Donnerstag, April 19, 2007

Weil die Zeit sich so beeilt...

... bin ich in den letzten Tagen leider nicht dazu gekommen, so richtig zu bloggen. Aber seit heute ist der Prüfungsstress vorbei und da nutz ich gleich mal die Gelegenheit alles loszuwerden, was mich in den letzten Tagen so beschäftigt hat.

"Weil die Zeit sich so beeilt
und so wenig bleibt von dem was einmal war.

Und weil das Licht so leicht zerbricht,
sehen wir die Dinge manchmal selten sonderbar."


Ganz genau. Und so bemerkten Julia und ich am Montag beim Frühstück (ca. 07:35), dass wir "alt" werden. Woran man das erkennt? Da gibt es viele Zeichen für. An diesem Morgen wurde uns der Alterungsprozess anhand von Filmen vor Augen geführt. Die Filme aus den 80ern kamen einem als Kind immer unheimlich alt vor (ich muss da immer an "Dirty Dancing" denken), aber plötzlich wurde uns klar, dass "Romeo & Julia" schon wieder 11 Jahre her ist - und "Titanic" erschien 1997, im selben Jahr, in dem sich "Tic Tac Toe" trennten. All das kommt einem vor als wäre es gestern gewesen. Übrigens habe ich mir vorgenommen alle meine Filme, die ich jemals aufgenommen/gekauft oder geschenkt bekommen habe, in meinen nun vier freien Monaten zu gucken und bei Bedarf zu kommentieren.

"Hey, es ist Frühling und es riecht nach Veränderung."

Darum habe ich heute mein Zimmer umgeräumt. Mal wieder. Ist zwar schon lange her, doch daraus, dass meine Mutter nicht wirklich überrascht war, konnte ich schließen, dass das bei mir etwas fast Alltägliches ist. Es war aber wirklich mal wieder Zeit. Aber das war nicht der einzige Grund. Heute war die letzte Klausur. Die Schulzeit ist (fast) vorbei und somit kann der Schreibtisch in den Hintergrund rücken. Und so sieht's aus, wenn's fertig ist.

"Dieser Weg wird kein Leichter sein,
dieser Weg wird steinig und schwer.

Nicht mit vielen wirst du dir einig sein,
doch dieses leben bietet soviel mehr."


Nachdem am Dienstag morgen "Was wir alleine nicht schaffen" gegen 06:47 Uhr im Radio lief, war es heute um die selbe Zeit "Dieser Weg". Ich glaub, in manchen Dingen bin ich wirklich ein wenig abergläubig. So habe ich zu jeder Klausur grüne Strümpfe, ein grünes Oberteil und eine grüne Jacke angezogen. "Grün ist die Hoffnung." Außerdem überlegte ich am Dienstag mit dem Auto zur Schule zu fahren, weil es wieder kälter werden sollte, aber ich dachte mir, ich müsste alles genauso machen wie am Samstag, sonst würde ich mir einbilden, ich könne mich nicht konzentrieren, weil ich vorher nicht an der frischen Luft war. Als ich heute zur Schule kam, war der Fahrradständer relativ leer, sodass ich überlegte mein Fahrrad links anzuschließen. Aber in letzter Sekunde entschied ich mich um und wechselte an dieselbe Stelle, an die ich mein Rad schon an den anderen beiden Prüfungstagen angeschlossen hatte. Musste ein wenig über mich selbst schmunzeln, aber was soll's - hat ja den gewünschten Erfolg gebracht. Hoff' ich. Politik war genial. Haben alle 12 dasselbe Thema genommen - sogar für E. erschien das WTO-Thema wohl zu riskant. Apropos. Dieser Kerl ging mir ja so auf die Nerven. Anfangs konnte ich ja noch über ihn lachen, aber als er es etwa eine Stunde vor Abgabe noch für nötig hielt mit Rödi zu diskutieren, konnte ich mich echt nicht mehr zurückhalten und informierte mich, ob wir denn 10 Minuten länger schreiben dürften, da ich mich seit 10 Minuten nicht mehr konzentrieren könne. Zum Glück war dann erstmal Ruhe, aber nicht lange, denn Monsieur musste ja noch was loswerden - Jeder andere hätte längst 00 Punkte wegen Ruhestörung eingesackt. Wie auch immer. Rödi war wieder so knuffig. Hat uns Fruchtzwerge mitgebracht - aber keine Löffel. Die Jungs kannten Mittel und Wege die Becher auszuschlecken, ich versuchte es gar nicht erst, denn mir wurde sowas im Kindergarten nicht beigebracht.
Kurzes Résumée der Klausuren: Englisch war gut zu schaffen, Mathe (hoffentlich) befriedigend machbar und Politik sehr gut zu meistern - das "sehr gut" bitte nicht in Noten übertragen, wir wollen mal nicht abheben. Abi dürfte bestanden sein. Auf die 2,3 würde ich mich aber noch nicht versteifen.

"This is our time, we can't rewind
Our place to shine out, and we can live it anyway."

Leben, Genießen, Erholen. Nach 13 Jahren Schulbank-Drücken habe ich mir das wohl mal verdient. Natürlich werde ich nebenbei trotzdem noch arbeiten - leben hat schließlich seinen Preis. Und noch ist das Abi nicht geschafft: Die mündliche Prüfung wartet noch und somit werde ich mir die nächsten zwei Wochen mit Kafka (& anderen) vertreiben. Und was kommt danach?!

"Und sie träumt von Chicago, von Chicago,
irgendwo, wo sie keiner kennt."

Von Chicago träume ich nicht. Von Neuseeland aber auch nicht. Na ja, doch ein bisschen. Aber immer wieder die Argumente für und gegen die Verwirklichung meines Neuseeland-Traums in meinem Kopf durchgegangen, denke ich nun, dass ich nicht fliegen werde. Ist sowieso fraglich, ob man noch drei Monate vor Reiseantritt buchen kann. Was zu dieser Entscheidung geführt hat? Wenn ich von meinen über 12 freien Wochen zwei, drei davon in Neuseeland verbringen wollte, müsste ich die restliche Zeit zu Hause abgammeln beziehungsweise an der Tanke arbeiten. Letzteres werde ich sowieso tun. Doch gammeln wollte ich ganz und gar nicht. Natürlich möchte ich mich von den letzten 13 Schuljahren erholen, aber ich möchte auch ein bisschen was erleben. Das kostet Geld und das hätte ich nicht, wenn ich mir diesen Traum erfülle. Aber es schwirren ja noch zig andere Träume in meinem Kopf rum. An oberster Stelle momentan: Paris! An den Amélie-Schauplätzen entlang spazieren, photographieren! Das hab ich mir jetzt in den Kopf gesetzt und hoffe, dass ich es auch durchsetzen kann, selbst wenn ich niemanden überreden kann mitzukommen. Und da kommen wir schon wieder zum nächsten Punkt, der mich von Neuseeland hat distanzieren lassen: Allein in Paris?! Wenn schon bei dieser Vorstellung Zweifel in mir aufkommen, wie soll ich denn dann drei Wochen allein - oder mit fremden Leuten - 35 Flugstunden von Deutschland entfernt überleben? Aber von den Zweifeln abgesehen, hätte ich auch gar nichts dagegen allein zu fahren. Müsste man auf niemanden Rücksicht nehmen, kann hinlaufen, wo man will. Müsste kein Stöhnen vernehmen, wenn man zum dritten Mal an eine bestimmte Stelle spazieren will, die einem so gefallen hat. Ich könnte meine Tour um 6 Uhr morgens starten, wenn die Stadt (hoffentlich) noch nicht von Touristen überflutet wäre. Das einzige Problem ist die Verständigung. Wäre schon geil, wenn Lena mitkommen würde - da könnten wir zu Zweit auf Französisch stammeln und uns auf der Champs-Elysée vor Lachen kringeln. Hat alles seine Vor- und Nachteile.
Von Paris abgesehen, möchte ich natürlich dieses Jahr auch wieder früh morgens an der Alster langsspazieren, den Sonnenaufgang an der Ostsee beobachten und und und. Ist doch irgendwie viel spannender und abwechslungsreicher als sich nur einen Traum zu erfüllen, oder?!
Wäre so geil, immer eine Woche zu arbeiten, und dann drei Tage wegzufahren, Geld ausgeben, wieder arbeiten. Zwischendurch dann doch ein bisschen gammeln. Leben eben. Bevor ich die nächsten 2,5 Jahre wieder rumstressen kann. Und wenn ich im Rentenalter noch nicht gestorben bin, dann leb' ich in Neuseeland weiter. Oder ich heirate 'n netten Keks-/Schokoladenfabrik-Erben und überred ihn in Auckland 'n neuen Standort aufzubauen! Wie schön, wenn man noch Träume hat...

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hm... so abergläubisch hätte ich dich jetzt nicht eingeschätzt. du kommst mir meist recht vernünfig vor...

und das zimmer ist ganz okay, ich finde nur, dass die wand, wo vorher der schreibtisch stand, ein wenig leer ist.

Schaf hat gesagt…

Bin ja auch vernünfig... ab und zu. kommt halt drauf an.

Meine Mama meinte, dass die Wand jetzt besser zur Geltung kommt.

Robby hat gesagt…

Gammeln != Leben

Steff hat gesagt…

Ich würd dich glatt nach Paris begleiten, aber ich hab leider keine Zeit...

Dein Zimmer gefällt mir so glaub ich besser.

Dein Aberglaube ist echt beängstigend, aber wenn es dir hilft. ;-)