kam mit Julia dann endlich wieder Sonnenschein in unsere Runde. Gemeinsam mit Jenny testete sie schon mal die Singstar-Mikrofone und musste sich eingestehen, dass sie im Keller bessere Leistungen vollbringt. Derweil schnappte ich mir ihr Kühlkissen, um "das traurige Schaf" zu mimen. Sind wir nicht knuffig?
10 vor 10 begann dann der Abi-Gag. Mathis und Günni sorgten für Stimmung und dafür, dass die Lehrer über den Catwalk zur Bühne kamen. Danach übergaben sie an die Moderatoren des Morgens: Julian & Jonas. War etwas enttäuscht, weil ich weiß, dass sie das besser können. Die Überleitungen sollten lustig sein, waren sie aber Null - meiner Meinung nach. "Die Glocken von Rom" können Matthias & mein Cousin besser, die eingespielten Videos waren ganz okay, die Lehrer-Spiele auch, aber so richtig hat mich mein eigener Abi-Gag nicht vom Hocker gerissen. Womöglich bin ich mit zu hohen Erwartungen an die Sache rangegangen.
Zum Abschluss wurde dann das in Lloret einstudierte "Follow the leader" getanzt, was bei einigen Begeisterung hervorrief, bei mir jedoch eher weniger. Nach der abschließenden Polonaise ging's wieder ans Aufräumen, Zeitungen abreissen, Müll wegtragen. Die Frühstücksmütter verteilten kostenlos belegte Brötchen. Haben wir uns nach sechs Jahren am GM aber auch wirklich verdient.
Gerade wollte ich gehen, da fragte mich Christina: "Gehst du morgen zum Gottesdienst?" Ich bejahte. Sie: "Würdest du eine Fürbitte lesen?" Ich blockte: "Ich habe doch aber gar nichts mit Kirche am Hut." Sie meinte, dass würde nichts ausmachen und da ich nicht "Nein" sagen kann, hatte ich eben die Fürbitte im Email-Briefkasten sowie die Information, dass anschließend gemeinsam das "Vater unser" aufgesagt werden würde... Soviel dazu, das es nichts macht, wenn man nichts mit Kirche zu tun hat. Aber ich werde diese "würdevolle" Aufgabe übernehmen, nach 20 Jahren das "Vater unser" endlich mal auswendig lernen - Katrin S. meint das gehört zum Allgemeinwissen - und hoffentlich keinen enttäuschen. Irgendwie habe ich die Befürchtung, dass etwas schief geht, allerdings freu ich mich, dass ich meinen Teil zur GeMeinschaft beitragen kann.
Nach der Schule bin ich dann noch zu Lena, weil wir die Fotos von Rom und Paris ansehen wollten. Auf dem Weg dorthin kam mir der "Klempner"-Transporter entgegen und ich konnte es nicht fassen, dass mich sowas vor wenigen Monaten noch völlig aus der Bahn geworfen hat. Lächerlich.