Vor der Jahrtausendwende kannte ich Scheidungen, schwere Krankheiten und Tod nur aus dem Fernsehen. Oder sie geschahen eben Leuten, die ich nicht näher kannte. In meiner Familie sei alles perfekt, dachte ich. Ein perfektes Leben also.
Doch nach und nach schlich sich so manches tragisches Ereignis in mein Leben. Die beste Freundin litt an Bulimie - auf Spekulationen, was sie noch so trieb, verzichte ich an dieser Stelle -, mein Vater ließ sich zu Hause kaum noch blicken (die Arbeit...), mein Opa erkrankte an Krebs, starb ein halbes Jahr später und verschaffte meinem Vater freie Bahn, um nun öffentlich mit seiner Neuen aufzutreten. Dass meine Mama in dem Lokal, indem er mit der anderen rummachte, kellnerte, scherte ihn einen Dreck. Es folgte der plötzliche Tod des jungen Kusscousins meiner Mama (die eigene Kotze im Schlaf geschluckt), der Tod ihrer Tante, der Tod von Fabian, 15, der Tod eines lieben Verwandten in Berlin, der Tod der Mutter meines Chefs... Schreckliche Vorstellung, dass diese Liste unendlich ist.
Heute hätte es eine Fortsetzung geben können. Naja, vielleicht auch nicht, aber theoretisch wäre es möglich gewesen. Während ich heute schulfrei hatte und an der Tanke hockte, schrieben einige meiner Freunde heute Mathe. Na und? Sport ist Mord - aber Mathe!? Mathe auch. Zumindest wenn zur selben Zeit ein Typ mit gelben hochgegelten Haaren und einem Muskelshirt zielstrebig die Schule betreten will. Jenny's Kommentar: "Guck mal da, ein potenzieller Amokläufer." Ganz unrecht hatte sie wohl nicht. Vor ein paar Tagen aus der Jugendhaftanstalt ausgebrochen, wollte er sich heute mal an "dieser ganzen scheiss Schule und diesen scheiss Lehrer" rächen. Okay, Recht hat er. (Ironie! Nicht falsch verstehen!)
Letztendlich gab es kein Blutbad, auch wenn die Lehrer total in Panik waren, die Schule abgeschlossen haben und so weiter. Hubschrauber, Polizei, Fernsehen... alle waren sie da. Nur ich nicht.
Es ist zwar nichts passiert - zum Glück! Aber es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man erfährt, dass an dem Tag, an dem man schulfrei hatte, ein Amoklauf angedroht wird. Wenn also was passiert wäre, dann hätte ich "Glück" gehabt. Ich wäre davon gekommen, aber was wäre mit den anderen gewesen!? Diese Vorstellung ist der Horror! Und ich bin so froh, dass nichts passiert ist. Ich wüsste nicht, was ich gemacht hätte, wenn...
Nach Erfurt und Emsdetten hat man sich zwar Gedanken über dieses Amokzeugs gemacht, aber auch wenn es in Deutschland passiert ist, war es für einen selbst so weit weg. "Hier passiert sowas nicht", hat man immer gedacht. "Mir passiert sowas nicht", habe ich vor der Jahrtausendwende auch gedacht, als mein Leben noch scheinbar perfekt verlief.
Aber nun kommen so allerlei Sachen immer näher... ich frag mich, ob ich nun Angst habe, zur Schule zu gehen... aber ich glaube, aufgrund dessen, dass ich heute nicht da war und sowieso alle nur Witze darüber reißen, werde ich die Sache schnell vergessen und bald wieder denken "Hier passiert sowas nicht". Man kann sich das einfach nicht vorstellen. "Hier? In Mellendorf? Niemals!" Aber mein Opa war auch gesund, wollte gerade in die Wedemark fahren, das Auto war gepackt, als sich plötzlich - von einer Sekunde auf die andere - der erst Wochen später diagnostizierte Gehirntumor bemerkbar machte. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn er schon auf der Autobahn gewesen wäre...
Doch nach und nach schlich sich so manches tragisches Ereignis in mein Leben. Die beste Freundin litt an Bulimie - auf Spekulationen, was sie noch so trieb, verzichte ich an dieser Stelle -, mein Vater ließ sich zu Hause kaum noch blicken (die Arbeit...), mein Opa erkrankte an Krebs, starb ein halbes Jahr später und verschaffte meinem Vater freie Bahn, um nun öffentlich mit seiner Neuen aufzutreten. Dass meine Mama in dem Lokal, indem er mit der anderen rummachte, kellnerte, scherte ihn einen Dreck. Es folgte der plötzliche Tod des jungen Kusscousins meiner Mama (die eigene Kotze im Schlaf geschluckt), der Tod ihrer Tante, der Tod von Fabian, 15, der Tod eines lieben Verwandten in Berlin, der Tod der Mutter meines Chefs... Schreckliche Vorstellung, dass diese Liste unendlich ist.
Heute hätte es eine Fortsetzung geben können. Naja, vielleicht auch nicht, aber theoretisch wäre es möglich gewesen. Während ich heute schulfrei hatte und an der Tanke hockte, schrieben einige meiner Freunde heute Mathe. Na und? Sport ist Mord - aber Mathe!? Mathe auch. Zumindest wenn zur selben Zeit ein Typ mit gelben hochgegelten Haaren und einem Muskelshirt zielstrebig die Schule betreten will. Jenny's Kommentar: "Guck mal da, ein potenzieller Amokläufer." Ganz unrecht hatte sie wohl nicht. Vor ein paar Tagen aus der Jugendhaftanstalt ausgebrochen, wollte er sich heute mal an "dieser ganzen scheiss Schule und diesen scheiss Lehrer" rächen. Okay, Recht hat er. (Ironie! Nicht falsch verstehen!)
Letztendlich gab es kein Blutbad, auch wenn die Lehrer total in Panik waren, die Schule abgeschlossen haben und so weiter. Hubschrauber, Polizei, Fernsehen... alle waren sie da. Nur ich nicht.
Es ist zwar nichts passiert - zum Glück! Aber es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man erfährt, dass an dem Tag, an dem man schulfrei hatte, ein Amoklauf angedroht wird. Wenn also was passiert wäre, dann hätte ich "Glück" gehabt. Ich wäre davon gekommen, aber was wäre mit den anderen gewesen!? Diese Vorstellung ist der Horror! Und ich bin so froh, dass nichts passiert ist. Ich wüsste nicht, was ich gemacht hätte, wenn...
Nach Erfurt und Emsdetten hat man sich zwar Gedanken über dieses Amokzeugs gemacht, aber auch wenn es in Deutschland passiert ist, war es für einen selbst so weit weg. "Hier passiert sowas nicht", hat man immer gedacht. "Mir passiert sowas nicht", habe ich vor der Jahrtausendwende auch gedacht, als mein Leben noch scheinbar perfekt verlief.
Aber nun kommen so allerlei Sachen immer näher... ich frag mich, ob ich nun Angst habe, zur Schule zu gehen... aber ich glaube, aufgrund dessen, dass ich heute nicht da war und sowieso alle nur Witze darüber reißen, werde ich die Sache schnell vergessen und bald wieder denken "Hier passiert sowas nicht". Man kann sich das einfach nicht vorstellen. "Hier? In Mellendorf? Niemals!" Aber mein Opa war auch gesund, wollte gerade in die Wedemark fahren, das Auto war gepackt, als sich plötzlich - von einer Sekunde auf die andere - der erst Wochen später diagnostizierte Gehirntumor bemerkbar machte. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn er schon auf der Autobahn gewesen wäre...


1 Kommentar:
Echt? Der ist auch noch ausgebrochen?! Echt wahnsinn, gut das nix passiert ist. Nicht auszudenken, wenn der echt jemanden ... nee nee, noch mal alles gut gegangen. Aber doch ein Schock.
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