Montag, Dezember 25, 2006

Nur ein Wort

Wir vier sind vorhin um 10 Uhr mit Luzie in die katholische Kirche gegangen. Die meiste Zeit saß ich - im wahrsten Sinne des Wortes - ungläubig da. Die Lieder, die gesungen wurden, kannte ich nicht, mit dem Gerede über Gott konnte ich nichts anfangen. Aber nach 20 Minuten gab es dann endlich einen realitätsbezogenen Umschwung. Da konnte ich dann wirklich aufmerksam zuhören und mich selbst wiedererkennen. Zudem musste ich an einigen Stellen schmunzeln, lachen traute ich mich nicht, da um mich alle ganz still waren. Dabei konnte man an bestimmten Stellen wirklich lachen, ich bin mir sogar sicher, dass der Pastor das bezweckt hat. Es ging um "Das Wort". Zum Schmunzeln war eigentlich nur der Vergleich, dass die 10 Gebote um die 56 Wörter haben und die EU-Verordnung 26.XXX Wörter. Darauf hackte er mehrmals rum. Aber richtig schön waren die realitätsnahen Beispiele, in denen einem die Worte fehlen, man sprachlos ist: Wenn man einem anderen seine Liebe gestehen will, man sich verabschiedet oder wenn man einem Trauernden sein Beileid ausdrücken möchte.

"Man braucht nur wenige Worte,
um viel zu sagen."


Neben der Rede waren dann die ersten Orgeltöne von "Oh du fröhliche" der Höhepunkt. Endlich mal ein Lied, das ich kannte und bei dem ich mitsingen konnte. Dass ich mich bei jedem Orgelanspiel beinahe zu Tode erschreckt habe, sollte niemanden verwundern...
Danach wieder das Übliche. Ich fühl mich wirklich nich wohl in Kirchen. Ich weiß nie, wann ich nun aufstehen soll und wann ich mich wieder zu setzen habe. Nicht einmal das "Vater unser" kann ich mitsprechen. Um ehrlich zu sein, fand ich den Großteil einfach lächerlich. Aber auch nur, weil ich den Glauben nicht nachvollziehen kann. Wer dies kann, der soll es tun. Ich würde also niemals sagen: "Das ist doch vollkommener Quatsch, an den du da glaubst." Im Gegenteil. Als ich einen jungen Mann mit seiner vielleicht vier Jahre alten Tochter sah und bemerkte, dass er Tränen in den Augen hatte, verstand ich, dass der Glaube an Gott für viele womöglich einer der wenigen Hoffnungsschimmer im Leben ist. Ich fragte mich, warum er wohl weinte und warum er allein mit seiner kleinen Tochter in der Kirche war... Ich denke, jeder kann sich selbst seinen Teil dazu denken...

2 Kommentare:

Robby hat gesagt…

:(

Ich war gestern auch in der Kirche, hab mitgesungen, bei einigen Sätzen der Predigt zynisch lächelnd den Kopf geschüttelt, nachgedacht, mich von Emotionen durchziehen lassen, geschwächelt, Kontrolle behalten.

Musste sogar ersatzmäßig beim Kollekteeinsammeln helfen.

Ich sollte mehr in die Kirche gehen...

Steff hat gesagt…

Manchmal braucht es gar keine Worte.... Manchmal reichen Blicke, die viel sagen.