Montag, Januar 15, 2007

Warum so und nicht anders?

Rein zufällig stieß ich gestern auf eine Reihe von Artikeln über die Liebe. Der erste war so schön geschrieben, dass ich gleich den nächsten lesen wollte und immer so weiter. Mich befiel sozusagen eine Sucht. Diese Texte waren wie eine Droge. Aber irgendwann hatte ich alle 20 durch und es gab kein Nachschub mehr. Durch den "Entzug" realisierte ich schließlich wie krank dieses Zeug mich macht, wie sehr es weh tut. Zwar war alles sehr schön beschrieben, aber letztendlich sind dies Gefühle und Erlebnisse, die für mich völlig unbekannt sind. Zumindest was die Realität angeht, Träume sind wieder eine andere Sache. Ironischerweise habe ich diese Nacht übrigens von (Drogen-)Abhängigkeit geträumt...
Aber was beschwer ich mich. Schließlich bin ich vermutlich selbst schuld. Ich hab einfach ein Talent dafür, Menschen, die sich um mich scharen (welche meiner Meinung nach eine Minderheit ausmachen), von mir abzuwenden. "Blocken" heißt das Zauberwort. Wohl kaum einer, der diese Kunst besser beherrscht als ich. Aber warum? Warum greife ich auf dieses Fähigkeit zurück, statt es einfach mal zuzulassen, dass man(n) mir vielleicht doch näher kommt? Vielleicht weil ich Einzelkind bin? "Decades of experts advice cast these singletons as problem citizens - solipsists with difficulty forming relationships." (TIME, October 9, 2006)
Ist das die Antwort auf mein Problem, weshalb ich stets und ständig auf Abstand gehe? Gut, so oft ist dies noch nicht der Fall gewesen. Vielleicht geh ich zu wenig in die Stadt? Nein, ich denke nicht, dass das das Problem ist. Denn warum sollte ich gerade in so einer Lokalität jemanden kennenlernen, in der man zu 90 % von Leuten umgeben ist, die von ihrem Alkoholrausch geblendet und teilweise völlig unzurechnungsfähig sind? Andererseits: wo sonst?
Manchmal frage ich mich: Was wäre eigentlich, wenn ich in bestimmten Situationen meine Blockade aufgegeben hätte? Wäre ich dann jetzt glücklicher? Oder würde ich das Singleleben mehr schätzen, weil ich weiß, wie viele Probleme in einer Beziehung doch auf einen zukommen? Ist das vielleicht der Grund für das Blocken? Möglichen Problemen so weit es geht aus dem Weg gehen? Nein, verdammt. Ich will mir mein eigenes Urteil darüber bilden, ob das Singleleben mehr Vorteile hinter sich verbirgt als bisher angenommen! Ich möchte dieses Crazy little thing called love selbst entdecken und erleben.
Wer jetzt denkt, ich würde versuchen das Blocken von nun an zu reduzieren oder ganz aufzugeben: Wenn ich so recht drüber nachdenke, kommt das gar nicht in Frage. Denn wenn ich bedenke, in welchen Situationen ich in letzter Zeit unter anderem geblockt habe, kann ich nur sagen, dass ich mir kaum einen Vorwurf zu machen habe. Ich möchte mir nicht anhören müssen, was für einen geilen Arsch ich habe. Und ich möchte auch nicht, dass man versucht mich mit "Haus und Hof" zu umwerben.
Während ich das, was ich partout nicht will, bis ins kleinste Detail zu beschreiben fähig bin, versagen meine Ausdruckskräfte ausgerechnet bei dem, was ich will. Denn was ich nicht will habe ich bereits erfahren dürfen. Was ich will, kann und will ich nicht beschreiben - maximal erahnen -, weil es für mich noch etwas vollkommen Unbekanntes ist. Und dennoch sehne ich mich danach mehr als nach allem anderen. Nichtsdestotrotz wird das Blockding solange durchgezogen wie ich es für richtig halte - wenn nötig bis zum bitteren Ende. Die Entscheidung, wann dieses Ende gekommen ist, wird mir eines schönen Tages spätestens Karl-Heinz abnehmen, wenn er beschließt die Bekanntschaft eines Baumes zu machen...

2 Kommentare:

Steff hat gesagt…

Lass uns mal wieder inne Stadt fahren. Erst Fire, dann Börse. So assig ist das alles nicht! Und ich würd sooo gern mal wieder ins Fire!!!

Robby hat gesagt…

"Wohl kaum einer, der diese Kunst besser beherrscht als ich."

*kaum einer ist*
Nur weil man's kann, muss man's ja nicht immer machen, hmm?! ;)

Der letzte Teil ist zynisch-böse, ich hoffe, es bleibt bei dem Zynismus... ;)

Alles weitere liegt bei dir.
Ich muss sagen, Studium und Zug fahren erweitert die (theoretischen) Möglichkeiten schonmal ungemein.

Und Blogs als Droge, kenn ich auch...