Samstag, November 25, 2006

Manipuliert

Habe die ganze Woche so gut wie keine Zeitung gelesen und auch kaum Fernsehen geguckt. Demzufolge wusste ich nicht wirklich, was in den Medien so über "ResistantX" berichtet wird. Einzig "Hart aber fair" hat mich beeinflusst. Zuvor hatte ich ja den Abschiedsbrief und alles drum und dran gelesen. Daher war ich eigentlich nur genervt, dass die wieder über Ballerspiele diskutieren, weil das eine einfach nix mit dem anderen zu tun hat.
Ich war überzeugt, dass wir nur von den Medien manipuliert werden und uns eingebleut wird, dass der Typ eine Klatsche hatte, gewalttätig war und so weiter. Die Tatsache, dass sämtlich Seiten gesperrt wurden, hat mich in dieser Überzeugung nur gestärkt. Zwar bin ich inzwischen auch der Meinung gewesen, dass er fanatisch war und Anarchismus zu fordern schwachsinnig ist, aber dennoch tat er mir auf irgendeine Art und Weise leid.
Richtig heftig find ich, dass sein livejournal mit totalen Hasskommentaren überfüllt wird. Kann man ihn denn nicht wenigstens jetzt ruhen lassen? Er wurde sein Leben lang gemobbt - warum muss man jetzt so weiter machen? Kapieren die nicht, warum er das gemacht hat?
Gestern habe ich dann noch ansatzweise das letzte Video von ihm angeguckt. Komischer Typ. Hab ich dann auch aus gemacht, weil mir das zu nervig und extrem wurde.
Eben gerade hat mich dann doch das Interesse gepackt. Ich wollte unbedingt wissen, was für (Falsch-)Meldungen die Medien geben und ob sie wirklich so manipulierend wirken. War eine Schnappsidee - ein paar Berichte von stern.de haben gereicht:
Ich bin der Manipulation verfallen. Ich hab echt keine Ahnung, was ich nun denken soll. Eigentlich dachte ich, dass man nicht so schnell manipuliert werden kann, wenn man sich schon vorher eine Meinung über den Kerl gebildet hat, aber scheinbar geht das doch. Oder es liegt einfach nur daran, dass ich leicht beeinflussbar bin.
Was stimmt denn nun? Wollen die Medien uns nur weiß machen, er sei ein "Monster" gewesen, vor dem jeder Angst hatte? Dass er einfach nur hasserfüllt war und keine Gefühle hatte? Oder ist vielleicht doch was dran, dass seine Mitschüler Angst vor ihm hatten?
Für mich passt das alles nicht zusammen. Eigentlich kam er einem doch wie ein Opfer vor. Jemand der gemobbt wird, macht anderen doch keine Angst. Also ich würde mich nicht trauen, jemanden zu mobben, vor dem ich mich fürchte.
Er mag fanatisch gewesen sein - daran ist kein Zweifel. Aber trotzdem muss ihn doch was dazu getrieben haben. Das muss man sich mal vorstellen: Vom 6. Lebensjahr an fertig gemacht zu werden!! Eigentlich ein Wunder, dass er es überhaupt solange ausgehalten hat.
Ich kapier nicht, warum ich mir so viel Gedanken darüber mache. Der Kerl hat wohl tatsächlich erreicht, was er wollte. Nämlich, dass ihn "nie wieder ein Mensch vergisst!"
Schon krass, welche Macht die Medien doch haben... und wie viel Macht er hat. Dumm war er auf keinen Fall. Wäre er dumm gewesen, hätte er die Sache insgeheim geplant und einfach so durchgezogen. Aber er wusste, dass die Polizei nichts veröffentlichen würde und hat somit alles allein ins Internet gestellt. Und damit löst er gemeinsam mit den Medien ein totales Wirrwarr in meinem Kopf aus.

Nachtrag: Hilfeeeee! Ich werde hier noch irre. Bin grad wieder dabei die Kommentare in seinem livejournal zu lesen und diese ganzen Menschen, die ihn verstehen und mich darin bestärken, dass es nicht schlimm ist, ihn verstehen zu wollen, verwirren mich mindestens genauso wie die Medien.

3 Kommentare:

Steff hat gesagt…

Kümmer dich doch einfach nicht mehr drum. Mir würde nie einfallen, die ganzen Kommentare zu lesen.
Ich hab zwar Mitleid mit ihm und kann ihn auch verstehen, aber ich denk sonst nicht weiter drüber nach.
Solltest du auch nicht mehr.

Robby hat gesagt…

Ehrlich gesagt, ich hab ihn "vergessen" - nicht mal richtig wahrgenommen, gibt wichtigeres - Prioritäten setzen ;) :)

Manipuliert dich das jetzt auch? :D

Samina hat gesagt…

Ja Steff ich stimme dir da zu. Man sollte zwar darüber nachdenken und auch darüber reden und sich ne Meinung bilden, aber man sollte nicht zu lange darüber nachdenken. Vergessen sollte man es auch nicht, aber es darf einen auch nicht zu sehr beschäftigen und mitnehmen.