Am heutigen Abend war Abi-Gottesdienst. "Abi-Gottesdienst? Was'n das? Wieso'n das?" fragten sich viele. Trotz allem stand für mich von Anfang an - seitdem der Ausschuss gebildet wurde - fest, dass ich auch als Atheistin daran teilnehmen werde. Frau Reuß hatte mir bereits während der Projektwoche zugesichert, dass man diesbezüglich keine Befürchtungen haben müsste.
Es ist ja auch nicht so, dass ich mich sonst weigere Kirchen zu betreten, schließlich war ich Weihnachten oder zum 100. Geburtstag auch anwesend. Dennoch fühle ich mich stets ein wenig unbehaglich. Nichtsdestotrotz nahm ich die gestrige Bitte, eine der sechs Fürbitten zu lesen an.
Ungewöhnlich pünktlich, nämlich kurz vor halb sechs, erreichte ich die katholische Kirche in Mellendorf. Zeitgleich mit Frau Reuß, die so lieb war, mich für die paar Meter unter ihren Regenschirm zu nehmen, obwohl ich meine Kapuze auf hatte.
In der Kirche begrüßte mich gleich Nils, rief mich zu sich und meinte: "Da du Atheistin bist, zeig ich dir mal wie das mit der Fürbitte nachher so ablaufen soll." War mir sehr recht, weil ich tatsächlich keinen Plan hatte. "[...] Und dann sprechen wir gemeinsam das Vater unser - kannst du das?" Stolz konnte ich ihm antworten: "Ich habe es heute auswendig gelernt". Noch im Auto hatte ich es vor mich hingesprochen, doch als ich auf der Bank saß, wies mein Gedächtnis plötzlich Lücken auf.
Mit zehnmütiger Verspätung begann um zehn nach sechs schließlich der Gottesdienst, der unter dem Motto "Abitur 2007 - Alte Türen schließen sich - Neue Türen öffnen sich" stattfand. Nach einem kurzen Saxophonstück, dargeboten von Jonas und Lukas, begrüßten uns der Pfarrer und Laura. Es folgte das erste Lied ["Sing mit mir ein Halleluja"]. Ich blieb stumm. Das übliche Unbehagen. Außerdem war ich damit beschäftigt, meine Füße auf dem Boden zu lassen, die sich immer wieder auf diese vordere Leiste verirren wollten, was jedoch untersagt war, wie Katrin S. mich erhobenen Fingers aufklärte. Als nächstes sprach Sascha das Gebet, worauf erneut ein Lied ["Wo Menschen sich vergessen"] folgte, welches ebenfalls nicht von meiner Stimme begleitet wurde.
Im Anschluss wurden Bilder vorgestellt. Türen, durch die wir in unserem Leben bereits gegangen sind. Obwohl ich zu der Mehrzahl der Türen keinen persönlichen Bezug hatte, hat es mich doch sehr bewegt. Kann das Gefühl nicht beschreiben, aber die Bilder, ihre Bedeutung dahinter, haben mich ganz und gar nicht kalt gelassen. Daran war die musikalische Untermalung sicher nicht ganz unschuldig. Franziska spielte am Klavier "One Moment in Time" und in meiner Phantasie hörte ich Franzis Stimme und hoffte, dass sie Realität werden würde. Aber dem war nicht so. Schade. Sie hat so eine unglaublich kraftvolle Stimme.
Kurz darauf traten nacheinander Jonas, Hanna, Ramon und Sarah durch eine Tür. Sie sollte die GM-Tür am morgigen Tag nach der Entlassung darstellen. Die Schüler beschrieben ihre Empfindungen. Die Jungs sorgten für Lacher, haben das sehr amüsant dargestellt. Bei Hanna hatte ich das Gefühl, sie würde gleich weinen und dafür hätte ich vollstes Verständnis gehabt. Sarah hat Stoff zum Nachdenken gegeben. Haben sie allesamt wirklich gut gemacht. Doro und Nicole trugen noch ein Gedicht vor ehe das nächste Lied angestimmt wurde. "Laudato si o mio signor" und diesmal verpasste ich meinen Einsatz nicht, von da an trällerte ich auch fröhlich bei "Von guten Mächten" und "Möge die Straße" mit. Gut, ich hab die Lippen bewegt und nur zaghafte Töne rausbekommen, aber immerhin. Hat mir sehr gut gefallen und langsam verlor ich das Unbehagen.
Doch dann war es Zeit für die Fürbitten. Nils, Konrad , Christina, Irene, Katrin S. und ich stellten uns in einer Reihe auf und mussten nacheinander nach vorne treten. Konrad sprach "Wir bitten dich erhöre uns", worauf mein Einsatz folgte. Ich hatte zittrige Knie und befürchtete, keinen Mucks rauszubekommen, aber es ging, auch wenn meine Mutter meinte, ich hätte anfangs zu schnell gesprochen. Das darauffolgende "Vater unser" wurde so langsam vorgetragen- zumindest langsamer als ich es den ganzen Tag über runtergerattert hatte - dass ich textsicher mitsprechen konnte und genug Zeit hatte über die jeweiligen nächsten Zeilen nachzudenken. Am Ende bekamen alle anweseneden Abiturienten noch einen Schlüsselanhänger mit dem Motto des Abi-Gottesdienstes.
Ich bin froh, dass ich daran teilgenommen habe. Auch wenn ich Atheist bin, finde ich solche Anlässe wirklich schön trotz des anfänglichen Unbehagens und der zittrigen Knie. Der Ausschuss, der das auf die Beine gestellt hat, hat wirklich Applaus verdient... nur dumm, dass wir uns in einer katholischen Kirche befanden und es niemanden interessierte, was dort (nicht) üblich ist. Vergib uns unsere Schuld...
Es ist ja auch nicht so, dass ich mich sonst weigere Kirchen zu betreten, schließlich war ich Weihnachten oder zum 100. Geburtstag auch anwesend. Dennoch fühle ich mich stets ein wenig unbehaglich. Nichtsdestotrotz nahm ich die gestrige Bitte, eine der sechs Fürbitten zu lesen an.
Ungewöhnlich pünktlich, nämlich kurz vor halb sechs, erreichte ich die katholische Kirche in Mellendorf. Zeitgleich mit Frau Reuß, die so lieb war, mich für die paar Meter unter ihren Regenschirm zu nehmen, obwohl ich meine Kapuze auf hatte.
In der Kirche begrüßte mich gleich Nils, rief mich zu sich und meinte: "Da du Atheistin bist, zeig ich dir mal wie das mit der Fürbitte nachher so ablaufen soll." War mir sehr recht, weil ich tatsächlich keinen Plan hatte. "[...] Und dann sprechen wir gemeinsam das Vater unser - kannst du das?" Stolz konnte ich ihm antworten: "Ich habe es heute auswendig gelernt". Noch im Auto hatte ich es vor mich hingesprochen, doch als ich auf der Bank saß, wies mein Gedächtnis plötzlich Lücken auf.
Mit zehnmütiger Verspätung begann um zehn nach sechs schließlich der Gottesdienst, der unter dem Motto "Abitur 2007 - Alte Türen schließen sich - Neue Türen öffnen sich" stattfand. Nach einem kurzen Saxophonstück, dargeboten von Jonas und Lukas, begrüßten uns der Pfarrer und Laura. Es folgte das erste Lied ["Sing mit mir ein Halleluja"]. Ich blieb stumm. Das übliche Unbehagen. Außerdem war ich damit beschäftigt, meine Füße auf dem Boden zu lassen, die sich immer wieder auf diese vordere Leiste verirren wollten, was jedoch untersagt war, wie Katrin S. mich erhobenen Fingers aufklärte. Als nächstes sprach Sascha das Gebet, worauf erneut ein Lied ["Wo Menschen sich vergessen"] folgte, welches ebenfalls nicht von meiner Stimme begleitet wurde.
Im Anschluss wurden Bilder vorgestellt. Türen, durch die wir in unserem Leben bereits gegangen sind. Obwohl ich zu der Mehrzahl der Türen keinen persönlichen Bezug hatte, hat es mich doch sehr bewegt. Kann das Gefühl nicht beschreiben, aber die Bilder, ihre Bedeutung dahinter, haben mich ganz und gar nicht kalt gelassen. Daran war die musikalische Untermalung sicher nicht ganz unschuldig. Franziska spielte am Klavier "One Moment in Time" und in meiner Phantasie hörte ich Franzis Stimme und hoffte, dass sie Realität werden würde. Aber dem war nicht so. Schade. Sie hat so eine unglaublich kraftvolle Stimme.
Kurz darauf traten nacheinander Jonas, Hanna, Ramon und Sarah durch eine Tür. Sie sollte die GM-Tür am morgigen Tag nach der Entlassung darstellen. Die Schüler beschrieben ihre Empfindungen. Die Jungs sorgten für Lacher, haben das sehr amüsant dargestellt. Bei Hanna hatte ich das Gefühl, sie würde gleich weinen und dafür hätte ich vollstes Verständnis gehabt. Sarah hat Stoff zum Nachdenken gegeben. Haben sie allesamt wirklich gut gemacht. Doro und Nicole trugen noch ein Gedicht vor ehe das nächste Lied angestimmt wurde. "Laudato si o mio signor" und diesmal verpasste ich meinen Einsatz nicht, von da an trällerte ich auch fröhlich bei "Von guten Mächten" und "Möge die Straße" mit. Gut, ich hab die Lippen bewegt und nur zaghafte Töne rausbekommen, aber immerhin. Hat mir sehr gut gefallen und langsam verlor ich das Unbehagen.
Doch dann war es Zeit für die Fürbitten. Nils, Konrad , Christina, Irene, Katrin S. und ich stellten uns in einer Reihe auf und mussten nacheinander nach vorne treten. Konrad sprach "Wir bitten dich erhöre uns", worauf mein Einsatz folgte. Ich hatte zittrige Knie und befürchtete, keinen Mucks rauszubekommen, aber es ging, auch wenn meine Mutter meinte, ich hätte anfangs zu schnell gesprochen. Das darauffolgende "Vater unser" wurde so langsam vorgetragen- zumindest langsamer als ich es den ganzen Tag über runtergerattert hatte - dass ich textsicher mitsprechen konnte und genug Zeit hatte über die jeweiligen nächsten Zeilen nachzudenken. Am Ende bekamen alle anweseneden Abiturienten noch einen Schlüsselanhänger mit dem Motto des Abi-Gottesdienstes.
Ich bin froh, dass ich daran teilgenommen habe. Auch wenn ich Atheist bin, finde ich solche Anlässe wirklich schön trotz des anfänglichen Unbehagens und der zittrigen Knie. Der Ausschuss, der das auf die Beine gestellt hat, hat wirklich Applaus verdient... nur dumm, dass wir uns in einer katholischen Kirche befanden und es niemanden interessierte, was dort (nicht) üblich ist. Vergib uns unsere Schuld...


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